Posts mit dem Label Rikka shimputai werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rikka shimputai werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 23. Februar 2026

Frühlingsworkshop in der ÖGG

Unser Frühlingsworkshop in der ÖGG legte diesmal einen Schwerpunkt auf Kreativität. Tatehana, Shōka und Rikka shimpūtai und auch Freestyle forderten von den Teilnehmer*innen Phantasie und die intensive Beschäftigung mit dem Material. Und auch das angebotene Shōka sanshu-ike ist zwar ein moderner Shōka-Stil, der eine Grundform besitzt, trotzdem hat man innerhalb der Regeln viele Freiheiten. 

Ein plötzlicher Wintereinbruch mit gut 20 cm Neuschnee in Wien, Verkehrschaos, Straßensperren und einem blockierten Flughafen bescherte einigen unserer auswärtigen Teilnehmerinnen eine abenteuerliche Anreise mit vielen Hindernissen, die beispielsweise von Berlin nach Wien gut 16 Stunden dauerte. Aber schlussendlich sind alle heil und sicher eingetrudelt. Auch der LKW mit den Blumen war deutlich verspätet. Die Materialverteilung konnte aber dank der tatkräftigen Mithilfe vieler Hände rechtzeitig über die Bühne gebracht werden. 

Die Teilnehmer*innen konnten sich ihre Zeit und die Reihenfolge der Arrangements frei einteilen und auch bei der Materialkombination gab es keine Beschränkungen. Vorgeführt wurden am Freitag ein tatehana und ein kleines Rikka shimpūtai im Stil eines suna-no-mono, am Samstag dann ein weiteres Rikka shimpūtai und zwei Varianten von Shōka sanshu-ike. Am Sonntag ging es bei Unterricht und Vorführung um Freestyle. Shōka shimpūtai mussten sich die Teilnehmer*innen selbst erarbeiten, da sind 'Vorlagen' kontraproduktiv. 
Bei tatehana und Rikka shimpūtai dienten die Beispielarrangements lediglich der Erklärung der dahinterstehenden Theorie und sollten möglichst nicht nachgeahmt werden. Auch wenn es sich bei diesen Stilen um Ikebana ohne vorgegebene Form handelt, die aufgrund der persönlichen Emotionen der Arrangierenden gestaltet werden, sind doch einige grundsätzliche Konzepte vorhanden. Und die lassen sich am besten direkt am Objekt erklären. Da fertig zusammengestellte Materialpakete für die einzelnen Arrangements bestellt wurden, waren der Variabilität natürlich Grenzen gesetzt. Aber immerhin gab es genügend anderes Material, das frei kombiniert werden konnte. 

Die Pflanzen waren übrigens mit Ausnahme der Bouvardien von guter Qualität und haben wunderbar durchgehalten. Bei den Bouvardien hatten wir das Problem, dass sie, sobald sie aus der Plastikhülle genommen wurden, rapide zu welken begannen. Bei uns herrscht zwar normale Luftfeuchtigkeit, das war den empfindlichen Pflanzen aber scheinbar zu wenig. Nicht einmal Besprühen und Blumendoping konnten dagegen etwas ausrichten. Möglicherweise war es ihnen auch während des Transports etwas zu kalt. Dafür hatten wir Seidenmohn von außergewöhnlich guter Qualität zur Verfügung, der auch noch sehr stabile Stiele besitzt und nicht gleich kippt oder den Kopf hängen lässt. 

Beim Shōka sanshu-ike wurde einerseits eine quasi 'Schulform' mit jeweils einem Material für die einzelnen yakueda gearbeitet, andererseits gab es eine geteilte Form mit abgetrenntem soe, ein kabu-wake soe-wake. Die Lilien für die shin-Gruppe sind noch sehr geschlossen und werden vermutlich erst in ein paar Tagen ihre ganze Pracht entfalten. Eukalyptus und Oxypetalum sollten bis dahin allerdings ebenfalls durchhalten. Die Bilder sind also im Moment noch nicht sehr attraktiv. 

Der Freestyle-Sonntag bescherte uns erst einmal eine radiale Form, bei der die von einem Zentrum aus nach außen strebenden Linien aus Pfirsich und Palmkätzchen im Mittelpunkt stehen. Arrangement Nummer 2 mit Seidenmohn und Drehweide als Hauptmaterial spielt mit Bewegung und Raum in einer geteilten Form. Beim letzten Arrangement handelt es sich um eine kreative Form mit verändertem Material, für die Schachtelhalm zu interessanten Formen geknickt wird, welche die 'Bühne' für die Blumen bilden. Ein sehr intensiver Workshop mit vollem Programm also. 

Samstagnachmittag durften sich fünf unserer Damen ganz besonders freuen, sie erhielten endlich ihre Diplome als Anerkennung für ihre Leistungen. Die sind gerade noch rechtzeitig aus Japan eingetroffen und auch der Zoll hat sie schnell freigegeben. Unser Nachwuchs freute sich über nyumon/shōden bzw. chūden, die erfahrenen Ikebanesen erhielten das Lehrdiplom Grade 3 junkakyō, sowie die Ernennungen zum Associate Professor Grade 3 und 2. Herzliche Gratulation und weiter so! 

Hier nun einige Fotos, was wir an diesem Wochenende so erarbeitet haben. Aus Platzgründen gibt es nur wenige ausgewählte Arrangements der jeweiligen Programmpunkte.





Montag, 1. Dezember 2025

Winter-Workshop in der ÖGG

Der letzte Workshop dieses Jahres in der ÖGG verlief harmonisch und arbeitsreich. Ein vielfältiges Angebot erwartete die Teilnehmer*innen. Während sich die Fortgeschrittenen mit Rikka shōfūtai (sashi-maze) und Rikka shimpūtai beschäftigten, spielten die anderen Damen und Herren mit Freestyle. Zum Abschluss standen dann noch Shōka shōfūtai und Shōka shimpūtai auf dem Programm. 

Aber der Reihe nach. Die Blumen wurden diesmal direkt am Freitag geliefert, wir konnten also auf echt frische Ware zurückgreifen. Und die Pflanzen haben auch recht gut durchgehalten, obwohl die Räume ziemlich stark geheizt waren. 
Der Workshop startete mit der Demonstration des Rikka shōfūtai, das diesmal ziemlich viel holziges Material enthielt. Drachenweide und Palmkätzchen (shin, soe und nagashi), Eibe (für ), Pittosporum (maeoki) und Kiefer (ushiro-gakoi) sorgten für zerschundene und ziemlich schmutzige Finger. Aber die vorsorglich eingepackte Handwaschpaste hat da gründlich Abhilfe geschaffen. 
Für Farbe im Rikka sorgten Liatris und leuchtend-gelbe Chrysanthemen und die kleinen Blätter der Schneebeere (mikoshi + soe-shita) brachten noch etwas Abwechslung zwischen die Weidenzweige. Komplettiert wurde das Arrangement durch die dome aus Santini-Chrysanthemen und Hypericum. 
Für das Rikka shimpūtai gab es keine Vorlage, da musste man sich selbst überlegen, wie denn das Material bestmöglich in Szene gesetzt werden konnte. Nach der Vorführung machten sich die Damen selbst ans Werk und starteten entweder gleich mit dem Rikka, oder beschäftigten sich erst noch mit Prüfungsarbeiten. 

Am Samstag stießen weitere Teilnehmer*innen zu uns und der Seminarraum war schließlich voll besetzt. Richtig kuschelig, nur die Blumenkübel standen manchmal im Weg herum. Vorgeführt wurden drei verschiedene Freestyle-Arrangements, wobei es von eher landschaftlichem Ausdruck über reduziert-abstrakt bis hin zu kreativ ging. 
Aus Drachenweide, Palmkätzchen und Chrysanthemen entstanden ausdrucksstarke Arbeiten, die sich über Farbe und Linie definierten. Roter Cornus und kleine Santinis erzählten eine Geschichte von ballspielenden Kindern im Wald und mit Rhapis-Palme, Craspedien und Gerbera (oder Chrysanthemen) konnte mit Fläche und Linie gespielt werden. Da es wie üblich jedem frei stand, das zugeteilte Material nach eigenem Gutdünken zu kombinieren, konnten auch ganz andere Arrangements entstehen. 

In der Nachmittagslektion stand schließlich noch ein Shōka nishu-ike aus rotem Cornus und Winterchrysanthemen in einer Grundform aus neun Linien auf dem Programm. Die Rikka shōfūtai nahmen schön langsam Form an und auch das eine oder andere Rikka shimpūtai ließ sich im Lauf des Tages bereits bewundern. 
Nach Beendigung des Unterrichts trafen wir uns zur jährlichen Mitgliederversammlung der Study Group, wobei diesmal wieder Vorstandswahlen auf der Agenda standen. Kurzes Resümee, wir dürften gute Arbeit geleistet haben, denn die Vorstandsmitglieder wurden für die kommenden drei Jahre wiedergewählt. 

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen von Shōka, wobei wir uns auf sanshu-ike und sanshu-ike kabu-wake konzentrierten. Aber auch Shōka shimpūtai durfte nicht fehlen. Das erste Beispiel-Arrangement war ein sanshu-ike mit recht konventioneller Materialkombination. Nerinen für shin und shin-ashirai, Ruscus für soe und shin-ashirai und schließlich Eustoma für die tai-Gruppe. 
Für das geteilte Shōka sanshu-ike (das allerdings auch einteilig gearbeitet werden konnte) waren Liatris (shin- und soe-Gruppe), kleine weiße Rosen oder Chrysanthemen (tai) und Waxflower (ashirai) eingeplant. Für das abschließende Shōka shimpūtai mussten wieder selbst Ideen gefunden werden. 

Da von der Eibe für das Rikka ziemlich viel übrig geblieben ist, wurde die gleich zweckentfremdet und als Hauptmaterial für Shōka nishu-ike oder auch für geteiltes sanshu-ike verwendet. Das restliche Grünzeug wurde nach Ende des Workshops eingesammelt und wird von einer unserer Damen für die Adventkranzproduktion bzw. für diverse Weihnachtsdekorationen weiterverarbeitet. Es ist schön, dass wir die Reste nicht entsorgen müssen, sondern dass sie noch einen Zweck erfüllen können. 

Nach unserem Übungsabend am 9. Dezember, bei dem wir auch eine kleine Weihnachtsfeier abhalten werden, verabschieden wir uns dann mal in die Winterpause. Hier nun ein kleiner Ausschnitt unserer Arbeiten.

Montag, 17. November 2025

Workshop in Passau

Der Wochenend-Workshop im Bildungshaus Spectrum Kirche in Passau brachte uns wieder eine sehr intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Ikenobō-Stilen. 
Die Anreise verlief ruhig und mit der Pflanzenbestellung hat ebenfalls alles gut geklappt. Dank tatkräftiger Mithilfe früh angereister Kolleginnen war auch die Verteilung schnell erledigt. Nach und nach trudelten die weiteren Teilnehmerinnen ein und nach dem gemeinsamen Abendessen machten wir uns ans Werk. 

Zum Aufwärmen stand Freestyle auf dem Programm, wobei ein eher designhafter Ausdruck angestrebt war. Was auf dem Papier recht simpel erscheint, hat sich dann doch als ein wenig komplizierter herausgestellt. Wir hatten ziemlich ausdrucksstarkes Material zur Verfügung (Aralienblätter, Nadelkissenprotea, Kleinkram), das aber in Einklang mit dem Gefäß zu bringen war nicht immer ganz einfach. 
Das zweite Arrangement der Abend-Session war ein Shōka sanshu-ike mit Liatris, Ruscus und kleinen Chrysanthemen. Die Herausforderung hier bestand im Ausschneiden der Santini-Chrysanthemen. Zum Ausklang des Abends gönnten wir uns abschließend das eine oder andere Gläschen Wein. 

Nach einer recht kurzen Nacht ging es in der ersten Lektion des Samstags noch einmal um Shōka shōfūtai. Auf vielfachen Wunsch haben wir ja unseren 'Fahrplan' etwas angepasst und anstelle eines ausgedehnten Theorieteils mit anschließenden Vorführungen den Tag in mehrere einzelne Einheiten unterteilt. Den Teilnehmerinnen blieb es allerdings nach wie vor selbst überlassen, welches Arrangement sie wann arbeiten wollten und auch die Materialkombinationen waren nicht in Stein gemeißelt. Schließlich waren genügend Blumen vorhanden und konnten bunt gemischt werden. 

Am Vormittag beschäftigten wir uns also mit Shōka isshu-ike mit Eustoma, wobei eine Grundform mit neun Linien gearbeitet werden sollte. Dabei ging es in erster Linie darum, aus den vier vorhandenen Stielen die einzelnen Elemente auszuwählen und dabei auf die richtige Mischung aus Knospen, halb offenen und bereits weiter geöffneten Blüten zu achten. Mit anderen Worten, nicht einfach wild drauflos werkeln, sondern vorausschauend arbeiten, damit man nicht am Ende draufkommt, dass man zwar ein ordentliches Grundgerüst hat, einem aber der richtig gewachsene tai-saki fehlt. 

In der ausgedehnten Nachmittags-Lektion gab es eine Einführung in korrektes Drahten (welche Drahtsorte für welchen Zweck, Auswahl der richtigen Drahtstärken und Anwendung unterschiedlicher Techniken) und die Damen durften sich an einem Rikka shimpūtai versuchen. Nach dem Abendessen stand dann noch tatehana auf dem Programm. 

Am Sonntag gab es keine Vorführung, denn die Damen sollten ihre eigenen Ideen in Form eines Shōka shimpūtai umsetzen. Nach dem Mittagessen war dann großes Aufräumen angesagt und Arrangements und Restblumen wollten so verstaut werden, dass sie den Heimtransport gut überstehen und man noch lange Freude an ihnen haben kann. 

Und dann war der Workshop auch schon wieder zu Ende – viel zu schnell, denn gerade ist man so schön im Flow gewesen und hätte gerne noch mehr getan. Nun ja, immerhin gibt es Überlegungen, in Zukunft vielleicht einmal im Jahr einen ausgedehnteren Workshop zu veranstalten. Fünf Tage würden sich da anbieten. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, vor 2027 wird sich das nicht ausgehen. Hier jedenfalls ein kleiner Einblick in unsere Arbeiten.