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Dienstag, 9. Juni 2026

Seminar in Bern - Tag 1

Anne und ich nehmen derzeit am Seminar mit Professor Yasuto Sasaki in Bern teil, das anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Study Group Bern veranstaltet wird. Da gleichzeitig das 150-jährige Jubiläum der Schule für Gestaltung Bern und Biel begangen wird, hat sich eine Zusammenarbeit geradezu angeboten. 
Wir dürfen die Räumlichkeiten im Bernapark nutzen und veranstalten nach dem Seminar eine Ausstellung, bei der in Gefäßen von Absolventen der Keramikklasse arrangiert wird. Die Ausstellung steht unter dem Motto 'Dialog der Formen' und wird von einer Demonstration von Sasaki-Sensei begleitet werden. 

Die Räumlichkeiten im Bernapark befinden sich in einer ehemaligen Kartonfabrik und vermitteln trotz Sanierung und Modernisierung ein entsprechendes Werkshallenambiente. Und auch die klimatischen Verhältnisse sind sehr gut. 
Kyoko und ihr Team haben das Seminar auf bewährte Weise super organisiert und es herrscht eine entspannte Stimmung. Der Kurs ist auf 25 Teilnehmer*innen beschränkt und wir sind je nach Kenntnisstand in Gruppen eingeteilt. Für den Professor bedeutet das natürlich mehr Arbeit, da er zumindest zwei Arrangements pro Tag vorführen darf. 

Zum Aufwärmen standen heute shōfūtai-Formen auf dem Programm, und zwar Shōka sanshu-ike und nishu-ike für Gruppe 1 und Rikka shōfūtai für Gruppe 2. Das sanshu-ike aus Allium, Ruscus und Oxypetalum wurde vorgeführt, am Nachmittag mussten sich die Damen das nishu-ike aus Ruscus und Oxypetalum selbst erarbeiten. 
Für die Rikka-Leute ging es um das Herausarbeiten einer betonten Linie (eventuell im Zusammenspiel mit nimai-oha) und den entsprechenden Abänderungen in der Standardform, die sich daraus ergeben. Wer wollte, konnte auch eine andere Variante als das vorgeführte Beispiel gestalten. 

Sasaki-Sensei arrangierte ein eher kleines Rikka, da der Agapanthus relativ kurz war und er keinen ukezutsu verwenden wollte. Als betonte Linie wurde soe aus Hängeasparagus gestaltet und Crotonblätter als nimai-oha sorgten dafür, dass die Ränder des Arrangements nicht zu schwach erschienen. 

Der Asparagus in meinem Kübel glich eher einer Krüppelkiefer und eignete sich so gar nicht für einen schön schwingenden soe. Also verwendete ich ihn als betonten mikoshi, wodurch sich aber auch weitere Änderungen ergaben. 
Um nicht zu viel Gewicht auf in-kata zu legen, wanderte nagashi als hidari-nagashi nach rechts (ich habe natürlich wieder gyaku-gatte arrangiert) und gleichzeitig wurde soe schmaler und aufrechter als üblich gearbeitet. Nimai-oha wurden als mikoshi-shita und soe-shita eingesetzt. Auch die Materialien habe ich teilweise anders als Sensei verwendet, was wiederum mit der Eignung der einzelnen Pflanzen für bestimmte Elemente begründet war. 
Anne hingegen hat sich brav an die Vorlage gehalten und gut nachgearbeitet. Beim Fotografieren allerdings ist der kenzan etwas verrutscht, weshalb der Fuß nicht ganz in der Mitte steht. 

Apropos Foto: Es wurde ein sehr schöner Fotoplatz mit professioneller Beleuchtung eingerichtet und alle Arbeiten werden vom Team mit und ohne Namensschilder fotografiert. Professor Sasaki hat seine heutigen Arbeiten selbst fotografiert und abgesegnet, sodass sie hier veröffentlicht werden dürfen.
Morgen geht es dann weiter mit Shōka und Rikka shimpūtai, bevor wir uns abends zum gemeinsamen festlichen Abendessen treffen.
Hier nun unsere heutigen Arbeiten:

Arrangements Prof. Sasaki
und unsere Arbeiten

Montag, 1. Juni 2026

Frühsommerworkshop in der ÖGG

Am Wochenende sind wir beim Workshop ziemlich ins Schwitzen gekommen. Nicht nur wegen des teilweise anspruchsvollen Programms, sondern hauptsächlich wegen der Temperaturen. Für Ende Mai hat der Sommer ein sehr kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben und das Thermometer auf über 30 Grad klettern lassen. 
Die Pflanzen haben das erstaunlich gut weggesteckt, lediglich die Astilben haben buchstäblich ihr Leben ausgehaucht. Etwa 20 Minuten, nachdem sie aus der Plastikverpackung genommen wurden, hatten sie sich komplett verabschiedet. Blätter vertrocknet, Blütenfarbe verändert, lediglich als Kompost zu gebrauchen. Und dabei wollten wir damit Denka üben. So schnell können sich Pläne ändern. 

Der Workshop hatte Shōka in unterschiedlichen Variationen zum Thema, aufgelockert durch Freestyle, damit man zwischendurch auch mal wieder durchschnaufen konnte. Der Unterricht fand diesmal auf Deutsch und Englisch statt, wodurch sich die Theorie-Einheiten doch deutlich verlängert haben. Trotzdem ist das praktische Arbeiten nicht zu kurz gekommen. 

Freitag begannen wir mit einer Schulform: Shōka nishu-ike mit Liatris und Astern. Die Liatris ließen sich recht gut biegen und die vielen weißen Blüten der Astern erforderten ein sorgfältiges Ausschneiden. 
Wer nur halb und nicht völlig tote Astilben im Paket vorgefunden hat, konnte die noch für Shōka shimpūtai oder Freestyle verwenden. Zudem blieb genügend Zeit für die eine oder andere Prüfungsarbeit. 

Am Samstag konnten wir uns doch noch mit Denka beschäftigen, allerdings mit Calla. Die Zantedeschien waren ein wenig kurz geraten, vermutlich hat man die Topfpflanzen chemisch gestaucht. Aber um das Prinzip kennenzulernen, wie man Calla korrekt arrangiert, reichte das Material völlig aus. 
Neben dem Denka-Shōka standen noch zwei Variationen von Shōka sanshu-ike auf dem Programm. Dafür hatten wir Scabiosa, Plattährengras und Bartnelken zur Verfügung sowie zarten Rittersporn, Wiesenknopf und Santini-Chrysanthemen. Wer wollte, konnte selbstverständlich auch eigene Materialkombinationen wählen. Für die beiden geplanten Freestyle-Arrangements – einmal war eine Kombinationsform vorgesehen – gab es Pfingstrosen (die waren so knospig, dass wir erst ein wenig Geburtshilfe leisten mussten), Orlaya, Frauenmantel und Schafgarben sowie dunkelblaue Glockenblumen, Astern, Hypericum und Gräser. Auch hier galt: Freie Variation der Materialien erlaubt und sogar erwünscht. 

Der Sonntag bescherte uns ein Shōka sanshu-ike-kabu-wake mit Agapanthus, Asplenium (einer tropischen Hirschzunge, die in Japan sehr gerne für Rikka eingesetzt wird) und Seidenpflanze in einem leuchtenden Orange. Die Materialkombination eignete sich mehr für ein designhaftes sanshu-ike, da der Fokus auf Farben, Formen und Texturen lag. 
Neben der üblichen Teilung in shin/soe und abgetrennter tai-Gruppe konnte auch die Variante soe-wake ausprobiert werden. Dafür sollte man allerdings die Asplenium-Blätter durch anderes Material ersetzen, da die Hirschzungen doch teilweise sehr breit und mächtig sind. 

Auch an diesem Tag gab es zur Auflockerung Freestyle. Man konnte in einer hohen Vase arrangieren (vorgesehen waren grüne Bartnelken, Cosmeen, Kornblumen, Wiesenknopf und Gräser) und/oder sich mit einem kreativen Gefäß auseinandersetzen. Für Letzteres versprach die Blumenliste Clematis, Hypericum, Frauenmantel, Steelgras und Santini-Chrysanthemen. 

Als krönenden Abschluss enthielt das Blumenpaket Kängurupfötchen, Schnittcalla, Nigella-Kapseln und Kornblumen, die mit anderen Restmaterialien als Shōka shimpūtai (oder auch in jeder anderen Form) präsentiert werden sollten. 

Der Workshop verlief sehr harmonisch und es gab nur einen kleinen Beinaheunfall mit einer Vase und einem plötzlich auffliegenden Fensterflügel. Leider hat es dann noch ein anderes Gefäß erwischt, das gekippt ist und mit dem Fliesenboden Bekanntschaft gemacht hat. Allerdings dürfte der Schaden nicht ganz so gravierend sein. Vielleicht lässt sich die Absplitterung noch reparieren. 

Pünktlich zum Ende des Workshops schlug dann auch noch das Wetter um und erste Regentropfen begleiteten uns auf unseren Heimwegen. Insgesamt war es wieder ein sehr befriedigender Workshop, der Ende August seine Fortsetzung finden wird. Dann liegt der Schwerpunkt auf Rikka in allen Ausprägungen. 
Hier nun ein kleiner Einblick in unser Schaffen, nicht mehr als zwei Beispiele pro Arrangementtyp.

Mittwoch, 29. April 2026

Shōka sanshu-ike und Freestyle

Der gestrige Übungsabend stand unter dem Motto 'gleiches Material – unterschiedliche Stile'. Neben Shōka sanshu-ike wurde auch mehr oder weniger kreatives Freestyle gestaltet. 

Der Seminarraum der ÖGG war vom kräftigen Zwiebelduft durchzogen, zu dem sich das süßliche Aroma der Alliumblüten mischte. Dazu gesellten sich noch Anklänge von Schokolade und Kerzenrauch, da der Übungsabend mit einer kleinen Geburtstagsfeier begann. Angestoßen wurde natürlich auch noch und danach machten wir uns frisch ans Werk. 

Wir hatten sehr interessante heimische Freilandware zur Verfügung, zwar mit relativ dicken Stielen, dafür mit teilweise schönen Biegungen. Besser als die pfeilgeraden Monsterkugeln, die man üblicherweise im Handel bekommt. Das passende Begleitmaterial zu finden war leider nicht so einfach, da es wieder erhebliche Verzögerungen bei der Ankunft der LKW mit der Frischware gab. 
Die vorhandenen jahreszeittypischen Blumen, die von der vergangenen Woche übriggeblieben waren, hatten bereits ein gutes Stück auf dem Weg zu Kompost zurückgelegt. Und auch in der Abteilung Zweige und Schnittgrün herrschte gähnende Leere. Immerhin ließen sich Wedel der Phoenix-Palme auftreiben, die recht frisch wirkten. 
Als für tai geeignete kleine Blumen blieben nur Santini-Chrysanthemen übrig. Da gab es allerdings eine Sorte, die sehr stark an Margeriten erinnert, die Blüten konnten zur Not als Frühlingsblumen durchgehen. 

Durch die üppigen Palmwedel wirkten die Blumenkübel sehr gut gefüllt und anfangs gab es ein wenig Bedenken, wie daraus Shōka und Freestyle entstehen sollte, das zu den Standardvasen für Shōka und den eher kleinen Freestyle-Schalen passt. Aber durch entsprechendes Ausschneiden der Wedel konnten Linien betont werden und im Freestyle ist ja eine Formveränderung des Materials durchaus angebracht. Außerdem konnte speziell beim Shōka die Zahl der Alliumkugeln entsprechend der Vasenform und -größe schön variiert werden. 
Am Ende entstanden vielfältige Arbeiten, die uns aufgrund der guten Haltbarkeit der Materialien noch eine Weile erfreuen werden.

Montag, 20. April 2026

Frühlingsworkshop in Passau

Aufgrund einer Veranstaltung in und vor der Kapelle des Bildungshauses Spektrum Kirche in Passau sind wir für unseren Wochenend-Workshop in den 2. Stock umgesiedelt worden. Dort hatten wir einen sehr großen, hellen Raum zur Verfügung, in dem wir uns ausbreiten konnten. Dazu kam noch eine kleine Terrasse mit Gitterboden, die ideal für das Hantieren mit Kies und Wasser ist. 
Einziges kleines Manko – der Raum ist nur über einige Stufen erreichbar und mit Parkettboden ausgestattet. Dafür ist der Vorraum so weitläufig, dass wir einen Großteil unserer Ausrüstung dort lagern konnten und teilweise auch die Blumenkübel oben stehen ließen. Unterlegplanen sorgten dafür, dass der Boden beim Grünschnittcontainer und dort, wo die Gießkannen abgestellt waren, nicht zu Schaden kam. 

Der Workshop konzentrierte sich diesmal auf Shōka und Freestyle, aber auch ein tatehana wurde gearbeitet. Freitag nach dem Abendessen starteten wir zum Aufwärmen mit Shōka sanshu-ike, wofür wir neben Allium noch schön schmale, gefleckte Aspidistrablätter und mehrblütige Rosen zur Verfügung hatten. Selbst wenn die Blätter nur gute 5 cm breit waren, so musste trotzdem darauf geachtet werden, dass sich die breitere Blatthälfte auf der richtigen Seite des Arrangements befindet. Danach wurde ein Tulpen-Shōka vorgeführt und wer wollte, arrangierte zusätzlich Shōka shimpūtai und/oder widmete sich Prüfungsarrangements. 

Bis es zum gemütlichen Teil überging – es galt, die überreichten Diplome zu feiern – war der Abend schon weit fortgeschritten und wir haben alle nicht sehr viel Schlaf ergattert, bevor es wieder Zeit für das Frühstück war. 

Am Samstag ging es noch einmal ziemlich streng zur Sache, indem wir Gerbera isshu-ike arrangierten, wobei beide Möglichkeiten vorgestellt wurden. Man kann Gerbera nämlich entweder wie ohamono behandeln und analog zu Hosta arrangieren, oder man betrachtet die Blätter als naga-hamono und gestaltet das Arrangement mit zwei kabu ähnlich wie Calla. Da wir Topfware zur Verfügung hatten, konnten wir auch auf knospige Gerbera zurückgreifen. 

Nach dem Mittagessen ging es bereits deutlich kreativer weiter. Beim tatehana waren nur noch wenige Regeln zu beachten und beim anschließenden Freestyle mit Mini-Gerbera konnte man sich so richtig austoben. Die Abend-Session bescherte uns nochmal Freestyle, diesmal als Kombinationsform mit Ranunkeln als Hauptmaterial. 
Der gemütliche Teil fiel etwas kürzer aus, da sich bei den Damen gewisse Ermüdungserscheinungen bemerkbar machten. Der Unterricht war bisher doch recht fordernd, denn auch Freestyle hat seine Tücken und man muss entsprechend konzentriert sein. 

Der Sonntag bescherte uns Freestyle in einem kreativen Gefäß, wobei die Befestigungstechnik gelegentlich etwas trickreich sein konnte. Nach dem Mittagessen ging es leider schon wieder ans Aufräumen, so ein Wochenende ist einfach viel zu kurz. Aber trotzdem hatten alle viel Spaß und die Zeit bis zum Herbstworkshop wird sowieso wieder viel zu schnell verfliegen. Und wem es dennoch zu lange dauert, es gibt ja auch in Wien diverse Möglichkeiten, auch wenn es da nicht so praktisch ist wie bei einer Unterbringung im Haus.
Hier nun eine kleine Auswahl unserer Arbeiten.