Freitag, 30. Mai 2014

1. Seminartag - Freitag, 30. Mai 2014


Am Freitag wurden nach dem Frühstück die Kursleiterinnen und ihre Helferinnen vorgestellt und die einzelnen Gruppen bezogen ihre Unterrichtsräume. Mein Seminar hatte den Titel "mawaru und hana kanade" und sollte sich mit den modernsten Formen des Ohara-Ikebana beschäftigen. Der Seminarraum war bereits hergerichtet und jede der 9 angemeldeten Damen + unser tapferer Einzelkämpfer wurde von einem Tischkärtchen und einen kleinen Blumengruß in einem liebevoll gefalteten Japanpapier begrüßt. Nach einer kurzen Einführung hörten wir Wissenswertes über den Stil mawaru, übersetzt "Spiralform". Hierbei wird in großen Schalen auf mindestens 3 kenzan gearbeitet. Das erste Hauptelement (shu-shi) – in unserem Fall Ornithogallum – wurde hierzu in beliebiger Neigung und frei wählbarer Länge auf einen kenzan am Schalenrand positioniert. Von oben gesehen sollte die Spitze dieser Linie nur knapp über den Schalenrand hinausreichen. Die beiden anderen Hauptlinien (fuku-shi und kyaku-shi) wurden dann so auf den verbleibenden Blumenigeln angeordnet, dass von oben gesehen eine Spirale sichtbar war. Mit dem nächsten Material (roten Alstromerien) wurde in gleich- und auch gegenläufiger Kreisbewegung das Grundgerüst für das Arrangement festgelegt. Füllmaterial (diverse Blätter und Solidago) sorgte für die optische Verbindung der Gruppen und deckte die kenzan ab. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht in allen 3 Gruppen mit gleichem kazai zusammengestellt werden. Außerdem wurden die Gruppen in Form eines ungleichseitigen Dreiecks positioniert und in der Mitte der Schale sollte die freie Wasserfläche sichtbar sein.

Nach dem Mittagessen erwartete uns die jüngste Form der Ohara-Schule – hana kanade. Diese "bewegten Blumen" sind eine Weiterentwicklung von hana-mai, den "tanzenden Blumen". Die 3 Hauptlinien (diesmal in festgelegter Länge abhängig von der Gefäßgröße) verlaufen schräg über die Schale und kreuzen sich in unterschiedlichen Höhen. Bei der Materialauswahl ist es – abhängig vom gewünschten Ausdruck – möglich, entweder gleiches Material für alle Positionen zu wählen, oder aber auch 2 oder 3 unterschiedliche Pflanzen zu verwenden. Die Einsteckpunkte liegen wieder am Schalenrand und sollten ein ungleichseitiges Dreieck ergeben. Ebenso auch die Spitzen der Linien, dieses Dreieck ist aber gegenüber der Basis verdreht und schwebt über der Schale. Die Blumenigel werden wieder unter Füllmaterial verborgen und diese "Fußverschönerungen" sollten nicht nur flach arrangiert werden, sondern auch ein wenig nach oben streben und in variierenden Höhen angeordnet sein. Bis zu 5 Materialien dürfen verarbeitet werden, wobei wieder das Hauptgewicht auf der Farbe Grün liegt. 
Nachdem alles fertiggestellt und aufgeräumt war, wurde unser Raum für die Besucher freigegeben. Wir nutzten die Zeit bis zum Abendessen, die Werke der anderen SeminarteilnehmerInnen zu bewundern und über Gott und die Welt – und natürlich Ikebana – zu plaudern. Die Seminarthemen reichten vom Moribana und dessen Variationen über Farbschemata, Reihenformen und Kombinationen zum traditionellen bunjin-bana und zu verschiedenen Landschaftsformen, arrangiert im shippo. Nach dem Abendessen war wieder Zeit für einen Besuch der "Börse" und danach erfreuten wir uns an einem Vortrag über die Geschichte des Ohara-Ikebana. Der Tag klang dann bei gemütlichem Beisammensein in der Georgs-Stube aus. 

 
 "Vorlage" der Meisterin und meine Umsetzung, jeweils von vorn und von oben
deutlich erkennbar die Spiralform

 die Nachmittagsarrangements

 traditionelle Landschaften, im shippo arrangiert

Vasenarrangement und Detail der Befestigung, sowie bunjin-bana


 weitere Impressionen vom Rundgang

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