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Donnerstag, 18. Juni 2015

Schloss Fürstenried - letzter Tag

Der letzte Seminartag bescherte uns quasi den Höhepunkt – Rikka shinpūtai. Sensei Toyoda machte es diesmal mit der Theorie relativ kurz und zeigte stattdessen gleich 2 Arrangements vor. Zum Einen ein Rikka shinpūtai in einer hohen Vase mit dem Material, das auch wir zur Verfügung hatten. Danach speziell zum Abschied ein geteiltes Arrangement mit dem Titel kizuna – Beziehung zwischen den Menschen. Damit wollte er einerseits die Freude darstellen, die ihm der Aufenthalt und die Arbeit mit uns gemacht hatte und andererseits auch die leise Wehmut, die mit einem Abschied einhergeht. 
Die Korrekturrunde war wiederum überaus interessant, da Sensei Toyoda sehr einfühlsam vorging und die Motive der Arrangierenden zu einem noch besseren Ausdruck brachte. Eine der Kolleginnen arrangierte zum Ende hoch einen kleinen Ikebana-Scherz, der speziell für Insider seine Bedeutung offenbarte. In 2 Rollen Küchenpapier mit etwas Golddraht, Gerbera und ein bisserl Grünzeug brachte uns das kleine Jiyūka zum Schmunzeln. Professor Toyoda nahm aber auch das sehr ernst und erklärte, wie man auch so ein Arrangement noch verbessern kann. 
Dann hieß es leider auch schon wieder Abschied nehmen. Nach der Urkundenverleihung und der Geschenküberreichung an Sensei Toyoda und unsere Meisterin begann das große Aufräumen. Da wir Wienerinnen erst am nächsten Tag nach Hause fahren wollten, konnten wir uns dabei etwas Zeit lassen. Den Abend verbrachten wir Verbliebenen mit den beiden Meistern in gemütlicher Runde bei Wein und Knabberzeug, bevor auch wir uns auf den weiten Heimweg machten.

 Arrangements Professor Toyoda mit Detailaufnahme

 unsere Werke ...

... und diverse andere Arrangements

Dienstag, 16. Juni 2015

Schloss Fürstenried - Rikka

Rikka-Tag – immer sehr anstrengend, sowohl für den Sensei als auch für uns Lernende. Wir müssen versuchen, das Rikka in der vorgegebenen Zeit zu vollenden und der Meister darf dann Schwerarbeit leisten und unsere Werke korrigieren. 
Diesmal gab es zu Beginn nur eine kurze theoretische Einführung, bei der die geschichtliche Entwicklung des Rikka abgehandelt wurde. Dass startete gleich die Demo von Professor Toyoda. Da die Rikka-Erfahrung der TeilnehmerInnen von nicht vorhanden bis weite fortgeschritten reichte, gab es eine Kompromisslösung: Vorgeführt wurde eine Standard-Schulform (san-kashi-zukai), welche vom Rikka-Nachwuchs möglichst exakt nachgearbeitet werden sollte. Die anderen TeilnehmerInnen sollten – je nach Kenntnisstand – Modifikationen vornehmen bzw. gleich mit anderen Materialzusammen-stellungen arbeiten. 
Kurz nachdem wir mit unseren Rikka begonnen hatten, "duftete" der Seminarraum ziemlich kräftig nach Zwiebelgewächsen. Die wunderbaren Allium, die für die Hauptlinien verwendet wurden, machten sich olfaktorisch überdeutlich bemerkbar. Zusätzlich hatten wir noch Irisblätter, blassviolette Eustoma, Säulenasparagus, panaschierte Hostablätter, kleine Chrysanthemen, lachsfarbenes Hypericum und Solidago zur Verfügung. Das fertige Rikka bestach durch verschiedene Grüntöne, die durch die zurückhaltenden Farbakzente noch besser zur Geltung kamen und ein Arrangement voll schlichter Eleganz ermöglichten. 
Während der Korrekturrunde erhielten wir speziell bei den fortgeschritteneren Arrangements wertvollen praktischen Unterricht, indem Sensei Toyoda uns die richtige Anwendung von z.B. irogiri, kusa-michi oder auch nobori-dō demonstrierte. Und wider Erwarten haben wir es alle zeitgerecht geschafft, fertig zu werden und auch die Korrekturrunde endete ziemlich pünktlich knapp vor dem Abendessen. 
Morgen steht zum Abschluss Rikka shinpūtai auf dem Programm und Sensei Toyoda hat uns zusätzlich eine kleine Vorführung eines tate-hana, der Vorstufe des Rikka versprochen. Dieses Arrangement ist wegen seiner geringen Größe und auch wegen des bescheideneren Materialaufwandes derzeit wieder sehr beliebt. Man sieht, alles kommt irgendwann einmal wieder, und sei es auch nach Jahrhunderten ;-)

 issō-no-mono-Rikka von Sensei Toyoda

 
 unsere fertigen Werke - sind ja gar nicht so schlecht geworden

Montag, 15. Juni 2015

Schloss Füstenried - Jiyūka

Der dritte Seminartag bescherte uns die Auseinandersetzung mit Jiyūka. Bei der Beschäftigung mit Shōka shōfūtai sanshu-ike und Shōka shinpūtai haben wir uns immer weiter in Richtung Verwirklichung eigener Ideen und Vorstellungen bewegt. Sozusagen den Gipfel der Kreativität erreichten wir heute mit dem Jiyūka. Professor Toyoda erläuterte, dass die Festlegung eines Themas für das Arrangement noch wichtiger sei als bei Shōka sanshu-ike bzw. shinpūtai. Kazai und Gefäß sollen nach Form, Farbe und Qualität ausgewählt werden und eine Einheit bilden, um zum gewünschten Ausdruck zu führen. Unter Qualität fallen Eigenschaften wie Material- und Oberflächenstruktur (sowohl von kazai als auch Gefäß), die für die Umsetzung der Idee maßgebend sind. Den Eindruck von Wasser wird man beispielsweise mit kühlen Farben und glänzenden Glasuren oder Glasgefäßen wesentlich besser rüberbringen, als mit rauhen Oberflächen und Erdfarben. Neben Thema und Formvorgabe spielen auch der Aufstellungsort und der Anlass für das Arrangement (ob es sich z.B. um ein Jahreszeitenfest handelt) eine wichtige Rolle. Im privaten Rahmen arbeitet man völlig anders als bei öffentlichen Auftritten, beispielsweise im Rahmen einer Ausstellung. Da muss dann der Auftritt wesentlich prächtiger und qualitativ hochwertiger sein. 
Im Anschluss an die Theorie demonstrierte uns Sensei Toyoda einerseits ein relativ natürliches Jiyūka mit engem Fuß und Schwerpunkt Fläche und danach eine linienbetonte Kombination in 2 Gefäßen, die vom Ausdruck her dynamischer und bereits designter wirkte. Danach wurden wir auf das Material losgelassen. Diesmal standen uns Hasenohr-Palme, blass-lila Scarbiosen, weinrote Eustoma, rote Gerbera, jede Menge Schleierkraut, Steelgras, Schachtelhalme, blaue Disteln, Korkenzieherhasel und grün-gelbes Hypericum zur Verfügung. Prof. Toyoda zeigte uns dann noch eine Befestigungstechnik für enghalsige Gefäße, die ein besseres Arrangieren als die üblichen (manchmal ziemlich harten) Strohhalme erlaubte. Dazu wurden dünne, weiche Plastikröhrchen gebündelt und gefaltet und dann am unteren Ende mit Gummiringerl fest zusammengehalten. Diese Bündel steckt man in die Gefäßöffnungen. Da die Knickstellen der Röhrchen nach oben weisen, können sich die Stiele der Pflanzen nicht in Löchern wie bei Strohhalmen verfangen, sondern lassen sich ganz einfach feststecken. 
Die Korrektur der einzelnen Arrangements war dann wieder außerordentlich interessant und informativ. Die Bandbreite reichte von puristischen Wasserlandschaften in Schalen bis zu wilden, künstlerisch designten Kreationen. Im Anschluss an den Unterricht hielt Sensei Toyoda noch einen Vortrag über die Geschichte von Bronzegefäßen, die Bedeutung ihrer "Ohren" und die Verwendung im heutigen Ikebana.
Ausdrücklich zu erwähnen ist wieder die perfekte Übersetzung von Yuko Tolle, die den besten Zugang zu den Informationen des Professors - sowohl bei der Theorie als auch teilweise bei den Korrekturen - gewährleistet. Die Arbeit, die  unsere Meisterin, Prof. Pointner-Komoda, und ihr Team leistet, ist sowieso unbezahlbar. Ein ganz herzliches Danke dafür, dass sie uns dieses wunderbare Seminar ermöglicht!

 die Arrangements von Professor Toyoda

 das haben wir Wiener "verbrochen" 
(ein Arrngement ist leider vor dem Foto geflohen)

eine kleine Auswahl an den Werken der anderen TeilnehmerInnen

Sonntag, 14. Juni 2015

Meisterseminar Schloss Fürstenried

Auch der 2. Seminartag erwies sich als überaus spannend. Wir starteten mit Shōka shōfūtai sanshu-ike. Sensei Toyoda erklärte zuerst die Gemeinsamkeiten mit isshu-ike und nishu-ike-Arrangements und vertiefte dann die zusätzlichen zu beachtenden Punkte. Neben shūsshō und dem Landschaftscharakter des Arrangements kommt es beim Shōka sanshu-ike auf die eigene Idee an. Dabei soll auf Gegensätzlichkeit im Arrangement geachtet werden. Dynamisch fließende Linien sollten mit eher streng aufstrebenden Elementen kombiniert werden und auch die Farbgestaltung spielt eine wichtige Rolle. Die Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeit reicht von der "Schulform" bis hin zu freien Umsetzungen mit Betonung – oder beinahe Übertreibung – einzelner Elemente. Da können dann schon mal ashirai höher oder dominanter als die eigentlichen Hauptlinien ausfallen. Der künstlerischen Freiheit sind fast keine Grenzen gesetzt, solange das Arrangement noch als traditionelles Shōka erkennbar ist. 
Für den praktischen Teil erhielten wir Sonnenblumen, Clematis, Schachtelhalm und Phönixpalme. Daraus sollten wir 3 Materialien auswählen und eine eigene Idee in ein Arrangement umsetzen (das Ergebnis sollten wir dann aber auch noch erklären können). Von den fortgeschritteneren TeilnehmerInnen wurde ein möglichst kreativer Entwurf gefordert. Zur Veranschaulichung des theoretischen Teils demonstrierte Prof. Toyoda 2 vom Ausdruck her völlig unterschiedliche Arrangements. Eines noch sehr an die Schulform angelehnt, das andere bereits deutlich kreativer und freier arrangiert. 
Am Nachmittag ging es dann mit Shōka shinpūtai weiter. Auch hier wieder 3 Materialien, aber keine vorgegebene Form mehr. Neben den Gegensätzen von in und yo waren es auch der geänderte Blickwinkel und vor Allem der Begriff ma (der leere Raum), die ein Shōka shinpūtai prägen. Neben den Hauptelementen shu und yo kommt auch dem ashirai eine wichtige Rolle zu. Dieser kann sowohl als Ergänzung der einzelnen Hauptelemente dienen, oder aber auch den von shu und yo erzeugten Spannungsbogen in irgendeiner Weise ergänzen bzw. unterstützen. 
Ein wesentlicher Punkt, der ebenfalls zur Sprache kam, ist die Verfremdung des kazai. Die Übergänge zwischen shi-zen und hi-shi-zen sind fließend. Im Japanischen gibt es den Begriff fu-zen. Es handelt sich dabei um die künstlerische Formung von kazai, welches dann nicht mehr als shi-zen (natürlich) gilt, aber auch noch nicht hi-shi-zen (unnatürlich) ist. Darunter versteht man Veränderungen, die ohne den Gebrauch von Werkzeugen (z.B. nur durch Abzupfen oder Ausdünnen) am kazai durchgeführt werden können. Solcherart verändertes kazai ist im Shōka und Rikka shinpūtai zulässig, während hi-shi-zen ausschließlich dem Jiyūka vorbehalten ist. 
Diesmal gab es kein Vorführarrangement. Wir hatten Neuseelandflachs, Godetien und Schleierkraut zur Auswahl, konnten aber auf anderes kazai zurückgreifen. Die Korrekturrunde war dann Schwerarbeit für den Sensei. Er nahm sich außergewöhnlich viel Zeit für jeden Einzelnen und brachte das, was wir ausdrücken wollten – und woran wir auch mal scheiterten - in eine harmonische Form. Wieder einmal ein überaus lehrreicher Unterricht.

Shōka shōfūtai sanshu-ike von Prof. Toyoda

 unsere Tagesausbeute ...

... und weitere Shōka shinpūtai anderer TeilnehmerInnen