Mittwoch, 28. Mai 2025

Freestyle im Körbchen

Für heuschnupfengeplagte Teilnehmer*innen fiel unser gestriger Übungsabend unter die Kategorie 'heute wäre eine Erschwerniszulage fällig'. Die Luft im Seminarraum der ÖGG war geschwängert mit Gräserpollen und auch die diversen Wiesenblumen leisteten ihren Beitrag. 
Auf dem Programm stand ein Freestyle-Arrangement im Körbchen und da die Wiesen derzeit so wunderschön blühen haben viele von uns mit Gräsern und Wildblumen gearbeitet. Blühende Wiesen sind für die meisten eine Augenweide, aber Pollenallergiker sind wohl froh, wenn endlich alles abgemäht ist. 

Da diesmal eigenes Material gesammelt werden sollte, war die Vielfalt der Arrangements noch größer als sonst. Neben Wiesenblumen wurden auch Gartenpflanzen wie die derzeit aktuellen Rosen, Clematis und Pfingstrosen verwendet. Bei den Körbchen waren ebenfalls viele unterschiedliche Modelle – hoch oder flach, mit und ohne Henkel – im Einsatz. Genau wie bei den Blumen und Gefäßen gab es bei den Befestigungstechniken Unterschiede. Wer zarte Gräser und Blumen verwendete, bevorzugte Steckmasse, während die kräftigeren Stiele besser im kenzan hielten.

Hier die Werke des gestrigen Abends, Hausübungen werden wie immer ergänzt.




Montag, 19. Mai 2025

Frühsommerworkshop in der ÖGG

Unser Wochenend-Workshop lief wieder in entspannter Atmosphäre ab und bot den Beteiligten sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten für Spielereien. Auf dem Programm standen tatehana und Rikka shimpūtai für die Fortgeschrittenen und Shōka und Freestyle für den Nachwuchs und selbstverständlich auch für die Profis. Für Prüfungen und das Ausprobieren neuer Formen blieb ebenfalls genügend Zeit. 

Die Materialzusammenstellung war teilweise ungewöhnlich, da sich das Angebot im Großhandel binnen einer Woche komplett verändert hat. Pflanzen, die vor Kurzem noch problemlos erhältlich waren (z.B. Schachtelhalm oder Liatris), sind quasi über Nacht verschwunden oder haben im Preis extrem angezogen. Deshalb musste die Planung ziemlich über den Haufen geworfen werden. 
Das hat aber auch dazu geführt, dass wir uns mit Pflanzen wie Fibigia (Schildkresse) oder Camassia auseinandersetzen durften. Materialien, die nicht alltäglich sind und nicht unbedingt weit oben auf der Liste passender Ikebana-Pflanzen stehen.

Die Großmarktpakete für tatehana und Rikka shimpūtai enthielten genügend Material für mehrere Arrangements, wobei die Kombination der Pflanzen den Teilnehmerinnen überlassen blieb. Der Nachwuchs hielt sich beim Shōka möglichst an die vorgesehenen Kombinationen, während die Fortgeschrittenen auch hier nach Lust und Laune kombinieren durften. 

Für das Shōka isshu-ike hatten wir Pfingstrosen mit ungefüllten Blüten, recht eleganten Stielen und ziemlich schönen Blättern zur Verfügung. Wir haben etwas reduziert gearbeitet und nur 3 Blüten verwendet. Eine der Damen konnte sogar die Reduktion auf die Spitze treiben und die Sonderform soe-hazushi ausprobieren. 
Mit der Schildkresse und Bartnelken als nejime gestalteten wir das Shōka nishu-ike. Das Interessante an dieser Pflanze sind die scheibenartigen Samenstände, die derzeit noch silbrig-behaart sind und im Lauf der Entwicklung irgendwann einmal durchsichtig werden sollen. 
Das Shōka sanshu-ike bestand aus sehr bewegungsfreudiger Camassia (die Blütenrispen tanzten, bis sie ihre ideale Position gefunden hatten), panaschierten Aspidistrablättern und Bouvardia. 

Der Freestyle-Sonntag verlief überaus abwechslungsreich. Es gab ein naturnahes, landschaftliches Arrangement, eine etwas kreativere Auseinandersetzung mit Pfingstrosen und zuletzt eine Basteleinheit, die unter dem Motto 'Draht und Glas' stand. 
Dabei wurde wahlweise ein Teller oder eine Platte in einem Drahtkonstrukt aufgestellt und ein Röhrchen für Pflanzen mit Saugnapf daran befestigt, oder die Schale/Platte lag flach auf dem Tisch und die Pflanzen steckten zwischen den Drahtschlingen in Röhrchen. Bei diesem Arrangement waren Balancierfähigkeiten gefragt und Fingerfertigkeiten von Vorteil, damit alles im Gleichgewicht blieb. 

Alles in allem haben wir mit dem Workshop viel Freude gehabt und wieder einige neue Aspekte kennengelernt. Hier nun ein kleiner Einblick in unser Schaffen.

Mittwoch, 14. Mai 2025

Shōka kabu-wake und Freestyle

Der gestrige Übungsabend bescherte uns eine Auseinandersetzung mit Shōka kabu-wake. Unter diesem Oberbegriff sind sowohl die traditionellen Formen sui-riku-ike und gyōdō-ike als auch geteiltes Shōka sanshu-ike vereint. Die vertikal geteilten Arrangements im nijū zählen ebenfalls zu dieser Gruppe. 
Da wir derzeit noch schwer an passende Wasserpflanzen herankommen – die Wasseriris haben zwar bereits recht schöne Blätter, allerdings noch keine Blüten – schieden die traditionellen Arrangements gleich einmal aus. Deshalb also Shōka sanshu-ike kabu-wake. Das ist zudem die einzige Möglichkeit, ein horizontal geteiltes Arrangement aus Landpflanzen zu gestalten, da im geteilten nishu-ike in zumindest einer kabu immer eine Wasserpflanze vorkommen muss. 

Auch bei der Aufteilung der yakueda hat man mehrere Möglichkeiten. Die Standardform sieht vor, dass die tai-Gruppe getrennt von der Gruppe mit shin und soe aufgestellt wird. Die andere Möglichkeit besteht darin, die soe-Gruppe abzutrennen und shin und tai in der anderen Gruppe zu vereinen. Diese Variante zählt zu den betsuden-Formen des henka-kei
Da es beim Shōka shōfūtai jedoch keine inkompletten Arrangements geben darf, müssen die fehlenden yakueda in den jeweiligen Gruppen durch za angedeutet werden. 

Soweit die Theorie. In der Praxis hatten wir ein wenig zu kämpfen, da wir mit sehr ungewöhnlichen Materialien gearbeitet haben. Wir hatten Riceflower (Ozothamnus, eine neuseeländische Pflanze), Photinia (Glanzmispel, derzeit eine gerne gepflanzte Alternative zu Kirschlorbeer) und Bartnelken zur Verfügung. 
Die Riceflower war ziemlich wild gewachsen, die nadelförmigen Blätter verströmten aber einen angenehmen Duft und die Stiele ließen sich relativ gut biegen. 
Ganz anders dagegen die Photinia. Die Zweige waren sehr elastisch, und wenn man dann nur einen Tick zu viel Druck ausübte, machte es gleich Knacks und sie sind gebrochen. Das ist nicht nur einmal passiert, aber glücklicherweise hatten wir ziemlich viele Zweige zur Verfügung, auch wenn die Ausrichtung der Blätter nicht immer ideal war. Im Endeffekt haben wir aber passable Ergebnisse vorweisen können, obwohl beim Fotografieren wieder die eine oder andere Linie gekippt ist. 

Wer noch nicht Shōka üben konnte oder wollte, hat neben den Shōka-Pflanzen noch Alstroemerien im Großmarkt-Paket gefunden. Daraus wurden natürliche Formen arrangiert, wobei sich die Damen entscheiden mussten, ob sie die Bartnelken oder die Alstroemerien als Hauptblumen verwenden. Wer wollte, arbeitete mit selbst mitgebrachten Pflanzen. 
Auch hier sind interessante Arrangements entstanden, wie man unten sehen kann. Hausübungsfotos werden wie immer nach und nach ergänzt.