Donnerstag, 20. September 2012

Ein Tagestrip nach Wollomoos

In aller Herrgottsfrüh machten wir uns gestern auf den langen Weg nach Altomünster-Wollomoos in Bayern. Unsere Mission: Ikebana-Prüfungen ablegen - was sonst. Nach einem kurzen Zwischenstopp zum Schneiden der letzten Blumen ging es bei teilweise strömenden Regen und behindert durch diverse Umleitungen, Baustellen und Staus Richtung Deutschland. Beinahe pünktlich - nur 2 Minuten nach 11:00 - erreichten wir das Atelier unserer Meisterin, Prof. Pointner-Komoda. Außer uns beiden war noch eine weitere Schülerin von Fr. Pointner anwesend, die am regulären Unterricht teilnahm.
Wir zogen uns in ein stilles Kämmerlein zurück und werkten an unseren Prüfungsaufgaben. Ich hatte mir ein nana-kusa, ein klassisches Shôka mit 7 speziellen Gräsern, zum Ziel gesetzt und meine Freundin beschäftigte sich mit klassischem Gladiolen-Shôka und einem von hinten arrangierten Shôka sanshu-ike
Manchmal frage ich mich wirklich, welcher Wahnsinnige auf die Idee gekommen ist, 7 verschiedene japanische Wiesenblumen in einen kubari zu stopfen. OK, das Ergebnis sieht, wenn es gut gemacht wurde, traumhaft aus, aber der Aufwand..... In Japan mag dieses spezielle kazai vielleicht auf der Wiese wachsen, aber in unseren Breiten ist es beinahe unmöglich, trotz erlaubter Ersatzpflanzen alles zum idealen Zeitpunkt zusammen zu haben. Immerhin habe ich es bis auf den Wasserdost und die Grasnelken, die ich durch Trachelium und kleine Bartnelken ersetzen musste, geschafft.
Kaum waren ein paar Linien provisorisch im kubari festgeklemmt - warum muss Dille nur so stinken - wurden wir zu einer Brotzeit mit Weißwurst und Brezen gerufen. Nach der Stärkung ging es flott weiter, bis schließlich 6 Materialien darauf warteten, an der richtigen Position fixiert zu werden: Der Miscanthus schön aufrecht und nicht windschief durch die Gegend schwankend, dahinter die schwingenden Linien des hagi (Buschklee oder Lespedeza), der nur bei richtiger Behandlung nicht gleich die Flügel hängen lässt. Vor dem Gras noch Dille (igitt, ich hasse den Geruch), Trachelium und Enzian und schließlich Bartnelken als tai-Gruppe. Fehlte nur noch die Winde, die musste ich aber erst in der Umgebung suchen, denn abgeschnitten hätte sie den Transport nicht überlebt. Zwischen all den gepflegten Gärten fand sich nach längerer Suche dann doch noch ein Pflänzchen, das erst sorgfältig vom Zaun gewickelt werden musste, um schließlich elegant über den hagi drapiert das nana-kusa zu vervollständigen.
In der Zwischenzeit hatte meine Freundin ihre Arrangements ebenfalls fertiggestellt und nach der Korrektur durch unsere Meisterin konnten wir die Prüfungen als "bestanden, bitte zeichnen" abhaken. Nach dem Zusammenräumen, Bedanken und Verabschieden verließen wir Wollomoos sogar noch bei Tageslicht und kamen gegen 22:30 wieder in Wien an. Ein anstrengender Trip ist zu Ende gegangen, aber es hat sich voll und ganz gelohnt.

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