Montag, 20. Februar 2012

Wir bauen Podeste - ein samstäglicher Bastelspaß

Um für künftige Ausstellungen gerüstet und nicht mehr von der Bereitstellung fragwürdiger Tische abhängig zu sein haben wir uns entschlossen, einen Samstag ganz dem Bau von Podesten zu widmen. 
Wir wollten leichte, einfach gestaltete Podeste, die schnell zerlegbar und gut zu transportieren sind. Deshalb entschieden wir uns für ein Stecksystem mit Klemmprofilen für den Fuß und Deckplatten in 2 Größen. Somit können wir die Podestgröße dem Arrangement anpassen. Zusätzlich bauten wir noch 2 große kastenförmige Podeste, die speziell für sehr schwere Arrangements geeignet sind.
Die Plattenzuschnitte und das sonstige Material holten wir gleich in der Früh vom nächstgelegenen Baumarkt und trugen alles in dem Seminarraum der ÖGG. Dort durften wir dankenswerterweise dem Bastelspaß frönen.
Nach einer Stärkung mit Kaffee/Tee und Faschingskrapfen - schließlich war Faschingsdienstag -  wurde fleißig gebohrt, gesägt, geschraubt, gehämmert und gelegentlich geflucht, bis die Rohlinge fertiggestellt waren. Gleichzeitig sorgte die Malertruppe dafür, dass die Podeste in strahlendes Weiß getaucht wurden.
Am Nachmittag war es geschafft: Die fertigen Einzelteile wurden im Gang zum Trocknen aufgestellt und wir konnten uns nach dem Zusammenräumen ins Wochenende verabschieden. Die nächste Ausstellung kann kommen - wir sind gerüstet!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Ein Abend im Zeichen der Tazette

Beim gestrigen Übungsabend beschäftigten wir uns mit einem Arrangement, das zwar einfach aussieht - was sind schon 2 Blüten und 8 Blätter - aber gerade wegen dieser Schlichtheit bereits ein hohes Maß an Ikebana-Können erfordert.
Tazetten (suisen) sind typische Pflanzen des japanischen Winters und nehmen bezüglich ihrer "Wertigkeit" eine sehr hohe Stellung ein. Leider sind die bei uns erhältlichen Sorten nicht mit den in Japan wild wachsenden Pflanzen (suisen wachsen dort wie bei uns die Schneeglöckchen!) vergleichbar. Hierzulande wird nur Wert auf eine üppige Blüte gelegt, was zur Folge hat, dass auch die Blütenstiele sehr dick und teilweise sogar klobig sind. Die Blätter dagegen werden völlig vernachlässigt. Bei japanischen Tazetten sind diese gut 50 cm lang, manchmal auch länger. Bei uns kann man froh sein, wenn sie die halbe Länge erreichen.
Manchmal kann man sich damit behelfen, dass man Blüten von Tazetten und  Blätter von Narzissen (so sie nicht zu breit und schlabbrig sind) miteinander kombiniert. Ist zwar nicht die feine japanische Art, aber in der Not .....
Wir haben gestern ein Denka gearbeitet, das ist eine abgeänderte Form des "normalen" Shôka shofûtai. Die Änderung besteht darin, dass die soe-Blätter vor dem shin stehen und zudem nach vorne zeigen.
Jede suisen-Blüte wird von 4 Blättern begleitet, die genau definierte Längen haben und in bestimmte Richtungen schauen sollen. Da dies bei natürlich gewachsenen Stämme nicht der Fall ist, werden die Pflanzen "ausgezogen" und neu zusammengesetzt. Zuerst entfernt man vorsichtig das Häutchen (hakama), welches den Stamm zusammen hält. Dann zerlegt man die Stämme, sucht passende Blätter und Blüten zusammen und fädelt alles wieder in die hakama ein - fertig ist der optimale suisen-Stiel. Dann stellt man 2 dieser Stämme hintereinander und das war's dann auch schon. Okay, wer einmal an suisen rumgefummel hat weiß, dass es nicht ganz so einfach ist, aber im Prinzip läuft es so ab.
Das Endergebnis ist jedenfalls ein elegantes Arrangement, das den Charakter dieser wunderbaren Pflanze voll zu Geltung bringt.

Montag, 6. Februar 2012

Ein Wochenende in Wollomoos

Unsere Meisterin veranstaltete am Wochenende auf vielfachen Wunsch einen Workshop für fortgeschrittene "Ikebanesen" zum Thema "suna-no-mono". Dabei handelt es sich um ein traditionelles Arrangement, das in unserem Fall mit Kiefern als Hauptmaterial gearbeitet und mit modernen Pflanzen aufgepeppt wurde. Hier gleich einmal das Foto des fertigen Arrangements unserer Meisterin:
Ein suna-no-mono sieht immer spektakulär und beeindruckend aus, speziell wenn viel altes Holz verwendet wird. Besonders bei den Vorlagen alter Meister hat man den Eindruck, dass halbe Wälder in die Gefäße gepflanzt wurden. Üblicherweise arbeitet man 4-5 Tage, bis man alles perfekt hingekriegt hat. Alleine die Vorbereitung von Träger- und Deckplatte, zentralem Stamm und komiwara (das sind die Strohbündelchen, in denen die Pflanzen festgesteckt werden) dauert gut einen Tag. Aus diesem Grund habe ich ein wenig "geschummelt", und bin schon mit fertig vorbereitetem Gefäß angereist.
Der nächste Schritt ist das Vorbereiten der Hauptäste. Da man Kiefern mit der gewünschten Krümmung und Dimension leider nicht so einfach findet, muss man die Linien aus Einzelteilen zusammensetzen und zwar so, dass es im Endeffekt aussieht, als wäre der Ast natürlich gewachsen. Auf dieses Grundgerüst werden dann noch die Nadelzweige montiert. Der große Vorteil von Kiefer ist, dass die Zweige keine direkte Wasserversorgung benötigen, sondern die Feuchtigkeit über die Nadeln aufnehmen. Deshalb reicht täglich mehrmaliges Sprühen aus, um die Zweige frisch zu erhalten. Das Herstellen meines Grundgerüstes hat den ganzen Samstag gedauert. 
Den Sonntag habe ich dann damit zugebracht, die restlichen Linien hinzuzufügen. Da ich ein geteiltes Arrangement angefertigt habe (so wurde es schließlich am Prüfungsbogen verlangt), mussten einige Elemente doppelt vorhanden sein - allerdings aus unterschiedlichen Materialien gearbeitet. Das bedeutete natürlich einen erheblichen Mehraufwand, der sich allerdings gelohnt hat, mir gefällt mein fertiges Werk:
Hier noch einige Impressionen vom Wochenende:
Abendstimmung
so musst Du das machen ....
wie war das jetzt gleich?
 


unsere Meisterin bei der Arbeit









langsam wird es ja etwas .... 



Mittwoch, 25. Januar 2012

Shôka shinpûtai - eine Herausforderung

Der gestrige Übungsabend widmete sich einer modernen Ikebana-Stilrichtung, welche zwar einfach aussieht, aber im Endeffekt doch nicht so ohne Weiteres zu arrangieren ist. Alles drehte sich um Shôka shinpûtai. 
Entwickelt wurde dieser Stil von unserem derzeitigen Headmaster, Ikenobô Sen'ei, in den späten 1970er-Jahren. Es war als ein zeitgemäßes Ikebana gedacht, das dem Umstand gerecht wurde, dass die meisten Menschen nur Zugang zu Pflanzen aus dem Blumenhandel haben. Im Gegensatz zum traditionellen Shôka, bei welchem Pflanzen aus einem Habitat verwendet werden müssen (mal ganz abgesehen davon, dass es auch sonst noch unzählige Regeln zu beachten gilt), können beim Shôka shinpûtai Pflanzen unterschiedlichster Herkunft miteinander kombiniert werden.
Die Regeln sind an und für sich ganz einfach - man kombiniere 3 Materialien und bringe das Arrangement zum Leben - der Teufel liegt aber im Detail. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Materialien sollen diese einerseits einander unterstützen, andererseits sollen aber Kontraste für Spannung sorgen. Wie gesagt, ziemlich verzwickt. Ein Meister hat einmal das Shôka shinpûtai mit dem 100 Meter-Olympiafinale verglichen: Der Lauf selbst ist schnell erledigt, aber bis man soweit kommt.....
Jedenfalls haben wir unsere Aufgabe gar nicht so schlecht gelöst. Spannung, Schwung und trotzdem Harmonie und frühlingshaftes Feeling erfüllte den Seminarraum.

 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Start ins neue Ikebanajahr

 Nach 3 Wochen Pause begrüßten wir das neue (Ikebana-)Jahr mit einem festlichen Arrangement freier Wahl.
Das traditionelle Neujahrsarrangement ist ein klassisches Shôka mit Rotkiefer (matsu), Bambus (take) und blühender Pflaume (ume), welches shô-chiku-bai genannt wird. Bei diesem Arrangement werden drei hochwertige Pflanzen gleichberechtigt verarbeitet - es gibt also kein Haupt- und Nebenmaterial. Diese traditionelle Form ist der Vorläufer des modernen Shôka sanshu-ike.
Hier bei uns lässt sich ein korrektes shô-chiku-bai leider nicht verwirklichen. Abgesehen davon, dass sich ein klassisches Shôka nicht eben so aus dem Handgelenk schütteln lässt, besteht die Schwierigkeit in der Materialbeschaffung:
Kurznadelige Rotkiefer wächst nicht an jeder Ecke und schön geschwungene knorrige Äste lassen sich - ohne Waldfrevel zu begehen - auch nicht leicht finden. Als Ersatzmaterial dienen Latsche oder "frisierte" Schwarzkiefer. 
Winterpflaume ist in unseren Breiten ebenfalls nicht heimisch. Alternativ kann man Blutpflaume oder wilde Zwetschke verwenden, aber da bräuchte man ebenfalls dicke und eventuell mit Flechten bewachsene Äste. Die müssen dann so vorgetrieben werden, dass sie zum richtigen Zeitpunkt gerade am Aufblühen sind - das lässt sich mit einigem Aufwand aber ganz gut hinkriegen.
Das größte Problem stellt der Bambus dar. Gewünscht wäre eine Stammdicke von mindestens 5 cm, dazu kurze, dicht belaubte Seitentriebe, die einem trotz aller Tricks nicht gleich unter der Hand verwelken. Wir müssen uns halt mit wesentlich dünneren Stämmen begnügen, die meist ziemlich lange Seitentriebe aufweisen. Und dass die Blätter sich relativ schnell einrollen, damit muss man leben. Es ist eben ein Arrangement für den Augenblick.
Trotz aller Hindernisse gab es beim gestrigen Übungsabend dann doch ein "europäisiertes" shô-chiku-bai zu sehen. Daneben noch ein Shôka sanshu-ike betsuden (nidan-soe) und mehrere Jiyûka. Alle Arrangements mit zumindest einem der traditionellen Materialien. Alles in allem ein gelungener Start in das neue Ikebanajahr.

  
   
 

Dienstag, 10. Januar 2012

Wintersterne

In kahlen Wintern
hungern Vasen nach Blumen –
mein Herz nach Düften
Dietlinde Heider


In der Zeit vom 8. bis 9. Dezember 2011 fand heuer bereits zum zweiten Mal im Foyer der Donaucity-Kirche unsere Ikebana-Ausstellung statt. Quer durch die Palette des Ikebana gab es Moribana, Nageire, Jiyûka, Shôka shinpûtai, Shôka shofûtai, kake-bana, Rikka shinpûtai und ein Rikka shofûtai zu sehen. Und nicht weil ich selber auch arrangiert habe, bin ich der Meinung, dass uns die Ausstellung gelungen ist. 
Leider hingen an den Wänden ausgestellte Bilder von Malern, die auf Käufer warteten und deshalb durften wir sie nicht entfernen. Auf den Fotos kommen daher  die Arrangements nicht so gut zur Geltung wie sonst. Aber das tat der Blumen- und Farbenpracht keinen Abbruch. Da gab es Amaryllis, Orchideen, Winterrosen, Lilien, Gerbera und tanzende, gepresste Ahornblätter auf silbernen Drähten. Last but not least vorgetriebene rosa Quittenzweige, eine wahre Pracht in der zurzeit tristen und trüben Zeit und vielleicht ein Ansporn für all jene, die nicht dort waren, die nächste Ausstellung zu besuchen.


Bericht: Christa Dreyer 
 
 

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Semesterabschluss

Der letzte Übungsabend dieses Jahres erlaubte uns "Spielereien" nach eigenem Gutdünken. Und siehe da - es wurde größtenteils Jiyûka gearbeitet. Aber auch ein Shôka shofûtai war vorhanden. 
Zimmercalla (Zantedeschia) hat auch zu dieser Jahreszeit Saison, obwohl man die Pflanze eigentlich dem Sommer zuordnen würde. Die Arrangements im freien Stil waren eher jahreszeittypisch gestaltet.
Obwohl natürlich ernsthaft gearbeitet und die Werke auch sorgfältig korrigiert wurden, war der Übungsabend doch mehr auf das anschließende gemütliche Zusammensein ausgerichtet. Dementsprechend locker war auch die Stimmung. Die Teilnehmerinnen steuerten kulinarische Köstlichkeiten bei und wir konnten uns an einem reichhaltigen Buffet gütlich tun.   
Semesterschluss - das ist die Zeit, das vergangene Ikebana-Jahr zu reflektieren und  die nächsten Aktivitäten zu planen. Wir würden uns sehr freuen, wenn neue "Ikebana-Frischlinge" zu unserer Gruppe stoßen würden.