Sonntag, 5. Juli 2026

Online-Ausstellung 'Die Farben des Sommers'


'Die Farben des Sommers' - Ausstellung und Vorführung

Unsere diesjährige Ausstellung mit dem Titel 'Die Farben des Sommers' war ein voller Erfolg. Wenn man die Temperaturen im Vernissagenraum des Gartenbaumuseums bedenkt, wäre die Bezeichnung 'In der Hitze der Stadt' wesentlich passender gewesen. Aber vor gut einem Jahr, als die Details der Ausstellung fixiert wurden, konnte niemand ahnen, wie die Wetterlage sein würde. Dennoch haben unsere Arrangements sehr gut durchgehalten und es mussten nur einige wenige Pflanzen ausgetauscht werden. 
Die Eröffnung am Mittwoch fand in relativ kleinem Kreis statt. Die Vizepräsidentin der ÖGG, Frau Mag. Eva Vesovnik, übernahm die Begrüßung der Anwesenden und eröffnete die Ausstellung. Die Vertreterin der japanischen Botschaft, Frau Vizedirektorin Moeka Hosoya, konnte aufgrund eines anderen Termins in Niederösterreich erst verspätet eintreffen. Wir haben uns sehr gefreut, dass sie trotz ihres dichten Terminkalenders bei uns vorbeigeschaut hat. 

Am Donnerstag durften wir trotz der herrschenden Hitzewelle sehr viele Besucher*innen begrüßen und erstaunlicherweise war auch am Freitag ziemlich viel los. Das mag auch daran liegen, dass durch die Sommeröffnungszeiten des Schulgartens vom Mittwoch bis Freitag viele Touristen ihren Weg in unsere Ausstellung gefunden haben. 

Die Vorführung am Samstagnachmittag war - wenn man Ferienbeginn und Temperaturen berücksichtigt - ebenfalls erstaunlich gut besucht. Mehrmals mussten wir zusätzliche Sessel auftreiben. 
Diesmal bestritten Uschi und ich die Vorführung. Gestartet wurde mit einem Freestyle mit dem Titel 'Sommergewitter', wodurch die Hoffnung auf baldige Regenfälle ausgedrückt wurde. Perückenstrauch für die Wolken, gelbes Limonium als Wetterleuchten, Sonnenblumen als Blitze und ein Allium als Sonne, die sich hinter den Wolken versteckt. 
Dann war Uschi an der Reihe und zeigte ein Gladiolen-Shōka mit 2 Blüten und vielen Blättern, wobei sie den Zuschauern anschaulich erklärte, wie sie denn den Eindruck eines Gladiolenfeldes vermitteln wollte. 

Danach kamen ein Freestyle mit Linienbetonung und ein Shōka shimpūtai, das von der Bewegung der Alliumkugeln im Wind inspiriert war. Uschi folgte mit einem Freestyle, bei dem sie demonstrierte, wie man mit eventuellen Restblumen aus einem Strauß oder anderen Überbleibseln ein kleines Ikebana gestalten kann. Sonnenblumen, Spraynelken und etwas Grünzeug, mehr braucht es nicht. 

Als Gegenpol zu den doch etwas steif wirkenden Gladiolen kam dann ein Shōka isshu-ike mit Montbretien an die Reihe, das aufgrund von shusshō der Pflanzen einen komplett anderen Charakter besitzt. Zuletzt gab es ein Shōka shimpūtai mit Anthurien und Ballonblume, wobei die Zuschauer wählen konnten, ob als ashirai Binsen oder ein interessantes Gras verwendet werden sollten. 
Nach einer Stunde war es geschafft und wir konnten die Fragen der interessierten Besucher*innen beantworten. Es gab sogar einige Anfragen bezüglich Unterricht. Mal schauen, was sich daraus entwickelt. 

Hier nun die Bilder von der Vorführung. Die Ausstellungsarrangements und die Beiträge der auswärtigen Mitglieder werden separat veröffentlicht.

Sonntag, 28. Juni 2026

In Memoriam Kristin, 1966-2026

Kristin habe ich, wie die meisten von uns, durch Ikebana kennengelernt.
Eine Zeit lang bin ich regelmäßig mit ihr zum Ikebana-Unterricht zu Frau Prof. Pointner-Komoda nach Wollomoos gefahren. Wenn ich sie morgens zu Hause abgeholt habe, stand sie pünktlich vor der Tür und hatte gefühlt den halben Garten mitzunehmen: lange und ausladende Zweige, dazu viele Blumen. Ihre Arbeiten hatten eine Tendenz, groß zu sein und waren kreativ.

Kreativität war sicher neben dem handwerklichen Können eine ihrer Stärken.
Sie war immer anpackend, sah, wo eine Hand fehlte. Sie war großzügig, zum Beispiel beim Verleihen von Podesten oder in der Weitergabe von Pflanzensetzlingen. Sie hatte aber auch ihre eigenen Vorstellungen, so wurde zum Beispiel ein Moosgarten konzipiert.

Ikebana hat sie als Teenager zu lernen begonnen, zusammen mit ihrer Mutter an der VHS Würmtal bei Frau Prof. Pointner-Komoda.
Nach einer Pause hat Kristin sich im vergangenen Jahr wieder intensiv dem Ikebana zugewandt. Im Herbst 2025 hat sie es genossen, mit der Ikenobo Study Group Bern unter der Leitung von Kyoko Ulrich-Kajita im Stammhaus des Ikenobo Ikebana in Kyoto, Japan, an einem Seminar teilnehmen zu können.

Im Februar dieses Jahres ist sie mit mir nach Wien zum Workshop gefahren. Als ich sie auf der Rückfahrt fragte, warum sie während der Ikebana-Arbeiten keine Pause eingelegt hat, antwortete sie: "Ich fand alles so spannend!"

Nach dem Seminar von Andrea in Passau war es für Kristin ein Highlight, endlich zu verstehen, was ein gutes Tatehana ausmacht.

Ganz wichtig war ihr die eigene Familie. Viele Traditionen hat sie von ihrer Mutter übernommen und weitergeführt. Im vergangenen Jahr war die Freude groß über den Nachwuchs in der Familie.
Kristin hatte auch eine Schwäche für Hüte und bunte Mäntel. Außerdem war sie eine Opernfreundin und immer offen für jegliche Art von Kunst und Kultur.

Eine große Künstlerin hat die Bühne verlassen.

Anne, im Juni 2026

Im HQ in Kyoto, Herbst 2025

Alles von einem Spaziergang durch Feld und Flur
für die Ausstellung im Botanischen Garten München, Juni 2023