Mittwoch, 9. Oktober 2019

Freestyle mit Masse

Unser gestriger Übungsabend begann mit einer ausführlichen Berichterstattung über die Dinge, die im Unterricht in Naurod besprochen wurden. Besonders die Tatsache, dass neuerdings im Rikka zukünftig ausschließlich im de gedrahtet werden soll, fand doch sehr große Zustimmung. 
Jeder von uns erinnert sich noch mit Schrecken an die Unmengen an Farnblättern oder Säulenasparagus, die bis ins letzte Spitzerl gedrahtet werden mussten und justament kurz vor dem Fertigwerden abgebrochen sind. Na ja, in knapp einem Monat können wir das Gesagte ja im Rikka-Workshop umsetzen. 

Auch über die Lange Nacht der Museen wurde gesprochen und wir hoffen, dass es im nächsten Jahr (und falls das Gartenbaumuseum wieder teilnehmen wird) besseres Wetter und mehr Besucher gibt. 

Wir haben uns gestern mit Freestyle zum Thema Masse beschäftigt. Das Überraschungspaket enthielt diesmal weder Schleierkraut noch Limonium, beides Materialien, die gerne zu diesem Zweck verwendet werden. Wir erhielten rosa Hahnenkammcelosie, creme-gelbe mittlere Chrysanthemen, weißes Septemberkraut, Bohnenranken mit schönen, dunkelvioletten Stielen (und gelegentlich noch einigen zartvioletten Blüten), Blätter der Blasenspiere und einjährige, büschelige Hirse. 

Im ersten Moment wurde diese Materialkombination als ein wenig ungewöhnlich empfunden – so wenig im Kübel und daraus den Eindruck von Masse vermitteln? Aber die kräftige Farbe der Celosie wurde vom anderen Material gut kontrastiert und es entstanden vielfältige Arrangements. 
Auch eine erste Zwischenprüfung wurde wieder gearbeitet – der Nachwuchs entwickelt langsam Ehrgeiz, gut so und nur immer weitermachen.

 

Montag, 7. Oktober 2019

Lange Nacht der Museen - Nachtrag von Christa

Beim 20-Jahr-Jubiläum der Langen Nacht der Museen beteiligte sich dieses Jahr  auch wieder das Österreichische Gartenbaumuseum. Und da sich die ÖGG das Gebäude teilt, war es selbstverständlich, dass auch wir unseren Beitrag leisten.
Nachdem sich aber einige unserer Damen beim Seminar von Prof. Noda in Naurod befanden, war das Grüppchen zum Arrangieren für die Präsentation recht klein geblieben. 
Hilde, Rosa Maria und ich - die "wackeren Drei" - haben uns für 16.00 Uhr verabredet und so hatten wir genügend Zeit, um in Ruhe zu arbeiten. Zur Aufmunterung und Belohnung gab es leckere Brötchen und Prosecco und so ging alles flott von der Hand. 

Im 1. Stock waren drei Tische bereitgestellt und schon ging’s los. Das Motto  im Museum lautete "GIFT". 
Es gab zwei Jiyūka zu sehen, eines mit Berberitzenzweigen als Strukturmaterial, das andere mit Liguster. Bei der Berberitze ist die Wurzel giftig, beim Liguster sind es die Beeren. Dazu wurden herbstliche Blumen kombiniert. Beim Shōka shinpūtai mit Sonnenblumen war ebenfalls Berberitze vertreten. 

Rosa Maria hat gegoogelt und zwei Infoseiten erstellt, auf denen über die Giftigkeit informiert wurde. Weiters hat sie für uns schöne Tischkärtchen mit Bambuszweigen gemacht. Alles "Made by Rosa Maria" – vielen Dank dafür! 

Der Raum, in dem wir sonst unsere Frühjahrsausstellung gestalten, war für die Ausgabe der Tombolapreise vorgesehen. Der Andrang war zwar sehr groß, aber ich glaube, das Interesse galt mehr den Preisen als unseren Arrangements. Aber einige Personen werden beim Anstellen sicher einen Blick auf unsere Werke geworfen haben.

Jetzt wäre noch zu erwähnen, dass alles mit klassischer Musik von Schülern der Musikschule Donaustadt untermalt wurde. Tja und für den eventuellen Hunger war auch vorgesorgt: Es gab Gulasch- und Kürbiscremesuppe, Würstel, belegte Brote, Mehlspeisen, Kaffee und Getränke. 

Alles wunderbar, bis auf das Wetter!!! Wegen des Regens hat sich alles Indoor abgespielt. Hoffentlich ist das im nächsten Jahr besser.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Lange Nacht der Museen

Dieses Jahr beteiligte sich das Österreichische Gartenbaumuseum wieder an der Langen Nacht der Museen. So kam es, dass die Fachgruppen Blumenstecken und Ikenobō Ikebana mit einer Vorführung bzw. einigen Ausstellungsarrangements vertreten waren. 

Da einige aus unserer Gruppe erst tags zuvor vom Meister-Seminar in Naurod zurückgekommen sind und es sowieso nur wenige Ausstellungsplätze gab, haben sich drei Daheimgebliebene bereit erklärt, unsere Gruppe würdig zu vertreten. Christa, Hilde und Rosa Maria arrangierten nicht nur Shōka shinpūtai und Jiyūka, sondern fertigten auch Informationsblätter zu den Arrangements an. Und da das Thema des Abends "Gift" lautete, gab es gleich noch Wissenswertes zu den giftigen Bestandteilen der verwendeten Pflanzen nachzulesen.

Ein detaillierterer Bericht folgt später, hier erst einmal die Bilder der Ausstellungsstücke.

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Seminar Naurod - letzter Arbeitstag


So, wir haben unsere Aufgabe mit Bravour erfüllt und unsere Rikka shōfūtai taka-uke fertiggestellt. 
Es war wieder ein sehr angenehmes Arbeiten und wir hatten auch diesmal mehr als genug Zeit. Es wurde auch schon mit dem Aufräumen des Seminarraums begonnen, damit wir morgen in der Früh (geplant ist eine Aktion vor dem Frühstück um 7 Uhr) nicht mehr so viel zu tun haben. 

Jetzt erwartet uns noch die Übergabe der Teilnahme-Urkunden und danach heißt es sich frisch machen und für den Sektempfang und den festlichen Abend aufhübschen. 
Wir haben für Professor Noda eine kleine Überraschung geplant. Da er dieser Tage Geburtstag hat, wird er nach dem Essen mit einem Ständchen beglückt und wird die Glückwünsche der TeilnehmerInnen entgegennehmen. Hoffentlich verschrecken wir ihn nicht mit unserem Gesinge. 

Morgen heißt es dann schon wieder Abschied nehmen. Die Tage sind wie im Flug vergangen und wir alle haben unheimlich viel gelernt. Hoffentlich gibt es bald ein Wiedersehen mit Noda-sensei

Hier noch das geteilte Shōka shōfūtai sanshu-ike von gestern und unsere Variationen des Rikka shōfūtai taka-uke.

 Noda-sensei
 Uschi
Gabriela 
irgendwie finde ich immer gyaku-gatte-Material ....

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Seminar in Naurod - Rikka und Shōka shōfūtai Teil 2

Nachdem wir am Vormittag unsere Rikka fertiggestellt hatten (die Shōka-Gruppe hatte sich mittlerweile mit ihren nishu-ike beschäftigt), folgte die Korrekturrunde, sie überaus informativ war. Noda-sensei ging intensiv und einfühlsam auf jeden Einzelnen ein und erklärte sehr verständlich, was warum und wie zu ändern sei, um den Gesamteindruck noch harmonischer zu gestalten. Dabei erkundigte er sich bei fraglichen Linien immer, um welchen ashirai es sich denn handle und gab dann Hinweise, wie die Sache noch verbessert werden könnte. 
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Professor so auf seine Studenten eingeht und versucht, deren Ideen noch besser in die Tat umzusetzen. Wesentlich einfacher wäre es für ihn, einfach seine eigenen Vorstellungen umzusetzen. Dass es das nicht tut, macht ihn vermutlich zu so einem guten und gefragten Lehrer. 

Nach der Mittagspause stand die letzte Theorie-Lektion an. Dabei ging es um Rikka shōfūtai taka-uke (eine der Lektionen aus dem naraimono nana-kajō) beziehungsweise um ein geteiltes Shōka shōfūtai sanshu-ike mit riku-mono
Für das Rikka wählte Professor Noda Plattährengras als Hauptmaterial. Da dieses als shin zu schwach und zu wenig ausdrucksvoll gewesen wäre, wurde es in Form eines taka-uke in Szene gesetzt. 
Als shin wurde ein nur wenig gebogener Ebereschenzweig gewählt, dessen de nur halb so hoch wie in einem Standard-Arrangement angesetzt war. Dadurch wurde der aufstrebende Charakter des Arrangements betont und gleichzeitig die Schönheit der ausschwingenden Gräser verstärkt. 

Diesmal kam die Technik des sankasho-zukai zum Einsatz, mit shin, uke-za und hikae aus den Eschenzweigen. Um die Wirkung der Gräser zu erhöhen, wurden sie nur an einer Position, nämlich als taka-uke verwendet. 
Auch im Bereich von und maeoki lernten wir eine neue Technik kennen. Da sowohl die Rosmarinzweige des als auch die Salalblätter des maeoki einfarbig grün waren, wurde als farbliche Trennung ein irogiri aus panaschiertem Pittosporum dazwischen gesetzt. 
Das Arrangement bestand aus kimono, tsuyo-mono und kusa-mono, weshalb zusätzlich ein kusa-michi erforderlich war und die dome nicht als in- und yo-dome, sondern als ki- und kusa-dome ausgeführt wurden. Es musste natürlich besonders auf die sachiguchi der einzelnen Elemente geachtet werden, damit es nicht zu (verbotenen) Vermischungen kam. 

Die Shōka-Theorie beschäftigte sich mit Shōka sanshu-ike allgemein (und da besonders mit der Materialzusammenstellung) und ging danach erst auf allgemeine Regeln für kabu-wake und dann im Speziellen auf ein geteiltes Shōka shōfūtai sanshu-ike ein. 
Das ist die einzige Möglichkeit eines kabu-wake mit riku-mono. In den traditionellen Arrangements gyōdō-ike und sui-riku-ike muss immer zumindest eine kabu aus Wasserpflanzen bestehen. Im sanshu-ike hingegen sind auch nur Landpflanzen erlaubt, allerdings sollte zumindest eine Pflanzenart einen "wässrigen" Charakter aufweisen (wie glänzende Blätter, glatte Stiele, "feuchtes" Aussehen). 
Vorgeführt wurde ein Arrangement aus Schachtelhalm, Eberesche und Calla in einer weiten suiban. Davon gibt es erst morgen ein Foto, denn das Arrangement ist im Vortragsraum verblieben und die Tür war schon versperrt, als die Kamera endlich verfügbar war. 

Nach der Theorie-Einheit wurden wir in die Wälder geschickt, um passende Zweige für unsere jeweiligen Arrangements zu schneiden. Wir haben seit der Früh gehofft, dass es zu regnen aufhören würde (seit gestern am Abend hat es fast durchgehend geschüttet) und wir wurden erhört. Es wurden nur unsere Füße ein bisserl feucht, von oben kam kein Wasser herunter. 
Morgen haben wir dann reichlich Zeit, an unseren Arrangements zu arbeiten, bevor wir den Ausklang des Seminars bei einem festlichen Abend genießen dürfen. 

Hier erst einmal die Bilder unserer ersten Rikka und dazu noch das heutige Arrangement von Prof. Noda. 
Ach ja, zwischendurch fand Noda-sensei noch die Zeit, sein Begrüßungsarrangement ein wenig zu verändern und ein dazu passendes zweites kleines Jiyūka zu arbeiten.

 Uschi
 Gabriela
 mein Rikka - natürlich wieder gyaku-gatte
 das taka-uke-Rikka von Noda-sensei
 und seine Freestyle-Arrangements - man beachte die Details

Dienstag, 1. Oktober 2019

Seminar in Naurod - Rikka und Shōka shōfūtai

Der dritte Seminartag war besonders für Professor Noda sehr anstrengend. Neben der Theorie zu Rikka und Shōka shōfūtai wurden ein Rikka und zwei Shōka auch noch vorgeführt. Und anschließend stand noch die Korrektur des ersten Shōka auf der Tagesordnung – wahrlich ein Monsterprogramm. Aber schön der Reihe nach. 

Geplant war eigentlich ein "Standard-Rikka" ohne irgendwelche Variationen, aber das passende Material war halt einfach nicht aufzutreiben. So musste kurzerhand umdisponiert werden und wir hatten es mit einem Rikka shōfūtai issō-no-mono gedan ozukai zu tun, das zusätzlich noch eine Betonung des uke aufwies. 

Wir verwendeten einzelblütige Madonnenlilien als shin und uke, dazu Palme für soe und mikoshi. Sankasho-zukai, die Verwendung gleichen Materials an drei unterschiedlichen Positionen war nicht möglich, da sich weder die Lilien noch Palmen im gedan-Bereich einsetzen ließen. 
Deshalb wurden hikae aus Eustoma und nagashi aus Hypericum gearbeitet. Um auch hier das kazai auf beiden Seiten des Arrangements – und zusätzlich auf unterschiedlichen Ebenen – einzusetzen, kamen die Eustoma als ashirai zu uke und und Hypericum als maeoki zum Einsatz. 
Da aber das Hypericum für einen standardmäßigen nagashi zu kurz war, wurde stattdessen uke verstärkt und nagashi und maeoki entsprechend reduzierter arrangiert. So konnte die Harmonie des Arrangements erhalten bleiben. 

Der für den verwendete Eukalyptus erwies sich als Knackpunkt, denn trotz des eher sparsamen, luftigen Erscheinungsbildes sollte ein zentrierender Bereich im Rikka gebildet werden. Aber mithilfe von diversen dō-uchi ist es gelungen, die Lücken zu schließen. Dazu trug auch die Fackellilie bei, die neben shō-shin auch einen kräftigen Farbklecks hinter dem bildete. 
Professor Noda vollendete die Arbeit mit den beiden dome und ushiro-gakoi und hatte den ersten Teil seines Unterrichts (inklusive Theorie-Vortrag) in knapp zwei Stunden erledigt. 

Nach einer kurzen Erholungspause ging es dann mit Shōka isshu-ike und Shōka nishu-ike weiter. Es ist meist sehr schwierig, in Blumenhandlungen passendes Material für ein isshu-ike zu finden, denn die meisten Pflanzen werden in einem einheitlichen Blühstadium verkauft. Für ein Shōka shōfūtai isshu-ike sind aber Knospen und halb offene Blüten genauso wichtig wie fast völlig aufgeblühte Exemplare. Deshalb entschied sich Noda-sensei für Eustoma, eine der wenigen Pflanzen im Handel, die auch Knospen aufweisen. 

Während der Demonstration erklärte er sehr anschaulich, wo und warum welche Blühstadien im Arrangement vertreten sein sollen. Dass der soe diesmal so niedrig ausgefallen ist, liegt daran, dass sich im oberen Bereich des shin bereits eine recht große Blüte befunden hat. 

Das zweite Shōka – daran werden sich die Damen morgen am Vormittag versuchen – bestand aus Eukalyptus mit Enzian als nejime. Eine sehr ungewöhnliche Kombination, die aber ihren Reiz hat. 

Nach dem Mittagessen machten wir uns an die Arbeit und die Shōka isshu-ike waren recht bald fertig und wurden gleich sehr ausführlich korrigiert. Wir mit unseren Rikka waren zum Ende des Unterrichts noch nicht fertig, das werden wir am kommenden Vormittag erledigen. Immerhin gab es laufend Zwischenkorrekturen, sodass die Endkorrekturen wohl nicht mehr allzu weitreichende Änderungen erfordern. 

Sehr gespannt können wir auf unser zweites Rikka sein, denn es wird sich um eine weitere Form aus dem naraimono-nana-kajō handeln – taka-uke. Hoffentlich spielt das Wetter morgen mit, denn die entsprechenden Zweige müssen wir uns aus der Umgebung besorgen. Und bei strömenden Regen ist das wahrlich kein Vergnügen. 

Hier also die Fotos der Arbeiten von Professor Noda. Unsere Rikka werden hoffentlich morgen fotografiert werden können.

 

Montag, 30. September 2019

Seminar in Naurod - tate-hana

Der zweite Seminartag brachte uns in Kontakt mit einer sehr alten Ikebana-Form, die derzeit ein Revival erlebt – tate-hana
Professor Noda erklärte uns in der Theorie-Einheit ein wenig über die geschichtliche Entwicklung des Ikebana. Ausgehend von einerseits religiösen Anfängen und andererseits von den weitverbreiteten "Blumen des täglichen Lebens" entwickelten sich im Lauf der Jahrhunderte die drei Stilrichtungen des Ikenobō-Ikebana: Rikka, Shōka und Jiyūka. 
Dabei galt der Begriff tate-hana lange Zeit für alle Blumenarrangements. Erst später folgte eine Aufspaltung in die diversen Stile. 

Anhand sehr anschaulicher Zeichnungen erklärte uns Noda-sensei die Entwicklung vom shintoistischen yorishiro über das eigentliche tate-hana hin zum heutigen Rikka shōfūtai. 
Danach führte er ein entzückendes jahreszeitliches tate-hana vor und beantwortete anschließend geduldig unsere zahlreichen Fragen. Dabei ging es auch darum, ob tate-hana nun echt traditionell sei, oder nicht vielleicht doch zum Rikka shinpūtai zu zählen ist. Schließlich gibt es unter den neun Formen des Rikka shinpūtai das bimyo-tai, eine Art Miniaturform des Rikka shinpūtai. 
Das Fehlen von genauen Regeln und einer vorgegebenen Form (abgesehen von der grundsätzlich aufrechten, nach oben strebenden Ausrichtung und der Notwendigkeit einer Art maeoki) lässt eine Verwandtschaft mit Rikka shinpūtai immerhin erahnen. Auch die Prinzipien des Geistes der Harmonie, die zur Anwendung kommen, sprechen dafür. Aber solange es keine definitive Aussage von Headmaster Sen'ei gibt, werden wir weiter darüber grübeln.

Jedenfalls wurden wir nach dem Mittagessen in die Botanik geschickt, um passendes Material zu schneiden. Wir hatten zwar einen Kübel voll mit wunderbaren Blumen und Zweigen, aber da man im tate-hana keinen Draht verwenden darf (oder nur wenn es gar nicht anders geht) und wir etwas benötigten, das wie ein maeoki zu verwenden ist, blieb uns nur der Geländelauf. 
Außerdem, wenn man wie Noda-sensei ein eher "wild" wirkendes Arrangement in Gedanken vor sich sieht, hat man sowieso keine andere Wahl, als passende Pflanzen in der Natur zusammenzusuchen.

Wenigstens haben wir gleich ein paar Kalorien vom Mittagessen verbrannt. Erfreulicherweise hat das Wetter nach den Regenfällen des Vortages aufgeklart und wir konnten beinahe trockenen Fußes auf Materialjagd gehen.

Es war wirklich interessant zu sehen, wie gut 40 völlig unterschiedliche Arrangements entstanden und wie kompetent und ausführlich die Korrekturen von Professor Noda ausfielen. Jedenfalls haben wir wieder eine Menge gelernt und dem Tenor der ganzen Gruppe nach zu urteilen, hat es allen wirklich gut gefallen. Tate-hana ist schließlich ein Arrangement, das auch in kleine Wohnungen passt.

Die nächsten Tage werden ebenfalls sehr interessant werden - und für Professor Noda auch überaus anstrengend: Ab morgen wird die Gruppe geteilt und es gibt sowohl Unterricht über Shōka shōfūtai (2 Arrangements pro Tag) und Rikka shōfūtai (2 Rikka in 3 Tagen). 

 tate-hana von Prof. Noda - inklusive Detailansicht von der Seite

 die Arbeiten von Uschi (Celadon-Vase), Gabriela (Korb) und von mir

Sonntag, 29. September 2019

Seminar in Naurod - Freestyle


Samstagfrüh machten Uschi und ich uns auf den Weg ins Wilhelm Kempf-Haus nach Wiesbaden-Naurod, wo das Tachibana Kadokai-Chapter Deutschland ein Seminar mit Professor Manabu Noda ausrichtete. 
Wir hatten echt Glück, dass wir noch Plätze ergatterten, denn wenn man nach der Zahl der Anfragen gegangen wäre, hätten leicht zwei Seminare veranstaltet werden können. Es gab mehr als 60 Anmeldungen und dass Uschi von der Warteliste auf einen frei gewordenen Platz rutschen würde, war anfangs mehr als unwahrscheinlich. Aber wie gesagt, wir hatten das Glück auf unserer Seite und wir freuten uns schon sehr auf 5 intensive Tage angefüllt mit Ikebana. 
Auch Gabriela hatte eine Zusage erhalten, womit unsere Gruppe gut vertreten war. Des Weiteren wurde das Teilnehmerfeld mit den beiden Lehrerinnen aus Oberösterreich noch zusätzlich verstärkt. Die Study Group war demnach wirklich gut vertreten. 

Der Samstag war der Anreise und dem Kennenlernen vorbehalten. Die Plätze im Seminarraum wurden der Gerechtigkeit halber ausgelost und wir drei fanden uns schön verteilt und weit voneinander entfernt wieder. 
Wir haben nur noch unsere Arbeitsplätze hergerichtet, bevor wir uns zum Kräftesammeln relativ früh zurückgezogen haben. 

Der Sonntag startete mit einer intensiven Theorie-Einheit, die bis zum Mittag dauerte. Professor Noda erklärte uns ein wenig über die Geschichte des Ikebana und die Entwicklung der verschiedenen Stile, bevor er sich speziell auf Freestyle konzentrierte. 
Nach den allgemeinen Erläuterungen, wie man denn ein Jiyūka planen soll und worauf es im Wesentlichen ankommt, folgten der speziellere Teil und die Vorführungen. 

Das eigentliche Thema des Tages waren alternative Befestigungstechniken und worauf man bei der Verwendung von Glasgefäßen achten muss. Wir sollten aus zur Verfügung gestelltem und selbst gesammeltem Material ein Arrangement in einem Glasgefäß arbeiten, indem wir Aluminiumdraht und Saugnäpfe zur Befestigung verwendeten. 

Professor Noda demonstrierte anhand von 5 Arrangements verschiedene Befestigungstechniken. Zuerst schnitt er eine PET-Flasche zu einem langen Streifen, verknotete diesen und steckte den entstandenen lockeren Ball in ein Weinglas. Darin befestigte er eine Herbstanemone, fügte Sedum und eine kleine Chrysantheme am Fuß hinzu und fertig war ein kleines Begrüßungsarrangement. 
Technik 2 bestand aus Aluminiumdraht, der locker und ungleichmäßig in ein höheres Glasgefäß gestopft und zur Stabilisierung an einer Stelle mit einem Saugnapf befestigt war. Der Draht reichte über den Gefäßrand hinaus und erschloss somit einen größeren Raum. Das Drahtgeflecht diente als Verankerung für Alstromerien und Gräser wobei darauf geachtet wurde, dass alle Linien möglichst aus einem engen Bereich aufstiegen. 
Nach dem hohen Gefäß war dann eine weite Schale an der Reihe. Hier wurden Drahtschlaufen mit Saugnäpfen am Boden befestigt und die Calla und anderen Materialien in spiralig gedrehten Halterungen fixiert. Eine etwas wackelige Angelegenheit, aber sobald alles im Gleichgewicht war, hat es gut gehalten. 

Technik Nummer 4 lehnte sich stark an den kubari-Befestigung mit Astgabeln an. Ein mehrfach gegabelter Zweig wurde horizontal in eine wunderschöne Keramik-Schale geklemmt und diente als Ankerpunkt für einen Holunderzweig, einige Chrysanthemenblüten und als Richtung gebendes Element ein Taglilienblatt. 
Das letzte Arrangement war dann ein Miniatur-Jiyūka, bei dem eine kleine Filmdose mittels Saugnapf an einem Postkartenhalter befestigt wurde. Vor diesem Hintergrund lächelte uns eine Herbstanemone freundlich an, die von einigen anderen kleinen Blümchen begleitet wurde. 

Nach dem Mittagessen waren wir dann am Zug und es war gar nicht so einfach, wie es in der Vorführung ausgesehen hat, die Pflanzen sicher an Ort und Stelle zu halten. Im Nachhinein erzählte uns Professor Noda, dass er selbst sehr lange geübt hat, bis ihm die Technik so mühelos von der Hand gegangen ist. 

Hier nun die Vorführungs-Arrangements und die Werke von Gabriela, Uschi und mir (die beiden letzteren auch in der Ansicht von oben, denn die Befestigung ist hier ein wichtiger Teil des Arrangements).


Mittwoch, 25. September 2019

Welche Freude - Shōka shōfūtai mit Miscanthus

Dieser Übungsabend gestaltete sich ein wenig schwieriger als sonst – es stand Shōka shōfūtai nishu-ike mit Miscanthus und Herbstblumen auf dem Programm. 
Miscanthus vom Großmarkt ist immer ein Problem, denn die Blätter sind in den meisten Fällen unter jeder Kritik. Diesmal haben wir aber recht schönen Miscanthus der Sorte "Silberfeder" gekriegt, die Blätter waren akzeptabel und ließen sich relativ gut verschieben. 
Wenn sie noch ein bisserl breiter, geschmeidiger und stärker überhängend gewesen wären, dann wären wir völlig glücklich gewesen. Außerdem gab es leider nur 4 Stammerl pro Person, mehr war einfach nicht aufzutreiben. Aber immerhin, wir hatten es schon mit weit schlimmeren kazai zu tun. 

Shōka shōfūtai mit Miscanthus ist meistens ein bisserl kompliziert, besonders dann, wenn Wedel im Spiel sind. Viel einfacher ist es, nur mit den Blättern zu werkeln. Wir arbeiteten mit 2 Blütenständen als shin und gestalteten die anderen Linien im oberen und mittleren Bereich mit den Blättern. 
Nejime wurde aus entzückenden cremefarbenen Miniastern gebildet, und zwar in den meisten Fällen in Form von taka-nejime, damit die Verbindung mit den langen Miscanthus-Stielen gegeben war. 

Wer sich nicht mit Shōka rumplagen wollte, arrangierte entweder ein natürliches Jiyūka Basic 1 mit Miscanthus, dunkler Rispenhirse, pinkfarbenen Dahlien und Solidago, oder tobte sich mit selbst mitgebrachten Materialien aus. Dabei entstanden gleich auch zwei Zwischenprüfungen – schließlich wollen die Prüfungsbögen ebenfalls bespielt werden. 

Neben dem Unterricht wurde auch unser Beitrag für die "Lange Nacht der Museen" erörtert. Am 5. Oktober ist das Gartenbaumuseum wieder einer der Austragungsorte dieser Veranstaltung. Die ÖGG wird neben der FG Ikenobō-Ikebana auch mit der FG Blumenstecken nach der Wiener Schule vertreten sein.

Außerdem machen sich einige von unserer Gruppe am Samstag auf den Weg nach Naurod, wo wir im Wilhelm Kempf-Haus ein Seminar mit einem japanischen Professor genießen dürfen. Das Programm klingt schon mal überaus vielversprechend.

Hier nun unsere Arbeiten – es war wieder ein gut besuchter Übungsabend.

 Shōka shōfūtai nishu-ike - gelegentlich ein bisserl unglücklich fotografiert
 Jiyūka mit Material aus dem Überraschungspaket ...
 ... oder mit selbst gesammelten Pflanzen
  und schließlich die Prüfungsarrangements