Mittwoch, 28. Januar 2026

Shimpūtai und Freestyle

Das Programm des gestrigen Übungsabends lautete eigentlich Shōka shimpūtai mit selbst mitgebrachtem Material. Da aber Anfragen nach Großmarktmaterial eintrudelten und viele der Teilnehmer*innen Freestyle bevorzugen, wurde kurzerhand umdisponiert. Wer wollte, arbeitete Shimpūtai, für die anderen gab es ein Überraschungspaket für Freestyle. 

Die Situation am Blumengroßmarkt bzw. bei den Großhändlern ist im Moment relativ trist. Leere Hallen, freie Parkplätze und kaum Kunden prägen das Bild. Deshalb haben viele Großmarktstände geschlossen und auch das Blumenangebot ist sehr überschaubar. 
Ok, es gibt Tulpen im Überfluss, aber andere Frühlingsblüher wie Anemonen oder Ranunkeln sind nur vereinzelt auszumachen. Wir arbeiten lieber erst später im Jahr mit Tulpen, wenn heimische Ware erhältlich ist, denn die holländischen Tulpen haben zwar sehr schöne Blüten, die Blätter sind aber derzeit noch überaus weich und labbrig und hängen fast sofort nach dem Auspacken. 
Also sind wir schließlich wieder bei Narzissen gelandet, davon gab es gerade mal genügend Stiele für alle Blumenpakete. Diesmal kombinierten wir dazu violettes Limonium und rote Alstroemerien. Für das nötige Grün – und auch leicht verfremdet für Linie – sorgte Lederfarn. 

Beim nächsten Übungsabend stünden zwar wieder Narzissen, diesmal für Freestyle kreativ, auf dem Programm, das werden wir aber kurzfristig ändern. Drei Einsätze hintereinander sind doch zu viel des Guten. Mal schauen, was der Großmarkt kurz vor dem Valentinstag so hergibt, traditionellerweise ist da das Angebot ja vielfältiger. Vielleicht finden wir Ranunkeln, die sollen schließlich zum Thema des nächsten Jahreszeitenbriefes werden und dafür sind viele Fotos nötig.

Beim Shōka shimpūtai - wie üblich gab es dafür keine 'Vorlage' - machte sich die Ebbe im Blumengeschäft ebenfalls bemerkbar. Viele griffen auf Zweige aus dem Garten oder der Au zurück, plünderten Zimmerpflanzentöpfe oder wechselten gleich zu Exoten. So hatten wir schließlich doch noch eine schöne Sammlung unterschiedlicher Impressionen beisammen. Und nach und nach werden zusätzliche Hausübungen eintrudeln.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Ein neues Ikebana-Jahr beginnt

Nach mehr als einem Monat Ikebana-Pause war es endlich so weit. Die Feiertage sind vorbei, die Termine fixiert und das Programm für 2026 steht. Somit konnten wir uns wieder im Seminarraum der ÖGG versammeln und mit Ikebana beschäftigen. 
Zum ersten Übungsabend im neuen Jahr haben wir uns vorgenommen, in der Tradition des hatsu-ike zu arbeiten. In Japan ist eine erstmalige Tätigkeit – sei es ein Schreinbesuch oder eben auch Blumenarrangieren – etwas Besonderes und soll mit der entsprechenden Geisteshaltung absolviert werden. 
Im HQ in Kyoto findet die hatsu-ike-Zeremonie immer am 5. Jänner statt und ist mit einer öffentlich zugänglichen Ausstellung der entstandenen Arbeiten verbunden. Zuerst bittet man vor der Kannon im Rokkakudō um ein erfolgreiches Jahr und die Erreichung der gesetzten Ziele, danach wird in Anwesenheit des Headmasters (seit einer Weile vertreten durch seine designierte Nachfolgerin) arrangiert. In gewisser Weise stellt das Ikebana ein Blumenopfer an die Gottheiten dar. 
In unserem Fall ist die Sache nicht so traditionell und formalisiert. Wir freuen uns einfach, dass wir frisch-fröhlich ins neue Ikebana-Jahr starten können und hoffen, dass wir erfolgreich auf dem kadō vorankommen. 

Die Pflanzenauswahl am Großmarkt war etwas bescheiden, was auch daran liegen konnte, dass sich die LKW aufgrund der herrschenden Straßenverhältnisse mit Schnee, Eisregen und Glatteis noch nicht bis zu ihrem Bestimmungsort durchgekämpft hatten. Aber immerhin hatte einer der Händler sehr schöne, blühende Zierquittenzweige im Angebot. Zusammen mit weißen Ranunkeln mit feinem grünen Rand, kleineren roten Ranunkeln und Narzissen mit langen Blättern ließ sich daraus ein Freestyle gestalten, das sowohl den Schnee als auch die Vorfreude auf den Frühling ausdrückt. Wer sich selbst um Material gekümmert hat, arrangierte Shōka shimpūtai vor Ort oder steuerte Arrangements als Hausübungen bei. 

Hier nun die Fotos unserer Arbeiten zur Begrüßung des neuen Ikebana-Jahres.