Posts mit dem Label Rikka shofutai werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rikka shofutai werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 1. Dezember 2025

Winter-Workshop in der ÖGG

Der letzte Workshop dieses Jahres in der ÖGG verlief harmonisch und arbeitsreich. Ein vielfältiges Angebot erwartete die Teilnehmer*innen. Während sich die Fortgeschrittenen mit Rikka shōfūtai (sashi-maze) und Rikka shimpūtai beschäftigten, spielten die anderen Damen und Herren mit Freestyle. Zum Abschluss standen dann noch Shōka shōfūtai und Shōka shimpūtai auf dem Programm. 

Aber der Reihe nach. Die Blumen wurden diesmal direkt am Freitag geliefert, wir konnten also auf echt frische Ware zurückgreifen. Und die Pflanzen haben auch recht gut durchgehalten, obwohl die Räume ziemlich stark geheizt waren. 
Der Workshop startete mit der Demonstration des Rikka shōfūtai, das diesmal ziemlich viel holziges Material enthielt. Drachenweide und Palmkätzchen (shin, soe und nagashi), Eibe (für ), Pittosporum (maeoki) und Kiefer (ushiro-gakoi) sorgten für zerschundene und ziemlich schmutzige Finger. Aber die vorsorglich eingepackte Handwaschpaste hat da gründlich Abhilfe geschaffen. 
Für Farbe im Rikka sorgten Liatris und leuchtend-gelbe Chrysanthemen und die kleinen Blätter der Schneebeere (mikoshi + soe-shita) brachten noch etwas Abwechslung zwischen die Weidenzweige. Komplettiert wurde das Arrangement durch die dome aus Santini-Chrysanthemen und Hypericum. 
Für das Rikka shimpūtai gab es keine Vorlage, da musste man sich selbst überlegen, wie denn das Material bestmöglich in Szene gesetzt werden konnte. Nach der Vorführung machten sich die Damen selbst ans Werk und starteten entweder gleich mit dem Rikka, oder beschäftigten sich erst noch mit Prüfungsarbeiten. 

Am Samstag stießen weitere Teilnehmer*innen zu uns und der Seminarraum war schließlich voll besetzt. Richtig kuschelig, nur die Blumenkübel standen manchmal im Weg herum. Vorgeführt wurden drei verschiedene Freestyle-Arrangements, wobei es von eher landschaftlichem Ausdruck über reduziert-abstrakt bis hin zu kreativ ging. 
Aus Drachenweide, Palmkätzchen und Chrysanthemen entstanden ausdrucksstarke Arbeiten, die sich über Farbe und Linie definierten. Roter Cornus und kleine Santinis erzählten eine Geschichte von ballspielenden Kindern im Wald und mit Rhapis-Palme, Craspedien und Gerbera (oder Chrysanthemen) konnte mit Fläche und Linie gespielt werden. Da es wie üblich jedem frei stand, das zugeteilte Material nach eigenem Gutdünken zu kombinieren, konnten auch ganz andere Arrangements entstehen. 

In der Nachmittagslektion stand schließlich noch ein Shōka nishu-ike aus rotem Cornus und Winterchrysanthemen in einer Grundform aus neun Linien auf dem Programm. Die Rikka shōfūtai nahmen schön langsam Form an und auch das eine oder andere Rikka shimpūtai ließ sich im Lauf des Tages bereits bewundern. 
Nach Beendigung des Unterrichts trafen wir uns zur jährlichen Mitgliederversammlung der Study Group, wobei diesmal wieder Vorstandswahlen auf der Agenda standen. Kurzes Resümee, wir dürften gute Arbeit geleistet haben, denn die Vorstandsmitglieder wurden für die kommenden drei Jahre wiedergewählt. 

Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen von Shōka, wobei wir uns auf sanshu-ike und sanshu-ike kabu-wake konzentrierten. Aber auch Shōka shimpūtai durfte nicht fehlen. Das erste Beispiel-Arrangement war ein sanshu-ike mit recht konventioneller Materialkombination. Nerinen für shin und shin-ashirai, Ruscus für soe und shin-ashirai und schließlich Eustoma für die tai-Gruppe. 
Für das geteilte Shōka sanshu-ike (das allerdings auch einteilig gearbeitet werden konnte) waren Liatris (shin- und soe-Gruppe), kleine weiße Rosen oder Chrysanthemen (tai) und Waxflower (ashirai) eingeplant. Für das abschließende Shōka shimpūtai mussten wieder selbst Ideen gefunden werden. 

Da von der Eibe für das Rikka ziemlich viel übrig geblieben ist, wurde die gleich zweckentfremdet und als Hauptmaterial für Shōka nishu-ike oder auch für geteiltes sanshu-ike verwendet. Das restliche Grünzeug wurde nach Ende des Workshops eingesammelt und wird von einer unserer Damen für die Adventkranzproduktion bzw. für diverse Weihnachtsdekorationen weiterverarbeitet. Es ist schön, dass wir die Reste nicht entsorgen müssen, sondern dass sie noch einen Zweck erfüllen können. 

Nach unserem Übungsabend am 9. Dezember, bei dem wir auch eine kleine Weihnachtsfeier abhalten werden, verabschieden wir uns dann mal in die Winterpause. Hier nun ein kleiner Ausschnitt unserer Arbeiten.

Montag, 24. März 2025

World Seminar in Kyoto – Shōka betsuden und Rikka shōfūtai

Der erste Tag des zweiten Teils des World Seminars in Kyoto begann für mich relativ gemütlich mit einer Lektion zum Thema 'Variationen im Shōka shōfūtai'. Anne und Monika hingegen durften sich mit Rikka shōfūtai beschäftigen, und zwar mit Formen aus dem naraimono nana-kajō
Bevor wir uns aber an die Arbeit machen konnten, standen noch die Suche nach dem Klassenzimmer und das Auswählen und Einrichten des Platzes auf dem Programm. Obwohl die Aufzüge zu den Klassenzimmern erst um 8:30 in Betrieb gehen sollten, bildete sich bereits kurz vor 8 Uhr die erste Schlange. Ganz diszipliniert in Viererreihen haben wir uns angestellt und bekannte Gesichter beim Eintreffen begrüßt. 
Bei fünf Klassen im Haupthaus, die jeweils rund 35 Teilnehmer umfassen, ist die Schlange entsprechend lang geworden. Die vier weiteren Kurse finden im Nebengebäude West 18 statt. 

Zur allgemeinen Begrüßung fanden wir uns alle im Festsaal ein, wo die Professoren vorgestellt und Informationen zum Ablauf mitgeteilt wurden. Dann machten wir uns auf den Weg in unsere Klassenzimmer. 
Für meine Gruppe ist Prof. Sasaki zuständig und ich war schon sehr gespannt, da ich ihn bisher nur von diversen Videos kannte. Ein paar der Teilnehmerinnen in meinem Kurs kenne ich bereits vom Sommer letzten Jahres, also bin ich nicht ganz auf mich gestellt. 
Die Theorie-Einheit war gut verständlich, denn Prof. Sasaki spricht einerseits etwas Englisch, andererseits haben wir eine sehr gute Dolmetscherin. Wenn dann ab morgen auch die Lautsprecher funktionieren, ist alles perfekt. 

Für das heutige Arrangement sollten wir uns entweder an einer nagashi-Variation versuchen oder – wenn das Material nicht ganz passt – mae-zoe arbeiten. Schlimmstenfalls ist auch eine Standardform zulässig, denn nichts ist unpassender als ein willkürlich in Form gezwungener Zweig. 
Jeder von uns bekam einen Bund mit sechs Zierquitten, die ungefähr 150 cm lang waren. Leider war einer meiner Zweige ziemlich ramponiert und halb vertrocknet, aber ich bin auch mit den restlichen Zweigen ganz gut zurechtgekommen. Ich habe mich für jodan-nagashi an shin-ushiro-ashirai entschieden, und zwar in gyaku-gatte, da ich so die Zweige bestmöglich einsetzen konnte. 
Ich dürfte meine Sache ganz gut gemacht haben, da bei der Korrektur nur ein kleiner tai-oku dazugestellt wurde, damit die räumliche Tiefe des Arrangements zusätzlich betont wird. Mit meinem nagashi war Prof. Sasaki sehr zufrieden, der hat natürlich ausgesehen, obwohl er ursprünglich gerade gewachsen war. 
Einige meiner Klassenkameradinnen hatten mit ihren Zweigen ziemlich zu kämpfen und ich glaube, dass Prof. Sasaki am Ende des Tages ziemlich zerstochene Finger hatte, so viel wie er zusätzlich biegen musste. 

Wir waren bereits gegen 16 Uhr mit unserer Lektion fertig und bekamen dann noch Anweisungen, dass wir für das morgige Arrangement (modernes suna-no-mono mit kusa-mono) im Shop eine weiße Hartschaumplatte und einen kleinen ukezutsu besorgen sollen. Letzteres ist ungewöhnlich und ich habe extra keine ukezutsu mitgebracht, da die üblicherweise im suna-no-mono nicht verwendet werden. Wir werden allerdings mit einem doboku arbeiten und das geplante Material dürfte irgendwie nicht lang genug sein. Es wird spannend. 

Bei Anne und Monika kamen im Rikka ebenfalls Zierquitten zum Einsatz, dazu noch diverses anderes kimono und biwa-Blätter. Sie haben die Rikka-Variation nimai-oha in Kombination mit o-uchi-mikoshi gearbeitet und wurden erst deutlich nach 18 Uhr entlassen. Ihr Kursleiter, Prof. Tsuchiya, hatte jedenfalls jede Menge zu tun, um alle Arrangements in Form zu bringen. Bei Anne und Monika sind die Korrekturen gering ausgefallen, die beiden haben ihre Sache gut gemacht. Morgen steht in ihrer Lektion dann Rikka shimpūtai auf dem Programm, wobei alle Kursteilnehmerinnen fertig zusammengestellte Materialpakete bekommen. Es wird sicher interessant zu sehen, welch vielfältige Werke entstehen werden. 

Ein kleiner Abstecher in die Blumenhandlung im Keller hat eine Halle voll mit Blütenzweigen offenbart. Zumindest dort findet man Kirschblüten, an den Bäumen im Freien fangen sie erst ganz zögerlich an sich zu öffnen. Vereinzelt sieht man frühe Sorten mit einzelnen offenen Blüten. Wenn es allerdings weiterhin so warm bleibt, werden die anderen Bäume bald folgen und den in voller Blüte stehenden Pflaumenbäumen Konkurrenz machen. 
Hier nun unsere heutigen Werke.

Mittwoch, 31. Juli 2024

Seminar in Kyoto - Tag 2

Heute stand Rikka shōfūtai auf dem Programm, und zwar eine nagashi-Variation aus dem denshō Rikka jūkyū-kajō, den 19 Techniken. Die Theorie begann schon um 9 Uhr, damit wir zeitgerecht mit den Arrangements fertig werden. 
Viel hat es nicht zu erzählen gegeben, schließlich gibt es nur drei dieser Variationen und die sind schnell abgehandelt. Der Teufel steckt dabei natürlich immer im Detail. Kobayashi-Sensei hat zur Erklärung ein paar Zeichnungen an die Tafel gemalt und uns dann mögliche Materialkombinationen für die drei Variationen vorgeschlagen. Das war in gut einer Stunde erledigt und wir durften uns um das Material anstellen – drei Pakete pro Person, die alle nötigen Pflanzen enthielten. 

Mit meinem Material bin ich sehr zufrieden, einer der Vaccinium-Zweige zeigt bereits ein wenig Herbstfärbung, was für die Variante uke-nagashi vorteilhaft ist. Es soll schließlich deutliche Unterschiede zwischen den beiden übereinander liegenden yakueda geben, obwohl es sich um dasselbe Material handelt. Also beispielsweise dichte und sparsame Belaubung oder eben Farbunterschiede. Am besten natürlich gleich mehrere gegensätzliche Attribute gleichzeitig. Mein shin ist ziemlich wild und die Zweige eignen sich für gyaku-gatte – Herz, was willst du mehr. 

Ich habe erstmals Wollbusch und Hemlock-Tanne in Händen, sehr interessantes Material. Die Hahnenkamm-Celosien sind so süß klein, dass es kaum zu glauben ist. Die Ballonblumen und Nelken habe ich gleich gedopt, damit sie schön durchhalten. Auch der nicht stechende Wacholder ist ein Traum, so dicht und dunkelgrün, da muss man gar nicht viel daran rumschnippeln.

Das Arrangieren ist gut von der Hand gegangen und es war sogar genügend Zeit für eine längere Mittagspause. Nach knapp vier Stunden war ich fertig und eigentlich recht zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass es so flott und problemlos läuft, aber das Material war wirklich toll. Nach der Korrektur, die mir ein 'excellent work' eingebracht hat, konnte ich so richtig stolz sein.

Eva ist diesmal ebenfalls schnell fertig gewesen, bei ihr stand Shōka sanshu-ike kabu-wake mit einer interessanten Materialkombination auf dem Programm. Ihre Gruppe hatte sogar noch Zeit für einen Besuch im Ikebana-Museum, bevor sie die Shimpūtai-Theorie vorgezogen haben. Da wir morgen das festliche Abendessen haben und früh Schluss machen müssen, ist das nur von Vorteil. 
Bei mir steht morgen renpei auf dem Programm, Freestyle in mehreren (kleinen) Gefäßen. Prof. Kobayashi hat vorgeschlagen, dass wir uns auf zwei Vasen beschränken und das Material nach der Theorie-Einheit im Blumen-Shop im Keller besorgen sollen. Es steht also ein Besuch im Paradies der Floristik an.
Das sind unsere heutigen Werke:

Montag, 20. November 2023

Winterworkshop in der ÖGG

Wie jeden November fand am Wochenende der letzte Workshop des Jahres statt, wobei zusätzlich die Mitgliederversammlung der Study Group abgehalten wurde. Quasi zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt. Und wie immer bei dreitägigen Workshops stand auch diesmal Rikka auf dem Programm.
Die Teilnehmer*innen konnten sich sogar zwischen Rikka shōfūtai und Rikka shimpūtai entscheiden, wobei die Hauptkomponenten Ilex, Chrysanthemen und Grevillea in beiden Paketen vorhanden waren. Für Rikka shimpūtai gab es zusätzliche Blumen und verschiedenes Grünzeug, wobei im Endeffekt genügend Material für zwei Arrangements vorhanden war. 

Der Freitag begann aber erst einmal damit, die Aspidistrablätter für das sonntägliche Denka zu sichten, zu sortieren und einzurollen, damit sie ihre Spannung bewahren. Auch wurden die anderen Pflanzen begutachtet und nötigenfalls ausgelichtet und frisch angeschnitten.
Nach der Materialversorgung wurden die grundlegenden Techniken des Drahtens wiederholt und praktisch vorgeführt, wobei besonders auf die korrekte Behandlung von kimono eingegangen wurde. Unser sashi-maze-Rikka bestand schließlich mit Ausnahme weniger Blumen für shō-shin, kusa-michi und kusa-dome ausschließlich aus holzigen Pflanzen. 
Zusätzlich musste auf die sashi-guchi und den Verlauf des Blumenweges geachtet werden, damit nicht plötzlich isoliert stehende Stiele auftauchen, die unmotiviert in der Gegend rumstehen. En von kimono und kusa-mono ist schließlich entscheidend bei einem sashi-maze-Rikka. Da galt es also jede Menge Theorie zu verinnerlichen.
Der Jahreszeit angepasst (und als Lichtblick inmitten des regnerisch-nebligen Wochenendes) leuchteten im fertigen Arrangement gelbe Chrysanthemen zwischen verschiedenen Grüntönen und harmonierten mit den roten Beeren der Ilexzweige. 
Da Theorie und Vorführung ausführlich waren und dementsprechend lange dauerten, wurde das allgemeine Arrangieren erst am nächsten Tag in Angriff genommen. 

Der Samstag begann damit, dass ein kleines Rikka shimpūtai vorgezeigt wurde, dann machten sich die Teilnehmer*innen an die Arbeit. Trotz der vielen Drahterei und dem anstrengenden Biegen wurden alle Rikka shōfūtai fertiggestellt und wir konnten uns entspannt der Mitgliederversammlung widmen. Es entstanden auch sehr vielfältige und interessante Rikka shimpūtai. 

Am Sonntag lag der Schwerpunkt auf Shōka und Freestyle. Um die Demo nicht ausufern zu lassen, wurde bereits am Vortag ein Shōka sanshu-ike vorbereitet, das dann als Anschauungsobjekt für die Erklärungen diente. 
Das Aspidistra-Shōka wurde zum Anlass genommen, noch einmal detailliert auf die Herstellung und Verwendung eines kubari einzugehen. Schließlich wurde uns beim Seminar mit Prof. Noda in Naurod ein wenig auf die Finger geklopft, weil unsere kubari nicht ganz den Ansprüchen genügten. 

Aspidistra eignen sich wunderbar dafür, die Beziehungen im Shōka zu verdeutlichen, weshalb sie gerne für Anfänger*innen verwendet werden. Zusätzlich bieten sie auch Fortgeschrittenen genügend Herausforderung, denn ein gutes Aspidistra-Shōka schüttelt man nicht so einfach aus dem Handgelenk. Die Fortgeschrittenen wurden also dazu verdonnert, im kubari zu arbeiten, während es für die anderen beim kenzan belassen wurde. 

Abgerundet wurde der Tag mit Freestyle, und zwar in Form eines festlichen Arrangements und/oder einer landschaftlichen Arbeit unter Verwendung von flechtenbewachsenen Zweigen, Koniferen und Minihagebutten. 
Neben dem regulären Programm konnten natürlich auch andere Techniken und Formen ausprobiert werden, bzw. wurde für Prüfungen arrangiert. Alles in allem war es wieder ein gelungener Workshop in harmonischer Atmosphäre. 

Hier nun einige Bilder von entstandenen Arbeiten.

sashi-maze-Rikka und suna-no-mono
Rikka shimpūtai
Shōka: Denka, sanshu-ike und shimpūtai
Freestyle-Variationen