Mittwoch, 11. Mai 2016

Knabenfest


Mit nur wenig Verspätung stand der gestrige Übungsabend im Zeichen des Knabenfestes, das alljährlich am 5. Mai begangen wird. So wie die Pfirsichblüte dem Mädchenfest zugeordnet wird, hat auch das Knabenfest eine Leitpflanze – hana shōbu, die Iris ensata. Die geht auch auf die kriegerische Vergangenheit Japans zurück, denn die Blätter der Iris ensata ähneln von der Form her einer Schwertklinge. Perfektes Symbol für den männlichen Nachwuchs. 
Wir hatten natürlich keine hana shōbu zur Verfügung und auch nur wenige vernünftige Ersatzblätter der Wasseriris I. pseudacorus. Mein Garten wirft noch nicht genügend Blätter für einen ganzen Kursabend ab und kaufen kann man die Dinger sowieso nicht. Also begnügten wir uns mit der gewöhnlichen Hollandiris, die wir in Form eines Shōka shōfūtai nishu-ike oder sanshu-ike verwendeten.
Um die Sache interessanter zu machen, arbeiteten die meisten von uns ein sui-riku-ike mit der erwähnten Hollandiris, Binsen und wunderbar zartgrünem Gras als riku-mono. Zwei der Damen konnten "richtige" Irisblätter auftreiben und arrangierten die Iris isshu-ike als Denka-Shōka. Dadurch bekamen die anderen wenigstens einen Eindruck, wie elegant Hollandiris aussehen können, wenn sie nicht mit den natürlichen Blättern "verunstaltet" werden. 
Eine Dame besuchte uns erstmals zum Schnuppern und hatte es natürlich extra schwer – man möchte sich erst einmal an Ikebana herantasten und kommt gleich in Kontakt mit einem sehr schwierigen Thema. Unverständliche Fachausdrücke schwirren durch die Gegend und wie zum Henker soll man mit den langen Dingern namens Binsen umgehen, die ständig nicht dort stehenbleiben, wo man sie haben will…. Aber sie hat sich sehr tapfer geschlagen und sich nicht abschrecken lassen. Beim nächsten Mal wir es einfacher, da steht Ikebana mit Pfingstrosen auf dem Programm und beim Juni-Workshop gibt es samstags wieder einen Einführungskurs. 
Auch die anderen Ladies haben wacker mit der Materie gerungen und konnten sich nach einem sehr langen Übungsabend zufrieden auf den Heimweg machen.

Denka-Shōka

 Shōka shōfūtai nishu-ike und gyōdō-ike

sui-riku-ike

Montag, 9. Mai 2016

Impressionen vom IBV-Kongress

 Arrangements von Sensei Hayashi-Matt
 
 meine Arrangements

 
 
Impressionen aus unserem Kurs ... 

  ... und die Teilnehmerinnen

 Arbeiten mit Ton
    
Gruppenarrangements - im Freien
 
  
Arbeiten mit ungewöhnlichen Materialien
 
Papier falten
 
Kalligraphie und Ikebana

IBV-Kongress 2016


Nach dem "flächigen" und dem "kubischen" Reis stand am Samstag das Thema "japanischer Garten" auf dem Programm. Der Reis übernahm hier die Rolle des Kieses, der wiederum das Wasser symbolisiert. Als Untergrund diente uns eine großformatige schwarze Pappe, auf der mit Moospolstern, Steinen, Wurzeln und kleinen Pflanzen (Buntnesseln, Schachtelhalm, Fruchtstände von Mahonie, Kiefernzweiglein, …) eine Landschaft gestaltet wurde. 
Die Ergebnisse waren äußerst vielfältig. Ich entschied mich für einen Steingarten im Stil des Ryōan-ji, den ich beim letzten Japanaufenthalt besucht hatte. Vorwiegend Steine auf Moos und im Reis, dazu nur minimale "Bepflanzung" – ein zurückhaltender Garten, der zur Meditation einlädt. 
Nach dem Aufräumen wurden alle unsere Werke für den allgemeinen Rundgang der KongressteilnehmerInnen aufgestellt. Diese Ausstellung blieb bis Sonntagmorgen stehen und wurde dann erst abgebaut. Nachmittags ging es entweder mit dem Bus in die Kaiserpfalz von Ingelheim oder man genoss die freie Zeit bei wunderbarem Wetter auf andere Art. Die Damen vom Demo-Seminar wurden zu einer Generalprobe der Vorführung verdonnert.
Abends dann das traditionelle festliche Abendessen, aufgelockert von musikalischen Beiträgen eines genialen Duos, das Musik aus dem 17. Jahrhundert auf Originalinstrumenten präsentierte.
Zum Abschluss des Kongresses kam der Höhepunkt – die Vorführung von Koka Fukushima, Master Instructor der Sogetsu-Schule, und ihren Assistentinnen. Neun Arrangements wurden präsentiert, vom schlichten Blumengruß zu Beginn bis zu einem mächtigen Arrangement aus riesigen Zweigen und Sonnenblumen am Schluss. Diese Konstruktion hielt ganz ohne kenzan, nur durch Verspreizen der Zweige wurde die nötige Stabilität erzielt. 
Ich weiß zu wenig über die Prinzipien der Sogetsu-Schule, als dass ich mir ein Urteil über die Qualität der Arrangements erlauben könnte, Aber den Zuschauern hat es sehr gut gefallen. 
Während der Vorführung war ein Fotografieren nicht möglich und am Ende drängten sich so viele Leute vor den Arrangements, das es kein Durchkommen gab. Also verzichtete ich auf Bilder und hoffe, dass die Damen von Ikebana International, die an diesem Seminar teilgenommen haben, Bilder veröffentlichen werden. 
Mit der üblichen Danksagung an die Seminarleiter und Leiterinnen und einer Vorschau auf das kommende Jahr (es wird einen schulübergreifenden Themenkongress "wabi-sabi" geben) endete der diesjährige IBV-Kongress. Man darf sich schon auf 2017 freuen.

Freitag, 6. Mai 2016

IBV-Kongress in Wiesbaden-Naurod


Der diesjährige Kongress des Ikebana-Bundesverbandes im Wilhelm Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod stand im Zeichen der Sogetsu-Schule. Acht Seminare wurden angeboten, wie sie vielfältiger nicht sein konnten: Es ging um die Vorbereitung und Durchführung einer Ikebana-Demonstration (diese ist für den Sonntagvormittag geplant und steht unter der Federführung von Masterinstruktor Koka Fukushima), um Planung und Durchführung von Gruppenarrangements, um skulpturale Installationen mit Plastik und Metall, um plastisches Gestalten mit Papier, um Arbeiten mit Ton , der in Gefäße verwandelt und ungebrannt als Behälter für Arrangements dient, um Arrangements mit japanischen Reis und um die obligatorische Tischdekoration für den festlichen Abend. Auch ein Workshop zum Thema Shodō – der Weg des Schreibens stand auf dem Programm. 
Der Kongress startete wie immer mit der Mitgliederversammlung, die dieses Jahr relativ lange dauerte. Mehrere Positionen im Vorstand mussten neu besetzt werden und es ging auch um die Vorstellung des Konzepts der IGA in Berlin 2017, bei der es wieder eine Ausstellung geben wird. Nach dem Abendessen galt es noch die einzelnen Schulsprecher zu bestätigen bzw. Ersatz für ausscheidende Personen zu finden. Immerhin 6 aufrechte Damen und Herren vertraten Ikenobō – und das bei einer Gesamtteilnehmerzahl von etwa 115 Personen. Noch zu erwähnen bleibt die Keramikbörse, die dieses Jahr leider etwas schwach besetzt war. Vielleicht ist beim kommenden Kongress wieder mehr los. 
Nach dem administrativen Donnerstag freuten sich alle darauf, endlich Ikebana betreiben zu dürfen. Ich war sehr gespannt, schließlich konnte ich mir unter dem Seminar, in dem ich gelandet war, nicht sehr viel vorstellen. Es ging um Arbeiten mit japanischem Reis. 
Der Kurs wurde von Sensei Toshimi Hayashi-Matt und ihrer Assistentin Annette Fricke geleitet. Nach einer kurzen Einführung über die Bedeutung von Reis für die japanische Kultur und die Entwicklung typischer Eigenheiten dieses Volkes ging es gleich los. Jede der elf Teilnehmerinnen fand neben einem liebevoll gefalteten Origami-Kranich auch die Seminarunterlagen in einer Mappe mit typischen japanischen Motiven und farblich darauf abgestimmten Essstäbchen (schließlich ist Reis ein Hauptnahrungsmittel). Dazu noch ein Säckchen mit Sushi-Reis, den wir im Rahmen des Kurses verarbeiten sollten. Im ersten Arrangement sollten wir mit mindestens 2 Gefäßen arbeiten, wobei in einer Schale die Reiskörner verteilt wurden und in den restlichen Gefäßen die Blumen ihren Platz fanden. Der Reis dient dabei als Masse und soll das Hauptaugenmerk auf sich ziehen. Die Blumen – im freien Stil gestaltet – sollen dann als Ergänzung bzw. Kontrast dienen. Die Reiskörner konnten gleichmäßig verteilt, aufgehäuft oder auch zu Mustern geformt werden. Wichtig war nur, dass dieser Teil des Gesamtwerkes trocken blieb. 
Wir arbeiteten entweder mit vorwiegend dunklen Schalen und/oder Vasen, um einen guten Kontrast zu erzielen, oder mit Glasgefäßen. Als Blumen standen uns zwei Sorten Chrysanthemen, blaue Veronika, Bartnelken und Korkenzieherhasel zur Verfügung. 
Nach dem "flächigen" Reis erwartete uns am Nachmittag der "kubische" Reis. Kubisch bedeutet in diesem Fall dreidimensional. Wir füllten die Reiskörner in durchsichtige Plastikschläuche und erzielten damit eine lineale Anordnung. Die Schläuche wurden dann in Schalen drapiert oder um Vasen geschlungen, wobei auf die übliche Befestigung in einem kenzan verzichtet wurde. Sowohl die "Reisschlangen" als auch die Blumen (weiße Lilien, Craspedia und Aspidistrablätter) sollten nur durch Verklemmen und in der Waage halten in Position gebracht werden. Diese Übung war schon ein wenig aufwändiger als die Aufgabe vom Vormittag. 
Nachdem alles korrigiert wurde, räumten wir den Seminarraum auf und präsentierten unsere Werke für den allgemeinen Rundgang aller KongressteilnehmerInnen. Nach dem Abendessen folgte dann noch ein Vortrag von Koka Fukushima über Neuigkeiten aus der Sogetsu-Schule. 
Fotos folgen später, derzeit weigern sie sich noch, die Kamera zu verlassen.