Sonntag, 20. Mai 2012

Seminar Fürstenried - Vorführung Ikenobô Sen'ei


Der zweite Seminartag war geprägt von der Betreuung der Ausstellung und den Vorbereitungsarbeiten für die Demo von Headmaster Ikenobô Sen'ei. Bereits kurz nach Öffnung der Ausstellung verzeichneten wir einen regen Zustrom an Besuchern, der sich im Lauf des Tages weiter steigerte und gegen 15:00 einen Höhepunkt erreichte.
Während sich im Erdgeschoß Menschenmassen tummelten, wurden im Festsaal im 1. Stock die letzten Handgriffe erledigt und alles für die Vorführung vorbereitet. Der Beginn war für 16:00 angesetzt und bereits ½ Stunde zuvor begannen sich die Reihen bis auf den letzten Platz zu füllen.
Nach einigen kurzen Erklärungen von Dr. Horst Pointner wurde ein Film über die Ikenobô-Schule, die Anfänge des Ikebana und die verschiedenen Stilrichtungen unserer Schule gezeigt. Dann betrat unser Headmaster, gefolgt von seinem Assistenten, Herrn Sakaguchi, das Podium. Dankenswerterweise sorgte Frau Yuko Tolle wie immer ganz hervorragend für die Übersetzung. Wir dürfen uns schon darauf freuen, dass sie während des gesamten Seminars für uns dolmetschen wird.
Ikenobô Sen'ei begann die Demo mit einem Rikka shinpûtai aus vorwiegend Anthurien und Strelitzienblättern. Anhand eines daneben stehenden fertigen Rikka shofûtai erklärte er die Unterschieder zwischen kata und katachi. Danach gab es zwei weitere Rikka shinpûtai zu sehen, zum einen ein ganz zartes Arrangement mit Wicken als Hauptmaterial, zum anderen ein sehr kräftiges Werk mit Kastanienzweigen, Crotonblättern und Goldregen als Blickfang. Danach kamen ein Shôka nishu-ike sowie ein Shôka mit botan an die Reihe. Anhand je eines Exemplars von shakuyaku und botan erklärte er uns den Unterschied zwischen der krautigen Pfingstrose und der verholzten Baumpäonie.
Danach kam Jiyûka an die Reihe: Zuerst ein mächtiges goldfarbenes Gefäß arrangiert mit Aspidistrablättern, Hypericum und Pfingstrosen, danach eine schlichte blockförmige Vase mit zu Dreiecken geformten Neuseelandflachs, Dendrobien und einer kräftigen roten Exotenblüte im Hintergrund. Mit diesem Jiyûka demonstrierte der Headmaster, wie sich durch die Kombination des kantigen Neuseelandflachses mit den zarten Orchideenblüten die Charakteristika beider Pflanzen gegenseitig unterstützen. Mit dem letzten Jiyûka zeigte Ikenobô Sen'ei, dass sich einfache Plastikflaschen mit Hilfe von geschlitzten Papierröhren in interessante Gefäße verwandeln lassen. Zum Abschluss wurden vorgefertigte Spielereien aus Blüten in Form von Tieren, Torten und anderen Figuren vorgezeigt.
Damit verabschiedete sich der Headmaster und überließ die Bühne Prof. Akino für eine Blumenzeremonie, ein reshiki-ike. Mit traditionellen, formalisierten Bewegungen wurden ein Kranich, eine Schildkröte und ein Niju vorgeführt.
Zum Abschluss überreichte Ikenobô Sen'ei ein Plakette an Prof. Pointner-Komoda, mit der sie für ihr jahrzehntelanges Wirken geehrt wurde. Mit einer musikalischen Darbietung eines Streichertrios endete die Veranstaltung. Dem abendlichen Galadinner konnte der Headmaster leider nicht mehr beiwohnen, da der äußerst dichte Zeitplan mit zahlreichen Veranstaltungen in Japan keinen späteren Heimflug erlaubte. Allerdings wird uns Prof. Akino in den nächsten 5 Tagen viel Wissenswertes über Ikebana beizubringen versuchen.
Leider gibt es diesmal keine Fotos von den Arrangements, da die fertigen Werke ziemlich ungünstig aufgestellt waren.


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