Ikebana in Wien mit der Ikenobō Ikebana Study Group Austria und der FG Ikebana der ÖGG
Dienstag, 27. Oktober 2020
Chrysanthemenfest
Freitag, 16. Oktober 2020
Monatstreffen Ikebana International
Das Oktober-Treffen von Ikebana International Chapter #223 Wien hatte diesmal nur am Rande mit Ikebana zu tun. Aufgrund der Situation entschied sich unsere Präsidentin, unsere Aktivitäten ins Freie zu verlegen und geschlossene Räume zu meiden. Organisiert wurden zwei Führungen im Botanischen Garten der Universität Wien beim Belvedere.
Mit dem Wetter hatten wir Glück, es war der einzig regenfreie Tag der Woche und auch der Wind verhielt sich manierlich. Also gerade richtig für einen Spaziergang im etwa 6 Hektar großen Gelände, das sich bereits auf den nahenden Winter vorbereitet. Die erste Gruppe traf sich um 15:00 beim Haupteingang und widmete sich einer Führung zum Thema "Richtiges Schneiden von Pflanzen". Nicht unwichtig für Ikebanesen, wenn man bedenkt, dass wir unser Material oft auch von Bäumen und Sträuchern beziehen. Schließlich wollen wir die "Spender" nicht umbringen, sondern möglichst immer wieder nutzen.
Die zweite Führung ab 16:00 widmete sich einem Gartenrundgang mit Schwerpunkt "japanische Pflanzen". Die junge Dame geleitete uns kompetent durch das Gelände und lieferte uns Detailwissen zu ausgewählten Pflanzenarten. Neben Farnen und Moosen - die sind schließlich fixer Bestandteil im japanischen Garten - waren es einige ausgewählte Gehölze, der Lotos-Teich und der Bambushain, auf die der Fokus der Führung lag.
Zuerst besuchten wir einen Baum, dessen Blätter in der Gegend um Nara für die Konservierung von Frischfisch während des Transports vom Meer in die Stadt genutzt wurden. Das war zu Zeiten, als es noch keine Kühlketten und dergleichen gab, aber die Blätter haben scheints einen interessanten, leicht süßlichen Geschmack an den Fisch abgegeben, weshalb die Blätter auch heute noch verwendet werden. Übrigens trägt der Baum sehr viele kleine Früchte, die wie Mini-Kaki (mit 1 cm Durchmesser) aussehen. Verständlich, es handelt sich schließlich um einen Vertreter dieser Pflanzenart. Genießbar sind die Früchte, sie sind auch recht süß, allerdings enthalten sie extrem viele Gerbstoffe, weshalb auf der Zunge sehr lange ein ziemlich pelziges Gefühl zurückbleibt.
Auf dem Weg zu Lotos-Teich - die Blätter natürlich schon alle braun und unansehnlich, aber einige Samenkapseln waren noch vorhanden - machten wir Station beim Blauglockenbaum (kiri), dessen Holz sehr feuerresistent ist und deshalb gerne für Möbel (besonders für Kimono-Schränke) verwendet wurde. Die Paulownia findet sich auch in einigen japanischen mon wieder, darunter im Wappen der Tokugawa-Familie. Neben dem Lotos-Teich stand auch ein wunderbarer Fächerahorn mit sehr kleinen Blättern, der bereits mit beginnender Herbstfärbung punktete.
Weiter ging es zum Bambushain, der Erinnerungen an den Bambuswald bei Arashiyama wachrief. Natürlich waren die Stangen nicht so dick wie in Japan, aber der Hain ist trotzdem eindrucksvoll.
Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt unserer kleinen Tour kamen wir noch an zwei wunderbaren Gingko-Bäumen vorbei. An und für sich zwei männliche Exemplare, aber bei einem Baum wurde bereits zur Gründung des Botanischen Gartens ein Experiment durchgeführt, indem ein weiblicher Ast aufgepfropft wurde. Und dieser Ast trägt wirklich Samen! Immerhin waren die noch nicht reif, denn der Geruch nach Buttersäure, den die reifen Früchte verströmen, ist mehr als unangenehm.
Viel zu schnell ging diese interessante Führung zu Ende und wir machten uns wieder auf den Heimweg. Aber vielleicht treffen wir uns bald wieder im Botanischen Garten, denn dort gibt es auch einen sehr schönen Seminarraum, den wir eventuell für ein nächstes Treffen nutzen können.
Mittwoch, 14. Oktober 2020
Masse und Fläche - Freestyle einmal anders
Beim gestrigen Übungsabend haben wir uns (schon wieder) mit Freestyle beschäftigt, diesmal zum Thema "Fläche und/oder Masse".
Besonders massebetonte Arrangements sind eher schwierig zu gestalten, da leicht ein überladener Eindruck entstehen kann. Und auch beim Einsatz von Flächen ist besondere Sorgfalt geboten, um die nötigen Räume zu schaffen. Die Kombination beider Aspekte kann sehr leicht in mittleren Katastrophen ausarten: Die Materialien behindern sich gegenseitig, das Arrangement wird schwer und behäbig, es fehlt an Raum und Richtung, usw.
Kein Wunder, dass die Mehrzahl der Freestyle-Arbeiten linienbetont gestaltet wird und Flächen/Massen eher sparsam eingesetzt werden. Aber wenn auf der Agenda Fläche/Masse steht, dann wird versucht, das Beste daraus zu machen.
Ein Großteil der Damen und Herren hat sich vorab für das Überraschungspaket vom Großmarkt entschieden. Vermutlich haben die meisten gedacht, dass sich darin Schleierkraut oder zumindest Limonium befinden wird, beides sehr beliebte Masse-Pflanzen. Aber weit gefehlt, das Paket enthielt für Masse Säulenasparagus, dunkelroten Amarant und Erdginseng (Talinum paniculatum) und als flächenbetonte Materialien kleine, leuchtend gelbe Gerbera und rosa Minianthurien.
Eine interessante Mischung, die in vielfältiger Weise verarbeitet wurde – zum Teil aufgepeppt mit weiteren Materialien. Auch die Damen, die selbst Pflanzen gewählt und mitgebracht haben, gestalteten höchst spannende, designhafte Arrangements.
Nach so viel Kreativität ist beim kommenden Übungsabend dann wieder mehr Disziplin gefragt, dann bei einem Shōka mit Chrysanthemen gibt es nur beschränkte Freiheit innerhalb der Form.
Dass übrigens die Fotos jetzt besser aussehen, verdanken wir einer unserer Damen, die uns einen Hintergrund aus beschichtetem Karton zur Verfügung gestellt hat. Damit vermeiden wir den harten Übergang zwischen Tisch und Wand und erhalten einen homogenen Hintergrund. Vielen Dank dafür!
Mittwoch, 23. September 2020
Freestyle mit hängendem Material
Gestern beschäftigten wir uns wieder einmal alle gemeinsam mit Freestyle. Diesmal wollten wir in 2 hohen Vasen arbeiten, mit Material, das auch einen hängenden Charakter aufweisen sollte.
Die Befestigungstechnik blieb jeden selbst überlassen, es war kein definiertes Nageire gefragt. Die meisten von uns verwendeten kenzan oder Steckmasse, aber auch das eine oder andere Arrangement wurde mit kubari gearbeitet.
Der Einfachheit halber haben die meisten der Damen und Herren das Überraschungspaket vom Großmarkt bestellt, aber die Arrangements wurden auch mit eigenem Material aufgepeppt. Diesmal gab es Sonnenblumen, Hängeamarant, süße rosa Gomphrena, Nigella-Kapseln und Hirse.
Die Schwierigkeit bestand darin, die verschiedenen Materialien in Harmonie zu bringen. Hängendes Material soll trotz seines Charakters eine gewisse Lebendigkeit vermitteln. Indem wir vom Hängeamarant einen Großteil der Blätter entfernten, wurde der Blütenstand in den Mittelpunkt gerückt und gleichzeitig die Haltbarkeit verlängert. Die Sonnenblumen bildeten einen Schwerpunkt am Vasenrand und das Hängeelement wurde mit aufstrebenden Linien kontrastiert und somit betont. Obwohl die meisten von uns das gleiche Material verwendeten, entstanden doch sehr unterschiedliche Arrangements, die einen herbstlichen Charakter vermittelten.
Eine unserer Damen hatte sich vorsichtshalber in Selbstquarantäne begeben und steuerte ihr Arrangement per Mail bei.
Mittwoch, 9. September 2020
Ikebana mit Herbstmaterial
Samstag, 5. September 2020
Rikka-Workshop
Am letzten Wochenende vor Schulbeginn haben wir uns zu einem intensiven Rikka-Workshop in der ÖGG getroffen. Eine unserer Damen hat in ihrem Garten breiten, gestreiften Miscanthus stark verkleinert und wir haben die Gelegenheit genutzt, dieses Material in einem Rikka shōfūtai zu verarbeiten.
Vorab gab es eine Umfrage unter den Teilnehmerinnen, welcher von 4 Entwürfen aus unterschiedlichen Materialkombinationen denn die Zustimmung einer Mehrheit finden würde. Das Votum fiel auf ein issō-no-mono-Rikka mit Lilien als shin und uke und Miscanthus als soe und mikoshi. Dementsprechend wurde das Material am Großmarkt besorgt, aber als die Damen dann den wunderbaren, langen Miscanthus sahen, wollten sie doch diesen als Hauptmaterial verwenden.
Da wir ja flexibel sind (und unsere Theorie-Hausaufgaben gemacht haben), konnten wir vor Ort die entsprechenden Abänderungen im Entwurf vornehmen, um den Miscanthus ins wohlverdiente Rampenlicht zu setzen. Schlussendlich entstand ein Rikka shōfūtai gedan-ozukai santōyūsōtai mit umgekehrtem Blumenweg in folgender Zusammensetzung: Shin und soe aus Miscanthus, uke und hikae aus Lilien, shō-shin und uke-uchi aus Enzian, dō aus Rosmarin (der gesamte Seminarraum hat geduftet!) und maeoki und nagashi aus Hypericum. Es gab keinen mikoshi, denn der uke wurde betont ausgeführt und die schwingenden Linien des Miscanthus wären mit einem mikoshi in Konkurrenz getreten. Ushiro-gakoi wurde aus Goldrute gearbeitet, kusa-michi aus kleinblütigen Astern und die dome aus Farn bzw. Minichrysanthemen.
Ein recht einfaches Konzept, aber der Teufel lag wie immer im Detail. Durch gleiches Material für maeoki und nagashi, das noch dazu als tsuyo-mono (gemeinsam mit dō) härter als das restliche Pflanzenmaterial ist, verschieben sich zum einen die sashi-guchi. Dazu besteht hikae aus einer Blume, wodurch yo-dome aus nichtblühendem kazai gearbeitet werden sollte. Der Farn, der ebenfalls tsuyo-mono ist, bietet sich da geradezu an. Allerdings muss dann kusa-michi auf der nagashi-Seite in einem blühenden in-dome enden. Also verläuft der Blumenweg nicht auf die üblicher Weise, sondern macht einen kleinen Schlenker zurück auf in-kata. Auf diese Weise bleiben die holzigen und die grasigen Bereiche in Gruppen voneinander getrennt. Eh ganz logisch, aber es ist trotzdem eine ziemliche Fummelei geworden.
Durch den betonten uke ist nämlich der nagashi ebenfalls etwas kürzer als üblich ausgebildet und da eine Verbindung zum maeoki bestehen muss, sind entsprechende Verbindungslinien erforderlich. Das bedeutet, dass in-dome hinter nagashi eingesteckt wird und trotzdem nach vorne wirken muss. Wie gesagt, eine Fummelei.
Besonderer Wert wurde diesmal auch auf die Ausarbeitung der mizugiwa gelegt. Die Damen haben sich sehr bemüht, einen dichten, geraden Fuß hinzukriegen, der sauber und schlank das Arrangement trägt. Und alle haben sehr gut gearbeitet, es gab keine schrägen Linien, Drahtverhaue oder ähnliche Schlampereien, die den Gesamteindruck des Rikka getrübt hätten.
Einige Teilnehmerinnen, die sich noch nicht an des Rikka herangewagt haben, beschäftigten sich mit verschiedenen Übungs- und Prüfungsarrangements. Wir hatten jedenfalls einen sehr entspannten Workshop, der allen trotz des intensiven Arbeitens viel Spaß gemacht hat.






























































