Donnerstag, 3. November 2016

Rikka shōfūtai - diesmal eine Sonderform

Heute durften wir uns mit einem ganz besonderen modernen Rikka shōfūtai beschäftigen: die Sonderform taka-uke stand auf dem Programm. Man könnte auch sagen, dass es sich um ein Rikka mit besonderer Betonung (kyōchō) des mikoshi handelt, abhängig davon, welchen Namen man einigen Linien gibt. Der mikoshi könnte also taka-uke heißen und den mikoshi-shita könnte man auch als mikoshi-za titulieren. Alles nur eine Frage der Namensgebung, schließlich sind wir beim modernen Rikka shōfūtai und nicht bei einer klassischen Form, wo die Regeln um ein Vielfaches strenger ausgelegt werden. 

Jedenfalls erklärte Nishida-sensei anhand von Zeichnungen und praktischen Beispielen, welche Linien sich warum ändern, wenn man eine bestimmte Betonung eines Elements vornimmt. Eigentlich eh ganz logisch, bis man selbst vor seinem Arrangement sitzt und ins Grübeln kommt. 
Wir hatten wunderbares Material zur Verfügung: Baumwürger für die besondere Linie (wie auch immer sie jetzt heißen mag), helle Anthurien, die ganz feinen Heliconien, die ich bei uns noch nie gesehen habe, Blätter der shaga-Iris und der Iris orientalis, großen Hirschzungenfarn, Säulenasparagus, eine mir unbekannte Pflanze, die entfernt an Kiefer erinnert, aber krautig ist, Minichrysanthemen und Farn für die dome und als maeoki grün-gelb gesprenkelte Blätter an einem feinen Stiel. 
Im Blumenkübel war eigentlich gar nicht so viel kazai, aber das fertige Vorführarrangement bestach durch viel Bewegung und vermittelte einen leuchtenden Eindruck. Professor Nishida zeigte auch ganz genau vor, auf welche Art er die benötigten ukezutsu gerne vorbereitet haben wollte. Mir ist aufgefallen, dass jeder Professor da eigene Vorlieben hat, die doch stark voneinander abweichen können. 

Vor der Mittagspause schafften wir es gerade noch, die Gefäße herzurichten und die ukezutsu aufzustellen. Dann mussten wir uns beeilen und ein wenig restaurieren, denn um 13:00 waren wir zur Audienz bei Ikenobō Sen'ei geladen. Den Big Boss darf man schließlich nicht warten lassen. 
Der Headmaster nahm sich gut 15 Minuten Zeit für uns, bevor wir unsere Geschenke überreichten und der obligatorische Fototermin anstand. Meinem Empfinden nach wirkte der Headmaster erholt und vital, nicht so müde wie bei seinem Besuch in München. Er erzählte auch, dass er an der tanabata-Ausstellung aktiv mitwirken wird. 

Zurück im Seminarraum ging es ans Auspacken der Blumen und siehe da, welch große Überraschung, mein Baumwürger konnte ganz eindeutig nur in einem gyakkugatte-Rikka verwendet werden. Irgendwie hab ich die linken Formen scheinbar gepachtet. 
Das Arbeiten ging gut von der Hand, da Professor Nishida eigentlich sehr wenig und nur dort gedrahtet hat, wo es unbedingt nötig war. Es ist im modernen Rikka shōfūtai der Trend hin zu möglichst viel Natürlichkeit deutlich zu bemerken. Im Vergleich zu früher, wo jeder Farn oder Asparagus bis in die Spitze umwickelt werden musste, stellt das eine wesentliche Vereinfachung dar. Außerdem, es ist ja kein Ersatzmaterial eingeplant, wenn irgendetwas abbricht, muss man in die Blumenhandlung im Keller und hoffen, dass es das erforderliche kazai überhaupt noch gibt. 
Wir sind alle in der vorgegebenen Zeit fertig geworden und dadurch, dass Nishida-sensei zwischendurch die gröbsten Unstimmigkeiten beseitigt hat, sind die Endkorrekturen auch flott vonstatten gegangen. 
Für zwei der Damen, die sich noch nicht ans Rikka wagten, wurde ein Jiyūka vorgeführt und Prof. Nishida demonstrierte für die beiden auch ein Shōka shinpūtai. 
Dann hieß es sich von Nishida-sensei verabschieden, denn in den kommenden drei Seminartagen werden wir von Miura-sensei betreut werden, einem jungen, angehenden Professor. Am Donnerstag ist in Japan Nationalfeiertag und nur für uns sperrt das Haus überhaupt auf – eine große Ehre.

 wie soll denn unser Rikka aussehen und wo steht eigentlich der ushiro-gakoi

 Nishida-sensei mit seinem Arrangement

 Details im gedan-Bereich

 Sensei's zusätzliche Arrangements

 mein Rikka - ich bin stolz darauf, es ist mir gelungen

Audienz beim Big Boss

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