Freitag, 13. April 2018

Monatstreffen Ikebana International

Typhablätter als Thema für ein Monatstreffen von Ikebana International – das ist gar nicht so einfach. Mit Aspidistra-Blättern, wie sie im Februar Thema waren, ließ sich ja noch ein Denka-Shōka arbeiten oder man konnte die Blätter für ein flächendominiertes Jiyūka verwenden. Aber Typhablätter? 
Die Dinger sind zwar sehr flexibel, haben aber den großen Nachteil, dass sie sich dadurch in alle Richtungen bewegen und stets der Schwerkraft folgen. Und durch die glatte Oberfläche rutschen sie im Verbund sehr leicht wieder auseinander. Draht wie in Irisblätter lässt sich auch keiner einziehen, da die Blätter keine Mittelrippe aufweisen. 

Bleibt also nur, irgendwelche Strukturen zu formen, ineinander zu verschachteln und in ein Gefäß zu stellen (und zu hoffen, dass alles stabil steht und an Ort und Stelle bleibt). Man könnte auch die Biegsamkeit der Blätter ausnutzen und sie um eine Vase schlingen. ODER – man macht etwas ganz anderes. 

Da ich mit dem Rad unterwegs und auch zeitlich ziemlich unter Druck war, habe ich kurzentschlossen die Typhablätter zu einer Art offenen Korb verflochten. Darauf kam ein Wasserbehälter, in dem ich kleine Rosen und Alstromerienblüten angeordnet habe. Einige kurz geschnittene Typhablätter für Richtung und Bewegung, fertig. 
Schlussendlich hat mir aber ein kleiner Blumenakzent gefehlt. Die Vergissmeinnicht vom Übungsabend haben leider nicht durchgehalten und auch sonst war auf die Schnelle nichts Gelbes oder Blaues aufzutreiben, das zu den anderen Blumen gepasst hätte. 
Pech gehabt, aber das Ergebnis war auch so nicht so übel. Immerhin war der Korb relativ "unkaputtbar" und leicht zu transportieren. 

Und was haben die anderen Damen und Herren des Chapters aus dem Thema herausgeholt? Auch sie haben die Typhablätter verflochten, ineinander gesteckt und verschlungen, aber auch frei schwingend wurden sie eingesetzt. 
Es gab nicht nur frische sondern auch getrocknete und gefärbte Blätter (man kann Typhablätter zusammengerollt trocknen, dann in Wasser einweichen und sie werden wieder geschmeidig – auch wenn sich die Farbe ins Graugrüne verändert). Isshu-ike oder mit Zweigen und/oder Blumen kombiniert sowie zusammen mit nichtfloralem Material entstanden vielfältige Werke. Kaum zu glauben, was sich aus Typhablättern alles machen lässt. 

Im Anschluss an das Arrangieren fand noch die Generalversammlung des Chapters statt. Ab September wird der neu gewählte Vorstand unter Führung einer anderen Präsidentin als bisher für die kommenden zwei Jahre die Geschicke der Gruppe leiten.

 Hier die runden, verschlungene Formen ...

... Arrangements mit gefärbten und getrockneten Blättern ...

... Verflochtenes ...

... geknickte und frei schwingende Blätter ...

... und mein "Korb"

Mittwoch, 11. April 2018

Ikebana zum Verschenken

Ein Jiyūka zum Verschenken, vorzugsweise im Papiergefäß, das war die Herausforderung des Übungsabends. Es sollte entweder ein fertiges Geschenksackerl verwendet werden, ein in irgendeiner Weise mit Papier verhüllter Container oder aber eine in Origamitechnik gefaltete Papiervase mit wasserdichtem Innenleben. 
Das Pflanzenmaterial wurde selbst mitgebracht, man konnte aber auch auf ein Überraschungspaket vom Blumengroßmarkt zurückgreifen. Das beinhaltete neben Eustoma, Ranunkeln und Vergissmeinnicht zusätzlich noch (leider schon komplett aufgeblühte) Blutpflaumenzweige, bereits ausgetriebene Spirea und Cotoneaster, zarte (ziemlich verbogene) Palmkätzchen und kleine Kamelienzweige mit schönen Blättern. 

Die Vorführung, wie man eine Origami-Vase faltet ist leider nicht ganz so abgelaufen, wie geplant. Dabei hat bei der Generalprobe noch alles so gut funktioniert – das war vermutlich ein schlechtes Zeichen. Aber immerhin gab es ein kleines Anschauungsobjekt, auch wenn die vor Publikum produzierte Vase nicht wirklich verwendbar war. Das Papier dürfte ein wenig zu dünn und nicht stabil genug gewesen sein (immer gut, wenn man eine Ausrede hat....).
Also wurde kurzerhand aus einer gefalteten Vase ein mit Papier umwickelter Behälter, der seinen Zweck genauso gut erfüllte. 

Die Damen waren sehr kreativ im Herstellen ihrer verschenkbaren Arrangements. Die verschiedensten Verhüllungstechniken wurden eingesetzt und auch das Material variierte von Stoff über Papier zu Plastik. Befestigt wurden die Pflanzen in Steckmasse oder Drahtgeflecht und einmal sogar ganz ohne technische Hilfsmittel einfach durch "Hineinwerfen". 
Alle konnten Anregungen mit nach Hause nehmen, wie man sich kreativ betätigt und ein Ikebana anfertigt, das verschenkt werden kann, ohne gleich einen kenzan hergeben zu müssen. 
Beim nächsten Übungsabend wird die Kreativität wieder in den Hintergrund gerückt, da steht nämlich ein ganz traditionelles Arrangement auf dem Programm - Shōka shōfūtai nishu-ike mit Aspidistra und kleinen Blumen.

Mittwoch, 28. März 2018

Tulpen und Kätzchenweide

Der letzte Übungsabend im März begann erst mit Verspätung. Aufgrund der neuen Statuten der ÖGG muss nun jährlich eine Fachgruppenversammlung abgehalten werden. 
Deshalb stattete uns der Generalsekretär der ÖGG, Dipl. Ing. Gerd Koch, einen Besuch ab, erklärte die Grundzüge der neuen Statuten und dankte den Mitgliedern der FG für ihren Einsatz. Nachdem sich noch eine unserer Damen als Delegierte für die Hauptversammlung zur Verfügung gestellt hatte, konnten wir uns endlich mit Ikebana beschäftigen. 

Auf dem Programm standen diesmal Shōka shōfūtai nishu-ike bzw. Jiyūka mit breitem Fuß (Basic 2), beide Arrangements mit Kätzchenweide und Tulpen, für das Jiyūka gab es zusätzlich noch Mimosen (eigentlich handelt es sich bei der Pflanze um eine Silberakazie, die auch Scheinmimose genannt wird). 

Diesmal hatten wir sehr schöne Tulpen zur Verfügung, die von einem heimischen Züchter stammen. Durch die kurzen Transportwege direkt vom Feld zum Großmarkt waren die Tulpen sehr knackig und die mit einem ganz zarten gelben Rand ausgestatteten Blätter hielten ebenfalls gut durch. Die Händlerin hat uns da wirklich hervorragend beraten.
Wir hatten uns für eine kleinblütige Tulpensorte entschieden, damit die Arrangements die entsprechende Eleganz aufweisen konnten. Von außen zeigten sich die Knospen von einem rötlich-grün überhauchtem Gelb, die offenen Blüten waren innen zart rot geflammt. Nach dem Aussehen der Knospen hätte man eigentlich ein dunkleres Inneres erwartet.

Zum nishu-ike gibt es nicht viel zu sagen. Je nachdem, ob die Palmkätzchenzweige verzweigt oder rutenförmig gewachsen waren, wurden mehr oder weniger Linien für shin und soe gesteckt. Zwei Tulpenblüten und als tai-saki ein zusätzliches, schön gebogenes Blatt bildeten die tai-Gruppe. Die Damen entschieden aufgrund dieses Blattes, ob ihr Arrangement hon-gatte oder gyaku-gatte gearbeitet wurde. 

Das Jiyūka Basic 2 mit breitem Fuß war durch die Palmkätzchen linienbetont. Es blieb jeder selbst überlassen, ob das Jiyūka streng aufrecht oder doch etwas verspielter mit gebogenen Zweigen gearbeitet wurde. Die Tulpen verstärkten den aufrechten Charakter und mit der Silberakazie konnte ein schöner Anschluss ans Gefäß gearbeitet werden. 
Ein bisschen ein Farbtupfer hat uns gefehlt, besonders deshalb, da sowohl Tulpen als auch Mimosen gelb waren. Leider gab es diesmal am Großmarkt kein passendes Kontrastmaterial zu vernünftigen Preisen und in handhabbaren Bundgrößen. Aber auch so entstand ein gefälliges Arrangement, das den Frühling ins Haus brachte.

Eine unserer Damen hatte wunderbare, knorrige Schlehenzweige gefunden und arbeitete damit ein Shōka shōfūtai isshu-ike.