Freitag, 15. Februar 2019

Monatstreffen Ikebana International

"Ikebana und Musik – Argentinischer Tango". So lautete das Thema des Monatstreffens von Ikebana International Chapter #223. In der Beschreibung im Programm hieß es auch, dass man möglichst mit den Farben Schwarz und Rot arbeiten solle, um den Ausdruck von Eleganz zu verstärken. 

Gleich zu Beginn legte die Gastgeberin des Abends, stilvoll in Rot und Schwarz gekleidet, mit ihrem Tanzpartner eine heiße Sohle aufs Parkett. Danach ließen wir uns von weiteren Tango-Klängen inspirieren und leiten und konzentrieren uns auf unsere Arrangements. 
In der Besprechungsrunde erläuterte jeder der Anwesenden, welche Motive hinter den Arrangements stecken bzw. was ausgedrückt werden sollte. 

Für mein Arrangement hatte ich schon am Wochenende dünne Ranken des Trompetenstrauchs rot und schwarz lackiert. Eine kugelförmige schwarze Eisenvase diente als Basis, in der eine kurz arrangierte rote Mini-Anthurie mit einigen Blättchen den Blick- und Schwerpunkt bildete. Die lackierten Ranken schlangen sich als Sinnbild für die Musik elegant nach oben und wurden von einer Anthurienknospe in Balance gehalten. Diese wirkte gleichzeitig als Verbindung zur Blüte an der Basis. Ein ganz einfaches Arrangement, das aber sehr gut meine Empfindungen im Hinblick auf die Musik reflektierte. 

Das abschließende Buffet war diesmal ganz im Stil der 60er-Jahre gehalten, mit Schinkenröllchen, gefüllten Eiern, Jägerwecken, Pickels und Pischinger-Torte.

 Ein Tisch mit Inspirationsquellen - von der Gastgeberin liebevoll vorbereitet

 mein Beitrag

Mittwoch, 13. Februar 2019

Vom Streicheln der Tazettenblätter

Überraschend viele der Damen, die sich für den Übungsabend in der ÖGG angemeldet hatten, entschieden sich dafür, Tazettenblätter zu streicheln und ein Shōka shōfūtai mit drei kabu zu arrangieren. 
Diese Variante der suisen arbeiten wir eigentlich ziemlich selten, denn es ist schon mühsam genug, 8 Blätter in Form zu bringen. Dass sich bis auf zwei Shōka-Damen alle für die 12-Blatt-Variante entschieden haben, ist ihnen hoch anzurechnen. 
Noch dazu waren die Tazetten nicht gerade von prickelnder Qualität, von der Länge gar nicht zu sprechen. 

Diesmal wurden die Tazetten zum Termin knapp um Valentin herum angesetzt, da im vergangenen Jahr zu dieser Zeit am Großmarkt unendlich lange Tazetten (die waren sicher 50 cm lang und hatten traumhafte Blätter; es handelte sich bestimmt um die Sorte "Avalanche") in großer Zahl erhältlich waren. Damals waren wir mit den alljährlichen Tazetten-Arrangements aber erst am Monatsende dran und kriegten wieder nur suboptimales Material.
Heuer war die Enttäuschung groß, da sich nur 100 Stück einer cremefarbenen Sorte mit orangem Krönchen zusammenkratzen ließen. Die waren halt leider nur 25 cm lang, hatten aber stabile, kräftige Blätter (manchmal ein wenig sehr verbogen) und leidlich schöne hakama. Die Blüten strahlten aber sehr hübsch und für Jiyūka hätten sie einen tollen Blickfang gebildet.

Mehr Auswahl wäre uns lieber gewesen, aber wir mussten uns mit 7 Stielen pro Person zufriedengeben. Zumindest 2 ordentliche hakama waren für jede von uns drin und mit den Blättern kamen wir auch irgendwie zurande. 
Durch die mangelnde Länge und die eher kräftigen Blätter ließ sich natürlich kein ausgeprägter koshi herausarbeiten, wodurch die Arrangements manchmal ein bisserl steif wirkten. Aber das Hauptaugenmerk lag sowieso darauf, die Blattfächer halbwegs richtig hinzukriegen und den Umgang mit den Blättern zu üben. Nächstes Jahr - wenn wir längere Tazetten kriegen (die Hoffnung stirbt zuletzt) - kümmern wir uns dann um die korrekte Biegung und den richtigen Schwung der Blütenstiele und Blätter.

Für das alternative Jiyūka war eigentlich eine Kombination aus Drehweide, Tazetten und Ranunkeln geplant gewesen. Dann ließen sich aber traumhaft schöne, weiße Mandelröschen auftreiben (die wir aber für den Workshop in 10 Tagen nicht nochmal kriegen werden – schade, die wären perfekt für ein Linien-Shōka gewesen), die gut zu den dunkelrosa geränderten Ranunkeln passten. Daraus ließen sich entzückende natürliche Jiyūka arrangieren. 

Der Tazettenduft und die zarten Mandelröschen brachten eine Ahnung von Frühling in den tristen Dienstagabend, der durch Schneeregen und starken Wind geprägt war. Eine willkommene Aufmunterung, die uns alle beschwingt machte und das mühsame Tazettenstreicheln vergessen ließ.

 Shōka shōfūtai mit drei kabu ...
... und Denka mit zwei Stämmen
 das wurde mit den Mandelröschen gemacht

Mittwoch, 23. Januar 2019

Frühlingssehnsucht

Richtig frühlingshaft wirkte gestern der große Saal der ÖGG, als wir uns intensiv mit unseren Arrangements beschäftigten. Die Frühlingsblumen ließen uns die klirrende Kälte draußen für eine Weile vergessen. 

Auf dem Programm stand ein Jiyūka mit geteilter kabu (Basic 2) und Schwerpunkt Linie. Die Ausrichtung der Strukturelemente blieb dabei jedem Einzelnen selbst überlassen. So kam es, dass sowohl tate-no-hana als auch naname-no-hana und sogar yoko-no-hana vertreten waren. Und neben den vielen natürlich gestalteten Jiyūka gab es auch eine sehr designhaft gearbeitete Variante. Hier wurde das Thema Linie weitestgehend abstrahiert und die persönliche Intention in den Vordergrund gestellt.

Die meisten von uns griffen auf das bewährte Großmarkt-Paket zurück, das diesmal Weichsel- und Drehweidenzweige enthielt, dazu noch Anemonen, kleine Narzissen und eine neue Sorte von Veronica. 
Bei Letzterer handelte es sich nicht wie üblich um einzelne Blütenkerzen, sondern jede Blüte bestand aus einem ganzen Büschel mit unzähligen Mini-Veronica. Despektierlich gesprochen sahen die Blüten aus wie kleine Klobesen. Aber die typische blau-violette Veronica-Farbe machte sich sehr gut als Farbakzent zu den pinken Anemonen und den cremefarbenen Narzissen mit dem orangen Herz. 
Die Drehweidenzweige – Überbleibsel aus dem letzten Jahr – hatten bereits kräftig durchgetrieben und die zartgrünen Blättchen bildeten einen schönen Kontrast mit den anderen Materialien. 

Da die Wahl, welches der blühenden Materialien denn im Mittelpunkt stehen sollte, ebenfalls freigestellt war, entstand eine Vielzahl unterschiedlicher Arrangements. 
Hoffentlich sind sie auch heil im jeweiligen Zuhause angekommen. Die Blumen wurden zwar sorgfältig eingepackt, aber die Kälte war doch ziemlich beißend und durchdringend.

die aufrechten Formen - natürlich ausgerichtet
... und ein gutes Beispiel für deine Design-Variante
 
 geneigte Arrangements
 und zuletzt die horizontale Ausrichtung