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Mittwoch, 28. Oktober 2026

Chrysanthemen - alle Jahre wieder

Shōka oder Freestyle mit Chrysanthemen – das stand auf der Agenda des gestrigen Treffens in der ÖGG. So knapp vor Allerheiligen dürfte es doch eigentlich kein Problem sein, ausreichend Chrysanthemen am Großmarkt zu bekommen. Sollte man meinen – die Realität sah leider völlig anders aus. 

Wegen des Feiertags am Montag konnte diesmal nicht vorbestellt werden, da die LKW erst im Laufe des Dienstags und somit zu spät eintrudeln würden. Also blieb nur auf gut Glück zum Großmarkt zu fahren und was vorhanden ist aufzukaufen. Das Angebot war bedauerlicherweise äußerst mickrig. 
Ich erinnere mich noch an Zeiten, da waren sowohl Freigelände als auch Halle überfüllt mit Containern voller Spinnenchrysanthemen, die einem buchstäblich nachgeworfen wurden. Dazu dann noch unzählige einzelblütige Chrysanthemen in unterschiedlichsten Sorten und Farbschattierungen. Und diesmal reichte das Angebot vor Ort nicht einmal, um für den gesamten Kurs gleiches Material zu beschaffen. Dafür gab es getopfte Ware im Überfluss, standardmäßig drei Ballchrysanthemen in Gelb oder Weiß pro Topf, mit 15 cm Blütendurchmesser und 30 cm hohem Stiel. Für unsere Zwecke völlig unbrauchbar.

Die vorhandenen einzelblütigen Schnittexemplare waren entweder zu kurz oder besaßen immens große Blüten auf instabilen Stielen. Die in passender Blütengröße hatten dafür nur wenig Blätter zu bieten, ließen sich aber relativ stabil aufstellen. Von den mehrblütigen Sorten in ausreichender Länge – die wirklich sehr schön waren – gab es dafür nicht genügend für alle. Also mussten sich einige der Anwesenden mit den mickrigen Einzelblütern herumschlagen, die aber dennoch einfacher zu arrangieren waren als die mehrblütigen Chrysanthemen. 
Denn bei diesen bestand die Herausforderung darin, sie so zu beschneiden, dass im fertigen Arrangement keine Lücken entstehen und man trotzdem mit den fünf vorhandenen Stielen auskommt. 

Im Freestyle-Paket gab es eine bunte Mischung aus kurzen Spinnen- und Gartenchrysanthemen, dazu noch Grünzeug in Form von Myrthe und einjähriger Hirse. Zudem entstanden noch Übungs- und Prüfungsarrangements aus selbst mitgebrachten Materialien. Und auch die eine oder andere Hausübung wird wohl noch eintrudeln.

Im Endeffekt hatten aber trotzdem alle Teilnehmer*innen Spaß und waren größtenteils mit ihren Arbeiten zufrieden. Chrysanthemen sind eben jedes Mal ein wenig anders zu behandeln. Einzelblütige Exemplare stellen einen vor andere Herausforderungen als mehrblütige und bei letzteren gibt es noch dazu je nach Sorte deutliche Unterschiede im Wuchs und in der Anordnung und Verteilung der Blüten.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Kreative Vase - designhafter Ausdruck

Unsere beiden Kurse gestern waren wieder sehr gut besucht und die Stimmung war ebenfalls großartig. Zumindest so lange, bis es an die Korrektur der Arbeiten ging. Diesmal wurde nämlich besonders auf den designhaften Ausdruck der Arrangements Wert gelegt. Und da erwies sich das eine oder andere Freestyle als ein wenig zu naturalistisch oder landschaftlich. Aber ein paar zusätzliche Blüten und das eine oder andere Umstellen von Linien haben auch diesen Arbeiten den nötigen designhaften Touch verliehen. 

Laut Programm sollten wir mit ungewöhnlichen Gefäßen arbeiten und für die eignet sich ein designhafter Ausdruck natürlich besonders gut. Aber auch ganz normale Standardgefäße lassen sich kreativ oder designhaft bespielen. 
Bei einem designhaften Freestyle wird das verwendete Pflanzenmaterial nicht als Blume/Pflanze in ihrer natürlichen Form betrachtet, sondern als 'Material' mit den Eigenschaften Farbe, Form und Textur. Die Auswahl der Pflanzen erfolgt also nicht nach den üblichen Gesichtspunkten für ein natürliches Arrangement, sondern konzentriert sich auf die vorhin genannten Aspekte. 

Wer selbst auf Materialsuche gegangen ist hatte deshalb manchmal das Problem, dass die Blumen etwas zu klein oder zu wenig aussagekräftig waren. Perfekt für ein natürliches Arrangement, aber zu schwach für einen designhaften Ausdruck. 
Indem man aber beispielsweise diese zu kleinen/unscheinbaren Blüten als Masse ansieht und mehr davon verwendet, kann man den Ausdruck von natürlich hin zu designhaft verschieben. Gleiches gilt auch für Zweige oder Stiele. Entfernt oder reduziert man die Blätter und schneidet Seitentriebe weg, bekommt man eine stärkere Linienbetonung. 
Und auch die Fußpositionen spielen eine Rolle. In der Natur wachsen Pflanzen aus einem Wurzelstock und die Stiele stehen üblicherweise eng beisammen. Ordnet man sie aber mit Abstand oder einzeln und weit verteilt an, ändert sich der Ausdruck. Kleine Veränderungen können also große Wirkung zeigen. 

Nach ein bisschen Gestöhne wegen der verlangten Änderungen beim Ausdruck (und weil die Komfortzone verlassen werden musste) waren die Damen und Herren schließlich doch mit Feuereifer bei der Sache. Die nächste Gelegenheit, sich in einem designhaften Ausdruck zu üben, kommt bald, denn im November steht eine abstrakte Landschaft auf dem Programm. Lassen wir uns überraschen, wie gut dieses Treffen dann besucht sein wird. 
Hier nun unsere gestrigen Arbeiten und jede Menge Hausübungen (bei denen auch der natürlichere Ausdruck dominieren kann - gequält werden nur die Anwesenden vor Ort 😉).