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Montag, 24. März 2025

World Seminar in Kyoto – Shōka betsuden und Rikka shōfūtai

Der erste Tag des zweiten Teils des World Seminars in Kyoto begann für mich relativ gemütlich mit einer Lektion zum Thema 'Variationen im Shōka shōfūtai'. Anne und Monika hingegen durften sich mit Rikka shōfūtai beschäftigen, und zwar mit Formen aus dem naraimono nana-kajō
Bevor wir uns aber an die Arbeit machen konnten, standen noch die Suche nach dem Klassenzimmer und das Auswählen und Einrichten des Platzes auf dem Programm. Obwohl die Aufzüge zu den Klassenzimmern erst um 8:30 in Betrieb gehen sollten, bildete sich bereits kurz vor 8 Uhr die erste Schlange. Ganz diszipliniert in Viererreihen haben wir uns angestellt und bekannte Gesichter beim Eintreffen begrüßt. 
Bei fünf Klassen im Haupthaus, die jeweils rund 35 Teilnehmer umfassen, ist die Schlange entsprechend lang geworden. Die vier weiteren Kurse finden im Nebengebäude West 18 statt. 

Zur allgemeinen Begrüßung fanden wir uns alle im Festsaal ein, wo die Professoren vorgestellt und Informationen zum Ablauf mitgeteilt wurden. Dann machten wir uns auf den Weg in unsere Klassenzimmer. 
Für meine Gruppe ist Prof. Sasaki zuständig und ich war schon sehr gespannt, da ich ihn bisher nur von diversen Videos kannte. Ein paar der Teilnehmerinnen in meinem Kurs kenne ich bereits vom Sommer letzten Jahres, also bin ich nicht ganz auf mich gestellt. 
Die Theorie-Einheit war gut verständlich, denn Prof. Sasaki spricht einerseits etwas Englisch, andererseits haben wir eine sehr gute Dolmetscherin. Wenn dann ab morgen auch die Lautsprecher funktionieren, ist alles perfekt. 

Für das heutige Arrangement sollten wir uns entweder an einer nagashi-Variation versuchen oder – wenn das Material nicht ganz passt – mae-zoe arbeiten. Schlimmstenfalls ist auch eine Standardform zulässig, denn nichts ist unpassender als ein willkürlich in Form gezwungener Zweig. 
Jeder von uns bekam einen Bund mit sechs Zierquitten, die ungefähr 150 cm lang waren. Leider war einer meiner Zweige ziemlich ramponiert und halb vertrocknet, aber ich bin auch mit den restlichen Zweigen ganz gut zurechtgekommen. Ich habe mich für jodan-nagashi an shin-ushiro-ashirai entschieden, und zwar in gyaku-gatte, da ich so die Zweige bestmöglich einsetzen konnte. 
Ich dürfte meine Sache ganz gut gemacht haben, da bei der Korrektur nur ein kleiner tai-oku dazugestellt wurde, damit die räumliche Tiefe des Arrangements zusätzlich betont wird. Mit meinem nagashi war Prof. Sasaki sehr zufrieden, der hat natürlich ausgesehen, obwohl er ursprünglich gerade gewachsen war. 
Einige meiner Klassenkameradinnen hatten mit ihren Zweigen ziemlich zu kämpfen und ich glaube, dass Prof. Sasaki am Ende des Tages ziemlich zerstochene Finger hatte, so viel wie er zusätzlich biegen musste. 

Wir waren bereits gegen 16 Uhr mit unserer Lektion fertig und bekamen dann noch Anweisungen, dass wir für das morgige Arrangement (modernes suna-no-mono mit kusa-mono) im Shop eine weiße Hartschaumplatte und einen kleinen ukezutsu besorgen sollen. Letzteres ist ungewöhnlich und ich habe extra keine ukezutsu mitgebracht, da die üblicherweise im suna-no-mono nicht verwendet werden. Wir werden allerdings mit einem doboku arbeiten und das geplante Material dürfte irgendwie nicht lang genug sein. Es wird spannend. 

Bei Anne und Monika kamen im Rikka ebenfalls Zierquitten zum Einsatz, dazu noch diverses anderes kimono und biwa-Blätter. Sie haben die Rikka-Variation nimai-oha in Kombination mit o-uchi-mikoshi gearbeitet und wurden erst deutlich nach 18 Uhr entlassen. Ihr Kursleiter, Prof. Tsuchiya, hatte jedenfalls jede Menge zu tun, um alle Arrangements in Form zu bringen. Bei Anne und Monika sind die Korrekturen gering ausgefallen, die beiden haben ihre Sache gut gemacht. Morgen steht in ihrer Lektion dann Rikka shimpūtai auf dem Programm, wobei alle Kursteilnehmerinnen fertig zusammengestellte Materialpakete bekommen. Es wird sicher interessant zu sehen, welch vielfältige Werke entstehen werden. 

Ein kleiner Abstecher in die Blumenhandlung im Keller hat eine Halle voll mit Blütenzweigen offenbart. Zumindest dort findet man Kirschblüten, an den Bäumen im Freien fangen sie erst ganz zögerlich an sich zu öffnen. Vereinzelt sieht man frühe Sorten mit einzelnen offenen Blüten. Wenn es allerdings weiterhin so warm bleibt, werden die anderen Bäume bald folgen und den in voller Blüte stehenden Pflaumenbäumen Konkurrenz machen. 
Hier nun unsere heutigen Werke.

Mittwoch, 12. Februar 2025

Mandelröschen und Palmkätzchen

'Shōka mit Linienmaterial' – so lautete die Vorgabe für unseren Übungsabend. Material konnte entweder selbst besorgt werden, oder man ließ sich vom Inhalt eines Großmarktpakets überraschen. Die Mehrzahl der Damen und Herren hat sich für letztere Option entschieden und sich damit gleich eine Extraportion an Schwierigkeitsgrad eingehandelt. 
Es gab weiße Mandelröschen, aber nicht die langen, geraden Zweige, die man üblicherweise so kennt, sondern relativ wild gewachsene Exemplare mit interessanten Kurven und Verzweigungen. Eine Herausforderung, speziell für die noch nicht ganz so erfahrenen Teilnehmer*innen. 
Da sich auch einige Nachwuchs-Ikebanesen angesagt hatten, wurde zusätzlich Linienmaterial für Freestyle besorgt. Für sie enthielt das Überraschungspaket Palmkätzchen, Anemonen, kleine Santini-Chrysanthemen als Kontrastmaterial und Eukalyptus als Grünzeug, damit die Sache etwas lebendiger wirkte. 

Zu Beginn des Übungsabends, der wieder komplett ausgebucht war, gab es allerdings gleich eine Überraschung – eine liebe Ikebana-Kollegin aus Berlin nutzte ihren Wien-Urlaub, um uns zu besuchen und am Unterricht teilzunehmen. Wir haben uns sehr gefreut, sie wieder einmal zu treffen.

Die Fortgeschrittenen kämpften tapfer mit den Mandelröschen und trugen schließlich den Sieg davon. Beim Transport zum Fototisch ist zwar die eine oder andere Linie noch etwas verrutscht, es konnten aber alle stolz auf ihre Werke sein. 
Beim selbst gesammelten Shōka-Material dominierten Forsythien, aber auch Palmkätzchen waren vertreten. Wegen der nicht vorhandenen Blüten wurden diese Arbeiten nishu-ike gestaltet, mit jahreszeitlichen Tulpen bzw. Rosen für nejime. Bei diesen Arrangements waren die geforderten Linien wesentlich besser zu erkennen als bei den Mandelröschen. 
Die Freestyle-Arbeiten gestalteten sich ebenfalls vielfältig und im Endeffekt konnten sich alle zufrieden auf den Heimweg machen. Man darf gespannt sein, was nach und nach an Hausübungen eintrudeln wird. 
Hier nun unsere gestrigen Werke, zuerst Freestyle und anschließend die verschiedenen Shōka.





Montag, 26. Februar 2024

Frühlingsworkshop

Bei unserem Frühlingsworkshop waren die Damen wieder sehr fleißig am Arbeiten und sie durften sich auch kreativ austoben. Das Programm umfasste Rikka und Shōka mit Zweigen und Frühlingsblumen, sowie verschiedene Freestyle-Variationen. 
Mit dem Material konnten wir recht zufrieden sein und bis auf ganz wenige Ausnahmen haben die Blumen sehr gut durchgehalten. Wir hatten neben den beinahe schon standardmäßigen Palmkätzchen auch blühende Zierquitte zur Verfügung, dazu noch Forsythien und Spirea. 

Am Freitag wurde das Rikka vorgeführt, wobei wir die Materialzusammenstellung kurzfristig geändert haben. Ursprünglich waren Narzissen für uke und hikae geplant, wir haben allerdings sehr schönen gelben Seidenmohn übrig gehabt, der sich natürlich für einen hervorgehobenen uke besonders eignet. Allerdings musste dann für hikae umdisponiert werden, denn Mohn eignet sich für diese yakueda keinesfalls. Also wurde auf gedan-ozukai umgebaut, wobei sich die Fußpositionen der einzelnen Materialien nochmals geändert haben, damit en von kimono und kusa-mono korrekt verbunden blieben. 

Nach der Vorführung wurde an verschiedenen Prüfungsarrangements gearbeitet, schließlich wollen die Prüfungsbögen mit Punkten gefüllt werden. Und wann, wenn nicht jetzt, ist die beste Zeit für Shōka mit Blütenzweigen. 

Während die Rikka-Damen am Samstag mit ihren Werken beschäftigt waren, arbeiteten die anderen Teilnehmerinnen an Shōka. Zuerst wurde anhand eines nishu-ike mit Palmkätzchen und Iris der generelle Aufbau erklärt, damit die Grundlage für das isshu-ike aus Zierquitte gegeben war. Diese Zweige waren bereits deutlich herausfordernder. 
Mit den geraden, unverzweigten Palmkätzchen kann man nicht viel falsch machen, die Quitte hingegen ist sehr sparrig gewachsen. Da muss man sich schon im Vorfeld jeden einzelnen Zweig genau anschauen und überlegen, wofür er geeignet ist. Schließlich hat jede nur sieben Exemplare zur Verfügung und viel Ersatzmaterial ist nicht vorhanden. 
Die entstandenen Werke waren gleich ein ganzes Stück 'wilder' und auch die eine oder andere betsuden-Form war zu sehen. Den Abschluss des Shōka-Reigens bildete ein sanshu-ike aus Forsythien, Liatris und Paperwhite-Tazetten, wobei nicht alltägliche Anordnungen der Materialien ausprobiert wurden. Wer Zeit und Lust hatte, arbeitete zusätzlich noch Shōka shimpūtai. 

Sonntag trafen neue Teilnehmerinnen ein, die sich mit Freestyle beschäftigen wollten. Der Seidenmohn, der schon unser Rikka verschönert hat, wurde auch freestylemäßig verwendet. Des Weiteren hatten wir Narzissen zur Verfügung, schöne Blätter, kleine Bartnelken, Farn, Hypericum und als Strukturmaterialien auch noch Spirea, Drehweide und Waxflower. Die Anemonen und Muscari waren die Sorgenkinder, die haben nicht ganz so gut gehalten. 
Außerdem durften sich die Damen noch im Basteln einer Papiervase versuchen. Nach Faltmustern entstanden Hüllen für Plastikflaschen, die dann mit den Pflanzen bespielt wurden. Eine nette Idee, für ein Ikebana als Mitbringsel. 
Eine unserer Damen hat das Papierfalten auf die Spitze getrieben und gleich einen Stöckelschuh angefertigt, in dem sie dann auch arrangiert hat. Davon können wir Stümper nur träumen, wir waren schon ganz stolz auf die einfachen Vasen. 

Da nach dem Workshop immer auch vor dem Workshop ist, dürfen wir uns auf die nächste Auflage freuen. Es heißt allerdings noch bis Anfang Juni warten, da steht uns dann ein Intensiv-Wochenende mit Shōka ins Haus. 
Hier nun ein kleiner Querschnitt unserer Arbeiten, geordnet nach Stilen.