Sonntag, 24. Februar 2019

Blütenzweige-Workshop

Diesmal haben wir erstmals ausprobiert, ob Interesse an einem verlängerten Wochenend-Workshop besteht und auch den Sonntag mit ins Programm genommen. Wenn man nach den Anmeldungen geht, dann scheint das Konzept zu stimmen. Sämtliche Tische im Seminarraum der ÖGG waren besetzt und mit den Blumen mussten wir sogar in den Zwischenstock ausweichen. Auch eine der Teilnehmerinnen, die klassische Arrangements mit Blütenzweigen für Prüfungen arbeitete, wanderte nach unten aus. Dort war es zwar etwas frisch, aber sie hatte genügend Platz und auch Ruhe, um sich konzentriert ihrem Vorhaben zu widmen. 
Obwohl es oben ziemlich eng und kuschelig war, hat das der Stimmung keinen Abbruch getan und es wurde konzentriert gearbeitet. 

Das gesamte Workshop-Konzept war diesmal etwas anders aufgebaut. Bereits im Vorfeld gab es eine Liste mit vier Vorschlägen für Shōka shōfūtai, zwei Varianten von Shōka shinpūtai und drei Jiyūka – alles bereits mit den geplanten Materialien und im Falle der Jiyūka auch mit den vorgeschlagenen Fußpositionen. Zusätzlich waren jene Arrangements angeführt, zu denen es eine ausführlichere Theorie und auch eine Vorführung geben sollte. Aus dieser Liste stellten sich die Teilnehmerinnen ihr eigenes Programm zusammen. 
Freitag wurden drei Shōka shōfūtai und ein Shōka shinpūtai und am Sonntag die Jiyūka vorgeführt, und zwar jeweils gleich im Block. Danach teilten sich die Damen ihre Zeit selbst ein und konnten natürlich auch ihre Materialzusammenstellungen frei variieren. 

Durch die vielen verschiedenen Einzelprogramme war die Materialverteilung zwar ein wenig aufwendiger, aber die Mädels haben toll zusammengeholfen und alles ging flott und reibungslos über die Bühne. 
Zwei weitere Neuerungen haben sich ebenfalls ganz gut bewährt: Für die Reihenfolge der Korrekturen zog man sich eine Nummer und jede der Damen hat ihr Arrangement zusätzlich mit einer extra dafür bereitgestellten Kamera fotografiert – inklusive Namensschild, damit man später weiß, wer für die Arbeit verantwortlich zeichnet. Somit ist alles dokumentiert und die Bilder können für den Blog oder andere Gelegenheiten gesammelt archiviert werden. Am korrekten Fotografieren müssen wir aber noch ein wenig arbeiten 😃

Samstagnachmittag stieß eine Neueinsteigerin zu uns, für die es eine Extra-Einführung gab und zwei natürliche Jiyūka vorgezeigt wurden. Am Sonntag arbeitete sie dann gleich das reguläre Programm – und sie hat sich sehr gut geschlagen. 

Einige der Damen nutzten den Workshop, um klassische Prüfungsarrangements mit Blütenzweigen zu arbeiten: Zwei Shōka isshu-ike mit Pfirsich, eines mit Kornelkirsche im ogenchō und ein hängendes Boot mit Forsythie wurden erfolgreich vorgestellt. Dazu kam noch der Probelauf eines nijū-tachinobori-ike, der für die Zukunft viel verspricht. Und auch die eine oder andere Jiyūka-Zwischenprüfung konnte verbucht werden. Alles in Allem ein sehr arbeitsintensives und erfolgreiches Wochenende. 

Während am Freitag und Samstag die verschiedenen Varianten des Shōka shōfūtai dominierten, beschäftigten sich die Mädels am Sonntag überwiegend mit Shōka shinpūtai und Jiyūka. Nach der "strengen Kammer" braucht es schließlich auch wieder etwas Entspannung. 
Die variable Programmgestaltung kam den Teilnehmerinnen sehr zugute – jede arbeitete in dem ihr angenehmen Tempo, niemand wurde über- oder unterfordert und alle waren beinahe tiefenentspannt, was zum angenehmen Ambiente beitrug. 
Schlussendlich beendeten alle den Workshop zufrieden und stolz auf ihre Leistungen – ein weiterer Schritt auf dem kadō ist absolviert. Man kann mit Recht sagen, dass sich der Aufwand für die erweiterte Workshop-Variante gelohnt hat. 

Aufgrund der vielen Arrangements, die entstanden sind, gibt es hier nur eine kleine Auswahl zu sehen. Einige der Vorführ-Werke und zwei Arbeiten jeder Teilnehmerin, geordnet nach Stilrichtung bzw. Thema.

Ein paar der Vorführ-Arrangements ...
  
 ... und einiges von dem, was sonst noch so entstanden ist

Freitag, 15. Februar 2019

Monatstreffen Ikebana International

"Ikebana und Musik – Argentinischer Tango". So lautete das Thema des Monatstreffens von Ikebana International Chapter #223. In der Beschreibung im Programm hieß es auch, dass man möglichst mit den Farben Schwarz und Rot arbeiten solle, um den Ausdruck von Eleganz zu verstärken. 

Gleich zu Beginn legte die Gastgeberin des Abends, stilvoll in Rot und Schwarz gekleidet, mit ihrem Tanzpartner eine heiße Sohle aufs Parkett. Danach ließen wir uns von weiteren Tango-Klängen inspirieren und leiten und konzentrieren uns auf unsere Arrangements. 
In der Besprechungsrunde erläuterte jeder der Anwesenden, welche Motive hinter den Arrangements stecken bzw. was ausgedrückt werden sollte. 

Für mein Arrangement hatte ich schon am Wochenende dünne Ranken des Trompetenstrauchs rot und schwarz lackiert. Eine kugelförmige schwarze Eisenvase diente als Basis, in der eine kurz arrangierte rote Mini-Anthurie mit einigen Blättchen den Blick- und Schwerpunkt bildete. Die lackierten Ranken schlangen sich als Sinnbild für die Musik elegant nach oben und wurden von einer Anthurienknospe in Balance gehalten. Diese wirkte gleichzeitig als Verbindung zur Blüte an der Basis. Ein ganz einfaches Arrangement, das aber sehr gut meine Empfindungen im Hinblick auf die Musik reflektierte. 

Das abschließende Buffet war diesmal ganz im Stil der 60er-Jahre gehalten, mit Schinkenröllchen, gefüllten Eiern, Jägerwecken, Pickels und Pischinger-Torte.

 Ein Tisch mit Inspirationsquellen - von der Gastgeberin liebevoll vorbereitet

 mein Beitrag

Mittwoch, 13. Februar 2019

Vom Streicheln der Tazettenblätter

Überraschend viele der Damen, die sich für den Übungsabend in der ÖGG angemeldet hatten, entschieden sich dafür, Tazettenblätter zu streicheln und ein Shōka shōfūtai mit drei kabu zu arrangieren. 
Diese Variante der suisen arbeiten wir eigentlich ziemlich selten, denn es ist schon mühsam genug, 8 Blätter in Form zu bringen. Dass sich bis auf zwei Shōka-Damen alle für die 12-Blatt-Variante entschieden haben, ist ihnen hoch anzurechnen. 
Noch dazu waren die Tazetten nicht gerade von prickelnder Qualität, von der Länge gar nicht zu sprechen. 

Diesmal wurden die Tazetten zum Termin knapp um Valentin herum angesetzt, da im vergangenen Jahr zu dieser Zeit am Großmarkt unendlich lange Tazetten (die waren sicher 50 cm lang und hatten traumhafte Blätter; es handelte sich bestimmt um die Sorte "Avalanche") in großer Zahl erhältlich waren. Damals waren wir mit den alljährlichen Tazetten-Arrangements aber erst am Monatsende dran und kriegten wieder nur suboptimales Material.
Heuer war die Enttäuschung groß, da sich nur 100 Stück einer cremefarbenen Sorte mit orangem Krönchen zusammenkratzen ließen. Die waren halt leider nur 25 cm lang, hatten aber stabile, kräftige Blätter (manchmal ein wenig sehr verbogen) und leidlich schöne hakama. Die Blüten strahlten aber sehr hübsch und für Jiyūka hätten sie einen tollen Blickfang gebildet.

Mehr Auswahl wäre uns lieber gewesen, aber wir mussten uns mit 7 Stielen pro Person zufriedengeben. Zumindest 2 ordentliche hakama waren für jede von uns drin und mit den Blättern kamen wir auch irgendwie zurande. 
Durch die mangelnde Länge und die eher kräftigen Blätter ließ sich natürlich kein ausgeprägter koshi herausarbeiten, wodurch die Arrangements manchmal ein bisserl steif wirkten. Aber das Hauptaugenmerk lag sowieso darauf, die Blattfächer halbwegs richtig hinzukriegen und den Umgang mit den Blättern zu üben. Nächstes Jahr - wenn wir längere Tazetten kriegen (die Hoffnung stirbt zuletzt) - kümmern wir uns dann um die korrekte Biegung und den richtigen Schwung der Blütenstiele und Blätter.

Für das alternative Jiyūka war eigentlich eine Kombination aus Drehweide, Tazetten und Ranunkeln geplant gewesen. Dann ließen sich aber traumhaft schöne, weiße Mandelröschen auftreiben (die wir aber für den Workshop in 10 Tagen nicht nochmal kriegen werden – schade, die wären perfekt für ein Linien-Shōka gewesen), die gut zu den dunkelrosa geränderten Ranunkeln passten. Daraus ließen sich entzückende natürliche Jiyūka arrangieren. 

Der Tazettenduft und die zarten Mandelröschen brachten eine Ahnung von Frühling in den tristen Dienstagabend, der durch Schneeregen und starken Wind geprägt war. Eine willkommene Aufmunterung, die uns alle beschwingt machte und das mühsame Tazettenstreicheln vergessen ließ.

 Shōka shōfūtai mit drei kabu ...
... und Denka mit zwei Stämmen
 das wurde mit den Mandelröschen gemacht