Freitag, 6. März 2015

Monatstreffen Ikebana International

Das März-Monatstreffen von Ikebana International Chapter 223 stand diesmal ganz im Zeichen von rosa und gelb. Das Thema lautete Mädchenfest und dementsprechend wurden die Leitfarben der Arrangements gewählt.  
Hina matsuri wird das Mädchen- oder Puppenfest auf japanisch genannt, oder auch momo-no-sekku (Pfirsichblütenfest). Die Ursprünge des Puppenfestes liegen in einem chinesischen Reinigungsritual. Dem Brauch liegt der Glaube zugrunde, dass Puppen die Macht hätten, böse Geister in ihren Körpern einzuschließen und so die Eigentümer vor gefährlichen Begegnungen zu schützen. In der Edo-Zeit begannen wohlhabende Samurai und Kaufleute, dairibina (Puppen, die das Kaiserpaar darstellen) und Zierrat für ihre Töchter zur Schau zu stellen. In der Art des Aufstellens und auch durch die Kleidung der Puppen wurde die Hofgesellschaft in ihrer Hierarchie aufs Genaueste nachgeahmt. Mit der Zeit kamen immer mehr Puppen und Miniaturgegenstände dazu. Bis Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich das Puppenfest vollständig in der gesamten Bevölkerung etabliert. Bis heute ist es für Mädchen in Japan ein besonderes Fest und steht für Respekt gegenüber den Eltern, Ahnenverehrung und Loyalität zur Familie. Darüber hinaus ist es Ausdruck der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, ihre Freude und ihr Stolz für sie und das Bemühen, ihnen jeden Wunsch zu erfüllen.
Der Name Pfirsichblütenfest rührt daher, dass Pfirsichblüten ein Symbol für Sanftheit und Anmut sind, also alles Ideale für eine junge Frau in Japan. Sie stehen auch für das Glück in der Ehe.
Gestern versammelten sich also 13 Damen und 2 Herren in der Studiogalerie, um anlässlich des Mädchenfestes ihre Arrangements zu präsentieren. Da die Themenerweiterung ".... mit und ohne Papier" lautete, waren in einigen Arrangements auch wunderbare washi-Papiere und auch Fächer vertreten. Auch die eine oder andere Puppenfigur versteckte sich zwischen den Arrangements. Die Vielfalt an Variationsmöglichkeiten zu diesem Thema war wieder einmal erstaunlich. Hier nun eine Auswahl der gestrigen Arrangements:

 
  
    

Sonntag, 1. März 2015

Frühlingsworkshop

Wie jedes Jahr, wenn die Zeit der Blütenzweige gekommen ist, gibt es in der ÖGG einen Ikebana-Workshop mit diesem Schwerpunkt. Speziell Shôka, sowohl als "normales" shôfûtai als auch in der betsuden-Variante oder in Sondergefäßen, ist um diese Jahreszeit einfach Pflicht für jeden begeisterten Ikebanesen. Natürlich wurde auch an den Nachwuchs gedacht und das Programm mit diversen Jiyûka aufgelockert. 
Material für je 3 Shôka (isshu-ike mit Pfirsichblüten, nishu-ike mit Palmkätzchen und Tulpen und dazu noch ein kabu-wake mit Kirschen und Iris) und Jiyûka wurde vom Großmarkt geholt. Wer Sonderformen üben wollte, schnitt die Zweige selbst. 2 der Damen waren besonders erntefreudig und brachten einen gewaltigen Berg an Kornelkirschen in die ÖGG. Noch dazu schöne alte Zweige mit unzähligen gerade aufbrechenden Blüten - ein Traummaterial für Shôka-Enthusiasten. Am Ende war noch genug davon übrig, um etwas davon mit nach Hause zu nehmen.
Der Workshop war diesmal ungemein gut besucht, am Freitag waren wir 10 Damen und am Samstag kamen 4 weitere Teilnehmerinnen dazu. Der Seminarraum der ÖGG geriet an die Grenzen seiner Kapazität. Die beiden Neueinsteigerinnen machten ihre ersten Schritte auf dem Ikebanaweg mit Palmkätzchen, Kirschzweigen und Drehweide und dazu passenden Blumen und fertigten daraus Jiyûka, die von der ganz natürlichen Schulform über eine etwas kreativere Variante bis hin zum tate-no-hana immer anspruchsvoller wurden. Der schon etwas erfahrenere Nachwuchs übte erstmals Shôka mit Zweigen und mühte sich ab, um die entsprechende Grundform hinzubiegen. Und dabei haben sie sich sehr erfolgreich geschlagen! Zum Ausgleich und als Entspannungsübung beschäftigten sie sich anschließend ebenfalls mit Jiyûka.
Für die Fortgeschrittenen und Profis ging es um die Verfeinerung der Grundformen und das Arrangieren von Sonderformen. Neben klassischen und modernen betsuden-Varianten wurden auch Kranich, Schildkröte und hängendes Boot gearbeitet. Dazu kam noch das eine oder andere Shôka shinpûtai. Schlussendlich waren 52 Ikebana arrangiert, korrigiert und auch fotografiert - kein Wunder, dass wir das geplante Workshopende um mehr als 1 Stunde nach hinten verlegen mussten. 
Trotz des konzentrierten Arbeitens verlief der Workshop in einer lockeren Atmosphäre und auch für Geplauder, die eine oder andere Frotzelei und jede Menge Gelächter war genügend Zeit. Schließlich soll die ganze Sache auch spaß machen und nicht in "Kampf-Ikebana" ausarten. Freitag hatten wir außerdem noch Besuch von einem süßen roten Katerchen, dem es im Schulgarten zu einsam war. Raschelndes Verpackungsmaterial, interessante Taschen und Körbe und viele Streicheleinheiten waren ihm wesentlich lieber. Ob aus ihm wohl noch eine gut erzogene Ikebana-Katze wird, die unsere Arrangements nicht unbedingt als Spielzeug ansieht?
Hier nun die Fotos einiger der vorgezeigten Beispiele und von jeder Teilnehmerin ein ausgewähltes Arrangement.

 Shôka nishu-ike und 2 der vorgeführten Jiyûka

 unser spezieller Freitagsgast

 Shôka isshu-ike mit Pfirsich

Shôka nishu-ike, rechts ein erstes Shôka mit Zweigen
 
einige der klassischen Arrangements

 Shôka kabu-wake sui-riku-ike gedan-soe

 einige der gearbeiteten Jiyûka

Mittwoch, 25. Februar 2015

Parfumpräsentation mit Ikebanabegleitung

In den Kasematten des Palais Coburg in der Innenstadt fand die Präsentation des neuen Parfums von Kenzo statt. Marionnaud, der exklusive Vertriebspartner von Kenzo, lud Journalisten und Blogger ein, die neuesten Produkte noch vor Verkaufsstart zu probieren.
Um auf den japanischen Ursprung des Parfums hinzuweisen, sollte die Präsentation von Ikebana-Vorführungen begleitet werden. Der neue Duft stellt, im Gegensatz zum bereits bekannten Parfum "Flowers by Kenzo", diesmal eine weiße Mohnblume in den Mittelpunkt. Dabei handelt es sich um eine seltene Variante, die nur an wenigen Standorten zu finden ist. Im Parfum werden Duftnoten von Freesien und Päonien von weißem Moschus und einer speziellen Essenz begleitet und ergeben eine frische, blumige Gesamtnote.
Da um diese Jahreszeit leider keine Mohnblumen erhältlich sind und der Seidenmohn sehr wuchtige Blüten besitzt, bildeten stattdessen rote und weiße Anemonen die Leitpflanzen. Arrangiert in schwarzen Gefäßen ergab das zusammen mit Korkenzieherhasel, Drehweide und Lonicera purpusii einen schönen Kontrast, ohne zu wuchtig zu wirken. Eben angepasst an die Leichtigkeit des Duftes. 
Natürliches Jiyûka, als kreatives Moribana bzw. Nageire arrangiert, war die Stilrichtung der Wahl. Durch den sehr begrenzten Platz - ein halber Tisch musste ausreichen - waren aufwändigere Arrangements von Vornherein ausgeschlossen. In 2 Vorführungen wurden jeweils 3 Arrangements in unterschiedlicher Zusammenstellung präsentiert. 
So schön das Ambiente der Kasematten auch war, die Ziegelwände eigneten sich nicht gerade gut als Hintergrund. Und das Licht war auch nicht überwältigend gut. Deshalb mussten die Fotos mit Blitzlicht gemacht werden, denn ohne Blitz kamen die Linien vor den Ziegelwänden überhaupt nicht zur Geltung.

 die beiden Nageire-Varianten - auf die Neigung kommt es an

 Moribana im Hoch- und Querformat

 mehr Platz gab es nicht....

Denka-Shôka mit Tazetten

Gestern gab es wieder einmal einen "duftenden" Übungsabend. Der Seminarraum in der ÖGG war vom Duft der Tazetten erfüllt, wenn nicht sogar überflutet. In hohen Dosen ist der Geruch wirklich penetrant. Dabei hatten wir gestern gar nicht die weißen sternblütigen Tazetten in Arbeit, sondern die schönen cremefarbenen mit der gelben Krone. Die riechen normalerweise nicht so stark.
Diesmal gab es am Großmarkt Tazetten mit langen Blättern und teilweise sehr schönen hakama. Leider nicht allzu viele, denn statt der erhofften 10 Stück pro Nase gab es nur 5 Exemplare, mit denen wir auskommen mussten. Der Nachteil der langen Blätter war, dass sie ziemlich breit, weich und schlabbrig waren. Keine Idee von Stabilität und wenn man ein wenig zu oft versuchte, die Blätter auf Linie zu bringen, machten sie gleich schlapp. 
Aber trotzdem, wir gaben unser Bestes und im Vergleich zum Vorjahr konnte wieder eine Verbesserung bemerkt werden. Auch der Nachwuchs schlug sich sehr gut. Das "Ausziehen" der Pflanzen klappte problemlos und auch die hakama hielten der Beanspruchung gut stand. Bei der Formgebung gab es generell noch kleine Defizite, aber die Blätter waren bei allen korrekt vorne und hinten angeordnet und die Längenunterschiede passten ganz gut. Hätten wir die stabilen Blätter der echten japanischen suisen gehabt, wären die Arrangements noch besser geworden....
Trotzdem, die Bilder zeigen, dass wir uns von Jahr zu Jahr verbessern.


Mittwoch, 11. Februar 2015

Und wieder einmal Nageire - schon lange nicht mehr geübt .....

Nageire - oder genauer gesagt "natürliches Jiyûka nach den neuen Regeln in der Vase arrangiert" - ist und bleibt der besondere "Liebling" unserer Gruppe. Keiner murkst gerne mit den kubari herum, bis die Zweige und Blumen halten, jeder schimpft und meckert, aber wenn dann ein elegantes Arrangement vor einem steht, ist man (meistens) doch wieder versöhnt. Trotzdem, die zugrundeliegende Technik ist ein wichtiges Element für zukünftige klassische Shôka-Arrangements. Denn wie jeder aus leidvoller Erfahrung weiß, ohne gut sitzenden kubari schafft man kein anständiges klassisches Shôka.
Gestern war es also wieder so weit mit dem Nageire, dabei ist das letzte doch erst im Herbst auf dem Programm gestanden. 2 Damen unseres Nachwuchses plagten sich erstmals mit diesem Arrangement und sie haben ihre Sache gut gemacht. Die Zweige haben gehalten und den Vasenrand nicht berührt und auch die Blumen sind ganz ordentlich geworden. Bei den Fortgeschrittenen waren die Maßstäbe natürlich etwas höher angesetzt. Mit den Anemonen vom Großmarkt haben wir diesmal leider ein wenig Pech gehabt. Kaum ausgepackt, sind uns die Dinger unter den Händen voll aufgeblüht - war vielleicht der Angstschweiß daran schuld? Allerdings glaube ich eher, dass die Ware nicht mehr taufrisch war und eventuell etwas zu viel Kälte abgekriegt hat. Durch das Schneechaos der vergangenen Tage waren teilweise Autobahnen gesperrt und die LKW aus Holland sind nicht rechtzeitig eingetroffen. Aber trotzdem sind die Arrangements schön geworden, wie man an den Bildern sehen kann.