Am Samstagnachmittag war ich vom Künstlerbund St. Pölten zu einer Vorführung im Rahmen der derzeit laufenden Ausstellung 'Flora bringt Blumen' eingeladen. In den Räumlichkeiten von KUNST/WERK wurde inmitten der Ausstellungsstücke Platz geschaffen, damit die Besucher*innen eine kleine Reise durch die Geschichte des Ikenobō-Ikebana mitverfolgen konnten.
Die Vorbereitungen für die Vorführung begannen bereits am Vormittag, nachdem die Blumen, die von der Gärtnerei Bonigl gesponsert wurden, eingetroffen waren. Die einzelnen Arrangements wurden grob zusammengestellt, Blumen, Gefäße und Zubehör gut verpackt und kurz nach Mittag ins KUNST/WERK gebracht. Nach dem Einrichten vor Ort blieb noch Zeit, sich die Ausstellung anzuschauen, bevor die ersten Besucher*innen eintrafen.
Die Ausstellungskuratorin, Frau Eva Bakalar, begrüßte die Anwesenden. Frau Stadträtin Birgit Becker gab eine kleine Einführung, was die Besucher*innen erwarten durften, und wies auf eine langjährige Verbundenheit zwischen der Stadt St. Pölten und Japan hin. Im nächsten Jahr wird das 70-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Kurashiki (Präfektur Okayama) gefeiert. Die Vorführung stellt in gewisser Weise also auch einen kleinen Vorgeschmack auf kommende Veranstaltungen dar.
Und dann war ich an der Reihe. Als erstes Arrangement arbeitete ich ein tatehana und erzählte dabei ein wenig von den Ursprüngen des Ikebana als Blumenopfer und der Weiterentwicklung hin zu den anderen heute gebräuchlichen Stilen. Danach folgte ein entspanntes, herbstliches Freestyle mit Lampionblumen, Miscanthus und Chrysanthemen, um einen Kontrast zum doch eher strengen tatehana zu bilden.
Weiter ging es mit einem noch moderneren Stil, einem Shōka shimpūtai. Shu bildeten weiße, einzelblütige Chrysanthemen, über yo und ashirai durfte das Publikum entscheiden. Ich persönlich hätte ja den Federmohn gewählt, der den Chrysanthemen einen verspielteren Ausdruck entgegengesetzt hätte, die Mehrheit wollte aber das Lampenputzergras.
Als Gegensatz zum eher natürlichen Freestyle von vorhin folgte nun ein Freestyle mit Linienbetonung aus Sonnenblumen, Diamantgras und ein paar Farbtupfern in Form von Eustoma. Für das nötige Grün sorgten Hostablätter und viele Hypericumbeeren verdichteten die Schalenöffnung.
Um zu einem mehr traditionellen Stil zurückzukommen, arrangierte ich ein Shōka aus Enzian und kleinen Chrysanthemen. Dem strengen Ausdruck dieses nishu-ike verlieh ich durch Miscanthus mehr Bewegung und verwandelte das Arrangement in ein modernes sanshu-ike. So konnte das Publikum gleich direkt sehen, wie und warum Stile weiterentwickelt werden.
Den Abschluss bildete ein Rikka shimpūtai, die neueste Form des Ikenobō-Ikebana. Dieser Stil ist jetzt auch bereits 27 Jahre alt, aber was ist diese Zeitspanne schon im Vergleich zur langen Tradition der Blumenkunst.
Nach gut einer Stunde war die Vorführung geschafft und dem Publikum dürfte es gefallen haben. Jedenfalls wurde ausgiebig applaudiert und es gab jede Menge Fragen, die (hoffentlich ausreichend) beantwortet wurden. Die Kuratorin der Ausstellung wirkte ebenfalls sehr zufrieden und es wurden die Arrangements von allen Seiten fotografiert (der Hinweis, dass die Arbeiten eigentlich nur eine bestimmte Ansichtsseite haben, wurde dabei geflissentlich ignoriert).





















































