Mittwoch, 24. Juni 2015

Semesterende

Der letzte offizielle Übungsabend vor der Sommerpause verlief wieder einmal sehr harmonisch und in lockerer Atmosphäre. Obwohl sich eigentlich alle auf den kulinarischen Teil freuten, kam auch das Ikebana nicht zu kurz und es wurde ernsthaft arrangiert. Wie zum Semesterabschluss üblich, stand es jeder der Damen frei, nach eigenem Konzept zu arbeiten. Neben einem Shōka shōfūtai isshu-ike mit Rosenspirea gab es mehrere Shōka shinpūtai und auch Jiyūka zu bewundern. Die Mädels waren wirklich sehr kreativ!
Und das anschließende Buffet war auch nicht von schlechten Eltern. Waldorf- und Nudelsalat, Schinken- und Käsespezialitäten, Lachs mit frischem Toast und andere Leckereien verwöhnten den Gaumen. Dazu spritziger Hugo und diverse Säfte und zu guter Letzt Ribiselkuchen mit Schneehaube, Orangen-Mohnkuchen und eine armenische Honigtorte. Der Tisch war so überladen, dass wir gar nicht alles "vernichten" konnten. Es hätte für doppelt so viele Personen gereicht. Aber wir haben uns redlich um die Dezimierung bemüht ;-)
Jetzt haben wir erst einmal einige Wochen Pause, bis es Ende Juli wieder mit dem Unterricht weitergeht. Einige von uns nehmen aber zwischendurch noch am Sommerseminar in SchlossPuchberg/Wels Anfang Juli teil, damit die Ikebana-Abstinenz nicht zu lange währt.

 

Donnerstag, 18. Juni 2015

Schloss Fürstenried - letzter Tag

Der letzte Seminartag bescherte uns quasi den Höhepunkt – Rikka shinpūtai. Sensei Toyoda machte es diesmal mit der Theorie relativ kurz und zeigte stattdessen gleich 2 Arrangements vor. Zum Einen ein Rikka shinpūtai in einer hohen Vase mit dem Material, das auch wir zur Verfügung hatten. Danach speziell zum Abschied ein geteiltes Arrangement mit dem Titel kizuna – Beziehung zwischen den Menschen. Damit wollte er einerseits die Freude darstellen, die ihm der Aufenthalt und die Arbeit mit uns gemacht hatte und andererseits auch die leise Wehmut, die mit einem Abschied einhergeht. 
Die Korrekturrunde war wiederum überaus interessant, da Sensei Toyoda sehr einfühlsam vorging und die Motive der Arrangierenden zu einem noch besseren Ausdruck brachte. Eine der Kolleginnen arrangierte zum Ende hoch einen kleinen Ikebana-Scherz, der speziell für Insider seine Bedeutung offenbarte. In 2 Rollen Küchenpapier mit etwas Golddraht, Gerbera und ein bisserl Grünzeug brachte uns das kleine Jiyūka zum Schmunzeln. Professor Toyoda nahm aber auch das sehr ernst und erklärte, wie man auch so ein Arrangement noch verbessern kann. 
Dann hieß es leider auch schon wieder Abschied nehmen. Nach der Urkundenverleihung und der Geschenküberreichung an Sensei Toyoda und unsere Meisterin begann das große Aufräumen. Da wir Wienerinnen erst am nächsten Tag nach Hause fahren wollten, konnten wir uns dabei etwas Zeit lassen. Den Abend verbrachten wir Verbliebenen mit den beiden Meistern in gemütlicher Runde bei Wein und Knabberzeug, bevor auch wir uns auf den weiten Heimweg machten.

 Arrangements Professor Toyoda mit Detailaufnahme

 unsere Werke ...

... und diverse andere Arrangements

Dienstag, 16. Juni 2015

Schloss Fürstenried - Rikka

Rikka-Tag – immer sehr anstrengend, sowohl für den Sensei als auch für uns Lernende. Wir müssen versuchen, das Rikka in der vorgegebenen Zeit zu vollenden und der Meister darf dann Schwerarbeit leisten und unsere Werke korrigieren. 
Diesmal gab es zu Beginn nur eine kurze theoretische Einführung, bei der die geschichtliche Entwicklung des Rikka abgehandelt wurde. Dass startete gleich die Demo von Professor Toyoda. Da die Rikka-Erfahrung der TeilnehmerInnen von nicht vorhanden bis weite fortgeschritten reichte, gab es eine Kompromisslösung: Vorgeführt wurde eine Standard-Schulform (san-kashi-zukai), welche vom Rikka-Nachwuchs möglichst exakt nachgearbeitet werden sollte. Die anderen TeilnehmerInnen sollten – je nach Kenntnisstand – Modifikationen vornehmen bzw. gleich mit anderen Materialzusammen-stellungen arbeiten. 
Kurz nachdem wir mit unseren Rikka begonnen hatten, "duftete" der Seminarraum ziemlich kräftig nach Zwiebelgewächsen. Die wunderbaren Allium, die für die Hauptlinien verwendet wurden, machten sich olfaktorisch überdeutlich bemerkbar. Zusätzlich hatten wir noch Irisblätter, blassviolette Eustoma, Säulenasparagus, panaschierte Hostablätter, kleine Chrysanthemen, lachsfarbenes Hypericum und Solidago zur Verfügung. Das fertige Rikka bestach durch verschiedene Grüntöne, die durch die zurückhaltenden Farbakzente noch besser zur Geltung kamen und ein Arrangement voll schlichter Eleganz ermöglichten. 
Während der Korrekturrunde erhielten wir speziell bei den fortgeschritteneren Arrangements wertvollen praktischen Unterricht, indem Sensei Toyoda uns die richtige Anwendung von z.B. irogiri, kusa-michi oder auch nobori-dō demonstrierte. Und wider Erwarten haben wir es alle zeitgerecht geschafft, fertig zu werden und auch die Korrekturrunde endete ziemlich pünktlich knapp vor dem Abendessen. 
Morgen steht zum Abschluss Rikka shinpūtai auf dem Programm und Sensei Toyoda hat uns zusätzlich eine kleine Vorführung eines tate-hana, der Vorstufe des Rikka versprochen. Dieses Arrangement ist wegen seiner geringen Größe und auch wegen des bescheideneren Materialaufwandes derzeit wieder sehr beliebt. Man sieht, alles kommt irgendwann einmal wieder, und sei es auch nach Jahrhunderten ;-)

 issō-no-mono-Rikka von Sensei Toyoda

 
 unsere fertigen Werke - sind ja gar nicht so schlecht geworden

Montag, 15. Juni 2015

Schloss Füstenried - Jiyūka

Der dritte Seminartag bescherte uns die Auseinandersetzung mit Jiyūka. Bei der Beschäftigung mit Shōka shōfūtai sanshu-ike und Shōka shinpūtai haben wir uns immer weiter in Richtung Verwirklichung eigener Ideen und Vorstellungen bewegt. Sozusagen den Gipfel der Kreativität erreichten wir heute mit dem Jiyūka. Professor Toyoda erläuterte, dass die Festlegung eines Themas für das Arrangement noch wichtiger sei als bei Shōka sanshu-ike bzw. shinpūtai. Kazai und Gefäß sollen nach Form, Farbe und Qualität ausgewählt werden und eine Einheit bilden, um zum gewünschten Ausdruck zu führen. Unter Qualität fallen Eigenschaften wie Material- und Oberflächenstruktur (sowohl von kazai als auch Gefäß), die für die Umsetzung der Idee maßgebend sind. Den Eindruck von Wasser wird man beispielsweise mit kühlen Farben und glänzenden Glasuren oder Glasgefäßen wesentlich besser rüberbringen, als mit rauhen Oberflächen und Erdfarben. Neben Thema und Formvorgabe spielen auch der Aufstellungsort und der Anlass für das Arrangement (ob es sich z.B. um ein Jahreszeitenfest handelt) eine wichtige Rolle. Im privaten Rahmen arbeitet man völlig anders als bei öffentlichen Auftritten, beispielsweise im Rahmen einer Ausstellung. Da muss dann der Auftritt wesentlich prächtiger und qualitativ hochwertiger sein. 
Im Anschluss an die Theorie demonstrierte uns Sensei Toyoda einerseits ein relativ natürliches Jiyūka mit engem Fuß und Schwerpunkt Fläche und danach eine linienbetonte Kombination in 2 Gefäßen, die vom Ausdruck her dynamischer und bereits designter wirkte. Danach wurden wir auf das Material losgelassen. Diesmal standen uns Hasenohr-Palme, blass-lila Scarbiosen, weinrote Eustoma, rote Gerbera, jede Menge Schleierkraut, Steelgras, Schachtelhalme, blaue Disteln, Korkenzieherhasel und grün-gelbes Hypericum zur Verfügung. Prof. Toyoda zeigte uns dann noch eine Befestigungstechnik für enghalsige Gefäße, die ein besseres Arrangieren als die üblichen (manchmal ziemlich harten) Strohhalme erlaubte. Dazu wurden dünne, weiche Plastikröhrchen gebündelt und gefaltet und dann am unteren Ende mit Gummiringerl fest zusammengehalten. Diese Bündel steckt man in die Gefäßöffnungen. Da die Knickstellen der Röhrchen nach oben weisen, können sich die Stiele der Pflanzen nicht in Löchern wie bei Strohhalmen verfangen, sondern lassen sich ganz einfach feststecken. 
Die Korrektur der einzelnen Arrangements war dann wieder außerordentlich interessant und informativ. Die Bandbreite reichte von puristischen Wasserlandschaften in Schalen bis zu wilden, künstlerisch designten Kreationen. Im Anschluss an den Unterricht hielt Sensei Toyoda noch einen Vortrag über die Geschichte von Bronzegefäßen, die Bedeutung ihrer "Ohren" und die Verwendung im heutigen Ikebana.
Ausdrücklich zu erwähnen ist wieder die perfekte Übersetzung von Yuko Tolle, die den besten Zugang zu den Informationen des Professors - sowohl bei der Theorie als auch teilweise bei den Korrekturen - gewährleistet. Die Arbeit, die  unsere Meisterin, Prof. Pointner-Komoda, und ihr Team leistet, ist sowieso unbezahlbar. Ein ganz herzliches Danke dafür, dass sie uns dieses wunderbare Seminar ermöglicht!

 die Arrangements von Professor Toyoda

 das haben wir Wiener "verbrochen" 
(ein Arrngement ist leider vor dem Foto geflohen)

eine kleine Auswahl an den Werken der anderen TeilnehmerInnen