Freitag, 13. Oktober 2017

Chapterausstellung im WUK


Ausstellungen sind immer mit Stress verbunden. Das gilt besonders dann, wenn man für den gesamten Ablauf verantwortlich ist. Aber auch diejenigen, die "nur" ihr Arrangement aufstellen und mit dem Organisationskram wenig bis gar nichts zu tun haben, werden zwangsläufig von der Hektik angesteckt. Aber das alles tritt in den Hintergrund, wenn es nach der Eröffnung heißt "alles gut gegangen, nichts passiert und viele Besucher anwesend". 
Der Präsidentin des Chapters #223, Elisabeth Streubel, und ihrem Team war die Erleichterung anzusehen, als die Jubiläumsausstellung anlässlich 60 Jahre Ikebana International weltweit und 50 Jahre in Wien vor zahlreichen Gästen von seiner Exzellenz, Botschafter Kiyoshi Koinuma, eröffnet wurde. Die Vorbereitungen, mit denen bereits im vergangenen Jahr begonnen wurde, haben einen krönenden Abschluss gefunden. 
Mittwochvormittag begannen die Aufbauarbeiten vor Ort im Projektraum des WUK. Gefühlte Tonnen an Material wurden in den Saal geschleppt, Podeste zusammengebaut und aufgestellt, die Plätze verteilt und alles für die AusstellungsteilnehmerInnen vorbereitet. 
Nach und nach trudelten die Damen und Herren des Chapters ein und machten sich ans Werk. Bald begannen die ersten Rauminstallationen Gestalt anzunehmen. Von der Keramikwerkstatt im Obergeschoß wurden die imposanten Gefäße von Justine Wohlmuth heruntergebracht, welche von der Künstlerin für unsere Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden. Endlich einmal ein kurzer Transportweg! 
Bis spätabends wurde gearbeitet und auch der Donnerstag war noch ganz dem Aufbau gewidmet. Zwischendurch wurden die bereits fertigen Werke von Oskar Streubel professionell fotografiert, damit alles entsprechend dokumentiert ist und in die Annalen des Chapters aufgenommen werden kann. 
Ich hatte es diesmal relativ einfach, da ich mit der Organisation wenig zu tun hatte. Lediglich ein bisserl Mithilfe beim Aufbau und danach war Zeit genug für meine beiden Arrangements. Dem Titel der Ausstellung entsprechend, der lautet schließlich "Ikebana von der Tradition zur Moderne", arbeitete ich ein klassisches Chrysanthemen-Shōka mit 7 Linien im usubata und ein kleines Rikka shinpūtai. 
Das Rikka shōfūtai und das kreative Jiyūka wurden von Uschi Doubek beigesteuert und Herta Erdler als weitere Vertreterin der Ikenobō-Tradition arrangierte ein Jiyūka im natürlichen Stil. Zusammen mit den Arrangements der Ichiyō-Schule machten unsere Werke rund 15 % der Ausstellung aus. Das ist viel wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Chaptermitglieder der Sogetsu-Tradition folgt. 
Am Donnerstag kam ich erst rund 1 ½ Stunden vor Ausstellungseröffnung ins WUK und hatte gleich einmal einen kleinen Schock zu verdauen. Die Orchidee in meinem Rikka shinpūtai hatte sich verabschiedet und ließ ihre Blüten traurig hängen. Irgendetwas dürfte ihr nicht zugesagt haben, denn die Ersatzblüte im Topf war ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen. Also galt es eine Blumenhandlung zu finden und Ersatz aufzutreiben, was sich schlussendlich auch erfolgreich verwirklichen ließ. Zwar hatte die neue Orchidee nicht ganz die Länge der gestorbenen, aber immerhin passte die Farbe. Der Austausch ging glatt vonstatten und Aufatmen war angesagt. Und sollte diese Blüte auch aufgeben, steht noch eine weitere Rispe in Reserve zur Verfügung. 
Alle Aufbauarbeiten wurden rechtzeitig beendet und etwa 15 Minuten vor der Eröffnung erschien wie angekündigt der japanische Botschafter, um sich vorab durch die Ausstellung führen zu lassen. Er wurde nicht nur von seiner Gattin begleitet, sondern auch vom Leiter des Kultur- und Informationszentrums, Herrn Kei Iwabuchi. Eine große Ehre, dass die Vertreter der japanischen Regierung gleich so geballt auftreten. 
Nach den Begrüßungsworten des Botschafters und einem kurzen Abriss unserer Präsidentin über die Geschichte des Chapters und die Intentionen der Ausstellung wurden die Besucher auf die Exponate losgelassen. Und wenn man den Kommentaren gelauscht hat und nach der allgemeinen Stimmung zu urteilen, ist die Ausstellung sehr gut angekommen. Jetzt bleibt noch zu hoffen, dass die kommenden beiden Tage uns noch viele weitere BesucherInnen bringen.

Hier nun einige Ausstellungsbilder. Viele der Installationen und Arrangements lassen sich am Originalstandort nur schwer fotografieren (schlechter Hintergrund, Größe des Arrangements,....), also hingehen und sich selbst ein Bild machen!

 die Ikenobō-Arrangements
  
 
Beispiele für Ichiyō-Ryu
 
 
einige der Sogetsu-Werke

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Jiyūka in der Vase – Nageire


Beim gestrigen Übungsabend stand wieder einmal ein nicht so gerne geübtes Arrangement auf dem Programm. Es ging um Jiyūka in einer Vase, das üblicherweise mit Nageire-Technik gearbeitet wird. Das zählt zu einer Kategorie von Arrangements, die man entweder heiß liebt, oder zutiefst hasst.

Da aber erstaunlicherweise immer dann, wenn Nageire auf dem Programm steht, plötzlich viele Gründe auftauchen, warum man nicht am Übungsabend teilnehmen kann, war es diesmal erlaubt, auch in kenzan oder Steckmasse zu arrangieren. Die Vorgabe lautete lediglich, dass eine hohe Vase verwendet werden soll und dass das fertige Arrangement den natürlich-leichten Charakter eines "echten" Nageire widerspiegeln soll. 

An kazai standen verschiedene Gräser, Scabiosen in Weiß und Dunkelrosa, sowie Limonium (das wieder entsetzlich "hundelte") zur Verfügung. 
Immerhin, 2 Damen der Gruppe werkten tatsächlich mit der Nageire-Technik, was bei dem Material gar nicht so einfach ist. Der Nachwuchs kriegte gleich zu sehen, wie Nageire wirklich funktioniert und vielleicht kommen sie auf den Geschmack und probieren es demnächst selbst aus.

Mittwoch, 27. September 2017

Jiyūka Basic 3


Nach dem intensiven Wochenend-Workshop war beim Übungsabend zur Erholung Jiyūka angesetzt, und zwar der Stil Basic 3. Hierbei geht es um das Arrangieren mit hintereinander stehenden Fußpositionen, was entweder durch das Pflanzenmaterial bedingt sein kann und/oder zur Betonung der perspektivischen Wirkung des Arrangements eingesetzt wird. 

Da vom Workshop noch Einiges an Material übriggeblieben war, wurde der Einkauf am Großmarkt diesmal kurz und schmerzlos erledigt. Kleine Sonnenblumen, Wiesenknopf (mit rot angehauchten, länglichen Blütenständen), Minihagebutten, orange Chilis und Trachelium in Violett standen auf der Liste. Dazu noch Blätter der Aucuba und Diverses aus dem Restekübel, mehr als genug für ein herbstliches Jiyūka. 

Das Vorführarrangement betonte nicht – wie sonst in den meisten Fällen – die Perspektive, sondern zeigte, dass ein schmal wirkender Fuß in einer (diesmal) vertikalen Ausführung auch durch das Hintereinanderstellen der Materialien erzielt werden kann. Die Köpfe der Sonnenblumen kommen sich nicht in die Quere und auch sonst ist genügend Raum für die anderen Linien vorhanden. 
Den Ladies stand es natürlich frei, auch perspektivisch zu arbeiten bzw. mehrere Gefäße zu verwenden. 

Eine unserer Damen brachte diesmal ihren kleinen Sohn mit, der auch einmal ein bisschen Blumen arrangieren wollte. Und er war mit Feuereifer bei der Sache und suchte sich diejenigen Blumen aus, die ihm am besten gefielen. Da bekommt unsere interne Bezeichnung "Ikebana-Nachwuchs" gleich eine ganz andere Bedeutung.

 Jiyūka Basic 3 in verschiedenen Varianten

 das Shōka shinpūtai von Mama und der stolze Sohnemann