Mittwoch, 9. Oktober 2013

Chrysanthemen und Konsorten

Beim Betreten des Übungsraumes in der ÖGG kam gestern ein wenig Friedhofsstimmung auf, denn die vorbestellten Chrysanthemen in den Kübeln vermittelten irgendwie den Eindruck von nebelverhangenen Friedhöfen zu Allerheiligen/Allerseelen. Aber gleich vorweggenommen - am Ende des Übungsabend war davon keine Rede mehr.
Chrysanthemen, und da vor Allem die einzelblütigen Sorten, haben bei uns nun mal den Ruf, Friedhofsblumen zu sein. In Japan gilt die Chrysantheme als sehr hochwertiges Material und ist in vielfältiger Weise mit dem Kaiserhaus und der gesamten japanischen Kunst und Kultur verbunden. Die Saison beginnt ja erst, deshalb gab es gestern zur Einstimmung ein natürliches Jiyûka im Stil eines aufrechten Moribana mit 2 Sorten Chrysanthemen unterschiedlicher Farbe. Man könnte natürlich auch in einer Hauptfarbe - da aber mit Schattierungen - arbeiten, aber das kann sehr leicht zu langweiligen Kreationen führen. Wir beschäftigten uns mit Blumen in kräftigen Gelb- und dunklen Rottönen, ein starker Kontrast, der durch das sonnige Gelb der kleinblütigen Sorte aufheiternd wirkt. Es ist meist besser, die tai-Blumen heller als das shin/soe-Material zu wählen, das wirkt wesentlich frischer als die umgekehrte Kombination.
Und obwohl am Ende des Übungsabends 8 Moribana mit gleichem kazai in derselben Grundform aufgereiht nebeneinander standen, glich keines dem anderen. Und von Friedhofsstimmung war keine Spur mehr zu vernehmen.
Als Alternativarrangement stand gestern ein geteiltes Shôka shinpûtai auf dem Programm. Dieses Ikebana ist meist sehr schwer in Harmonie zu bringen, speziell dann, wenn man speziell auf eine geteilte Form hinarbeitet. Üblicherweise geht man den umgekehrten Weg: Nur dann, wenn ein "normales" Shôka shinpûtai irgendwie nicht "passt", kann man mit einer Teilung eine Harmonieverbesserung erzielen. Man kann sowohl in einem als auch verteilt auf 2 oder mehrere Gefäße arbeiten. Gestern durften wir beide Varianten bewundern.

 
 

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