Freitag, 11. November 2016

Ausstellungsimpressionen

Der Ausstellungsbeginn im Ikenobō-Haupthaus war von einem beträchtlichen Gewusel geprägt. Teilweise wurde bis spät in die Nacht hinein und noch bis kurz vor der Eröffnung an den Arrangements gewerkt, damit doch noch alles fertig wird. Irgendwie kommt mir das bekannt vor – Druck bis zur letzten Minute. 
Im Tempel war eine Blumenzeremonie, durchgeführt von Ikenobō Senko, angesetzt. Wir haben uns nur die Prozession der Priester angesehen und sind dann ins dojō gegangen. Bei dem Gedränge vor dem Tempel hätten wir sowieso nichts mitgekriegt. 

Im dojō waren neben einem entzückend schlichten Shōka shinpūtai von Headmaster Ikenobō Sen'ei und einem sehr klaren Rikka shinpūtai von Headmaster Designate Ikenobō Senko viele hochklassige Arrangements teils hochrangiger Professoren zu bewundern. 
Gleich neben dem Arrangement von Ikenobō Senko war ein großes Jiyūka von Professor Noda Senior zu bewundern. Er hat wieder mit einer Kalligraphie als Hintergrund gearbeitet und neben anderem kazai rosafarbene Gloriosa verwendet. Im Obergeschoß dann ein sugu-shin Rikka isshiki mit Kiefern von Prof. Uetsuhara und zwei weitere wunderbare und sehr große Rikka shinpūtai. Die Namen konnte ich leider nicht entziffern, aber den Schildern nach muss es sich ebenfalls um hochrangige Professoren gehandelt haben. 

Zurück im Haupthaus machten wir uns dann auf den Weg in den 7. Stock und arbeiteten uns von dort hinunter bis in die 4. Etage. Das Jiyūka von Professor Takeuchi, das am Montag noch im Entstehen war, präsentierte sich als interessante Installation teils mit farbiger Flüssigkeit gefüllter Schläuche in Kobmination mit Sonnenblumen und roten Fruchtständen. 
Gleich daneben ein "fliegender Teppich" aus Schleierkraut, blauen Blümchen (die Blüten sehen aus wie Stiefmütterchen, aber es handelt sich um ganz etwas anderes; es dürfte eine neue Modepflanze sein, denn sie wurde vielfach verwendet) und verschiedenen Orchideen. Eine weitere Installation aus Bambus, Holz und Gloriosa vervollständigte das Eingangsensemble. 
Generell waren sehr viele Rikka shinpūtai zu sehen, etwas weniger Shōka shinpūtai und Jiyūka und nur ganz vereinzelt Shōka shōfūtai. Auch Rikka shōfūtai waren einige vertreten, darunter sehr schöne suna-no-mono und ein wundervolles tana-ue-no-hana. Beim suna-no-mono ist mir aufgefallen, dass rund um den Stamm oft Moospolster in den weißen Kies gesetzt waren. 
An Pflanzen wurden heuer sehr oft take-shaga, eingesetzt, dazu wie immer viele Orchideen und auch Rosen in allen Varianten. Große Blätter (von jung bis halb verrottet) und verschiedene Gräser waren ebenfalls häufig vertreten. 

Im 5. Stock gab es eine Art Sonderausstellung ausgewählter Studenten mehrerer Professoren und in der 4. Etage waren jeweils ein Rikka und ein Shōka shinpūtai, sowie ein Jiyūka – gestaltet von je 3 Studenten eines Professors – gemeinsam ausgestellt. Eine ein wenig Englisch sprechende Dame erklärte mir, dass es sich dabei um einen Wettbewerb handelt. 
Das Museum im 3. Stock ist ein wenig umgestaltet worden, aber nach wie vor herrscht dort leider Fotografierverbot. Es werden mehrere antike Gefäße gezeigt, dazu viele Dokumente mit Zeichnungen unterschiedlicher Arrangements von verschiedenen Headmastern. 

Der 7. Stock des West-Gebäudes ist vorwiegend Jiyūka vorbehalten, aber leider besteht der Raumteiler aus weißen Schnurvorhängen – ein unmöglicher Hintergrund um etwas zu fotografieren. Auch in dieser Etage sind mehrere Arrangements von Professoren ausgestellt, darunter auch eine Rikka shinpūtai-Kombination aus einem Hängegefäß und einer stehenden Vase. Die Kiefernzweige als verbindendes Element "sprechen" wunderbar miteinander. 
Im Moment bin ich nicht mehr aufnahmefähig, ich brauche eine Pause, bevor ich mit hoffentlich wieder klarem Kopf nochmal durch die Ausstellung gehen werde – diesmal vermutlich dann von unten nach oben. Und am Sonntag geht das Spielchen von vorne los, da werden (ausgenommen natürlich die großen Sachen) neue Arrangements gezeigt werden.

 Headmaster Ikenobō Sen'ei

 Headmaster Designate Ikenobō Senko

 Arbeiten der Professoren Noda sen. und Uetsuhara


 weitere wunderbare Arrangements aus dem dojō

  der "fliegende Teppich" und die Installation von Prof. Takeuchi

 tana-ue-no-hana und suna-no-mono

 weitere Installationen

  einige Shōka shōfūtai

 Rikka shinpūtai

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