Mittwoch, 9. Februar 2022

Shōka sanshu-ike mit Anthurien

Beim gestrigen Übungsabend zum Thema Shōka sanshu-ike mit Anthurien war wieder ein gewisses Maß an Kreativität gefragt. Dieser moderne Shōka-Stil ermöglicht innerhalb der vorgegebenen Form einen hohen Grad an Freiheit. 
Das liegt vor allem daran, dass die verwendeten Materialien gleichberechtigt sind und an sämtlichen Positionen im Arrangement vorkommen können. Im Shōka nishu-ike hingegen hat man stets die Abhängigkeit Hauptmaterial (für shin und soe) – Unterstützungsmaterial (nejime). 

Anregungen für die Gestaltung eines Shōka sanshu-ike können entweder vom shō-chiku-bai (dem einzigen klassischen Arrangement mit 3 unterschiedlichen Materialien in einer kabu) kommen, oder man leitet den Aufbau vom Shōka isshu-ike oder Shōka nishu-ike ab. 
Im erstgenannten Fall besteht jede yakueda aus einem anderen Material. Die Herleitung vom isshu-ike bedeutet, dass man ein Pflanzenmaterial für alle yakueda verwendet und die beiden anderen Materialien als ashirai hinzufügt. Die dritte Möglichkeit (abgeleitet vom nishu-ike) besteht aus Material 1 für shin und soe, Material 2 für tai und Material 3 für einen ashirai

Die Blütezeit des modernen Shōka sanshu-ike lag vor der Einführung des Shōka shimpūtai (1977), aber selbst heute erfreut es sich noch großer Beliebtheit. Das liegt vermutlich auch daran, dass man in Japan seine ersten Schritte im Erlernen eines Shōka shōfūtai mit sanshu-ike absolviert. Anders als im Shōka shimpūtai hat man noch eine vorgegebene Form bzw. Regeln, an denen man sich anlehnen kann, und trotzdem große Freiheit im Ausdruck. 

Hinsichtlich der Anthurien muss man sich erst einmal entscheiden, ob man die Topfpflanze verwenden will, die zwar eher kleine Blüten an kurzen Stielen, dafür aber wunderschöne Blätter besitzt. Diese eigenen sich für den Einsatz im chudan- und gedan-Bereich. Nimmt man hingegen Schnittware, zeichnet sich diese zwar durch lange Stiele und schöne, große Blüten aus, allerdings gibt es keine Blätter dazu. Es ist keine gute Idee, die Blätter der Topf-Anthurien mit den großen Blüten zu mischen. Das passt einfach nicht zusammen. 

Im Präsenzunterricht hatten wir neben zwei Schnitt-Anthurien einige Zierquittenzweige und knospige Hollandiris zur Auswahl. Dass die Iris für tai gedacht waren, lag auf der Hand, wie aber die anderen beiden Materialien eingesetzt wurden, konnte jeder nach Lust und Laune (und Eignung des Materials) selbst entscheiden. So entstanden vielfältige Arbeiten. 
Die Beiträge der Hausübungen weisen andere Materialkombinationen auf, wodurch das Ausdrucksspektrum nochmals erweitert wurde. Und zusätzlich zu den geforderten Shōka sanshu-ike hat sich noch das eine oder andere Shōka shimpūtai in die Galerie gemogelt.

Shōka sanshu-ike in unterschiedlichen Kombinationen

Shōka shimpūtai

Mittwoch, 26. Januar 2022

Freestyle 'klirrende Kälte'

Nach gut 2 Monaten Zwangspause konnten wir gestern in der Kleingruppe wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen. Wie es derzeit aussieht, wird es auch im Februar so sein, dass wir den Saal mit maximal 10 Personen belegen dürfen.
Aber immerhin gibt es ja die Möglichkeit der Hausübung, die dann in Form eines Fotobeitrags hier im Blog veröffentlicht wird. Es werden nach und nach sicher noch weitere Bilder eintrudeln.

Das Thema des gestrigen Abends lautete 'klirrende Kälte'. An und für sich der Jahreszeit angemessen, auch wenn wir derzeit von tiefen Minusgraden verschont geblieben sind – zumindest hier im Osten des Landes. 
Freestyle zu einem Thema erfordert immer ziemlich viel Überlegung vorab. Schließlich sollte ein Betrachter, der vielleicht den Titel des Arrangements gar nicht kennt, dennoch die Absicht des Arrangierenden zumindest erahnen können. 

Welche Überlegungen sollte man beispielsweise für die Umsetzung unseres Themas 'klirrende Kälte' anstellen? 
Zuallererst ist da einmal folgender Punkt: Was assoziiere ich überhaupt mit diesem Thema? Wie empfinde ich den Winter und die Eiseskälte? Sind es Stille, Dunkelheit und Einsamkeit, eine harsche Umgebung, in der es trotz allem Leben gibt, das die Ahnung des Frühlings birgt? Oder überwiegt die Freude über viel Schnee und Aktivitäten im Freien? 
Wenn ich mir über meine Gefühle klar geworden bin, stellt sich die Frage nach der Umsetzung des Bildes, das in meinem Kopf entstanden ist. Welches Gefäß verwende ich, welche Farben passen zu meiner Stimmung, arrangiere ich sparsam und zurückhaltend oder mit überbordender Freude und welche Pflanzen und sonstigen Materialien könnte ich dafür verwenden. 
Und schließlich fehlt noch die Technik, die ich für die Umsetzung benötige. Wie befestige ich die Materialien und wie ordne ich sie an, damit sie meine Emotionen bestmöglich rüberbringen. Es steckt also ganz schön viel Gehirnschmalz in einem (guten) Freestyle-Arrangement. 

Da jeder eine andere Idee/Vorstellung mit dem gestellten Thema verbindet, sind natürlich recht vielfältige Arrangements entstanden und unsere TeilnehmerInnen hatten auch Spaß an der Sache. So einen Themen-Abend sollten wir bei Gelegenheit wiederholen.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Hatsu-ike

Unser heuriges Ikebana-Jahr begann leider genauso, wie das letzte geendet hat – mit einer Absage des Übungsabends. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf und freuen uns schon jetzt auf das nächste geplante Zusammentreffen. Außerdem lassen wir uns die Laune nicht vermiesen, arrangieren unser hatsu-ike eben daheim und begutachten die Arbeiten hier im Blog. Die Galerie wird sich hoffentlich nach und nach füllen.