Mittwoch, 15. Oktober 2014

Übungsabend Shôka shinpûtai kabu-wake

Nach dem anstrengenden Seminar-Wochenende sollte der Übungsabend mit den Themen Shôka shinpûtai kabu-wake bzw. geteiltes natürliches Jiyûka eigentlich kurz und entspannend sein. Aber kaum zu glauben, wir haben diesmal fast genau so lange gebraucht, als wenn ein kompliziertes traditionelles Shôka auf dem Programm gestanden hätte. Es ist eben gar nicht so einfach, Harmonie in ein geteiltes Shôka shinpûtai zu kriegen, ohne dass die Angelegenheit erzwungen wirkt. 
Vom Material her haben wir ein wenig "Resteverwertung" betrieben. Es waren beim Seminar zwar nicht allzu viele Reserveblumen übrig geblieben, aber die Damen haben teilweise ihre Arrangements zerlegt und die Blumen wiederverwendet. Wäre ja schließlich schade, wenn das kazai verkommen würde.
Unser Nachwuchs beschäftigte sich mit einem geteilten Jiyûka und eine der Damen übte wieder Nageire, um die Technik in den Griff zu kriegen. 
Die Korrekturen, speziell die der Shinpûtai-Arrangements, nahmen viel Zeit in Anspruch und waren wieder einmal sehr lehrreich. Hier nun die Ergebnisse unserer gestrigen Anstrengungen.

 

Nachtrag zum Seminar

Hier nun die fehlenden Bilder, die sich endlich entschlossen haben, das Handy zu verlassen....

 Prüfungsarrangements vom Freitag 
die Kombi vor hellem Hintergrund wirkt besser und daneben ein
modernes Shôka shofûtai sanshu-ike maze-ike

 Unterricht am Freitag, links Prof. Pointner's Arrangement, rechts meines
Jiyûka tate-no-hana mit breitem Fuß und Schwerpunkt Linie

Dienstag, 14. Oktober 2014

"Herbstwind" - Seminar mit unserer japanischen Meisterin

Freitag bis Sonntag war die ÖGG wieder fest in der Hand der Ikebanesen - unsere geschätzte Meisterin, Prof. Shûsui Pointner-Komoda, beehrte uns mit ihrem Besuch. Es wurde ein Intensiv-Seminar zum Thema "neue Formen des Jiyûka" abgehalten. Unglaubliche 18 Teilnehmerinnen fanden sich ein, um sich mit den jüngsten Variationsmöglichkeiten des Ikenobô-Ikebana zu beschäftigen. Diese Weiterbildung ist besonders für Unterrichtende im Hinblick auf die neu gestalteten Prüfungsbögen zur Erlangung der diversen Diplome essentiell. Schließlich müssen die Lehrkräfte zumindest eine Ahnung davon haben, was sie den Schülern vermitteln sollen ;-)

Bereits am Donnerstagnachmittag richteten wir den Vernissagenraum des Gartenbaumuseums für unsere Bedürfnisse her, denn der große Saal der ÖGG alleine hätte nicht allen Teilnehmerinnen Platz geboten. Also wurde die Gruppe gesplittet und die weiter fortgeschrittenen Damen quasi "ausgelagert".
Freitag in aller Frühe wurden die bestellten Blumen vom Großmarkt geholt und die "Frühschicht" machte sich ans Versorgen der Pflanzen und Herrichten des kazais für die erste Unterrichtsrunde. Danke übrigens an alle Helferinnen! 
Im Lauf des Vormittags trafen nach und nach die Teilnehmerinnen ein, bezogen ihre Plätze und einige von uns arbeiteten an Zwischenprüfungsarrangements. Diese wurden erfreulicherweise noch vor Seminarbeginn von unserer Meisterin korrigiert.

Schlag 15:00 ging es mit der offiziellen Begrüßung los und wir stürzten uns gleich in den theoretischen Teil über das reformierte Jiyûka. Im Anschluss daran durften wir das Gehörte in Form eines tate-no-hana mit breitem Fuß (eine aufrechte Version) und Schwerpunkt Linie (sen) umsetzen. Diese Variante war uns bereits vertraut, aber trotzdem gab es immer noch Neues darüber zu lernen. Da für die neuen Formen auch etwas andere Gefäße als bisher benötigt werden, waren wir froh, dass die große Keramik-Lieferung von der Kaspar Hauser Stiftung in Berlin rechtzeitig bei uns eingetroffen ist. Und außerdem tut man damit Gutes und unterstützt eine gemeinnützige Organisation. Den Abend ließen wir gemeinsam in einem asiatischen Lokal in der Nähe ausklingen.

Am Samstag dann beschäftigte sich der Unterricht mir weitaus seltener geübten Variationen des Themas "men" (Fläche). Zuerst ein perspektivisches Jiyûka, bei dem es besonders auf die Ausarbeitung der räumlichen Tiefe des Arrangements ankommt. Wir arrangierten eine schräge Form - naname-no-hana. Und in der Nachmittagseinheit dann yoko-no-hana mit schmalem Fuß (waagrechte Form), ebenfalls mit Schwerpunkt Fläche. Beim Abendprogramm mussten wir kurzfristig umdisponieren, da uns das vorgesehene Restaurant im letzten Moment abgesagt hat. Also ging es mit den Öffis in die Innere Stadt und dort verbrachten wir einen angenehmen Abend bei traditioneller Wiener Küche.

Sonntag schließlich ging es um das Thema "ten" - Arbeiten mit punktförmigen kazai. Wir konnten in einem oder auch verteilt auf 2 Gefäße arbeiten, entweder in schräger oder aufrechter Ausrichtung. Am Nachmittag stand dann zur Entspannung Shôka shinpûtai auf dem Programm. Bevor es ans große Aufräumen und Einpacken ging, wurden die Teilnahmezertifikate verteilt und unsere Meisterin verabschiedet. Ein wunderbares und sehr informatives Seminar ist wieder viel zu schnell vorbei gegangen. Aber wir dürfen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freuen. Vermutlich wieder Mitte Oktober, dann mit dem Schwerpunkt Shôka und Jiyûka mit Chrysanthemen.
Hier erst einmal einige Bilder von Prüfungsarrangements, den "Vorlagen"  unserer Meisterin und meine Arbeiten. Einige Fotos vom 1. Tag weigern sich derzeit noch hartnäckig, die (Handy)Kamera zu verlassen und werden schnellstmöglich nachgeliefert.

hier nun einige Zwischenprüfungsarrangements
  
 die Arrangements von Prof. Pointner-Komoda

  meine Arbeiten...
    
...und eine aufrechte Version einer Kollegin

Sonntag, 5. Oktober 2014

Lange Nacht der Museen 2014

Die diesjährige "Lange Nacht der Museen" im Gartenbaumuseum stand unter dem Motto "Gärten sind Medizin". Die beiden ÖGG-Fachgruppen Ikebana bzw. Blumenstecken nach der Wiener Schule sorgten für die optische Verschönerung der Räumlichkeiten. Um den musikalischen Hintergrund kümmerten sich SchülerInnen der Musikschule Wien und dann im Garten die "Floraphoniker" mit ihren aus Gartengeräten hergestellten Instrumenten. Für das leibliche Wohl war mit Suppen, Würsteln, Aufstrichbroten und einer Palette an Kaffee und Mehlspeisen ebenfalls bestens gesorgt. Dazu gab es dann auch noch frischen Schilcher-Sturm zu verkosten. Frisch geröstete Kürbiskerne waren ein willkommener Snack für zwischendurch. Der Schulgarten selbst war wieder wunderbar dekoriert und beleuchtet und die aufgestellten Feuerschalen sorgten für eine romantische Stimmung.
Die Blumensteckerinnen stellten ihre Werke im Ausstellungsbereich des Museums zwischen all den alten Gartengeräten aus, während wir uns im oberen Stockwerk präsentierten. Gleich neben der Ausgabestelle für die Tombolagewinne - das bescherte uns einen regen Zustrom. Dieses Jahr gab es 3 schöne Glasvitrinen für und, dazwischen 2 weitere Stellflächen mit schönem Hintergrund und für das Relief einen prominenten Platz an der Wand. Durch die Vitrinen waren die Arrangements einerseits gut geschützt - schließlich weiß man aus langjähriger Erfahrung, dass die Besucher gerne mit den Händen "sehen". Andererseits wirkten die Werke gleich noch ein bisschen exklusiver. Außerdem wurden die Ikebana durch spezielle Lampen buchstäblich ins rechte Licht gerückt. 
Gezeigt haben wir Shôka und Rikka shinpûtai, ein klassisches Chrysanthemen-Shôka, ein Jiyûka im Nageire-Stil, eine wunderbare Jiyûka-Kombination in 2 Gefäßen und das bereits erwähnte Relief. Da wir arrangierten, während uns die Besucher über die Schulter schauten, erhielten die Zuschauer gleich einen kleinen Einblick, wie ein Ikebana entsteht. Und auch für uns war es eine gute Übung, nicht in Panik auszubrechen, wenn es mal ein wenig stressiger wird oder nicht alles auf Anhieb klappt. Da lernt man eben Gelassenheit ;-)
 Es war zwar nur eine kleine Ausstellung, aber sowohl dem Museumsleiter als auch der Chefin der ÖGG gefielen unsere Werke und auch wir waren mit unserer Leistung zufrieden. 

Mittwoch, 24. September 2014

Und wieder einmal Nageire

Der gestrige Übungsabend bescherte uns wieder einmal das allseits beliebte Nageire. Diesmal lautete das Thema für die Fortgeschrittenen zwar "Jiyûka tate-no-hana in der Vase mit Gräsern und Herbstblumen", aber jede wusste, was uns blüht. Die noch nicht so erfahrenen Ikebanesinnen übten ein geneigtes Nageire mit Zweigmaterial und Blumen und diejenigen von uns, die noch nie so ein Vasenarrangement gemacht haben, sahen erst einmal zu bzw. arbeiteten ein Schalenarrangement. Spätestens im Februar blüht auch den Neueinsteigerinnen der erste Kontakt mit Nageire. Bis dahin können sie die passenden Vasen beschaffen und wissen dann schon, was auf sie zukommt. 
Da das Seminar mit Prof. Pointner ebenfalls näher rückt, wurde natürlich auch dafür geübt - diesmal ein klassisches Shôka shôfûtai muko-gake - und noch schnell eine Nageire-Zwischenprüfung erfolgreich absolviert. 
Jedenfalls war der gestrige Kurs nicht ganz so stark besucht wie sonst - woran das wohl gelegen hat - aber die Damen mühten sich redlich. Ist schon ein aufrechtes Jiyûka mit Zweigmaterial nicht unbedingt besonders einfach zu arrangieren, so ist die Verwendung von Gräsern als Hauptmaterial eine weitere Steigerung. Aber die Ergebnisse waren recht gefällig. Natürlich haben wir den Begriff "aufrecht" mitunter etwas lässig gehandhabt. Auch der Nachwuchs kämpfte sich tapfer durch die Materie und war schlussendlich erfolgreich. 

 
 

Freitag, 19. September 2014

Monatstreffen Ikebana International

Gestern fand das erste Monatstreffen des Vienna Chapters #223 von Ikebana International nach der Sommerpause statt. Die Studiogalerie stellt seit der Gründung des Chapters die Räumlichkeiten für die Aktivitäten zur Verfügung. Das Leit-Thema für dieses Jahr umfasst "Das Arbeiten mit verschiedenen Materialien". Im Wiener Chapter sind derzeit 5 Ikebana-Schulen vertreten -   Ichiyo, Ikenobô, Misho-ryu, Ohara und Sogetsu. Es wird sicher sehr interessant werden, wie die verschiedenen Themen der Monatstreffen von den unterschiedlichen Schulen umgesetzt werden.
Das gestrige Thema lautete sanze - Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit. Es sollte mit Blüten, Knospen und Fruchtständen einer Pflanze gearbeitet werden. Damit lässt sich das Ikenobô-Prinzip von Wachstum und Vergänglichkeit wunderbar darstellen. Man denke nur an die traditionellen Rikka und Shôka mit hasu (Lotos). Auch hier werden vom ganz jungen, noch eingerollten Blatt bis zum Fruchtstand alle Vegetationsstadien der Pflanze präsentiert. Man kann so ein Arrangement direkt als Gleichnis für den menschlichen Lebenszyklus sehen.
Die Damen und Herren arbeiteten gestern mit Rosen, Sonnenblumen, Taglilien, Paulowna, Knöterich, verschiedenen Fruchtständen und auch Kürbispflanzen -  teilweise für meine Schule recht unübliche Materialien. Aber die Ergebnisse sprachen für sich, es entstanden wunderbar vielfältige Werke.
Bilder von gestrigen Treffen gibt es erst mal nur von meinem Arrangement - der Vorstand des Chapters muss noch die Zustimmung der Mitglieder für eine Veröffentlichung einholen.

Jiyûka tate-no-hana "Herbstrosen"

Mittwoch, 10. September 2014

Ikebana zum Mondfest

Eigentlich wäre der 9. September das Datum für kiku-no-sekku, der Tag des Chrysanthemenfestes. Allerdings gab es gleichzeitig einen wunderbar großen Vollmond, also disponierten wir kurzerhand um und arrangierten zu Ehren des Mondes. Außerdem, für ein richtig schönes Arrangement zum Chrysanthemenfest gibt es um diese Zeit bei uns noch nicht das passende Material. Die schönen einzelblütigen Chrysanthemen tauchen meist erst um Allerheiligen in den Blumenhandlungen auf.
Erntefeste bzw. Mondbetrachtungen werden in Japan zu den Vollmondnächten im September (15. Nacht des Erntemondes, jugo-ya) und Oktober (jusan-ya, auch "Kastanienmond" genannt) begangen. Dabei gibt es nicht nur besondere kulinarische Köstlichkeiten, auch die Dekoration der Schreine und Häuser folgt überlieferten Regeln. Dafür wird hauptsächlich Miscanthus verwendet, dazu Herbstblumen - vorzugsweise Chrysanthemen - und auch herbstliche Zweige. Ein typisches Herbstgehölz ist hagi (Lespedeza, Buschklee). Die anmutigen Zweige mit dem zierlichen Laub und den zarten Blüten passen so richtig gut zu den langen Blättern des Miscanthus.  Im Oktober arrangiert man gerne auch mit fruchttragenden Zweigen.
Wir hatten leider keinen schönen Platz für ein stilvolles tsukimi (Mondbetrachtung), dafür sorgten wir für die passende Blumenbegleitung. Wir arrangierten entweder ein natürliches Jiyûka oder ein Shôka shofûtai sanshu-ike mit den typischen Herbstpflanzen. Auch ein kreatives Jiyûka mischte sich unter unsere Arrangements. Beim Fotografieren ist mir eines unserer Werke leider wieder durch die Lappen gegangen.