Freitag, 4. November 2016

Rikka shinpūtai und Shōka shōfūtai

Im Ikenobō-Haus ist heute Großreinemachen angesagt. In Vorbereitung auf die Ausstellung, die ab 11. November hier stattfinden wird, wurden die Böden in den diversen Übungsräumen auf Hochglanz poliert. Schon in den frühen Morgenstunden waren unzählige Arbeiter im Einsatz. Es war uns etwas unangenehm, als wir vom Aufzug zu unserem Seminarraum wollten, dass wir über die frisch eingelassenen Flure laufen mussten. 

Unser Lehrer für die nächsten drei Unterrichtseinheiten, Professor Miura Daiji, kam schon sehr zeitig zu uns und begutachtete erst einmal das kazai, das ihm und uns zur Verfügung stand, bevor er sich angeregt mit unseren Japanisch sprechenden Damen unterhielt. 
Pünktlich um 9:30 begann dann der Unterricht mit einer allgemeinen Einführung in Shinpūtai, wobei er die Unterschiede zwischen Shōka und Rikka darlegte und besonderen Wert auf die Bedeutung des ashirai legte. Dann durften wir uns im Gefäßraum mit Vasen und kenzan eindecken, bevor Miura-sensei mit unglaublicher Geschwindigkeit seine Version des Rikka shinpūtai demonstrierte. Ich glaube, die Lehrkräfte werden in der Ikenobō-Akademie auf besondere Schnelligkeit trainiert. 

Das Material, das uns zur Verfügung stand, war sehr ungewöhnlich. Ehrlich gesagt, wenn ich in der Blumenhandlung die Wahl hätte, auf diese Kombination wäre ich nie im Leben gekommen. 
Da gab es take-shaga, eine fächerförmige Gruppe Irisblätter auf einem immens langen, bambusähnlichen Stiel (daher auch der Name). Dann einen dicken Ast mit großen, vergilbten bis bereits dürren Blättern und gleichzeitig grünen Beeren daran. Braunrote Leucodendron, sehr elegante, rote Weidenzweige, einen Stiel mit schwarzen Pfefferonischoten und ein rundes, ledriges Blatt, das ebenfalls gelblich verfärbt war. 
An Blumen befanden sich eine kleine Heliconie, zwei Stiele Cosmeen und ein Stämmchen White Star (eine haarige Blume mit sehr klebrigen Saft, die wir sonst in hellem Türkis-blau in vielen Arrangements finden) in unserem Überraschungspaket. Das war es dann auch schon. Wie gesagt, ich hätte so niemals gewählt. Zusätzlich hatten wir natürlich noch das Restmaterial der vergangenen Tage zur Verfügung. Allerdings muss ich sagen, dass die fertigen Arrangements einen wunderbaren herbstlichen Ausdruck vermittelten. 

Für die zweite Gruppe wurde heute ein sehr modernes Shōka sanshu-ike mit herbstlich verfärbter Azalee, Irisblättern und traumhaft schönen Enzian in einem durchdringenden Blau vorgeführt. Danach gab es noch ein Shōka shōfūtai nishu-ike maze-ike mit Miscanthus und Ballonblumen zu bewundern. 
Da wir recht flott unterwegs waren, konnten wir den Unterricht zeitiger beenden und hatten noch die Gelegenheit, durch die Stadt zu streifen, bevor wir uns zum gemeinsamen Abendessen wieder trafen.

 Miura-sensei mit seinen Arrangements ...

 ... und das haben wir zusammen gebracht
 mein Beitrag mit einer Detailaufnahme des gedan-Bereichs

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