Donnerstag, 14. November 2013

Audienz beim Headmaster

Heute am frühen Nachmittag war es soweit: Zuerst Treffen mit Yuki Ikenobô und anschließend Audienz beim Headmaster persönlich. Pünktlich um 13:20 begeben wir uns (natürlich in Schale geworfen) in den 11. Stock des Headquarters und machen es uns im Sitzungszimmer bequem. Die designierte Headmistress erscheint in einem schlichten und doch wunderbaren Kimono und nimmt sich mehr als ½ Stunde Zeit für uns. Wenn man bedenkt, welches Programm sie an diesem Tag bereits hinter sich und vor Allem noch vor sich hat, ist ihre Ausdauer bewundernswert. Erst werden wir alle vorgestellt, dann folgt die Verteilung der Gastgeschenke. Yuki Ikenobô packt sofort alles aus und freut sich sichtlich über die Präsente. Dann macht ein Angestellter mit allen unseren Kameras (der Arme wird von ihnen fast begraben) ein Gruppenfoto und anschließend wird noch Smalltalk betrieben. Die Headmistress ist an unserer Sichtweise von Ikebana interessiert und vor Allem daran, was uns speziell daran berührt. Dann erklärt sie uns noch den zugrundeliegenden Sinn der Arrangements von ihr und vom Headmaster. 
Viel zu früh werden wir daran erinnert, dass der Terminplan sehr dicht gedrängt ist und die nächste Gruppe bereits wartet. Zu unserer großen Überraschung bemüht sich dann Sen'ei Ikenobô zu uns ins Sitzungszimmer und erweist uns damit eine große Ehre. Als Gastgeschenk und nachträglich zu seinem 80. Geburtstag überreicht ihm unsere Meisterin Weine eines besonders ausgezeichneten Winzers, die extra per Luftpost eingeflogen wurden. Danach wieder die obligaten Gruppenfotos und der Headmaster verschwindet zu seiner nächsten Audienz. 
Wir ziehen uns rasch wieder um und machen uns auf den Weg ins Takashimaya, um uns in Ruhe die Ausstellung anschauen zu können. Es wird nicht unser einziger Besuch bleiben, denn alle 2 Tage werden fast alle Arrangements komplett erneuert. Lediglich die Werke der hohen Professoren und natürlich die Arbeiten von Sen'ei, Yuki und Mika Ikenobô bleiben bis zum Ende der Ausstellung stehen. 
Im Eingangsbereich des Kaufhauses treffen wir auf 2 riesige Rikka shinpûtai mit sehr viel dickem Holz und wunderbaren Kiefern und erkennen darin die tags zuvor verladenen Grundgerüste wieder. Da hat sich noch sehr viel daran verändert, bis die Arrangements fertiggestellt waren. Ich möchte nicht wissen, wie lange daran noch gearbeitet wurde. 
In der 7. Etage begrüßt ein Jiyûka von Professor Manabu Noda die Besucher. Leider kommen die unzähligen gespannten Nylonfäden am Foto nicht so zur Geltung. Dann kann man sich nur mehr von Besucherstrom durch die Ausstellung tragen lassen und genießen. Von wahnsinnig tollen Arrangements bis hin zu Merkwürdigkeiten, vom Miniarrangement bis zur Rauminstallation. Alles ist vertreten, sämtliche Stilrichtungen des Ikenobô-Ikebana werden abgehandelt. Mir persönlich gefallen die traditionellen Shôka und Rikka am besten, wobei die Rikka speziell durch die wundervollen Kiefern und Koniferen bestechen. Bei uns kriegt man solches Material nicht zu kaufen, und wenn man in der freien Natur "wildern" geht, würde man vermutlich wegen Waldfrevels hinter Gittern landen. 
Besonders berührend ist die Arbeit von Sen'ei Ikenobô: Eine große Koje wurde wie ein traditionelles Tatami-Zimmer gestaltet und auch mit antiken Matten eingerichtet. Die geöffneten Schiebetüren geben den Blick frei auf abendlich rot beleuchtete Sträucher und Büsche. Davor steht auf der Tatami ein Rikka shinpûtai mit viel bemoosten Holz und herbstlichen Zweigen, nur beleuchtet von einer einsamen Kerze (und natürlich geschickt angebrachten Scheinwerfern). Der Headmaster wollte den Eindruck von Alter und Vergänglichkeit in Szene setzen, auch in Hinblick auf die Rückbesinnung auf alte Traditionen.
Im Kontrast dazu steht die Koje von Yuki Ikenobô. Vor zartrosa Hintergrund hängen Korbweidenäste kopfüber von der Decke, sparsam dekoriert mit einzelnen Blüten, sorgsam in festgebundenen Röhrchen eingewässert. Hier hat man die Frische und Jugendlichkeit, man spürt förmlich einen Frühlingshauch durch die Zweige streichen. Jetzt müssen wir erst einmal die ersten Eindrücke verarbeiten, bevor wir morgen am Abend wieder den Meistern über die Schulter schauen dürfen.

 
 Audienz bei Yuki und Senèi Ikenobô
 
 das wurde aus den Rikka shinpûtai auf den Transportwägen - leider kein schöner Hintergrund
Arrangements von Sen'ei und Yuki Ikenobô
Begrüßungsarrangement von Prof. Manabu Noda ......
und einige ausgewählte Arrangements aus der Ausstellung ....
 
 

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