Montag, 16. September 2013

"Herbstzauber" - Ikebanaseminar in Wien

Freitag der 13., für abergläubische Menschen kein guter Termin, um ein wichtiges Vorhaben zu starten. Und dazu dann noch 13 Teilnehmerinnen, also gleich ein doppelter Grund für schlechte Schwingungen? Aber wir vom Ikebana-Volk sind vor solchen Dingen (hoffentlich) gefeit. Jedenfalls starteten wir an diesem ominösen Tag unser diesjähriges Herbstseminar mit Prof. Shûsui Pointner-Komoda. Fast 3 intensive Tage mit unserer geschätzten Meisterin, die uns wieder ein Stück auf dem kadô voran bringen sollen.
Seit den frühen Morgenstunden wurden die letzten Punkte auf der seit Langem bestehenden Vorbereitungsliste abgearbeitet: Blumen vom Großmarkt holen - und hoffen, dass alle bestellten Pflanzen auch wirklich bereitliegen - und in die ÖGG bringen, kazai versorgen und je nach geplanten Arrangements zusammenstellen, Seminarraum herrichten, Plätze verteilen und kurz durchschnaufen. Nach einer schnellen Tasse Tee/Kaffee zur seelischen Aufmunterung schließlich die Gefäße und sämtliches sonstige Zubehör in den Seminarraum raufschleppen. Bald danach trafen die restlichen Seminarteilnehmerinnen ein und diejenigen, welche Prüfungsarbeiten geplant hatten, begannen mit ihren Arrangements. Rechtzeitig vor dem Eintreffen der Meisterin war wie immer alles fix und fertig - inklusive der Teilnehmerinnen.
Der Präsident der ÖGG, Ing. Eipeldauer, übernahm die offizielle Begrüßung und nach der Korrektur und Bewertung der Prüfungsarrangements begann das eigentliche Seminar gleich mit einem "Hammer": Ein natürliches Jiyûka in Anlehnung an das traditionelle nana-kusa mit 7 unterschiedlichen herbstlichen Blumen, Gräsern und Zweigen. Nicht nur für unseren Nachwuchs eine Herausforderung, sondern auch für die geübten Ikebanesinnen. Aber das Ergebnis war zauberhaft, da hat sich die Mühe gelohnt.


Der Samstag war besonders für unsere Meisterin sehr anstrengend. Nicht nur, dass sie ein modernes suna-no-mono vorbereiten musste, auch für den Nachwuchs wurden 2 Arrangements vorgeführt und die Theorie dahinter ausführlich erklärt. Diesmal gab es Jiyûka in der "neuen" Variante, und zwar sowohl ein tate-no-hana (aufrechte Form) als auch ein naname-no-hana (schräge oder geneigte Form). Wieder wurde entweder jahreszeittypisches Pflanzenmaterial verwendet, oder zumindest mit einer Kleinigkeit im Arrangement darauf hingewiesen. 

 
Obwohl dieser Seminartag sehr lange dauerte, schafften wir es nicht, unsere Rikka fertigzustellen. Deshalb mussten wir am Sonntag eine Frühschicht einlegen, damit wir bis zum Eintreffen von Prof. Pointner zumindest halbwegs vollständige Arrangements vorweisen konnten. Die Korrekturarbeiten dauerten dann trotzdem bis zum Mittag. Während wir noch verbissen drahteten, bogen und innerlich fluchten, demonstrierte unsere Meisterin für den Nachwuchs ein weiteres naname-no-hana, diesmal mit geteilter kabu in einer langen Schale. Es war verblüffend zu sehen, wie "leicht" Sonnenblumen wirken können, das hat man diesen manchmal steif wirkenden Blumen gar nicht zugetraut.


Nachmittags wurden noch ein Shôka shofûtai sanshu-ike maze-ike für die Fortgeschrittenen und ein Shôka shinpûtai für alle Teilnehmerinnen vorgeführt.


Mit der Urkundenverteilung und Verabschiedung unserer Meisterin ging ein wunderbares, aber auch sehr anspruchsvolles Seminar viel zu schnell wieder zu Ende. Uns blieb nur noch, den Seminarraum wieder in den Urzustand zurückzuversetzen und unsere Arrangements und den restlichen Krempel nach Hause zu transportieren. Aber wir dürfen uns jetzt schon auf das nächste Seminar im Oktober 2014 freuen.
Und hier zum Drüberstreuen noch meine Beiträge zum Seminar:

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