Montag, 15. Juni 2015

Schloss Füstenried - Jiyūka

Der dritte Seminartag bescherte uns die Auseinandersetzung mit Jiyūka. Bei der Beschäftigung mit Shōka shōfūtai sanshu-ike und Shōka shinpūtai haben wir uns immer weiter in Richtung Verwirklichung eigener Ideen und Vorstellungen bewegt. Sozusagen den Gipfel der Kreativität erreichten wir heute mit dem Jiyūka. Professor Toyoda erläuterte, dass die Festlegung eines Themas für das Arrangement noch wichtiger sei als bei Shōka sanshu-ike bzw. shinpūtai. Kazai und Gefäß sollen nach Form, Farbe und Qualität ausgewählt werden und eine Einheit bilden, um zum gewünschten Ausdruck zu führen. Unter Qualität fallen Eigenschaften wie Material- und Oberflächenstruktur (sowohl von kazai als auch Gefäß), die für die Umsetzung der Idee maßgebend sind. Den Eindruck von Wasser wird man beispielsweise mit kühlen Farben und glänzenden Glasuren oder Glasgefäßen wesentlich besser rüberbringen, als mit rauhen Oberflächen und Erdfarben. Neben Thema und Formvorgabe spielen auch der Aufstellungsort und der Anlass für das Arrangement (ob es sich z.B. um ein Jahreszeitenfest handelt) eine wichtige Rolle. Im privaten Rahmen arbeitet man völlig anders als bei öffentlichen Auftritten, beispielsweise im Rahmen einer Ausstellung. Da muss dann der Auftritt wesentlich prächtiger und qualitativ hochwertiger sein. 
Im Anschluss an die Theorie demonstrierte uns Sensei Toyoda einerseits ein relativ natürliches Jiyūka mit engem Fuß und Schwerpunkt Fläche und danach eine linienbetonte Kombination in 2 Gefäßen, die vom Ausdruck her dynamischer und bereits designter wirkte. Danach wurden wir auf das Material losgelassen. Diesmal standen uns Hasenohr-Palme, blass-lila Scarbiosen, weinrote Eustoma, rote Gerbera, jede Menge Schleierkraut, Steelgras, Schachtelhalme, blaue Disteln, Korkenzieherhasel und grün-gelbes Hypericum zur Verfügung. Prof. Toyoda zeigte uns dann noch eine Befestigungstechnik für enghalsige Gefäße, die ein besseres Arrangieren als die üblichen (manchmal ziemlich harten) Strohhalme erlaubte. Dazu wurden dünne, weiche Plastikröhrchen gebündelt und gefaltet und dann am unteren Ende mit Gummiringerl fest zusammengehalten. Diese Bündel steckt man in die Gefäßöffnungen. Da die Knickstellen der Röhrchen nach oben weisen, können sich die Stiele der Pflanzen nicht in Löchern wie bei Strohhalmen verfangen, sondern lassen sich ganz einfach feststecken. 
Die Korrektur der einzelnen Arrangements war dann wieder außerordentlich interessant und informativ. Die Bandbreite reichte von puristischen Wasserlandschaften in Schalen bis zu wilden, künstlerisch designten Kreationen. Im Anschluss an den Unterricht hielt Sensei Toyoda noch einen Vortrag über die Geschichte von Bronzegefäßen, die Bedeutung ihrer "Ohren" und die Verwendung im heutigen Ikebana.
Ausdrücklich zu erwähnen ist wieder die perfekte Übersetzung von Yuko Tolle, die den besten Zugang zu den Informationen des Professors - sowohl bei der Theorie als auch teilweise bei den Korrekturen - gewährleistet. Die Arbeit, die  unsere Meisterin, Prof. Pointner-Komoda, und ihr Team leistet, ist sowieso unbezahlbar. Ein ganz herzliches Danke dafür, dass sie uns dieses wunderbare Seminar ermöglicht!

 die Arrangements von Professor Toyoda

 das haben wir Wiener "verbrochen" 
(ein Arrngement ist leider vor dem Foto geflohen)

eine kleine Auswahl an den Werken der anderen TeilnehmerInnen

Sonntag, 14. Juni 2015

Meisterseminar Schloss Fürstenried

Auch der 2. Seminartag erwies sich als überaus spannend. Wir starteten mit Shōka shōfūtai sanshu-ike. Sensei Toyoda erklärte zuerst die Gemeinsamkeiten mit isshu-ike und nishu-ike-Arrangements und vertiefte dann die zusätzlichen zu beachtenden Punkte. Neben shūsshō und dem Landschaftscharakter des Arrangements kommt es beim Shōka sanshu-ike auf die eigene Idee an. Dabei soll auf Gegensätzlichkeit im Arrangement geachtet werden. Dynamisch fließende Linien sollten mit eher streng aufstrebenden Elementen kombiniert werden und auch die Farbgestaltung spielt eine wichtige Rolle. Die Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeit reicht von der "Schulform" bis hin zu freien Umsetzungen mit Betonung – oder beinahe Übertreibung – einzelner Elemente. Da können dann schon mal ashirai höher oder dominanter als die eigentlichen Hauptlinien ausfallen. Der künstlerischen Freiheit sind fast keine Grenzen gesetzt, solange das Arrangement noch als traditionelles Shōka erkennbar ist. 
Für den praktischen Teil erhielten wir Sonnenblumen, Clematis, Schachtelhalm und Phönixpalme. Daraus sollten wir 3 Materialien auswählen und eine eigene Idee in ein Arrangement umsetzen (das Ergebnis sollten wir dann aber auch noch erklären können). Von den fortgeschritteneren TeilnehmerInnen wurde ein möglichst kreativer Entwurf gefordert. Zur Veranschaulichung des theoretischen Teils demonstrierte Prof. Toyoda 2 vom Ausdruck her völlig unterschiedliche Arrangements. Eines noch sehr an die Schulform angelehnt, das andere bereits deutlich kreativer und freier arrangiert. 
Am Nachmittag ging es dann mit Shōka shinpūtai weiter. Auch hier wieder 3 Materialien, aber keine vorgegebene Form mehr. Neben den Gegensätzen von in und yo waren es auch der geänderte Blickwinkel und vor Allem der Begriff ma (der leere Raum), die ein Shōka shinpūtai prägen. Neben den Hauptelementen shu und yo kommt auch dem ashirai eine wichtige Rolle zu. Dieser kann sowohl als Ergänzung der einzelnen Hauptelemente dienen, oder aber auch den von shu und yo erzeugten Spannungsbogen in irgendeiner Weise ergänzen bzw. unterstützen. 
Ein wesentlicher Punkt, der ebenfalls zur Sprache kam, ist die Verfremdung des kazai. Die Übergänge zwischen shi-zen und hi-shi-zen sind fließend. Im Japanischen gibt es den Begriff fu-zen. Es handelt sich dabei um die künstlerische Formung von kazai, welches dann nicht mehr als shi-zen (natürlich) gilt, aber auch noch nicht hi-shi-zen (unnatürlich) ist. Darunter versteht man Veränderungen, die ohne den Gebrauch von Werkzeugen (z.B. nur durch Abzupfen oder Ausdünnen) am kazai durchgeführt werden können. Solcherart verändertes kazai ist im Shōka und Rikka shinpūtai zulässig, während hi-shi-zen ausschließlich dem Jiyūka vorbehalten ist. 
Diesmal gab es kein Vorführarrangement. Wir hatten Neuseelandflachs, Godetien und Schleierkraut zur Auswahl, konnten aber auf anderes kazai zurückgreifen. Die Korrekturrunde war dann Schwerarbeit für den Sensei. Er nahm sich außergewöhnlich viel Zeit für jeden Einzelnen und brachte das, was wir ausdrücken wollten – und woran wir auch mal scheiterten - in eine harmonische Form. Wieder einmal ein überaus lehrreicher Unterricht.

Shōka shōfūtai sanshu-ike von Prof. Toyoda

 unsere Tagesausbeute ...

... und weitere Shōka shinpūtai anderer TeilnehmerInnen
 

Samstag, 13. Juni 2015

Meisterseminar in München-Fürstenried

Unser Meisterseminar mit Visiting Professor Toyoda Mitsumasa begann überaus spannend mit einem Shōka shōfūtai isshu-ike mit Strelitzien. Aber der Reihe nach: Die IIG, die Ikenobō Ikebana Gesellschaft Deutschland, lud einen Gastprofessor aus Japan für ein Meisterseminar nach Schloss Fürstenried in München ein. Das Headquarter schickte uns Professor Toyoda, der gleich eine Seminar-Tour in Europa veranstaltete. Nach dem Start in Polen und einem Zwischenstopp in Wiesbaden-Naurod stellte München die letzte Etappe seiner Reise dar. 5 Tage lang sollte unsere Gruppe – insgesamt waren wir 30 Personen – wieder in den Genuss von fortgeschrittenen Lektionen kommen.
Freitag war Anreisetag und nach dem Abendessen gab es gleich eine Vorstellungsrunde, damit wir uns mit Sensei Toyoda bekannt machen konnten. Untereinander kannten wir uns sowieso, schließlich treffen sich fast immer dieselben Personen bei solchen Veranstaltungen. So groß ist die Community schließlich auch nicht. 
Am Samstag startete dann gleich nach dem Frühstück der Unterricht. Nach einer Theoriestunde über die Geschichte des Ikebana mit einem Schwerpunkt auf Shōka ging es gleich mit dem ersten Arrangement los. Jeder von uns erhielt 3 Strelitzienblüten und 7 Blätter. Daraus sollten wir ein Shōka shōfūtai isshu-ike mit mindestens 2 Blüten und 5 Blättern anfertigen. Professor Toyoda benutze 2 Blüten als shin, dazu kam dann ein weit ausladender soe aus einem kräftigen Blatt, dessen Höhe sich an den Blüten orientierte. Ein Blatt vor den Blütenstielen bildete das Zentrum des Arrangements. Es wurde als shin-Blatt behandelt, obwohl es von der Höhe her im Gesamtarrangement als mae-ashirai fungierte. Die restlichen 3 Blätter ordneten sich in ihrer Höhe und Ausrichtung diesem Blatt unter. Wir fanden diese Art des Arrangierens sehr spannend, da wir bisher fast immer nur Strelitzien nach den Denka-Regeln arrangiert haben. Die beiden hohen Blüten kommen dem natürlichen Wachstum dieser Pflanze aber wesentlich näher. 
Am Nachmittag widmeten wir uns einem Shōka shōfūtai nishu-ike mit Spirea und Bouvardia. Sensei Toyoda erklärte uns, dass in diesem Arrangement der Ausdruck einer Landschaft wiedergegeben werden sollte. Dabei muss auf Natürlichkeit großen Wert gelegt werden. Er arrangierte ein wunderbar schwungvolles Shōka, aber als wir unsere Zweige auspackten, waren wir leise am Verzweifeln. Wir hatten jeder nur 2-3 Zweige, die oft auch vom Wuchscharakter gar nicht zusammenpassten. Und Ersatzmaterial gab es auch nicht. Da hieß es dann untereinander tauschen bzw. in der Shōka-Theorie kramen und mögliche Alternativen suchen. In meinem Fall entstand schließlich eine betsuden-Sonderform, nämlich mae-soe, da die Zweige in der "Standardform" einfach nicht zueinander passen wollten. Es war halt ein relativ zartes Shōka, bei dem auch nejime sehr zurückhaltend arrangiert wurde. Aber die sehr intensive Beschäftigung mit dem Material hat uns wieder ein gutes Stück auf dem kadō weitergebracht.

die "Vorlagen" von Sensei Toyoda

 
 
 
das haben wir fabriziert - wir sind ziemlich stolz darauf

Freitag, 12. Juni 2015

Monatstreffen I.I.

Das letzte Monatstreffen des Chapters 223 vor der Sommerpause bescherte uns einen Themenmix. Da das Treffen im Mai workshopbedingt abgesagt wurde, konnte diesmal entweder das Mai-Thema "Wasser - Vorfreude auf den Sommer", oder auch der aktuelle Programmvorschlag "Obst und Gemüse klassisch oder modern" umgesetzt werden.
Arbeiten mit Obst und Gemüse sind im Ikenobô-Ikebana nicht üblich, deshalb war ich schon auf die Arrangements neugierig. Im Curriculum der Sogetsu-Schule kommen Arrangements mit Obst und Gemüse bei zwei Übungen vor. Beim gelegten Arrangement "Morimono" und bei "Gemüse und/oder Obst in einem Arrangement". Die Chapter-Präsidentin zeigte von beiden Arten ein Beispiel. Auch weitere Teilnehmerinnen widmeten sich diesem Thema und kombinierten Obst und Gemüse mit Blumen.
Die anderen Damen und unser tapferer Einzelkämpfer bevorzugten das Wasser-Thema, wobei verschiedene Zugänge - von der puristischen Glasschale mit schwimmenden Blumen und Blättern bis hin zu komplexen Landschaften - gewählt wurden. Allen gemein waren die großen, spiegelnden Wasserflächen, die an diesem heißen Frühsommerabend eine wunderbare Kühle in den Übungsraum brachten.
Nach einem wunderbaren Buffet und angeregten Diskussionen über die nächsten Veranstaltungen und Pläne für die Zukunft vertagten wir uns bis zum Herbst. Dann beginnt auch wieder das neue I.I-Jahr mit hoffentlich spannenden Monatstreffen und vielen Aktivitäten.

 Obst & Gemüse - klassisch und modern

 spiegelnde Wasserflächen und Landschaften