Mittwoch, 10. Juni 2026

Seminar in Bern - Tag 2

Nach dem regelkonformen Arbeiten vom Dienstag war heute sprühende Kreativität angesagt. Auf dem Programm standen Shōka shimpūtai (2 Arrangements) für Gruppe 1 und Rikka shimpūtai für Gruppe 2. 
Professor Sasaki startete den Unterricht mit einer erweiterten Erklärung von nimai-oha, da am Vortag doch einige Fragen aufgekommen waren. Danach folgte eine sehr interessante Lektion über Shimpūtai im Allgemeinen und es wurden Vergleiche zu Shōka und Rikka shōfūtai gezogen. Dabei ging es vor allem um die Beziehung von in und yo und worauf man beim Shimpūtai sonst noch achten sollte. 

Gruppe 1 hatte vielfältiges Material zur Auswahl, darunter schmale Cordyline-Blätter (die wir am Vortag bereits für das Rikka verwendet haben), Perückenstrauch und Amarant. Aus diesem Set wurde auch das Vorführ-Arrangement gestaltet – so ganz ohne auffällige Blüten. Die Cordyline-Blätter waren shu, der Amarant yo und für ashirai verwendete Sensei den Perückenstrauch. 
Weitere Pflanzen umfassten verschiedenfarbige Calla im Topf, Glockenblumen, Weizen und zarte Schachtelhalme. Auf Pflanzen vom Vortag konnte selbstverständlich ebenfalls zurückgegriffen werden. 

Für Gruppe 2 gab es ebenfalls Perückenstrauch, diesmal allerdings wesentlich längere und kräftigere Zweige. Dazu gesellten sich Ixien, Rittersporn, Frauenmantel, Galax-Blätter, Schachtelhalm und Steelgras sowie Weizen, Neuseelandflachs, Astrantien und Scabiosa stellata. Das Beispielarrangement war sehr raumgreifend und Sensei wies besonders darauf hin, dass der hauptsächliche Unterschied zwischen Shōka und Rikka (hinsichtlich shōfūtai, was aber auch für shimpūtai gilt) im Lichteinfall liegt. 
Shōka beschreibt einen Sichelmond, während Rikka den Vollmond darstellt. Deshalb soll ein Rikka shimpūtai zwar viel freien Raum aufweisen, dennoch aber insgesamt eine ungefähre Kugelform umfassen. Shōka shimpūtai hingegen ist stärker asymmetrisch ausgerichtet. 

Die Materialzusammenstellung ließ uns nicht viel Spielraum hinsichtlich shu, denn der Perückenstrauch ist einfach zu dominant. Aber bereits bei der Auswahl von yo gab es mehrere Optionen und auch die generelle Gestaltung der Arrangements war überaus vielfältig. 

Bezüglich der Veröffentlichung von Fotos wurde extra darauf hingewiesen, dass man nur die genehmigten Arrangements des Professors posten darf sowie die eigenen Arbeiten. Alle anderen Werke sind tabu, außer es gibt die explizite Einwilligung der Arrangierenden. 

Beim Arbeiten mussten wir uns heute etwas sputen, da Professor Sasaki noch einen Vortrag und eine kleine Vorführung für Studierende und Lehrkräfte der Designschule abhalten muss. Dafür werden rund 70 Teilnehmer*innen erwartet (und wir dürfen nicht dabei sein). Außerdem steht noch das gemeinsame festliche Abendessen an. Ein dichter Zeitplan, aber wir sind gut fertig geworden und auch das Material für den morgigen Freestyle-Tag wurde zeitgerecht verteilt. 

Der morgige Tag wird sowieso ziemlich spannend, da wir erstmals in den Ausstellungsgefäßen üben dürfen. Zuerst noch alle mit identem Material, damit wir uns mit den Vasen und den passenden Techniken vertraut machen können. Für die Ausstellung gibt es dann allerdings verschiedene Überraschungspakete, damit die Arbeiten vielfältiger werden.

Hier nun die heutigen Werke:

Prof. Sasaki's Arbeiten ...
... und unsere Werke

Dienstag, 9. Juni 2026

Seminar in Bern - Tag 1

Anne und ich nehmen derzeit am Seminar mit Professor Yasuto Sasaki in Bern teil, das anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Study Group Bern veranstaltet wird. Da gleichzeitig das 150-jährige Jubiläum der Schule für Gestaltung Bern und Biel begangen wird, hat sich eine Zusammenarbeit geradezu angeboten. 
Wir dürfen die Räumlichkeiten im Bernapark nutzen und veranstalten nach dem Seminar eine Ausstellung, bei der in Gefäßen von Absolventen der Keramikklasse arrangiert wird. Die Ausstellung steht unter dem Motto 'Dialog der Formen' und wird von einer Demonstration von Sasaki-Sensei begleitet werden. 

Die Räumlichkeiten im Bernapark befinden sich in einer ehemaligen Kartonfabrik und vermitteln trotz Sanierung und Modernisierung ein entsprechendes Werkshallenambiente. Und auch die klimatischen Verhältnisse sind sehr gut. 
Kyoko und ihr Team haben das Seminar auf bewährte Weise super organisiert und es herrscht eine entspannte Stimmung. Der Kurs ist auf 25 Teilnehmer*innen beschränkt und wir sind je nach Kenntnisstand in Gruppen eingeteilt. Für den Professor bedeutet das natürlich mehr Arbeit, da er zumindest zwei Arrangements pro Tag vorführen darf. 

Zum Aufwärmen standen heute shōfūtai-Formen auf dem Programm, und zwar Shōka sanshu-ike und nishu-ike für Gruppe 1 und Rikka shōfūtai für Gruppe 2. Das sanshu-ike aus Allium, Ruscus und Oxypetalum wurde vorgeführt, am Nachmittag mussten sich die Damen das nishu-ike aus Ruscus und Oxypetalum selbst erarbeiten. 
Für die Rikka-Leute ging es um das Herausarbeiten einer betonten Linie (eventuell im Zusammenspiel mit nimai-oha) und den entsprechenden Abänderungen in der Standardform, die sich daraus ergeben. Wer wollte, konnte auch eine andere Variante als das vorgeführte Beispiel gestalten. 

Sasaki-Sensei arrangierte ein eher kleines Rikka, da der Agapanthus relativ kurz war und er keinen ukezutsu verwenden wollte. Als betonte Linie wurde soe aus Hängeasparagus gestaltet und Crotonblätter als nimai-oha sorgten dafür, dass die Ränder des Arrangements nicht zu schwach erschienen. 

Der Asparagus in meinem Kübel glich eher einer Krüppelkiefer und eignete sich so gar nicht für einen schön schwingenden soe. Also verwendete ich ihn als betonten mikoshi, wodurch sich aber auch weitere Änderungen ergaben. 
Um nicht zu viel Gewicht auf in-kata zu legen, wanderte nagashi als hidari-nagashi nach rechts (ich habe natürlich wieder gyaku-gatte arrangiert) und gleichzeitig wurde soe schmaler und aufrechter als üblich gearbeitet. Nimai-oha wurden als mikoshi-shita und soe-shita eingesetzt. Auch die Materialien habe ich teilweise anders als Sensei verwendet, was wiederum mit der Eignung der einzelnen Pflanzen für bestimmte Elemente begründet war. 
Anne hingegen hat sich brav an die Vorlage gehalten und gut nachgearbeitet. Beim Fotografieren allerdings ist der kenzan etwas verrutscht, weshalb der Fuß nicht ganz in der Mitte steht. 

Apropos Foto: Es wurde ein sehr schöner Fotoplatz mit professioneller Beleuchtung eingerichtet und alle Arbeiten werden vom Team mit und ohne Namensschilder fotografiert. Professor Sasaki hat seine heutigen Arbeiten selbst fotografiert und abgesegnet, sodass sie hier veröffentlicht werden dürfen.
Morgen geht es dann weiter mit Shōka und Rikka shimpūtai, bevor wir uns abends zum gemeinsamen festlichen Abendessen treffen.
Hier nun unsere heutigen Arbeiten:

Arrangements Prof. Sasaki
und unsere Arbeiten

Montag, 1. Juni 2026

Frühsommerworkshop in der ÖGG

Am Wochenende sind wir beim Workshop ziemlich ins Schwitzen gekommen. Nicht nur wegen des teilweise anspruchsvollen Programms, sondern hauptsächlich wegen der Temperaturen. Für Ende Mai hat der Sommer ein sehr kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben und das Thermometer auf über 30 Grad klettern lassen. 
Die Pflanzen haben das erstaunlich gut weggesteckt, lediglich die Astilben haben buchstäblich ihr Leben ausgehaucht. Etwa 20 Minuten, nachdem sie aus der Plastikverpackung genommen wurden, hatten sie sich komplett verabschiedet. Blätter vertrocknet, Blütenfarbe verändert, lediglich als Kompost zu gebrauchen. Und dabei wollten wir damit Denka üben. So schnell können sich Pläne ändern. 

Der Workshop hatte Shōka in unterschiedlichen Variationen zum Thema, aufgelockert durch Freestyle, damit man zwischendurch auch mal wieder durchschnaufen konnte. Der Unterricht fand diesmal auf Deutsch und Englisch statt, wodurch sich die Theorie-Einheiten doch deutlich verlängert haben. Trotzdem ist das praktische Arbeiten nicht zu kurz gekommen. 

Freitag begannen wir mit einer Schulform: Shōka nishu-ike mit Liatris und Astern. Die Liatris ließen sich recht gut biegen und die vielen weißen Blüten der Astern erforderten ein sorgfältiges Ausschneiden. 
Wer nur halb und nicht völlig tote Astilben im Paket vorgefunden hat, konnte die noch für Shōka shimpūtai oder Freestyle verwenden. Zudem blieb genügend Zeit für die eine oder andere Prüfungsarbeit. 

Am Samstag konnten wir uns doch noch mit Denka beschäftigen, allerdings mit Calla. Die Zantedeschien waren ein wenig kurz geraten, vermutlich hat man die Topfpflanzen chemisch gestaucht. Aber um das Prinzip kennenzulernen, wie man Calla korrekt arrangiert, reichte das Material völlig aus. 
Neben dem Denka-Shōka standen noch zwei Variationen von Shōka sanshu-ike auf dem Programm. Dafür hatten wir Scabiosa, Plattährengras und Bartnelken zur Verfügung sowie zarten Rittersporn, Wiesenknopf und Santini-Chrysanthemen. Wer wollte, konnte selbstverständlich auch eigene Materialkombinationen wählen. Für die beiden geplanten Freestyle-Arrangements – einmal war eine Kombinationsform vorgesehen – gab es Pfingstrosen (die waren so knospig, dass wir erst ein wenig Geburtshilfe leisten mussten), Orlaya, Frauenmantel und Schafgarben sowie dunkelblaue Glockenblumen, Astern, Hypericum und Gräser. Auch hier galt: Freie Variation der Materialien erlaubt und sogar erwünscht. 

Der Sonntag bescherte uns ein Shōka sanshu-ike-kabu-wake mit Agapanthus, Asplenium (einer tropischen Hirschzunge, die in Japan sehr gerne für Rikka eingesetzt wird) und Seidenpflanze in einem leuchtenden Orange. Die Materialkombination eignete sich mehr für ein designhaftes sanshu-ike, da der Fokus auf Farben, Formen und Texturen lag. 
Neben der üblichen Teilung in shin/soe und abgetrennter tai-Gruppe konnte auch die Variante soe-wake ausprobiert werden. Dafür sollte man allerdings die Asplenium-Blätter durch anderes Material ersetzen, da die Hirschzungen doch teilweise sehr breit und mächtig sind. 

Auch an diesem Tag gab es zur Auflockerung Freestyle. Man konnte in einer hohen Vase arrangieren (vorgesehen waren grüne Bartnelken, Cosmeen, Kornblumen, Wiesenknopf und Gräser) und/oder sich mit einem kreativen Gefäß auseinandersetzen. Für Letzteres versprach die Blumenliste Clematis, Hypericum, Frauenmantel, Steelgras und Santini-Chrysanthemen. 

Als krönenden Abschluss enthielt das Blumenpaket Kängurupfötchen, Schnittcalla, Nigella-Kapseln und Kornblumen, die mit anderen Restmaterialien als Shōka shimpūtai (oder auch in jeder anderen Form) präsentiert werden sollten. 

Der Workshop verlief sehr harmonisch und es gab nur einen kleinen Beinaheunfall mit einer Vase und einem plötzlich auffliegenden Fensterflügel. Leider hat es dann noch ein anderes Gefäß erwischt, das gekippt ist und mit dem Fliesenboden Bekanntschaft gemacht hat. Allerdings dürfte der Schaden nicht ganz so gravierend sein. Vielleicht lässt sich die Absplitterung noch reparieren. 

Pünktlich zum Ende des Workshops schlug dann auch noch das Wetter um und erste Regentropfen begleiteten uns auf unseren Heimwegen. Insgesamt war es wieder ein sehr befriedigender Workshop, der Ende August seine Fortsetzung finden wird. Dann liegt der Schwerpunkt auf Rikka in allen Ausprägungen. 
Hier nun ein kleiner Einblick in unser Schaffen, nicht mehr als zwei Beispiele pro Arrangementtyp.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Shōka shimpūtai

Unser Unterricht stand gestern ganz im Zeichen von Shōka shimpūtai. Aber wer wollte, konnte auch Freestyle arrangieren. Wer keine Möglichkeit hatte, selbst Material mitzubringen, musste mit dem Überraschungspaket Vorlieb nehmen. Das enthielt vier unterschiedliche Pflanzenarten, die sich für beide Stile eignen, und die Kombinationsmöglichkeit blieb jedem selbst überlassen. 

Es ist nie einfach, die Auswahl jemand anders zu überlassen, denn die Geschmäcker und Vorlieben sind einfach zu unterschiedlich. Aber immerhin bietet das Vorhandensein von zumindest vier Materialien einen gewissen Gestaltungsspielraum. 
Beim anstehenden Workshop wird es ebenfalls Shōka shimpūtai geben. Da hat man dann neben den vorgesehenen Materialien eine weit größere Auswahl, da auch die Komponenten sämtlicher anderer Arrangements zur Verfügung stehen. 

Das Überraschungspaket enthielt wunderbar verbogene Glockenblumen aus Freilandkultur (kein Vergleich mit den steifen, großblütigen Exemplaren, die wir beim Workshop verwenden werden). Dazu kamen einjährige Hirse, eine Freesie in kontrastreichem Gelb und Philadelphuszweige. Letztere waren teilweise nur schwer verwendbar, da viele von ihnen waagrecht gewachsen sind und aufrechte oder schräge Exemplare die Ausnahme darstellten. Aber mit ein wenig Überredungskunst und einigen Tricks ließen sie sich dann doch in den Arrangements unterbringen. 

Der zweigeteilte Kurs hat sich bisher ganz gut bewährt. Da in jeder Gruppe nun weniger Teilnehmer*innen anwesend sind, bleibt mehr Zeit für jeden Einzelnen für ausführliche Korrekturen und die Abendlektion dauert nicht mehr ganz so lange. Dass die entsprechenden Erklärungen doppelt stattfinden müssen, fällt nicht so sehr ins Gewicht.
Der kommende Workshop wird hingegen wieder fordernder, da am Samstag alle Tische besetzt sein werden und Freitag und Sonntag ebenfalls sehr gut gebucht sind. Bleibt zu hoffen, dass das Pflanzenmaterial die vorhergesagten Temperaturen gut übersteht. Aber immerhin besitzt die ÖGG eine Klimaanlage. 
Beim nächsten Treffen Anfang Juni wird Uschi den Unterricht übernehmen. Das wird sicher wieder eine sehr kreative Lektion werden. Lassen wir uns überraschen. Hier nun unsere gestrigen Arbeiten und die ersten Hausübungen.