Mittwoch, 19. August 2026

Shōka maze-ike

Durch die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen sieht die Natur bereits sehr herbstlich aus. Viele Sträucher und Bäume werfen ihr Laub ab oder tragen nur noch verdorrte Blätter. Der Miscanthus ringelt die Blätter bereits ein, bevor er noch Wedel geschoben hat, bzw. kommen die bereits aufgeplustert zum Vorschein. Blumen sind viel niedriger und tragen kleinere Blüten als üblich und generell ist (außer in kräftig bewässerten Gärten) fast nicht Grünes mehr zu finden. 
In solchen Situationen ist es dann doch praktisch, Großhändler zur Hand zu haben, bei denen es zumindest noch ein halbwegs vernünftiges Sortiment gibt. Auch wenn man den ökologischen Aspekt dann besser nicht zu sehr hinterfragt. 

Trotz all der Schwierigkeiten fand sich dann doch noch passendes Material für unser Arrangement. Auf dem Programm stand Shōka maze-ike, eine Sonderform des Shōka shōfūtai. Wir arbeiteten mit Wiesenknopf und Helenium und zum besseren Verständnis wurden sowohl ein 'normales' Shōka nishu-ike als auch ein maze-ike vorgeführt. So konnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten Seite an Seite verglichen werden. 

Maze-ike wird grundsätzlich nur im Spätsommer/Herbst gearbeitet, und zwar mit kusa-mono. Wenn man sanshu-ike arrangiert, ist die Verwendung von einer Art tsuyo-mono gestattet. Kimono hingegen ist verpönt, da es den Eindruck einer Wiesenlandschaft stören würde. 
Das Grundprinzip von maze-ike liegt darin, dass mehr oder weniger komplette Shōka aus jedem der Pflanzenmaterialien gearbeitet werden, die dann in einem Gefäß hintereinander aufgestellt werden. Die Stiele stehen sortenrein in Gruppen, während sich die Pflanzenspitzen vermischen. Da es zwischen den Pflanzenarten eine Größenabstufung gibt, entsteht eine bunte Mischung, die sich von oben nach unten hinzieht. 

Wer lieber Freestyle arrangierte, konnte ebenfalls auf ein Großmarktpaket zurückgreifen (Montbretien, Wiesenknopf und Tanacetum) oder aber selbst auf die Suche gehen. 

Hier nun die (leider unvollständige) Fotostrecke des Treffens. Es gibt immer wieder TN, die das Fotografieren vergessen oder ihr Werk nicht im Blog zeigen wollen. Lassen wir uns überraschen, welche Hausübungen noch eintreffen werden.


Mittwoch, 22. Juli 2026

Glas und Wasser

Das Thema unseres Juli-Treffens lautete 'Freestyle im Glasgefäß oder mit großer Wasserfläche' – genau passend zu den derzeit herrschenden Temperaturen. Die transparenten Gefäße und das viele sichtbare Wasser sorgten (neben der Klimaanlage) für eine angenehme Atmosphäre im Seminarraum. 

So schön Glasgefäße auch sind, das Arrangieren kann sich bisweilen etwas trickreich gestalten. Schließlich ist das, was sonst unterhalb des Vasenrandes verschwindet, plötzlich für alle sichtbar. Da muss man sich schon genau überlegen, wie man denn einen ästhetischen Eindruck über und unter der Wasserfläche erzielt. 

Da doch einige der Teilnehmer*innen erstmals mit Glasgefäßen oder großer, sichtbarer Wasserfläche arbeiteten, wurden mehrere verschiedene Techniken demonstriert. Da wäre einmal der Stöpsel, der sich gut für enge Gefäßöffnungen eignet. Dann die Klebestreifenmethode, die eine genaue Überlegung erfordert, wie denn alles ins Gleichgewicht gebracht werden kann und gleichzeitig unter der Wasserfläche halbwegs ordentlich aussieht. Außerdem wurde die Befestigung mit dekorativem Aludraht und Saugnäpfen vorgeführt. 
Erwähnt wurden auch andere Methoden, wie die Verwendung von verknoteten Plastikstreifen, eingeklemmten Folien, Klammern oder Hydroperlen. 

Für ein Arrangement über großer Wasserfläche – gerne als 'schwebende Blumen' bezeichnet – erfolgte die Befestigung mit Oasis, das mittels einer Drahtklammer am Schalenrand eingehakt wurde. Dieselbe Methode lässt sich ebenfalls mit einem kenzan anwenden, wobei der Draht sogar durch Nylonschnur ersetzt werden kann. Die muss dann allerdings am Schalenrand festgeklebt werden. 
Spezielle kenzan aus Kunststoff mit Saugnäpfen sind ebenfalls erhältlich, die eignen sich aber nur für sehr leichtes Material und glatte Oberflächen. In Schalen, die keine hochglänzende Glasur aufweisen oder deren Oberfläche nicht spiegelglatt ist, werden diese kenzan nicht halten. 

Eines haben Arrangements in Glasgefäßen gemeinsam – sie sollten einen luftigen Eindruck vermitteln, der zur Kühle und Ästhetik der Container passt. Knorrige Äste werden in einer Glasschale wohl eher seltsam aussehen, da eignen sich Blumen und Gräser viel besser. 
Eine unserer Damen hat sogar mit Zweigen gearbeitet, allerdings besitzt der Ahorn eine glatte Rinde und das frischgrüne Laub stand im Mittelpunkt des Interesses. Zudem verlangt diese spezielle Glasvase aufgrund ihrer Form und Größe ein kräftiges Arrangement. 
Generelle Regeln sind also (wie meistens im Freestyle) nur Anhaltspunkte, es kommt immer auf den Gesamteindruck an. Das gilt eigentlich im gesamten Ikebana, der Ausdruck steht über der Form. Da lassen sich sogar die Regeln im Shōfūtai in gewissem Rahmen beugen.

Es sind viele Arbeiten während der beiden Einheiten entstanden, wobei allerdings nicht alles fotografiert wurde. Manche Techniken erlauben einen Transport des Arrangements einfach nicht, selbst wenn es nur die kurze Strecke bis zum Fotoplatz ist. Da bräuchte man vermutlich eine weitere Stunde, bis sich alles wieder im Gleichgewicht befindet und an der gewünschten Stelle stehen bleibt. Und nicht jeder stimmt einer Veröffentlichung der Arbeiten zu.