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Mittwoch, 12. November 2025

Faschingsbeginn

In diesem Jahr fiel unser Übungsabend genau auf das Datum des Faschingsbeginns, also wurde auch das Programm entsprechend gestaltet. Allerdings waren wir vergleichsweise schwach besetzt, was einerseits am Thema liegen konnte (die Verwendung nonfloralen Materials im Arrangement ist in der Gruppe nicht sehr beliebt), andererseits ist Martini auch für Ganslessen und Weintaufen bekannt. Bei der Entscheidung, was man denn an diesem Tag unternehmen möchte, stehen kulinarische Genüsse scheinbar klar an erster Stelle. 

Seltsamerweise wird nonflorales Material meist unbewusst eingesetzt, sobald im Programm aber die Verwendung explizit verlangt wird, scheuen viele davor zurück. Die verwendeten Container, Befestigungen bzw. eventuelle dai sind im Freestyle ja ebenfalls Teil des Gesamtkunstwerks und von Natur aus nonfloral. Darauf vergisst man eben häufig. 
Vielleicht ist auch die Bezeichnung 'nonfloral' zu eng gefasst. Die bezieht sich ja nicht nur auf Anorganisches wie Keramik, Glas, Plastik, Draht, usw., sondern zusätzlich auch auf getrocknetes, gefärbtes, gebleichtes oder verändertes Naturmaterial. 
Das Arrangement schaut ja nicht gleich futuristisch oder völlig verfremdet aus (außer es ist so gewollt), nur weil zusätzliche nonflorale Komponenten enthalten sind. Im Ikenobō-Freestyle liegt der Fokus schließlich immer noch auf der Lebendigkeit und Schönheit der verwendeten Pflanzen. Aber manchmal tut man sich eben schwer, eine Idee zu finden, wenn man ganz bewusst nonflorales Material einsetzen soll. 

Jedenfalls wollten wir den Faschingsbeginn feiern und eben zusätzlich nonflorale Komponenten verwenden. Das Großmarktpaket fokussierte sich auf die festlichen Farben Rot und Weiß in Form von Gerbera und Santini-Chrysanthemen. Dazu kamen noch Hirtentäschel und Trachelium, sowie knallrote Chilischoten. Die nonflorale Komponente sollte selbst mitgebracht werden und wer wollte, konnte sich komplett selbst versorgen. 

Beim Vorführ-Arrangement mit dem Titel 'Die Clowns kommen' dienten rote und weiße Pipestrings als Ausdruck für die überbordenden Emotionen in der Manege. Bei anderen Arbeiten konnte man beispielsweise den Konfettiregen erkennen, der bei Faschingsparaden üblich ist und auch die Korken knallten. Andere Arrangements waren mit nonfloralem Material zurückhaltender. Lassen wir uns überraschen, was noch an Hausübungen eintrudeln wird.


Sonntag, 26. Oktober 2025

European Member Seminar - Vorführung und Ausstellung

Samstag und Sonntag standen ganz im Zeichen von Vorführung und Ausstellung. Der Arbeitstag der Teilnehmer*innen begann am Samstagmorgen mit der Verteilung der Blumenpakete. Je nach Stilrichtung und Anzahl der angemeldeten Personen wurden Überraschungspakete mit zwei oder drei Sets an Pflanzenmaterialien verteilt. 
Bis auf wenige Eingeweihte (diejenigen, welche alles bestellt, sortiert und verpackt haben) wusste niemand, welche Pflanzen sich in den Blumenbündeln befanden. Eine Herausforderung, die persönlichen Komfortzonen zu verlassen und sich voll auf das Material einzulassen. Man ist schließlich geneigt, auf Bewährtes zurückzugreifen. Selbstverständlich stand das restliche vorhandene Blumensortiment ebenfalls zur Verfügung und man konnte auch auf selbst Mitgebrachtes zurückgreifen. 

Während die Damen und Herren fleißig an ihren Arrangements werkten, bereitete Prof. Moribe fünf der Vorführungsarrangements grob vor und später wurden Freiwillige damit beauftragt, die Papierballons für das Überraschungsarrangement am Schluss aufzublasen und an Stäben und Drahtaufhängungen zu befestigen. Zudem wurden die beiden Container, in denen arrangiert werden sollte, mit Papier verkleidet, mit viel Kies und noch mehr Oasis befüllt und schließlich unter dem Vorführungstisch versteckt. Dort landeten auch die anderen vorbereiteten Gefäße.

Die Ausstellungsarbeiten wurden von Moribe-Sensei kontrolliert und wenn erforderlich auch korrigiert, bevor sie entsprechend im Raum und auf dem Gang verteilt wurden. Manche der Freestyle-Arbeiten mussten bedauerlicherweise vor einem wild gemusterten Vorhang aufgestellt werden. Für die Betrachter nicht so schlimm, denn das Auge kann selektiv wahrnehmen und den Hintergrund ausblenden. Die Kamera schafft das leider nicht, sodass die Bilder nicht gerade berauschend aussehen. 

Nachdem alles vorbereitet war und die übriggebliebenen Tische gegen manierliche Sesselreihen ausgetauscht wurden, konnten wir selbst uns restaurieren und in Schale werfen. Schließlich wurde hoher Besuch für die Vorführung erwartet. Botschafter Kiminori Iwama samt Gattin und die Botschaftssekretärin, Frau Hosoya, gaben sich die Ehre. 

Ganz formell wurden sie von Moribe-Sensei und den Verantwortlichen für den Workshop vor dem Hotel empfangen und in den Vorführungsraum geleitet. Nach einigen Begrüßungsworten begann Professor Moribe seine Vorführung mit einem tatehana, der Urform des Ikebana. In der für ihn üblichen Geschwindigkeit arrangierte er und erzählte gleichzeitig Wissenswertes über die Ursprünge des Ikebana und der Ikenobō-Schule. Kyoko-san übersetzte alles wie immer ganz wunderbar.
Weiter ging es mit einem Freestyle mit Anthurien in einer smaragdgrünen Glasvase, bevor ein geteiltes Shōka shimpūtai mit Strelitzien an die Reihe kam. Ganz nebenbei erwähnte Moribe-Sensei, dass diese geteilte Form noch relativ jung ist und er sehr erstaunt war, dass sie in Europa bereits bekannt ist und auch arrangiert wird. Zugleich lobte er den hier herrschenden Ausbildungsstand und den Eifer der Workshopteilnehmer*innen.

Nach einem weiteren Freestyle, für das er zu Kreisen gebogene Flexigrasbündel und Gerbera verwendete (in Anspielung an ein rundes Gebäck, das in Japan als Ausdruck der Hoffnung für ein glückliches Ereignis verschenkt wird), kam schließlich Rikka shōfūtai an die Reihe. 
Dazu hatte Sensei bereits eine Zeichnung vorbereitet und er erklärte den Zuschauern wie wichtigsten Grundlagen. Dann stellte er in der üblichen rasanten Geschwindigkeit das Rikka fertig und präsentierte es dem Publikum. Zudem bedankte er sich für die Assistenz, die reibungslos funktioniert hat, obwohl es gar keine Zeit für einen Probelauf gab. Ein bisschen Erfahrung haben wir schließlich und ein eingespieltes Team kümmerte sich um das Umstellen der fertigen Arrangements, das Zureichen den Pflanzen und die Säuberung des Arbeitsplatzes.

Zum Abschluss lud er die Anwesenden dazu ein, zu den Klängen des Donauwalzers Pampasgras, Zierkohl und Lilien in die vorbereiteten Container zu stecken. Zuletzt wurden die an den Stäben befestigten Papierballons hinzugefügt. Das Publikum machte begeistert mit, sogar der Herr Botschafter und seine Gattin waren mit Feuereifer dabei. Zuletzt verkündete Prof. Moribe, dass jeder, der wollte, einen der Ballons mit nach Hause nehmen konnte. 
Die Vorführung endete ganz pünktlich nach einer Stunde mit tosendem Applaus. Moribe-Sensei und seine mitreißende Art haben die Anwesenden in seinen Bann gezogen. 

In der anschließenden Grußbotschaft ging Botschafter Iwama extra nochmal auf diesen Umstand ein. Er hat ehrlich zugegeben, dass er eine ganz andere Vorstellung von der Vorführung gehabt hat und dass er mehr als positiv überrascht wurde. Er entschuldigte sich vorab, dass er eine vorbereitete Grußbotschaft verlesen werde und hat dann immer wieder persönliche Anmerkungen eingeflochten. Zuletzt erklärte er die Ausstellung für eröffnet und es wurde auf viel Erfolg angestoßen. 
Der Herr Botschafter und seine Gattin nahmen sich danach extra noch die Zeit für eine Führung durch die Ausstellung und sie ließen sich mehrere Arrangements von den Gestalter*innen erklären, bevor sie sich verabschiedeten und uns noch viele Besucher wünschten. 

Am Sonntag durfte Moribe-Sensei einen freien Tag in Wien genießen, bevor er sich am Montag auf den Rückweg nach Japan machen wird. Darüber ist er nach mehr als drei Wochen in Europa bestimmt froh, obwohl er immer wieder betont hat, wie gut es ihm hier gefällt und wie happy er sei. Wir durften speziell am Sonntagvormittag sehr viele Besucher durch die Ausstellung führen. Nachmittags war etwas weniger los, aber trotz des Feiertages verschlug es mehr Menschen als erwartet ins JUFA. 

Der Abbau der Ausstellung ging durch die vielen helfenden Hände flott über die Bühne und nach einer knappen Stunde hieß es Abschied nehmen. Die Teilnehmer*innen waren durchwegs sehr zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung und haben schon angefragt, wann wir denn wieder ein Seminar veranstalten würden. Wien ist halt immer eine Reise wert! 
Die unzähligen Fotos zu sichten, wird noch eine Zeit dauern, hier aber einige Eindrücke von den Vorbereitungsarbeiten und der Vorführung. Bilder der Ausstellungsarrangements folgen.



Freitag, 24. Oktober 2025

European Member Seminar - Freestyle

Der dritte Workshoptag war für Regular Member reserviert, einige Special Member hatten ebenfalls das Glück, einen der raren freien Plätze zu ergattern. Moribe-Sensei nahm sich viel Zeit für die Theorie und ging wieder auf den philosophischen und ästhetischen Hintergrund des Ikenobō Ikebana ein. Außerdem erzählte er uns vom Chrysanthemenfest kiku-no-sekku, das nach dem alten (Mond-)Kalender am 9. September begangen wird, heutzutage aber um gut einen Monat nach hinten gerutscht ist. 
Überdies machte Prof. Moribe uns mit dem Brauch des kiku kise-no-wata bekannt, bei dem an Abend vor dem Fest farblich kontrastierende Watte auf Chrysanthemenblüten gelegt wird. Diese sind am nächsten Morgen feucht vom Tau und wenn man sich damit das Gesicht benetzt, verschwinden die Falten (man muss nur fest daran glauben und die richtige Farbkombination wählen). Als Geschenk an uns hat er diese speziellen Wattepads mitgebracht und wir durften uns die passenden Farben aussuchen.

Danach erklärte Moribe-Sensei ausführlich, wie man Pflanzen auswählen und an-ordnen soll, damit sie sich wohlfühlen und bestmöglich aussehen. Die Einheit von Gefäß und Arrangement ist wichtig, aber ebenso darf man nicht auf einen gewissen Akzent, eine 'Störung' in der Harmonie verzichten, denn dadurch wird die Schönheit und Eleganz des Hauptmaterials noch zusätzlich betont. 

Für die praktische Arbeit nach der Kaffeepause standen einzelblütige Chrysanthemen in den Farben Rot, Gelb und Weiß zur Verfügung, dazu kamen noch Pandanusblätter für Bewegung und Richtung, sowie gelbes Limonium. Die kleinen Blütchen kontrastieren wunderbar mit den kräftigen Chrysanthemen. 

Da die Korrekturrunde nach dem Mittagessen wieder relativ flott über die Bühne ging, mussten wir etwas Zeit schinden. Prof. Moribe sollte ein besonderes Geschenk der Stadt Wien erhalten, aber die Verleihung konnte erst gegen 16 Uhr stattfinden. 
Also haben wir nach der Verleihung der Zertifikate an die Teilnehmer*innen und dem obligatorischen Gruppenfoto darum gebeten, beim Aufbau des Ausstellungsarrangements zuschauen zu dürfen. Unser Sensei willigte ein und erklärte und dabei gleich, wie und warum er die Pflanzen ausgewählt und zusammengestellt hat. Auch dieses große Rikka shimpūtai hat er trotz ausführlicher Erklärungen in gut einer halben Stunde fertiggestellt! 

Da immer noch Zeit totzuschlagen war, begannen wir mit dem Umbau des Seminarraums, damit am kommenden Morgen gleich mit dem Arrangieren angefangen werden konnte. Da Prof. Moribe sowieso noch Probleme mit seiner Flugverbindung zu lösen hatte, blieb er im Raum und wir mussten ihn nicht erst suchen, als die Verleihung schließlich über die Bühne gehen sollte. 
Der frühere Wiener Landtagspräsident und Vorsitzende des Kulturausschusses, Ernst Woller, überreichte Moribe-Sensei ein Faksimile des originalen Deckblattes des Donauwalzers, das anlässlich des 200. Geburtstags von Johann Strauss in limitierter Anzahl reproduziert worden ist. Ein ganz besonderes Geschenk, das nicht käuflich erworben werden kann, sondern ausschließlich verliehen wird. Und noch dazu ist es einfach zu transportieren und belastet das Gepäck nicht noch zusätzlich. 
Unsere Dolmetscherin, Prof. Kyoko Ulrich, erhielt von der Gruppe ein Buch mit Fotografien und philosophischen Gedanken eines bekannten Cellisten, der mehrfach im japanischen Kaiserpalast Privatkonzerte gegeben hat. Und an die Organisatorin des Workshops wurde eine ganz besondere Vase überreicht, die zu einem vorhandenen Teil passt und als Kombination eingesetzt werden kann. Herzlichen Dank dafür!

Nachdem die Umbauarbeiten im Seminarraum größtenteils abgeschlossen und die Überraschungspakete für die Ausstellungsteilnehmer*innen zusammengestellt und verpackt waren, konnten wir endlich heim und uns ein wenig regenerieren. Am morgigen Tag wird es wieder stressig werden. Nicht nur müssen die Arrangements für die Ausstellung aufgebaut werden, auch die Vorführung will noch vorbereitet werden. Hier nun einige der Werke des heutigen Tages, er werden sicher noch welche folgen.



Mittwoch, 24. April 2024

Freestyle Basic 2

Beim gestrigen Übungsabend konnten wir uns nicht über mangelnden Zulauf beklagen. Wir waren sogar so überbucht, dass ein paar Damen auf die nächste Gelegenheit vertröstet werden mussten. Dabei sind wir ganz eng zusammengerückt, aber mehr Tische stehen einfach nicht zur Verfügung. 

Vom Programm her waren wieder die Freestyle-Grundformen ein Thema. Diesmal war es eine linienbetonte schräge Form mit breitem oder geteiltem Fuß nebeneinander, also die Form Basic 2. 
Speziell bei geneigter Anordnung der Materialien entsteht eine entspannte Atmosphäre, ganz anders als bei einem engen, kompakten Fuß. 

Der Großteil der Anwesenden ließ sich vom Inhalt des Großmarkt-Pakets überraschen, einige brachten eigenes Material mit und die Hausübungen wurden sowieso mit ganz anderen Pflanzen gestaltet. 
Das Überraschungspaket enthielt als Hauptmaterial blaue Freesien, dazu noch rötlich-gelbe Alstroemerien, kleine dunkelrote Pfingstrosen und Gräser (vermutlich eine Carex-Art, leider noch etwas schwach und instabil). Immerhin sorgten die Gräser für etwas Auflockerung.
Wer wollte, konnte das ebenfalls im Paket enthaltene panaschierte Aspidistra-Blatt verwenden und so dem Arrangement zusätzlich Schwung und Richtung verleihen. 

Die meisten Teilnehmer*innen entschieden sich dafür, den Fuß geteilt zu arbeiten, wobei es natürlich keine Vorgaben bezüglich Größenverhältnisse oder Materialverteilung gab. Aber auch einige breite Füße waren vertreten. Die entstandenen Arbeiten waren dementsprechend vielfältig, wie gut in der Galerie zu sehen ist. Hausübungen werden wie immer ergänzt.