Freitag, 28. März 2025

Freestyle mit Tulpen

Das Thema des letzten Übungsabends lautete 'Freestyle mit Tulpen im kreativen Gefäß'. Unsere geschätzte Sensei nimmt derzeit am Ikenobo World Seminar in Kyoto teil. Somit waren wir auf uns gestellt und haben uns bemüht unser Bestes zu gegeben.

Freestyle, wie der Name schon sagt, ermöglicht viel Freiheit. Aber die Qual der Wahl wird eher größer. Es bietet die Möglichkeit eigenen Gefühlen, Stimmungen, Erlebnissen, Ausdruck zu verleihen oder für Anlässe passend zu arrangieren. Blumen können nach anderen Gesichtspunkten als üblich, verwendet werden.

Mit der Wahl des 'kreativen' Gefäßes ist schon der erste, wichtige Schritt getan. Dann heißt es, dafür außer den vorgegebenen Tulpen, passendes Blumenmaterial zu besorgen. Das wurde von vielen Teilnehmer*innen selbst in die Hand genommen, bedarf aber schon etwas an Erfahrung.

Durch die Vielfalt an Gefäßen und die unterschiedlichen Pflanzen, sind sehr abwechslungsreiche, gelungene, Arrangements entstanden. Eine nicht ganz so glückliche Hand bei der Wahl des Materials, schult das Auge für das nächste Mal und so wächst die Erfahrung.

Vorgeführt wurden 2 Freestyle-Varianten: Eine natürlich anmutende Form, bei der die Pflanzen wie in der Natur arrangiert und eine Form, bei der Blumen als Masse mit farbigen Punkten eingesetzt wurden. Dazwischen Blumenköpfe, die als Aufhellung und Farbunterbrechung dienten. Eine markante Linie erweiterte den Raum über der strukturierten Masse. Bei beiden Arrangements wurde das gleiche Material verwendet.

Die Teilnehmer*innen waren konzentriert bei der Sache und die Korrektur ging reibungslos über die Bühne. Wobei so manche gegen eine weitere Reduktion der Zweige Einspruch erhoben hat. Die Bilder zeigen aber schonungslos den Bedarf!

Das ist auch ein Lernprozess für die Korrigierende 😀

Nach gemeinschaftlichem Zusammenräumen verließen wir geordnet das Haus und konnten noch beim offenen Schultor ausfahren.

Ich, als Vertretung, bedanke ich mich herzlich für all die Unterstützung von den Kolleg*innen und für die großartige Vorbereitung unserer Lehrerin, die alle zum Gelingen des Abends beigetragen haben!
Hier nun die Ergebnisse des Übungsabends, wobei aber das eine oder andere Arrangement leider nicht dabei ist.


World Seminar in Kyoto – Rikka shimpūtai und Freestyle-Centerpiece

Beim heutigen letzten Seminartag war Prof. Sasaki wieder ganz in seinem Element. Es stand wahlweise Shōka oder Rikka shimpūtai auf dem Programm, wobei sich bis auf zwei Damen alle Teilnehmerinnen für die Rikka-Version entschieden. Das Material dafür sollten wir uns unten in der Blumenhandlung besorgen, bzw. konnten wir auch Restmaterial wiederverwenden. Dieses Geschäft ist der reine Wahnsinn, ein unüberschaubares Angebot. 

Ich wollte ursprünglich die restlichen Wicken für shu verwenden, allerdings hätten die nur in einer schlanken Glasvase gut ausgesehen, die aber nicht verfügbar war. Also wurde kurzerhand umdisponiert und es wanderten eine Schokoladenlilie (eigentlich eine dunkle Fritillaria), pinke Ixien und eine Alstroemerie in den Kübel. Dazu noch diverse Blätter und Kleinkram. 
Einen Zweig Yoshino-Kirsche habe ich aus dem Müll gerettet, der hat mir noch gute Dienste geleistet. Nachdem ich mit dem Arrangement so ziemlich fertig war, hat mir doch noch etwas gefehlt. Also nochmal runter in den Keller und einen Zweig Treefern organisiert. Der hat mir den Freiraum gefüllt, ohne zu mächtig zu sein. 

Erfreulicherweise konnten wir einen Teil unserer Blumen an die Internationale Klasse weitergeben. Es wäre doch schade, die schönen Pflanzen einfach kleinzuschneiden. Und so können andere Studierende ihre Geldbeutel ein wenig schonen.

Bei Anne und Monika gab es Freestyle zum Thema Centerpiece (also Tischarrangement). Auch hier sollte mit zugeteiltem Material und eventuell vorhandenen Resten gearbeitet werden, wobei das Arrangement von beiden Seiten zu betrachten sein und unbedingt einen gewissen Freiraum aufweisen sollte. 
Die Theorie war eher kurz gehalten und von persönlichen Anekdoten des Professors gespickt. Nach Beendigung des Unterrichts wurden die Zertifikate verteilt und wir haben die restliche Zeit bis zum Abendessen mit Kyoko und Herta im Ikenobō-Shop und beim Messerschmied verbracht. 

Leider hat sich schlussendlich doch noch meine Langstreckenflugbronchitis bemerkbar gemacht, auf die hätte ich eigentlich gerne verzichtet. Aber immerhin hat sie erst am letzten Tag zugeschlagen. Also zeitig zurück ins Hotel und ab ins Bett, schließlich haben wir noch zwei Tage für Sightseeing vor uns. 

Hier nun unsere Arbeiten, von Anne mit Vorder- und Rückseite, Monika hat nur von vorne fotografiert, dafür aber mehr von oben.

zur Konfirmation
zur Taufe eines Mädchens

Mittwoch, 26. März 2025

World Seminar in Kyoto – Freestyle und Shōka shōfūtai

Laut Programm versprach der heutige Seminartag nicht ganz so fordernd zu werden, schließlich stand Freestyle auf dem Tagesplan. Ein wenig Spielerei mit dem zugedachten Material, das sollte doch entspannend sein. Außerdem war für die Lektion ein engerer Zeitplan vorgegeben, da wir uns abends zum Galadinner versammeln werden. 
Allerdings ist Freestyle die Paradedisziplin von Prof. Sasaki. Er hat sogar vor Kurzem ein Buch zu diesem Thema herausgegeben. Um es vorwegzunehmen, die Korrekturen waren diesmal um einiges schärfer und detaillierter als in den vergangenen beiden Tagen. Es gab nur wenige Arrangements, die nicht zerpflückt und von Grund auf neu gestaltet wurden. Die verbesserten Arbeiten waren dann aber auch sensationell gut. 

Bereits die Theorie wurde sehr ausführlich behandelt und es wurde speziell auf die Unterschiede zwischen natürlichen/naturnahen und designhaften Arrangements hingewiesen. 
Von uns wurde ein designhafter Ausdruck verlangt, wobei auf die Faktoren Farbe-Form-Textur bzw. Linie-Fläche-Punkt-Masse Rücksicht genommen werden sollte. Zudem sollten wir möglichst keine weiten Schalen und ungewöhnliche Gefäße wie beispielsweise V- oder U-Formen verwenden. Bevorzugt werden sollten längliche Schalen, Blockgefäße oder andere Vasen mit nicht zu kleiner Öffnung. Befestigung vorzugsweise im kenzan, Steckmasse war ebenfalls zulässig. 

Prof. Sasaki gestaltet seine Freestyle-Arbeiten nach dem Prinzip shu-yo, wie es auch im Shimpūtai der Fall ist. Also ein deutlich erkennbares Hauptmaterial, das mit anderen Materialien ergänzt wird, sowie ein Fokuspunkt. Dabei sollte bei der Gestaltung nicht auf Richtung/Bewegung und Rhythmus vergessen werden. 
Wir alle bekamen ein fertig zusammengestelltes Blumenpaket, das acht hellrosa Wicken, drei Narzissen, ein Hypericum, zehn Stiele Steelgras und etwas gefleckte Dracaena godseffiana enthielt. 

Allein aufgrund von Anzahl und Farbe wählten fast alle die Wicken als Hauptmaterial und gestalteten ihre Arbeiten. Und bei der Korrektur begann dann der große Kahlschlag. Die erste Frage lautete immer, was denn als Hauptmaterial gedacht sei. Im Fall von Wicken hieß es dann weiter: soll Masse oder Linie betont werden? War es Masse, wurden die Wicken so kompaktiert, dass keine Stiele sichtbar blieben. Dabei achtete Sasaki-Sensei aber dennoch auf Höhenunterschiede und Richtung. Dann kam noch etwas Gelb als Akzent dazu und vielleicht noch Blätter oder das eine oder andere Steelgras. 
Sollten die Wicken als Linienmaterial verwendet werden, wurden die Blüten deutlich reduziert und die wunderbar geschwungenen Stiele in Szene gesetzt. Dazu oft am Fuß jedes Stiels einzelne Dracaena-Blätter und eventuell noch etwas von den anderen Pflanzen. Bei den gut 25 Arrangements, in denen Wicken als Hauptmaterial vorkamen, gab es keine zwei Arbeiten, die sich geähnelt hätten. 

Ich hatte im Gefäßraum eine interessante blaue Vase gefunden, die entweder aufgestellt als Oval mit nach vorne zeigender Öffnung verwendet werden konnte oder liegend als eine Art Schale. Das wäre die Notlösung gewesen, wenn ich mit der stehenden Variante nicht zurecht gekommen wäre. 
Bei meinem Arrangement standen die Narzissen im Mittelpunkt. Ich hatte die Idee, eine hohe Blüte in eine Art Fenster aus Steelgras zu stellen und einzelne Wickenblüten als Hintergrund für eine tief gesetzte weitere Narzisse zu verwenden. Das Konzept fand beim ersten schnellen Blick des Professors Zustimmung, nur sollte ich auch die dritte Narzisse verwenden, um sie als Hauptmaterial noch stärker zu betonen. Bei der eigentlichen Korrektur gab es dann nicht mehr viel auszusetzen, nur eine Hypericumbeere sollte ich herausnehmen, damit das Überraschungsmoment nicht aufgeteilt wird. 

Bei Anne und Monika stand heute Shōka isshu-ike mit Yoshino-Kirsche auf dem Programm. Das eigentliche Thema lautete zwar Denka-Shōka (davon handelte auch die Theorie), aber dafür gab es einerseits nicht genügend passende Gefäße, zudem sind die für Denka notwendigen Kirschsorten nicht so einfach aufzutreiben und auch die benötigte Kiefer ist mittlerweile sogar in Japan Mangelware. 
Aber die kleinblütige Yoshino-Kirsche war auch in der Standard-Form ein würdiger Ersatz. Die Zweige waren alle gut 150 cm lang und wiesen eine entsprechende Dicke auf. Außerdem ließen sie sich gut biegen, was das Arrangieren etwas einfacher machte. Professor Tsuchiya hat es auch bei diesem Arrangement mit der Korrektur sehr genau genommen, wodurch es dann schlussendlich mit der Zeit beinahe etwas knapp wurde. 

Wir alle haben es aber dann doch noch rechtzeitig zurück ins Hotel geschafft, damit wir uns für das Galadinner präsentabel machen konnten. Im Gegensatz zum Sommer waren diesmal Tische und Sessel aufgestellt und auch das Buffet wurde immer wieder nachgefüllt. Insgesamt waren beinahe 300 Teilnehmer aus aller Welt zum Seminar gekommen, das sind fast doppelt so viele wie im vergangenen Sommer. Mal schauen, wie es beim nächsten World Seminar aussehen wird. Das ist übrigens für Mai 2027 geplant (allerdings noch nicht offiziell bekanntgegeben). 

Morgen steht dann leider schon wieder der letzte Unterrichtstag an. Die Zeit vergeht so rasend schnell. Aber hier erst einmal unsere heutigen Arbeiten.

'Frühlingsprinzessin'
Kirschblüte im Rokkakudo

Dienstag, 25. März 2025

World Seminar in Kyoto – suna-no-mono und Rikka shimpūtai

Der heutige Tag war um einiges anspruchsvoller als die gestrige Shōka-Lektion, denn wir haben uns mit einem Rikka suna-no-mono mit kusa-mono beschäftigt. Und obwohl wir in einer modernen Schale im kenzan gearbeitet haben, mussten wir einen doboku verwenden. 
Der theoretische Teil wurde ziemlich kurz gehalten, denn Prof. Sasaki hat wahrscheinlich bereits geahnt, dass er die einfachsten Techniken lang und breit demonstrieren muss. Das hat schon einmal damit angefangen, dass er erklären und vorzeigen musste, wie man denn einen ukezutsu vorbereitet. Dann hat er für die meisten den doboku auf die korrekte Länge abgesägt, ihn angespitzt und im kenzan befestigt. Alles Handgriffe, die eigentlich ganz einfach zu bewältigen sind.

Der doboku bestand aus einem Stammstück der Areca-Palme und war unter der etwas härteren Haut richtiggehend schwammig. Ich bin mit der kleinen Klappsäge problemlos durchgekommen, mit dem Messer ist das schräge Anspitzen fast von selbst gegangen und für die Befestigung im kenzan brauchte man nicht einmal einen Hammer. Einmal kräftig auf dem Boden aufstampfen und der doboku sitzt bombenfest.

Die nächste Herausforderung bestand im Ausschneiden der Deckplatte aus der Hartschaumplatte. Die sollte im fertigen Zustand etwa 2 cm unterhalb des Schalenrandes sitzen. Üblicherweise kommt darauf dann der weiße Kies, auf den wir allerdings verzichtet haben. Der kenzan selbst wird etwa 2 cm unterhalb der Deckplatte positioniert. So ist er mit genügend Wasser bedeckt, ohne dass die Platte selbst nass wird. Die Platte ist so weich, dass sie mit einem Tapezierermesser oder sogar einer normalen Schere zugeschnitten werden kann.
Der Einfachheit halber sollten wir in der Mitte der Platte ein Loch mit dem Durchmesser des kenzan ausschneiden. Wenn man es schön machen will, ist das Loch nur wenig größer als der Durchmesser des doboku und es soll rundherum gerade so viel Platz sein, dass alle Pflanzenstiele Platz haben. So sieht es dann auch besser aus. Für diese Vorarbeiten stand der restliche Vormittag zur Verfügung, mit dem eigentlichen Arrangieren sollten wir dann nach der Mittagspause beginnen. 

Wir hatten sehr schönes Material zur Verfügung: Alocasie für shin, Areca-Palme für soe und mikoshi, dazu kleine rote Anthurien (uke, hikae), Säulenasparagus und Dracaena godseffiana ( und maeoki). Für nagashi und soe-shita gab es wunderbare Irisblätter, shō-shin und ashirai in der Zentralachse bestanden aus Veronica und für die dome haben wir Farn und Freesien verwendet. Und erstmals konnte ich den berühmten Wollbusch (ushiro-gakoi) selbst in Händen halten. 
An und für sich wäre die Alocasia lang genug gewesen, sie direkt in den kenzan zu stecken, allerdings sieht der de im ukezutsu viel besser aus. Auch soe passte noch hinein, was für einen schönen Abgang sorgte. 
Mir ging das Arrangieren zügig von der Hand und ich erntete bei der Korrektur zwei nach oben gereckte Daumen. Auf meine Frage hin, ob ich nicht noch etwas verbessern könnte, hieß es nur: nein, passt so. Ich war mit meinem Arrangement auch wirklich sehr zufrieden. 

Bei Monika und Anne drehte sich heute alles um Rikka shimpūtai. Und auch sie hatten wunderbares Material zur Verfügung. Sehr großblütige, rosa und rot gescheckte Ranunkeln, die beinahe wie gefüllte Mohnblüten aussahen, verschiedene Blätter, Sandersonia, Wicken, Astilben, Iris, Spirea, Treefern und diversen Kleinkram. 
Ihr Betreuer, Prof. Tsuchiya, nimmt es mit den Korrekturen sehr genau, wodurch die Klasse erst wieder gegen 6 Uhr entlassen wurde. Als Belohnung und zur Entspannung sind wir nach dem Unterricht noch zur Lichtshow ins Nijō-Schloss gegangen. Ein sehr stimmungsvolles Multimedia-Erlebnis, das durch die über Nacht aufgeblühten frühen Kirschen, die besonders beleuchtet wurden, noch einmal an Reiz gewann. 
Hier nun die Bilder unserer heutigen Arbeiten.

Montag, 24. März 2025

World Seminar in Kyoto – Shōka betsuden und Rikka shōfūtai

Der erste Tag des zweiten Teils des World Seminars in Kyoto begann für mich relativ gemütlich mit einer Lektion zum Thema 'Variationen im Shōka shōfūtai'. Anne und Monika hingegen durften sich mit Rikka shōfūtai beschäftigen, und zwar mit Formen aus dem naraimono nana-kajō
Bevor wir uns aber an die Arbeit machen konnten, standen noch die Suche nach dem Klassenzimmer und das Auswählen und Einrichten des Platzes auf dem Programm. Obwohl die Aufzüge zu den Klassenzimmern erst um 8:30 in Betrieb gehen sollten, bildete sich bereits kurz vor 8 Uhr die erste Schlange. Ganz diszipliniert in Viererreihen haben wir uns angestellt und bekannte Gesichter beim Eintreffen begrüßt. 
Bei fünf Klassen im Haupthaus, die jeweils rund 35 Teilnehmer umfassen, ist die Schlange entsprechend lang geworden. Die vier weiteren Kurse finden im Nebengebäude West 18 statt. 

Zur allgemeinen Begrüßung fanden wir uns alle im Festsaal ein, wo die Professoren vorgestellt und Informationen zum Ablauf mitgeteilt wurden. Dann machten wir uns auf den Weg in unsere Klassenzimmer. 
Für meine Gruppe ist Prof. Sasaki zuständig und ich war schon sehr gespannt, da ich ihn bisher nur von diversen Videos kannte. Ein paar der Teilnehmerinnen in meinem Kurs kenne ich bereits vom Sommer letzten Jahres, also bin ich nicht ganz auf mich gestellt. 
Die Theorie-Einheit war gut verständlich, denn Prof. Sasaki spricht einerseits etwas Englisch, andererseits haben wir eine sehr gute Dolmetscherin. Wenn dann ab morgen auch die Lautsprecher funktionieren, ist alles perfekt. 

Für das heutige Arrangement sollten wir uns entweder an einer nagashi-Variation versuchen oder – wenn das Material nicht ganz passt – mae-zoe arbeiten. Schlimmstenfalls ist auch eine Standardform zulässig, denn nichts ist unpassender als ein willkürlich in Form gezwungener Zweig. 
Jeder von uns bekam einen Bund mit sechs Zierquitten, die ungefähr 150 cm lang waren. Leider war einer meiner Zweige ziemlich ramponiert und halb vertrocknet, aber ich bin auch mit den restlichen Zweigen ganz gut zurechtgekommen. Ich habe mich für jodan-nagashi an shin-ushiro-ashirai entschieden, und zwar in gyaku-gatte, da ich so die Zweige bestmöglich einsetzen konnte. 
Ich dürfte meine Sache ganz gut gemacht haben, da bei der Korrektur nur ein kleiner tai-oku dazugestellt wurde, damit die räumliche Tiefe des Arrangements zusätzlich betont wird. Mit meinem nagashi war Prof. Sasaki sehr zufrieden, der hat natürlich ausgesehen, obwohl er ursprünglich gerade gewachsen war. 
Einige meiner Klassenkameradinnen hatten mit ihren Zweigen ziemlich zu kämpfen und ich glaube, dass Prof. Sasaki am Ende des Tages ziemlich zerstochene Finger hatte, so viel wie er zusätzlich biegen musste. 

Wir waren bereits gegen 16 Uhr mit unserer Lektion fertig und bekamen dann noch Anweisungen, dass wir für das morgige Arrangement (modernes suna-no-mono mit kusa-mono) im Shop eine weiße Hartschaumplatte und einen kleinen ukezutsu besorgen sollen. Letzteres ist ungewöhnlich und ich habe extra keine ukezutsu mitgebracht, da die üblicherweise im suna-no-mono nicht verwendet werden. Wir werden allerdings mit einem doboku arbeiten und das geplante Material dürfte irgendwie nicht lang genug sein. Es wird spannend. 

Bei Anne und Monika kamen im Rikka ebenfalls Zierquitten zum Einsatz, dazu noch diverses anderes kimono und biwa-Blätter. Sie haben die Rikka-Variation nimai-oha in Kombination mit o-uchi-mikoshi gearbeitet und wurden erst deutlich nach 18 Uhr entlassen. Ihr Kursleiter, Prof. Tsuchiya, hatte jedenfalls jede Menge zu tun, um alle Arrangements in Form zu bringen. Bei Anne und Monika sind die Korrekturen gering ausgefallen, die beiden haben ihre Sache gut gemacht. Morgen steht in ihrer Lektion dann Rikka shimpūtai auf dem Programm, wobei alle Kursteilnehmerinnen fertig zusammengestellte Materialpakete bekommen. Es wird sicher interessant zu sehen, welch vielfältige Werke entstehen werden. 

Ein kleiner Abstecher in die Blumenhandlung im Keller hat eine Halle voll mit Blütenzweigen offenbart. Zumindest dort findet man Kirschblüten, an den Bäumen im Freien fangen sie erst ganz zögerlich an sich zu öffnen. Vereinzelt sieht man frühe Sorten mit einzelnen offenen Blüten. Wenn es allerdings weiterhin so warm bleibt, werden die anderen Bäume bald folgen und den in voller Blüte stehenden Pflaumenbäumen Konkurrenz machen. 
Hier nun unsere heutigen Werke.

Mittwoch, 12. März 2025

Shōka nishu-ike und flächenbetontes Freestyle

Volles Haus gestern in der ÖGG. Es waren alle Plätze besetzt und einigen Damen musste sogar abgesagt werden. Die werden dann hoffentlich Hausübungen nachliefern. Es ist ganz eigenartig, an manchen Abenden sind wir völlig überlaufen und dann gibt es wieder Gelegenheiten, wo der Saal nur gut halb voll ist. Es scheint aber keinen Zusammenhang mit dem Thema zu geben, das beim Treffen behandelt wird.
Auf dem Programm stand diesmal zum einen Shōka nishu-ike, der Nachwuchs beschäftigte sich mit einem flächenbetonten Freestyle. Für die meisten Anwesenden gab es das Überraschungspaket vom Großmarkt, einige versorgten sich auch selbst mit Material. 

Überraschenderweise waren es diesmal keine Palmkätzchen, sondern Birkenzweige, die als Hauptmaterial für das Shōka nishu-ike dienen sollten. Die Zweige waren bereits vorgetrieben und zeigten (besonders an den Außenseiten der Bunde) frisches Grün. Die Zweige im Inneren der Bündel sind noch nicht ganz so weit gewesen, die werden erst in den kommenden Tagen ihre Blätter entfalten. Da wir genügend Material zur Auswahl hatten, werden diese dann beim Übungsabend in zwei Wochen zum Einsatz kommen. Linienmaterial ist im Freestyle immer gut zu gebrauchen. 

Für nejime waren Tulpen vorgesehen. Nicht gerade ein beliebtes Shōka-Material, da sich die Blüten stets dem Licht zuwenden, die Blätter schnell schlapp machen und die Stiele täglich weiterwachsen. Gegen das übermäßige Wachstum könnte man zwar mit einigen Kniffen vorgehen, allerdings ist dann die Stabilität der Blüten ein wenig beeinträchtigt. Im Shōka sind Tulpen eben ein Material für eine Momentaufnahme. 

Die teilweise etwas wild gewachsenen Birkenzweige waren eine Herausforderung, sie ließen sich allerdings recht gut biegen. So waren schlussendlich alle mit ihren Arbeiten zufrieden, allerdings wollten sich einige Arrangements nicht verewigen lassen. Gegen Ende des Übungsabends ist es aus unerfindlichen Gründen ein wenig hektisch geworden, da kann es schon mal vorkommen, dass man aufs Fotografieren vergisst. 

Die Freestyle-Gruppe hatte recht schöne Aralienblätter zur Verfügung, dazu großblütige, grünlich-gelbe Nelken und zur Auflockerung ein Gewächs aus der Familie der Proteen, das entfernt an zarte Besenheide erinnert. Als Farbklecks und Überraschungselement diente kleinblütige Clematis. Auch hier gab es sehr vielfältige Arbeiten zu bewundern. 
Beim kommenden Übungsabend wird wieder Gabriela den Unterricht übernehmen und die Gruppe mit einem Freestyle mit Tulpen konfrontieren. Ganz passend zur Jahreszeit und ein guter Kontrast zum Einsatz im Shōka. 
Hier nun die Bilder vom Übungsabend, Hausübungen werden laufend ergänzt.