Mittwoch, 28. September 2016

Perspektivisches Jiyūka


Der gestrige Übungsabend zum Thema "perspektivisches Jiyūka" entwickelte sich irgendwie zu einer Experimentierstunde. Wir hatten neben verschiedenen Restmaterialien vom Seminar mit unserer Meisterin zusätzliches kazai vom Großmarkt (die Sonnenblumen waren allerdings von mieser Qualität – in der Früh noch strahlend schön und am Abend ziemlich lädiert) zur Verfügung. 

Farbmäßig langen die Schwerpunkte auf Blautönen und rotvioletten Schattierungen, was beides gut zueinander bzw. zu den Sonnenblumen passte. Einige der Damen arbeiteten bunt, die anderen wiederum konzentrierten sich auf Ton-in-Ton-Kombinationen. 
Allen Arrangements gemein war die Tiefenwirkung, die auf unterschiedliche Weise erzielt wurde. Entweder durch schräg gestellte längliche Schalen, durch die Kombination zweier Gefäße oder auch durch die entsprechende Positionierung der Einzelarrangements in einer großen Schale. 

Der Abend verlief diesmal ein wenig ruhiger als sonst, da vor allem den Damen, die auch am Seminar mit unserer Meisterin teilgenommen hatten, die mentalen Anstrengungen (und nicht zu vergessen die kurzen Nächte) noch nachhingen. 
Trotzdem entstanden vielfältige Arrangements, von denen jedes für sich einen speziellen Charme ausstrahlt. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie unterschiedlich das kazai von jedem Einzelnen wahrgenommen wird und für welches Strukturmaterial sich die Damen sich jeweils entschieden haben.

 
Eisenhut als Hauptmaterial
 
   
hier dominieren Zweige und Eustoma
 
 
Sonnenblumen begrüßen den Betrachter
 
 auch Kugeldisteln haben ihren großen Auftritt

Montag, 26. September 2016

Seminar in der ÖGG mit Prof. Pointner


Das Herbstseminar mit unserer Meisterin, Prof. Pointner-Komoda, in der ÖGG stand unter dem Motto "Die Farben des Herbstes" und bescherte uns entsprechend farbenfrohe Arrangements mit jahreszeitlichem kazai. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag auf Shōka shōfūtai und Jiyūka, aber auch Shōka shinpūtai war vertreten. 
Mit 12 Teilnehmerinnen, davon eine aus Graz und zwei aus dem Raum Linz, waren wir eine gut überschaubare Gruppe, die eine vertiefte Korrektur durch die Meisterin erlaubte. Am ersten Tag beschäftigten wir uns mit Shōka shōfūtai isshu-ike und nishu-ike. Samstag standen dann Shōka shōfūtai sanshu-ike und geteiltes Jiyūka auf dem Programm. Zum Ausklang am Sonntag dann noch einmal Jiyūka und schließlich Shōka shinpūtai. 

Aber zurück zum Start und alles der Reihe nach:
Der obligatorische Großmarktbesuch brachte das positive Ergebnis, dass bis auf ein Material alle bestellten Pflanzen in guter Qualität vorhanden waren. Dass der gewünschte Eremurus Ende September nicht mehr erhältlich war, stand zu befürchten. Ein Händler hätte ihn zwar vorrätig gehabt, aber die Stiele wurden schon im Juni geschnitten und lagerten seitdem im Kühlhaus – dementsprechend hat das kazai auch ausgesehen. Da haben wir dankend abgelehnt und stattdessen ganz frische Nerinen genommen. 

Das Seminar startete am Freitag offiziell um 15:00 mit der Begrüßung der Meisterin und der Teilnehmerinnen durch den Präsidenten der ÖGG, Ing. Eipeldauer. Prof. Pointner-Komoda kam allerdings schon kurz nach 14:00 in die ÖGG, um die diversen Prüfungsarrangements zu begutachten und zu bewerten.
Dann ging es gleich los mit einem modernen Shōka shōfūtai isshu-ike (7 Linien) mit Eisenhut. Nach der Korrektur wurde das Arrangement zu einem Shōka shōfūtai nishu-ike umgearbeitet, indem die tai-Gruppe durch Bartnelken ersetzt wurde. 

Am Samstag standen wir vor der Herausforderung eines Shōka shōfūtai sanshu-ike maze-ike mit Miscanthus, Astilben und Eustoma. Wir benötigten Miscanthus mit schönen Wedeln, aber das Gras ist heuer so schnell gewachsen, dass die Abstände zwischen den einzelnen Blättern viel zu groß waren. Das Alternativgras aus meinem Garten (gestreifter Miscanthus), das unter extrem trockenen Bedingungen gewachsen ist, hatte zwar wunderbar eng stehende Blätter, dafür aber keine Wedel. Also haben wir einfach die Wedel des einen Grases mit den Blättern des anderen kombiniert und zwar so, dass es möglichst natürlich ausgesehen hat. Das ist natürlich nicht regelkonform, dafür konnten wir aber die Form gut herausarbeiten. 
Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit einem geteilten Jiyūka, wobei besonderer Wert auf die perspektivische Wirkung des Arrangements gelegt wurde. Dafür verwendeten wir entweder zwei Gefäße oder eine lange Schale, die schräg aufgestellt wurde. Neben Säulenasparagus kamen kleine rosa Pompon-Dahlien, Nigellakapseln und Veronica in kontrastierendem Blau zum Einsatz. 
Als Abschluss des Tages erhielt eine Teilnehmerin ihr Diplom aus der Hand der Meisterin überreicht. 

Das Jiyūka vom Sonntagvormittag gestaltete sich ein wenig schwieriger als gedacht. Der Fokus des Arrangements lag auf Fläche, welche durch Hostablätter erzeugt wurde. Die Blätter waren sehr hübsch und zeigten auch schon leichte herbstliche Verfärbungen, allerdings machte uns die Größe etwas zu schaffen. Schließlich sollten neben den Blättern auch noch Sonnenblumen, Nelken und Astrantien untergebracht werden. Die flächige Wirkung des Arrangements wurde durch zusätzliche Linien aus Schneebeerenzweigen aufgelockert. Bei diesem Arrangement hatte die Meisterin einiges zu korrigieren, bis alles ihren Vorstellungen entsprach. Dieser Unterricht war besonders für diejenigen von uns, die selbst unterrichten, von großem Wert. 
Das letzte Arrangement des Seminars war ein Shōka shinpūtai mit Nerinen, Iris- oder Sterngladiolenblättern und Schnittclematis. Aufgrund der Materialzusammenstellung gab es nicht allzu viele Variationsmöglichkeiten, trotzdem sah jedes Arrangement ein wenig anders aus. Mit der Urkundenverleihung am späten Nachmittag und der Verabschiedung unserer Meisterin ging ein sehr harmonisches Seminar wieder viel zu früh zu Ende. Aber wir dürfen uns hoffentlich auf ein Wiedersehen Ende November 2017 freuen.

Vielen Dank an all die helfenden Hände, die bei der Vorbereitung und Durchführung des Seminars mitgearbeitet haben. Ohne euch wäre die Veranstaltung nicht so glatt über die Bühne gegangen!

 unsere Prüfungsarrangements

  
 Shōka shōfūtai isshu-ike und nishu-ike von Prof. Pointner

 Shōka shōfūtai sanshu-ike maze-ike und Shōka shinpūtai

 die beiden Jiyūka unserer Meisterin

Freitag, 16. September 2016

Monatstreffen Ikebana International


Unter dem Motto "Mein Ikebana" stand das erste Monatstreffen von Ikebana International Chapter Vienna #223 nach der Sommerpause. Und da bei I.I. das Ikebana-Jahr im September beginnt, stellte das Treffen gleichzeitig den Startschuss für die zweite Amtsperiode unserer Präsidentin dar. 
Das Thema "Mein Ikebana" sollte uns ein weites Feld an Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Es ging darum, entweder in einem Lieblingsgefäß oder mit bevorzugten Pflanzen und/oder Farben zu arrangieren oder etwas zu versuchen, das man schon immer einmal ausprobieren wollte.

Demzufolge präsentierten sich die Ergebnisse äußerst vielfältig: Mal wurde mit der Kombination von Linien und Kurven gearbeitet, dann wiederum stand die Lieblingsfarbe oder die Lieblingsblume im Mittelpunkt. Es wurden mehrere Themen in ein Arrangement verpackt, beispielsweise nur eine Pflanzenart (Hagebutten) mit zwei Schwerpunkten (Masse und Linie) in geänderter Ansicht (von oben). Oder man arrangierte ganz ohne kenzan, einfach durch Verspreizen im Gefäß. 
Auch ein Arrangement zum Mondfest mit Miscanthus, verfärbten Blättern und kleinen Herbstblumen wurde gezeigt. Eine der Damen faltete bunte Prospekte und formte daraus ein sehr interessantes Gefäß. Die Sogetsu-Schule macht es ihren Mitgliedern recht einfach, kreativ zu sein. 

Mein Beitrag war ein Shōka shinpūtai, denn schließlich habe ich hier bisher meist Jiyūka arrangiert und außerdem war noch kazai vom Übungsabend in der ÖGG übrig. Die hellblaue Vase verwende ich sehr gerne, sie ist robust und kann mit einem fuji-kenzan ganz ohne Kies bespielt werden. Ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn man mit Öffis unterwegs ist. Zudem mag ich den Hängeamaranth, nicht nur wegen seiner Farbe, sondern auch, weil er in Kombination mit Gräsern einfach gut aussieht. Man hat auch nicht so oft Gelegenheit, mit Hängematerial zu arbeiten, das nicht traurig und schlapp aussieht.
Hier nun die verschiedenen Arrangements: