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Dienstag, 4. August 2020

Sommerzeit ist Gladiolenzeit

Wie in jedem Jahr beschäftigen wir uns im Sommer einmal mit Gladiolen, und zwar entweder in Form eines Shōka shōfūtai oder als Freestyle-Arrangement. Auch heuer war es nun wieder so weit und wir schwärmten auf den Feldern der Umgebung aus, um uns passendes Material zu organisieren. 

Das Wetter hat uns beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber die starken Regenfälle verringerten sich doch ein wenig, sodass wir zwar mit tiefen, verschlammten Böden kämpfen mussten, dafür aber zusätzlich nicht auch noch von oben begossen wurden. Nur gut, wenn man spezielles Schuhwerk im Auto hat, das für solche Einsätze geeignet ist und das man dann zum Abtrocknen im Kofferraum liegen lassen kann. Trockener Schlamm lässt sich viel leichter abklopfen. 

Durch die vorangegangene Hitzeperiode waren die Blütenstiele der Gladiolen heuer erfreulicherweise gestauchter gewachsen und die Blüten waren kleiner, wodurch sie sich viel besser für Shōka eigneten. Und auch die Blätter waren teilweise schön schlank und ausreichend lang. Einem produktiven Übungsabend stand also nichts mehr im Wege. 

Üblicherweise wird das Vorführ-Shōka mit zwei oder drei Blüten gearbeitet, diesmal jedoch kamen gleich fünf Blütenstiele zum Einsatz. Dafür begnügten sich die Shōka-Damen dann in ihren eigenen Arbeiten mit weniger Blüten. 

Die Freestyle-Demo brachte ebenfalls eine Abänderung des üblichen Schemas. Kein natürliches Schalenarrangement im Moribana-Stil, sondern eine Umsetzung in einer kreativen Vase wurde gezeigt. Schließlich soll man sich im Unterricht Anregungen holen, wie man alternative Arrangements gestalten kann. 

Interessanterweise wurden die Freestyle-Arbeiten in den überwiegenden Fällen monochrom arrangiert, eventuell unter Hinzufügung von Fremdmaterial. Die Ergebnisse waren überaus sehenswert. 

In zwei Wochen – beim nächsten Übungsabend – steht wiederum eine sommerliche Leitpflanze auf der Agenda. Da wird dann mit Sonnenblumen gearbeitet, wahlweise als Freestyle oder Shōka. Man darf auf interessante Shōka sanshu-ike und Shōka shinpūtai gespannt sein. Und die Damen und Herren werden auch auf dem Freestyle-Sektor wieder spannende Arbeiten abliefern.


Freestyle-Arrangements
Shōka shōfūtai isshu-ike

Mittwoch, 10. Mai 2017

Wiesenblumen - oder doch nicht?


Wiesenblumenarrangements im Körbchen sind immer hübsch anzusehen, da sie meist etwas Wildes, Ursprüngliches vermitteln. Gerade so, als ob man gerade über die Wiese oder durch den Garten/Park gegangen wäre, wahllos Blumen abgeschnitten und diese dann in den nächstbesten Korb gesteckt hat. 
Hinter dieser Leichtigkeit steckt aber einiges an Planung und auch das Arrangieren ist nicht ganz so einfach, wie das Ergebnis vermuten lässt. 

Dieses Jahr sind wir fast ein bisserl zu früh dran mit den Wiesenblumen, die hätten noch gut eine Woche Zeit vertragen. Dann wären sicher mehr Blumen zu finden gewesen. Aber das Programm wird im Herbst erstellt und da kann keiner voraussagen, wie denn der Winter werden wird. Vielleicht sollten wir uns einen Parapsychologen oder Hellseher in der Gruppe zulegen. 

Also haben wir das Pflanzenspektrum in Ermangelung passender Wiesenblumen ganz einfach erweitert und um Garten- und Balkonpflanzen ergänzt. So konnte schließlich jede der Damen ihren Korb mit entsprechenden kazai befüllen. 
Und diesmal konnten wir eine besonders große Auswahl an unterschiedlichen Korbformen bewundern: Da gab es flache Henkelkörbchen, runde Exemplare, Korbvasen, original japanische Körbchen mit und ohne Henkel, Flohmarktschnäppchen, antike Stücke usw. 
Der Inhalt reichte von "echten" Wiesengewächsen über bunte Mischungen bis hin zu reinen Gartenpflanzen. 

Alle hatten ihren Spaß und es war eine harmonische Runde. Eine unserer Damen war ganz besonders fleißig und hat in einer Celadonvase ein süßes Nageire mit Spirea und kleinen Rosen arrangiert. Diese Zwischenprüfung hat sie sich mit Bravour verdient.

 
 

Sonntag, 29. Januar 2017

Jiyūka Basic 1 mit Schwerpunkt Linie


Diesmal galt es, die Themenvorgabe des Übungsabends in der ÖGG möglichst genau einzuhalten und die eigene Kreativität in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Solche Restriktionen kommen bei uns speziell im Jiyūka nicht allzu oft vor, sind aber von Zeit zu Zeit ein gutes Training für die Konzentration auf das Wesentliche und die Schärfung des Blicks für Details. Das führt im Endeffekt zu einer Harmonieverbesserung in allen Bereichen des Ikebana.

Durch die Materialzusammenstellung (5 Narzissen, 3 rosa Bartnelken und einige Stiele Drehweide) war in gewisser Weise auch der Stil vorherbestimmt, denn außer aufrecht oder vielleicht ein wenig geneigt ließ sich das kazai nicht vernünftig arrangieren. Lediglich durch die Wahl des Gefäßes konnte eine persönliche Note ins Spiel gebracht werden. Längliche oder blockförmige Gefäße sollten es sein, die sind für diese Art des Jiyūka besonders gut geeignet.

Und obwohl – oder gerade weil – diesmal so streng reglementiert wurde, zeigte sich trotzdem die unglaubliche Vielfalt des Ikebana. Keines der Arrangements glich dem anderen. 
Die meisten der Damen wählten die Narzissen als Hauptmaterial und unterstützten die Linien der schlanken Stiele durch Blätter. Die Bartnelken sorgten für den Anschluss ans Gefäß und das "Dichtmachen" des Fußes. Die Drehweide schließlich fungierte als Begrenzung und/oder Verstärkung des Linien-Charakters.

Anzahl und Position der Narzissenblüten variierte je nach Gestalterin stark und auch die Drehweide wurde auf recht unterschiedliche Weise eingesetzt. 
Eine der Damen ging einen völlig anderen Weg und stellte die Weide in den Mittelpunkt ihres Arrangements. Sie verstärkte den wilden, natürlichen Eindruck dadurch, dass sie nur wenig Blumen eher tief setzte und die Bühne hauptsächlich der Weide überließ. 

Noch etwas hat sich gezeigt, nämlich auf wie viele Arten sich unser "Universalgefäß" verwenden lässt. Gleich drei der Damen entschieden sich dafür und jede von ihnen befand eine andere Seite als für sie besonders passend. Wir sind echt froh, dass eine unserer Keramikerinnen dieses Gefäß für uns gemacht hat. In Raku-Technik schaut das Ding auch viel besser aus als das schwarz-weiße Original vom Headquarter.


 

Mittwoch, 25. Mai 2016

Ein Abend mit Pfingstrosen


Pfingstrosen sind doch immer wieder eine Freude. Der Seminarraum in der ÖGG war erfüllt vom zarten Duft der Päonien. 130 creme-weiße Exemplare – diesmal hatten wir das Glück, dass sogar das Laub nicht ganz so katastrophal war – standen uns für Shōka und Jiyūka zur Verfügung. Dazu kamen noch einmal 30 kürzere rosa Pfingstrosen, damit das natürliche Jiyūka durch etwas Farbe aufgepeppt wurde. 
Bei den weißen Päonien hatten wir außerdem eine gute Mischung aus geschlossenen und halb offenen Blüten erwischt, wodurch wir uns speziell beim Shōka recht gut an die Regeln halten konnten. Die Bandbreite der fertigen Shōka reichte von 5 bis 9 Blüten, wobei die meisten von uns 7 Blüten und 2 zusätzliche Blattlinien bevorzugten. 
Es ist leider ein genereller Nachteil der Gartenpäonien, dass besonders die stabilen, langstieligen Sorten, die für den Schnitt gezüchtet werden, oft ein spärliches und zudem auch recht grobes Laub aufweisen. Wenn die Blätter durch Verpackung und Transport dann noch zerdrückt werden, wird das Arrangieren ein wenig knifflig. Es gibt zwar auch lange Pfingstrosen mit schön gefiedertem Laub, da sind dann aber die Stiele so dünn, dass die Dinger nicht aufrecht stehen bleiben. 
Wenn nur jeder die Stiele selbst schneiden könnte, dann gäbe es weit weniger Probleme, ein schönes Shōka zustande zu bringen. Aber bloß nicht zu viel jammern, wir hatten es diesmal mit dem kazai ganz gut getroffen und konnten uns über recht ansehnliche Werke freuen. 
Für das Jiyūka wurden die Pfingstrosen in 2 Varianten verwendet: Einmal isshu-ike als Moribana in 2 Farben und dann noch kreativ mit dominanter Einzelblüte in Kombination mit Gräsern und Hostablättern. Hier nun unsere Ergebnisse: