Sonntag, 24. September 2017

Shinpūtai-Workshop


Der voraussichtlich letzte Wochenend-Workshop dieses Jahres führte uns zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Shinpūtai. Sowohl Rikka als auch Shōka wurden in dieser modernen "Windform" arrangiert. 

Da wir diesmal mit etwas reduzierter Mannschaft angetreten waren, konnte sich jede Einzelne intensiv mit der Materie beschäftigen und weitere Schritte auf dem kadō vorwärts kommen. Die fortgeschrittenen Damen feilten erst an ihren Shōka shinpūtai und beschäftigten sich dann hauptsächlich mit Rikka shinpūtai. Die weiteren Teilnehmerinnen blieben entweder beim Shōka shinpūtai oder näherten sich erstmals der modernen Form des Rikka an (und das mit Erfolg! Auch das eine oder andere Jiyūka war vertreten.

Die Materialliste reichte von A wie Alchemilla bis V wie Veronica, das Farbspektrum fokussierte sich neben Grün auf alle Schattierungen von Gelb und Rot (inklusive Rosa und Orange) mit einzelnen Akzenten auf Blau und Weiß. Da wir uns doch schon im Herbst befinden, waren auch Gräser (danke an Martina und Christine für die Spenden), Samenstände (Millis Montbretien waren der Hit) und diverse verwitterte Blätter vertreten. 
Eine sehr interessante Pflanze vom Großmarkt war für uns alle neu und musste natürlich ausprobiert werden. Es handelt sich um die stark duftende Tuberose, ein Agavengewächs, das sich in rosa überhauchtem Creme präsentierte. Die Stiele waren zwar etwas steif, zeigten aber trotzdem interessante Krümmungen. Sowohl im Shōka als auch im Rikka shinpūtai konnte sie sich gut behaupten und brachte ihren interessanten Charakter in die Arrangements ein. 

Jedenfalls genossen wir den sehr harmonischen Workshop, bei dem wir wieder viele interessante Werke bewundern durften.

 
 

Freitag, 15. September 2017

Monatstreffen Ikebana International


Das erste Monatstreffen von Ikebana International Chapter #223 Vienna nach der Sommerpause stand hauptsächlich im Zeichen der bevorstehenden Jubiläumsausstellung "Ikebana von der Tradition zur Moderne", die Mitte Oktober im WUK stattfinden wird. 
Es galt, die Plätze für die einzelnen Arrangements zu vergeben, die Gruppenarbeiten und Installationen zu planen, Aufsichtsdienste und andere Aufgaben zu verteilen und auch den Ablauf des "Mitmach-Ikebana" zu fixieren. Für diesen Punkt haben wir ein weiteres Treffen in der Studiogalerie vereinbart, um die nötigen praktischen Vorbereitungen gemeinsam zu erledigen. 
Da nach derzeitigem Stand rund 20 Herrschaften aktiv an der Ausstellung teilnehmen werden (aber nicht jeder zu den Monatstreffen kommen kann) ist es gar nicht so einfach, alle unter einen Hut zu kriegen. Da läuft vieles in Kleingruppen, die ihren Wissensstand dann erst koordinieren müssen. Aber in Zeiten von Handy und Internet ist das heute wesentlich einfacher als früher. 

Nach all den administrativen Aufgaben ging es dann doch noch ans Arrangieren. Das Thema des Treffens lautete "Samenstände und früchtetragende Zweige". Klingt zwar recht schön und passt auch zur Jahreszeit, aber für mich als Vertreterin von Ikenobō ist das nicht ganz so einfach. Schließlich verwenden wir Fruchtstände nicht gerade häufig und wenn, dann auch nicht unbedingt als Hauptmaterial. 
Allerdings gelten die Wedel von Miscanthus streng genommen auch als Samenstand. Deshalb konnte ich die Verbindung zum Mondfest herstellen und ein passendes Jiyūka arrangieren. Neben Miscanthus verwendete ich gelbe Mini-Chrysanthemen und 2 ziemlich von Raupen oder Schnecken perforierte dunkle Heuchera-Blätter, die einen schönen Kontrast ergaben und auch herbstlich wirkten. Passend zum kazai verwendete ich ein Bambusgefäß, dass einem traditionellen nijū nachempfunden war.

Von den anderen Anwesenden gab es die unterschiedlichsten Arrangements mit Hagebutten und anderen Beeren, Samenkapseln und -schoten, Blütenständen von Sonnenhut und Blutblume (Haemanthus), Liguster- und Efeubeeren und vieles mehr zu sehen. Die Container rangierten von durchsichtigen Acryl- und Glasgefäßen über Körbe bis hin zu diversen Keramiken in Schalen- und Vasenform.


Mittwoch, 13. September 2017

Mondfest


Nach 5 Wochen Sommerpause ging es endlich wieder los mit den Übungsabenden in der ÖGG. Und gleich zu Beginn der regulären Saison stand ein festliches Ikebana auf dem Programm. 

Anlässlich des Mondfestes – der September-Vollmond ist allerdings bereits seit 6 Tagen Geschichte – sollten Jiyūka, Shōka shōfūtai sanshu-ike oder Shōka shinpūtai arrangiert werden. Und es waren auch alle drei Stilrichtungen vertreten. 
Vom Großmarkt gab es diesmal kräftig-gelbe Santini-Chrysanthemen, rötlich-braune Blasenspiere und Hirse, die irgendwie wie ein Feuerwerk aussieht. Dazu kamen noch diverse Zweige und Gräser (Pennisetum, Miscanthus und Plattährengras) für die Allgemeinheit, die aus dem Garten einer unserer Damen stammten. Und natürlich brachten einige Teilnehmerinnen eigenes kazai mit. Alles zusammen also eine recht bunte Mischung. 

Unser einziges Problemchen war, dass es nicht unbedingt herbstlich verfärbte Zweige gab. Durch die extreme Trockenheit im Sommer sind viele Sträucher gleich in den verdorrten Zustand übergegangen, anstatt eine schöne Herbstfärbung auszubilden. Aber ich denke, dass es nach der ersten kühlen Nacht doch noch ein wenig Farbenfeuerwerk geben wird. 
Abhilfe schafften wir mit der dunkellaubigen Blasenspiere oder durch Verwendung früchtetragender Zweige. Bei einem Erntefest ist das ohne weiteres zulässig. Schließlich geht es beim Mondfest nicht nur um die Betrachtung des Mondes, sondern auch um die Danksagung für ein erfolgreiches Erntejahr.

Mittwoch, 9. August 2017

Gräser, Disteln und ein Hauch von Blau


Der Hochsommer ist die ideale Zeit für ein maze-ike, denn die Gräser beginnen bereits damit, sich in ihrer schönsten Form zu zeigen. Und auch interessante Blumen mit "wildem" Charakter – wie beispielsweise Färberdisteln, Goldruten, Wiesenknöpfe, aber auch langstieliger Enzian und die letzten Ballonblumen – sind leicht erhältlich. Alles Zutaten für ein Arrangement, das den Charakter einer unberührten Graslandschaft widerspiegelt. 
OK, wir arbeiten mit kultivierten Pflanzen, aber irgendwo wachsen diese Blumen und Gräser auch wild und wir erzeugen eben den Eindruck einer Landschaft, wie wir sie uns in unserer Phantasie vorstellen. 

Jedenfalls lautete das Thema des Übungsabends Shōka shōfūtai maze-ike mit zwei oder drei Materialien bzw. Jiyūka freier Wahl mit demselben kazai. Wer wollte, brachte eigene Pflanzen mit, vom Großmarkt gab es Panicum, orange Färberdisteln und Triteleia. 
Die strahlend blauen Sterne fungierten als Verbindungselement zwischen den luftig-zarten Rispen des Grases und der Kompaktheit der Disteln. So entstand der Eindruck eines nach oben hin immer leichter werdenden Arrangements, das fest im Boden verwurzelt ist. 

Eine Schwierigkeit beim maze-ike ist immer wieder die erforderliche Vermischung der einzelnen Materialien, die trotzdem im kenzan in Gruppen beisammen stehen sollen. 
Im Prinzip arbeitet man zwei oder drei isshu-ike unterschiedlicher Höhe, die dann zusammen ein komplettes und vor Allem harmonisches Shōka ergeben sollen. Dabei dürfen die diversen Linien nicht wie die Zinnsoldaten dastehen und aneinander kleben sondern jede Pflanze soll sich frei entfalten können. 
Da kann es schon mal vorkommen, dass der Platz im kenzan ein bisserl knapp wird oder die vorderste Pflanzengruppe viel zu stark geneigt ist. Aber mit einigen Tricks und Kniffen lassen sich diese Probleme auch in den Griff kriegen. 
Dieses Arrangement ist auch eine gute Übung für die nächste Steigerung, das nana-kusa. Da hat man es dann nicht mehr nur mit zwei oder drei Materialien zu tun, sondern gleich mit sieben! Aber das üben wir bei einem gesonderten Workshop im kommenden Jahr. 

Jedenfalls haben sich die Mädels sehr gut geschlagen. Neben den Shōka entstanden auch Jiyūka, wobei sowohl die erste Grundform als auch die zweite mit dem breiten Fuß vertreten war.