Mittwoch, 12. Februar 2025

Mandelröschen und Palmkätzchen

'Shōka mit Linienmaterial' – so lautete die Vorgabe für unseren Übungsabend. Material konnte entweder selbst besorgt werden, oder man ließ sich vom Inhalt eines Großmarktpakets überraschen. Die Mehrzahl der Damen und Herren hat sich für letztere Option entschieden und sich damit gleich eine Extraportion an Schwierigkeitsgrad eingehandelt. 
Es gab weiße Mandelröschen, aber nicht die langen, geraden Zweige, die man üblicherweise so kennt, sondern relativ wild gewachsene Exemplare mit interessanten Kurven und Verzweigungen. Eine Herausforderung, speziell für die noch nicht ganz so erfahrenen Teilnehmer*innen. 
Da sich auch einige Nachwuchs-Ikebanesen angesagt hatten, wurde zusätzlich Linienmaterial für Freestyle besorgt. Für sie enthielt das Überraschungspaket Palmkätzchen, Anemonen, kleine Santini-Chrysanthemen als Kontrastmaterial und Eukalyptus als Grünzeug, damit die Sache etwas lebendiger wirkte. 

Zu Beginn des Übungsabends, der wieder komplett ausgebucht war, gab es allerdings gleich eine Überraschung – eine liebe Ikebana-Kollegin aus Berlin nutzte ihren Wien-Urlaub, um uns zu besuchen und am Unterricht teilzunehmen. Wir haben uns sehr gefreut, sie wieder einmal zu treffen.

Die Fortgeschrittenen kämpften tapfer mit den Mandelröschen und trugen schließlich den Sieg davon. Beim Transport zum Fototisch ist zwar die eine oder andere Linie noch etwas verrutscht, es konnten aber alle stolz auf ihre Werke sein. 
Beim selbst gesammelten Shōka-Material dominierten Forsythien, aber auch Palmkätzchen waren vertreten. Wegen der nicht vorhandenen Blüten wurden diese Arbeiten nishu-ike gestaltet, mit jahreszeitlichen Tulpen bzw. Rosen für nejime. Bei diesen Arrangements waren die geforderten Linien wesentlich besser zu erkennen als bei den Mandelröschen. 
Die Freestyle-Arbeiten gestalteten sich ebenfalls vielfältig und im Endeffekt konnten sich alle zufrieden auf den Heimweg machen. Man darf gespannt sein, was nach und nach an Hausübungen eintrudeln wird. 
Hier nun unsere gestrigen Werke, zuerst Freestyle und anschließend die verschiedenen Shōka.





Mittwoch, 29. Januar 2025

Landschaftlicher Ausdruck

'Freestyle mit landschaftlichem Ausdruck', so lautete das Thema unseres Übungsabends. Das ließ den Teilnehmenden ziemlich freie Hand, denn sowohl ein naturalistischer als auch designhafter Ausdruck war erlaubt und auch nonflorales Material konnte zum Einsatz kommen. 
Ein Großteil der Anwesenden nahm das Überraschungspaket vom Großmarkt in Anspruch, einige Unentwegte waren hingegen fleißig in der Natur am Sammeln. Aufgrund des Pflanzenangebots am Großmarkt waren unsere Arbeiten sehr frühlingshaft, was aber dem derzeit herrschenden Wetter entsprach: Frühlingshaft-warm im Wiener Becken, während in Restösterreich Winter herrscht. 

Zusätzlich zu Pfirsichzweigen und Narzissen gab es auch eine ungewöhnliche Neuzüchtung von Ranunkeln im Angebot. Neben den typischen kugeligen Exemplaren waren mir bisher nur die Sorten mit den luftigen, trollblumenartigen Blüten und seidig glänzenden Blütenblättern bekannt. Jetzt gibt es Pflanzen mit kleinen, locker gefüllte Blüten, die fast ein wenig an Astrantien (Sterndolden) erinnern – sehr interessant. 
Jedenfalls haben wir diese Ranunkeln als Farbakzent benutzt, da deren Mattrot gut mit den strahlenden Narzissen und den zartrosa Pfirsichblüten harmonierte. 

Obwohl viele von uns dasselbe Material verwendeten, unterschieden sich die Ergebnisse doch deutlich voneinander, da jeder die eigenen Vorstellungen von einer Frühlingslandschaft umsetzte. Unter den bereits eingetroffenen Hausübungen wiederum befanden sich Arbeiten mit und ohne nonfloralem Material, die mehr eine Winterlandschaft spiegelten. 

Nach dem verspielten Jänner mit Schwerpunkt Freestyle geht es im kommenden Monat wieder ernsthafter zur Sache. Da erwarten uns beim Übungsabend und auch beim (bereits fast komplett ausgebuchten) Workshop jede Menge Shōka und zusätzlich ein Rikka. Es beginnt schließlich die Zeit der Blütenzweige, das muss man ausnutzen. 

Hier nun die Bilder unserer Arbeiten.