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Dienstag, 14. Juni 2022

Calla in vielen Farben

Diesmal stand unser Übungsabend ganz im Zeichen der Calla, genauer gesagt der Zantedeschia. Wir hatten wunderbare Töpfe mit sehr schönen Blättern und leuchtenden Blüten zur Verfügung. 
Und es war interessant zu sehen, dass die unterschiedlichen Blütenfarben auch mit verschiedenen Blattqualitäten verbunden waren. Dabei ging es nicht nur um gefleckte oder einfärbige Blätter, auch die Form und Bewegtheit variierte von Topf zu Topf. 

Natürlich sind die Blüten der Zantedeschia nicht so lang, wie wir sie uns wünschen würden (und wie laut Denka-Vorschriften erforderlich wären), aber wenn wir zusätzlich Schnitt-Calla kaufen, haben die wiederum alle dieselbe Blütengröße und es gibt keine Knospen. 
Also haben wir die Blätter zwar nach den Regeln, dafür die Blüten einfach kürzer arrangiert. 

Gearbeitet haben wir in den meisten Fällen mit sieben Blättern in zwei kabu, wobei wir nicht nur auf eine höhere Blattzahl in der kabu für shin/soe geachtet haben, sondern auch darauf, dass im fertigen Arrangement ein ura-Blatt mehr vorhanden war als omote-Blätter. Also streng nach Vorschrift. 

Eine unserer Damen hat schöne Binsen gefunden und ihr Arrangement als kabu-wake in Form eines gyōdō-ike gearbeitet. Natürlich wissen wir, dass die Calla eigentlich eine Sumpfpflanze und kein mizu-mono ist, wir haben sie in diesem Fall allerdings als Wasserpflanze behandelt. 

Der Ikebana-Nachwuchs beschäftigte sich mit Freestyle, und zwar in Form einer Wasserlandschaft. Dafür standen neben den Calla auch noch Irisblätter, Binsen und einige Ahornzweige zur Verfügung. 

Außerdem wurden Arrangements für den Ikenobō-Wettbewerb gearbeitet, diese Bilder werden hier aber noch nicht gezeigt. Schließlich läuft der Wettbewerb noch bis Ende des Monats und wir werden erst nach der offiziellen Bekanntgabe unsere Arrangements hier veröffentlichen. 
Hier nun unsere Arbeiten aus der ÖGG und Bilder von Hausübungen, die nach und nach ergänzt werden.

Samstag, 29. Juni 2019

Workshop mit Schwerpunkt Wasserpflanzen

Bevor wir uns endgültig in die Sommerpause verabschieden – im Juli und August findet jeweils nur ein Treffen statt – haben wir nochmal alle Kräfte mobilisiert und uns in das Abenteuer eines Workshops mit Schwerpunkt Wasserpflanzen gestürzt. 
15 Damen und ein Herr schwitzten im voll besetzten Seminarraum der ÖGG, und zwar nicht unbedingt wegen der herrschenden Temperaturen. Schließlich lief die Klimaanlage auf Hochtouren und kühlte den Raum auf ein halbwegs akzeptables Maß herunter. 

Der Sommer ist natürlich die beste Zeit, um mit Wasserpflanzen zu arbeiten. Einziges Problem dabei – am Großmarkt sind weder Irisblätter noch Binsen oder Rohrkolben zu kriegen. 
In der Natur wildern ist auch nicht gut möglich, schließlich stehen die Iris unter Naturschutz, um an Binsen zu gelangen müsste man schwimmen und die Rohrkolben sind nur in der breitblättrigen Variante und mit Monsterkolben zu finden. Also heißt es improvisieren und das Programm erweitern. 

Am Großmarkt konnten wir Schachtelhalm bestellen (die gesamte Lieferung bestand aber leider aus sehr stark gebogenen Exemplaren, die sich um nichts in der Welt geraderichten ließen) und kriegten auch wunderschöne Exemplare von Zantedeschia mit gefleckten Blättern und knallgelben Blüten. Hollandiris konnten wir ebenfalls ergattern, die mit gewilderten oder aus Gärten beschafften Irisblättern kombiniert wurden. 
Somit standen einem Iris-Shōka, einem gyōdō-ike und einem sui-riku-ike (mit Gräsern und Zweigen als riku-mono) nichts mehr im Wege. 
Zusätzlich beschäftigten wir uns mit Denka-Shōka mit Aspidistra – gut geeignet, um auch Einsteigern die Verhältnisse von in und yo beizubringen, sowie mit Rittersporn und einem Shōka shōfūtai sanshu-ike mit Agapanthus, Eustoma und Palmwedeln. 

Für den Nachwuchs war ebenfalls gesorgt: Aus Schachtelhalmen, Calla und gestreiftem Miscanthus entstand ein natürliches Jiyūka, welches an eine Teichlandschaft erinnerte. Mit den Aspidistrablättern und diversen anderen Materialien wurde ein flächenbetontes Arrangement im Querformat gearbeitet und die Pflanzen für das sanshu-ike konnte ebenfalls in unterschiedlichen Freestyle-Varianten verarbeitet werden. 

Neben dem regulären Programm bestand natürlich noch die Möglichkeit, Eigenentwürfe umzusetzen. So entstanden beispielsweise ein Denka-Shōka mit Hosta, unterschiedlichste Jiyūka-Varianten und auch mehrere Shōka shinpūtai.

Die Schachtelhalme stellten eine fast unüberwindbare Herausforderung dar und unsere gyōdō-ike waren entsprechend "kreativ". Manchmal muss man eben Abstriche machen und sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Immerhin entsprach mekabu aus Calla den Regeln. 

Der Workshop war sehr intensiv, verlief äußerst harmonisch und alle waren gelöst und guter Stimmung. Mit einem Lächeln arbeitet es sich auch wesentlich besser, als wenn man verbissen mit der Materie kämpft. Und auch wenn mal etwas nicht so klappt, wie man sich das vorgestellt hat, so hat man am Ende doch noch etwas gelernt und ist wieder ein Stück auf dem kadō vorangekommen. 
Hier nun eine kleine Auswahl unserer Arbeiten:

Donnerstag, 30. Juli 2015

Ikebana-Ausflug nach Wollomoos


Zeitig in der Früh ging es am Mittwoch auf nach Deutschland zu unserer Meisterin. Wir wollten Prüfungen ablegen, die durch die Absage des Sommerseminars in Puchberg sonst auf das nächste Jahr hätten verschoben werden müssen. Außerdem galt es ein Diplom abzuholen. 
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Teich – wie überaus erhebend, in aller Früh bis zu den Knien im Wasser zu stehen, Binsen und Irisblätter zu schneiden und auch noch angeregnet zu werden – trafen wir kurz nach 11 Uhr in Wollomoos ein. Mehrere Damen hatten sich zum Privatunterricht versammelt und wir durften uns in einem Extrakammerl ausbreiten und in Ruhe arbeiten. Meine Freundin beschäftigte sich zuerst mit dem am Vortag grob vorbereiteten Arrangement, einem klassischen nana-kusa (7 Gräser-Arrangement). Ich arbeitete inzwischen ein Denka-Shōka mit Calla, 2 Blüten und 9 Blätter mit der kabu-Aufteilung 3-6, und anschließend ein gyōdō-ike mit Binsen und ebenfalls Calla. 
Die Meisterin hatte währenddessen ein Rikka shinpūtai fertiggestellt und sich um ihre Schülerinnen gekümmert. Die beschäftigten sich mit verschiedenen Arrangements, wie Gladiolen-Shōka und diversen Varianten von Jiyūka. Nach der Korrektur unserer ersten Werke – die verlief überaus positiv – standen ein Shōka isshu-ike mit wunderbarem rosa-violetten Enzian (das Hauptprüfungsarrangement meiner Freundin) und ein modernes sui-riku-ike mit Blutweiderich, Miscanthus und Iris auf unserer Agenda. 
Auch diese Arrangements wurden wohlwollend begutachtet und abgenommen. Über das sui-riku-ike haben wir allerdings lange diskutiert. Die Meisterin hätte eine andere Variante bevorzugt, nämlich den Blutweiderich hoch und streng gearbeitet mit dem Miscanthus niedrig als ushiro-ashirai und soe. Dafür war mein Blutweiderich allerdings zu bewegt gewachsen und das Gras fast zu kräftig. Da es ein modernes Arrangement war (deshalb auch ohne Stein vor dem Landteil) wurde meine Umsetzung mit nur einer kleinen Korrektur genehmigt. 
Nach der Erledigung des Schreibkrams dann der Höhepunkt des Tages – Diplomverleihung. Neben mir erhielt auch Fr. Leibing, die extra aus Hamburg angereist war, ihr Diplom. In ihrem Fall war es der 14. Grad, die Krönung eines langen Ikebana-Lebens mit unzähligen eigenen Schülerinnen. Beschwingt und sehr stolz auf unsere Leistungen machten wir uns schließlich gegen 17:30 auf den Heimweg. Meine Freundin kann damit rechnen im kommenden Frühjahr ihr neues Diplom überreicht zu bekommen. Eine Wartezeit, die sich lohnt.

klassisches nana-kusa und Shōka isshu-ike mit Enzian


 Denka mit Calla und die beiden geteilten Arrangements

 Rikka shinpūtai der Meisterin
 
 
 diverse Arrangements aus dem Unterricht

 Diplomverleihung