Dienstag, 1. Oktober 2019

Seminar in Naurod - Rikka und Shōka shōfūtai

Der dritte Seminartag war besonders für Professor Noda sehr anstrengend. Neben der Theorie zu Rikka und Shōka shōfūtai wurden ein Rikka und zwei Shōka auch noch vorgeführt. Und anschließend stand noch die Korrektur des ersten Shōka auf der Tagesordnung – wahrlich ein Monsterprogramm. Aber schön der Reihe nach. 

Geplant war eigentlich ein "Standard-Rikka" ohne irgendwelche Variationen, aber das passende Material war halt einfach nicht aufzutreiben. So musste kurzerhand umdisponiert werden und wir hatten es mit einem Rikka shōfūtai issō-no-mono gedan ozukai zu tun, das zusätzlich noch eine Betonung des uke aufwies. 

Wir verwendeten einzelblütige Madonnenlilien als shin und uke, dazu Palme für soe und mikoshi. Sankasho-zukai, die Verwendung gleichen Materials an drei unterschiedlichen Positionen war nicht möglich, da sich weder die Lilien noch Palmen im gedan-Bereich einsetzen ließen. 
Deshalb wurden hikae aus Eustoma und nagashi aus Hypericum gearbeitet. Um auch hier das kazai auf beiden Seiten des Arrangements – und zusätzlich auf unterschiedlichen Ebenen – einzusetzen, kamen die Eustoma als ashirai zu uke und und Hypericum als maeoki zum Einsatz. 
Da aber das Hypericum für einen standardmäßigen nagashi zu kurz war, wurde stattdessen uke verstärkt und nagashi und maeoki entsprechend reduzierter arrangiert. So konnte die Harmonie des Arrangements erhalten bleiben. 

Der für den verwendete Eukalyptus erwies sich als Knackpunkt, denn trotz des eher sparsamen, luftigen Erscheinungsbildes sollte ein zentrierender Bereich im Rikka gebildet werden. Aber mithilfe von diversen dō-uchi ist es gelungen, die Lücken zu schließen. Dazu trug auch die Fackellilie bei, die neben shō-shin auch einen kräftigen Farbklecks hinter dem bildete. 
Professor Noda vollendete die Arbeit mit den beiden dome und ushiro-gakoi und hatte den ersten Teil seines Unterrichts (inklusive Theorie-Vortrag) in knapp zwei Stunden erledigt. 

Nach einer kurzen Erholungspause ging es dann mit Shōka isshu-ike und Shōka nishu-ike weiter. Es ist meist sehr schwierig, in Blumenhandlungen passendes Material für ein isshu-ike zu finden, denn die meisten Pflanzen werden in einem einheitlichen Blühstadium verkauft. Für ein Shōka shōfūtai isshu-ike sind aber Knospen und halb offene Blüten genauso wichtig wie fast völlig aufgeblühte Exemplare. Deshalb entschied sich Noda-sensei für Eustoma, eine der wenigen Pflanzen im Handel, die auch Knospen aufweisen. 

Während der Demonstration erklärte er sehr anschaulich, wo und warum welche Blühstadien im Arrangement vertreten sein sollen. Dass der soe diesmal so niedrig ausgefallen ist, liegt daran, dass sich im oberen Bereich des shin bereits eine recht große Blüte befunden hat. 

Das zweite Shōka – daran werden sich die Damen morgen am Vormittag versuchen – bestand aus Eukalyptus mit Enzian als nejime. Eine sehr ungewöhnliche Kombination, die aber ihren Reiz hat. 

Nach dem Mittagessen machten wir uns an die Arbeit und die Shōka isshu-ike waren recht bald fertig und wurden gleich sehr ausführlich korrigiert. Wir mit unseren Rikka waren zum Ende des Unterrichts noch nicht fertig, das werden wir am kommenden Vormittag erledigen. Immerhin gab es laufend Zwischenkorrekturen, sodass die Endkorrekturen wohl nicht mehr allzu weitreichende Änderungen erfordern. 

Sehr gespannt können wir auf unser zweites Rikka sein, denn es wird sich um eine weitere Form aus dem naraimono-nana-kajō handeln – taka-uke. Hoffentlich spielt das Wetter morgen mit, denn die entsprechenden Zweige müssen wir uns aus der Umgebung besorgen. Und bei strömenden Regen ist das wahrlich kein Vergnügen. 

Hier also die Fotos der Arbeiten von Professor Noda. Unsere Rikka werden hoffentlich morgen fotografiert werden können.

 

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