Montag, 14. September 2026

Vorführung im Rahmen der Ausstellung 'Flora bringt Blumen'

Am Samstagnachmittag war ich vom Künstlerbund St. Pölten zu einer Vorführung im Rahmen der derzeit laufenden Ausstellung 'Flora bringt Blumen' eingeladen. In den Räumlichkeiten von KUNST/WERK wurde inmitten der Ausstellungsstücke Platz geschaffen, damit die Besucher*innen eine kleine Reise durch die Geschichte des Ikenobō-Ikebana mitverfolgen konnten. 
Die Vorbereitungen für die Vorführung begannen bereits am Vormittag, nachdem die Blumen, die von der Gärtnerei Bonigl gesponsert wurden, eingetroffen waren. Die einzelnen Arrangements wurden grob zusammengestellt, Blumen, Gefäße und Zubehör gut verpackt und kurz nach Mittag ins KUNST/WERK gebracht. Nach dem Einrichten vor Ort blieb noch Zeit, sich die Ausstellung anzuschauen, bevor die ersten Besucher*innen eintrafen. 

Die Ausstellungskuratorin, Frau Eva Bakalar, begrüßte die Anwesenden. Frau Stadträtin Birgit Becker gab eine kleine Einführung, was die Besucher*innen erwarten durften, und wies auf eine langjährige Verbundenheit zwischen der Stadt St. Pölten und Japan hin. Im nächsten Jahr wird das 70-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Kurashiki (Präfektur Okayama) gefeiert. Die Vorführung stellt in gewisser Weise also auch einen kleinen Vorgeschmack auf kommende Veranstaltungen dar. 

Und dann war ich an der Reihe. Als erstes Arrangement arbeitete ich ein tatehana und erzählte dabei ein wenig von den Ursprüngen des Ikebana als Blumenopfer und der Weiterentwicklung hin zu den anderen heute gebräuchlichen Stilen. Danach folgte ein entspanntes, herbstliches Freestyle mit Lampionblumen, Miscanthus und Chrysanthemen, um einen Kontrast zum doch eher strengen tatehana zu bilden. 
Weiter ging es mit einem noch moderneren Stil, einem Shōka shimpūtai. Shu bildeten weiße, einzelblütige Chrysanthemen, über yo und ashirai durfte das Publikum entscheiden. Ich persönlich hätte ja den Federmohn gewählt, der den Chrysanthemen einen verspielteren Ausdruck entgegengesetzt hätte, die Mehrheit wollte aber das Lampenputzergras. 

Als Gegensatz zum eher natürlichen Freestyle von vorhin folgte nun ein Freestyle mit Linienbetonung aus Sonnenblumen, Diamantgras und ein paar Farbtupfern in Form von Eustoma. Für das nötige Grün sorgten Hostablätter und viele Hypericumbeeren verdichteten die Schalenöffnung. 
Um zu einem mehr traditionellen Stil zurückzukommen, arrangierte ich ein Shōka aus Enzian und kleinen Chrysanthemen. Dem strengen Ausdruck dieses nishu-ike verlieh ich durch Miscanthus mehr Bewegung und verwandelte das Arrangement in ein modernes sanshu-ike. So konnte das Publikum gleich direkt sehen, wie und warum Stile weiterentwickelt werden. 

Den Abschluss bildete ein Rikka shimpūtai, die neueste Form des Ikenobō-Ikebana. Dieser Stil ist jetzt auch bereits 27 Jahre alt, aber was ist diese Zeitspanne schon im Vergleich zur langen Tradition der Blumenkunst. 
Nach gut einer Stunde war die Vorführung geschafft und dem Publikum dürfte es gefallen haben. Jedenfalls wurde ausgiebig applaudiert und es gab jede Menge Fragen, die (hoffentlich ausreichend) beantwortet wurden. Die Kuratorin der Ausstellung wirkte ebenfalls sehr zufrieden und es wurden die Arrangements von allen Seiten fotografiert (der Hinweis, dass die Arbeiten eigentlich nur eine bestimmte Ansichtsseite haben, wurde dabei geflissentlich ignoriert).

Mittwoch, 9. September 2026

Ikebana zum Chrysanthemenfest

Beinahe zum richtigen Datum haben wir beim gestrigen Treffen das Chrysanthemenfest in den Mittelpunkt gestellt. Und beide Kurse waren überaus gut besucht, was sich auch in der Galerie erkennen lässt. 

Chrysanthemen haben bei uns zwar immer noch den Beigeschmack von Friedhof und Allerheiligen/Allerseelen, aber mittlerweile finden sich in den Gärten immer häufiger winterharte Sorten, die durch ihre Farbenpracht beeindrucken. Und durch die durchgehend wärmeren Winter überleben oft sogar die in Massen im Blumenhandel angebotenen Topfchrysanthemen und blühen auch noch im darauffolgenden Jahr. 
Allerdings handelt es sich bei den Überlebenden und den winterharten Sorten in der Regel um mehrblütige Chrysis mit kleinen bis mittleren Blütengrößen. Richtig schöne Einzelblüter lassen sich im Garten leider nicht kultivieren. Aber dafür gibt es ja den Großhandel. 

Wir wollten zum Chrysanthemenfest einerseits Shōka shōfūtai isshu-ike arrangieren und als Alternative Freestyle, das bunt und üppig ausfallen sollte. 
Für das Shōka hatten wir sehr schöne weiße Chrysanthemen der Sorte 'Topspin' zur Verfügung, die sich durch elegante Stiele, mittelgroße Blüten und hervorragendes Laub auszeichnet. Und die gelieferten Exemplare waren echt knackfrisch und trugen sogar teilweise Seitenknospen. 
Jedes Paket enthielt sechs Stiele, daraus ließ sich relativ problemlos ein isshu-ike mit fünf Linien gestalten. Eine unserer Damen freute sich über ein zusätzliches Paket, weshalb sie in ihrer großen Bronze mit neun Linien arbeiten konnte. Die tolle Vase hätte sonst auch nicht zu einer recht schlanken shin-Form gepasst. 

Die Freestyler durften sich über eine farbenfrohe Auswahl freuen. Neben den weißen einzelblütigen Chrysis hatten sie leuchtendgelbe, mittelgroße Exemplare und Santinis mit kugeligen, grünen Blüten zur Verfügung. Da passte alles – Variation in Größe, (Blüten)Form und Farbe war vorhanden. Fast wie aus dem (nicht vorhandenen) Lehrbuch. 

Zu den schönen Chrysanthemen hätte eigentlich Miscanthus für etwas Bewegung gut gepasst. Aber die Trockenheit hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, Miscanthus ist derzeit fast nicht erhältlich. Und die Gartenexemplare weisen deutliche Trockenschäden auf und sind viel kleiner als sonst. 
Also wurde es Rutenhirse, die wie ein Schleier für einen weicheren Ausdruck sorgt. Einziges Problem: Am Kamerabildschirm ist nicht gut zu erkennen, ob das Arrangement auch vollständig fotografiert wurde. Das merkt man erst bei der Nachbearbeitung. 
Jedenfalls hatten wir viel Spaß und die Klimaanlage im Seminarraum kämpfte tapfer gegen die herrschende Hitze. Hier wie immer die Ergebnisse des Treffens plus diverse Hausübungen (die hoffentlich bald eintrudeln werden).

Montag, 31. August 2026

Spätsommerworkshop in der ÖGG

Der Spätsommerworkshop in der ÖGG bescherte uns bereits vor seinem eigentlichen Beginn ein paar Schweißausbrüche, und das lag nicht nur an den herrschenden Temperaturen. Durch einen Fehler beim Großhändler ist ein Teil des bestellten Materials nicht mit auf die Reise gegangen. 
Wenn man beispielsweise statt der bestellten (und benötigten) 100 Liatris nur 20 Stück in der Box findet, ist das ziemlich unangenehm. Und wenn man beim 2. Großmarktbesuch des Tages dann feststellt, dass es Liatris und die anderen fehlenden Pflanzen derzeit nicht im regulären Sortiment gibt, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Da ist dann kurzfristiges Umdisponieren angesagt und es wurde alles, das irgendwie für die geplanten Arrangements geeignet scheint, zusammengerafft.
Zusätzlich hofft man, es auch von der verbleibenden Zeit her noch rechtzeitig zurück in die ÖGG zu schaffen, bevor die ganzen Teilnehmer*innen eintrudeln (und dann vielleicht noch vor verschlossenen Türen stehen). Mit Hängen und Würgen hat es doch noch geklappt und es ist glücklicherweise die einzige Panne des gesamten Wochenendes geblieben. 

Unser Programm war wieder sehr vielfältig und für alle Damen haben sich die passenden Arrangements gefunden. Die Profis beschäftigten sich mit Rikka shōfūtai und Rikka shimpūtai, der Nachwuchs testete die Fähigkeiten im Shōka shōfūtai aus und auch Freestyle war in unterschiedlichen Varianten vertreten. 

Das Rikka war bereits deutlich herbstlich angehaucht, obwohl nach wie vor Grüntöne dominieren. Wir haben ein sugu-shin-Rikka mit Hahnenkammcelosien und Enzian (als Ersatz für die Liatris) gearbeitet, womit die Damen gut beschäftigt waren. Hypericum und pinke Nelken lieferten ein paar zusätzliche Farbtupfer, um die Grüntöne aufzulockern. 
Das Materialpaket für Rikka shimpūtai enthielt neben Anthurien und Monstera-Blättern auch Kängurupfötchen, Craspedien und diverses Grünzeug. Wer sich für tatehana entschieden hatte, erhielt Amaranth, Gräser, Waxflower und ebenfalls Kleinkram wie Alchemilla oder Farn. 

Da sich doch einige vom Nachwuchs an Shōka versuchen wollten, war an und für sich ein Linienarrangement mit Liatris und Rosen geplant. Die Pflanzen reichten gerade für das Demo-Arrangement und für diejenigen, die erstmals Shōka arrangierten. Die Damen mit etwas mehr Erfahrung erhielten Enzian, der mit den Rosen kombiniert werden konnte, und die Fortgeschrittenen arrangierten isshu-ike mit weißen Glockenblumen. 
Shōka sanshu-ike und Shōka maze-ike standen ebenfalls auf dem Programm. Der Amaranth für das maze-ike hat teilweise schlapp gemacht, aber mit den Gräsern und den Santini-Chrysanthemen hat das maze-ike auch als nishu-ike gut ausgesehen (und war zudem einfacher zu arrangieren). 

Die Freestyle-Arbeiten rangierten von herbstlich-natürlich (Lampionblumen und Chrysanthemen) über ein Spiel mit Texturen im engen Farbspektrum (zartgelbe Alstroemerien, gelbgrüner Frauenmantel, dunkelgrüner Asparagus und gelbe Craspedia) bis hin zu flächenbetont (Gerbera und Aralienblätter). Wer wollte, arbeitete mit selbst gesammelten Materialien oder kombinierte das Vorhandene nach Lust und Laune neu.

Auch aufgrund der auf Hochtouren laufenden Klimaanlage war es ein entspanntes und harmonisches Arbeiten und die Damen dürften den Workshop genossen haben. Jedenfalls hat es (bisher) keine Beschwerden gegeben 😊. 
Wie immer hier nur ein kleiner Ausschnitt der entstandenen Werke.