Montag, 21. Oktober 2024

Herbstworkshop in Passau

Workshop in Passau, diesmal mit voll ausgebuchtem Kurs und Materialbeschaffung in Wien, das ist eine logistische Herausforderung. Schließlich sollen sich nicht nur Koffer und Blumen auf den Weg machen, sondern auch jede Menge Gefäße und sonstiges Zubehör muss irgendwie verstaut werden. 
Es ist kaum zu glauben, wie viele Blumen in einen durchschnittlichen PKW passen, wenn sie von den Profis aus Holland in Kisten geschlichtet werden. Ausgepackt und eingewässert haben sie im Seminarraum im Bildungshaus auf Mariahilf ganz schön viel Platz eingenommen und niemand konnte sich vorstellen, dass sie alle im Auto Platz gehabt haben. Sie waren zudem gut durchgekühlt und haben die dreistündige Fahrt problemlos durchgehalten. 

Auf dem Programm des Herbstworkshops stand neben Freestyle und Shōka auch tatehana, ein Stil, der in der Gruppe bisher noch nicht so häufig gearbeitet wurde. Da einige der Damen ihre Gärten geplündert hatten, konnten wir mit 'wilderem' Material arbeiten und hatten auch Miscanthus zur Verfügung. 
Es gibt für tatehana zwar keine Vorschriften, welche Pflanzen verwendet werden sollen, aber mit Blumen aus der freien Natur sieht das Ergebnis einfach besser aus als mit den hochgezüchten Glashauspflanzen. 
Neben tatehana war für Freitagabend auch noch Shōka sanshu-ike geplant. Nach einer ausführlichen theoretischen Einführung und einer praktischen Demonstration beider Stile gingen die Damen frisch ans Werk und sie waren so vertieft, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Irgendwann tief in der Nacht hat dann doch das Bett gerufen. Aber Samstag sind alle wieder pünktlich und in alter Frische aufgetaucht und wir konnten uns den nächsten Programmpunkten widmen. 

Zuerst nochmal Shōka, diesmal als isshu-ike mit mehrblütigen Chrysanthemen, danach Spielereien in Form von Shōka shimpūtai und zuletzt natürliches Freestyle zum Thema 'Herbst'. Das Chrysanthemenshōka wurde von einigen der Teilnehmerinnen auch klassisch im kubari gearbeitet. 
Für das Shōka shimpūtai gab es zwar zugedachtes Material, allerdings konnte – wie bei allen kreativen Arrangements – frei aus dem vorhandenen Angebot gewählt und kombiniert werden. Auch hier leisteten selbst mitgebrachte Pflanzen gute Dienste. 
Wer nebenbei noch Zeit fand oder reguläre Programmpunkte ausgelassen hat, widmete sich Prüfungsarrangements und speziellen Übungen. Hier entstanden ebenfalls interessante Arbeiten, die ausführlich besprochen wurden.

Erfreulicherweise haben wir abends sogar noch Zeit für gemütliches Zusammensitzen gefunden. So ein Workshop soll ja nicht in Kampf-Ikebana ausarten, sondern auch die Gemeinschaft fördern. Es wurde vom World-Seminar in Kyoto diesen Sommer erzählt und es gab Infos zu geplanten Aktivitäten. Man schwelgte in Erinnerungen (auch an leider bereits verstorbene Freunde und Mitstreiter*innen) und sogar ein bisschen Klatsch und Tratsch fand seinen Platz.

Im Gegensatz zum natürlichen Freestyle wurde zum Abschluss am Sonntag ein kreativerer Ansatz gewählt und ein Arrangement mit mehr designhaften Ausdruck in zwei oder mehr Vasen gearbeitet. 
Nach dem Mittagessen gab es die Nachbesprechung, wobei gleich einmal Wünsche für den nächsten Workshop geäußert wurden. Bis dahin dauert es noch eine Weile, da der nächste Termin erst im Juni kommenden Jahres angesetzt ist. Früher ließen sich mögliche Termine und Raumverfügbarkeiten bedauerlicherweise nicht unter einen Hut bringen. 
Nach dem Aufräumen machten wir uns auf den mehr oder weniger langen Heimweg. Die Zeit ist wieder viel zu schnell verflogen, aber an unseren Arbeiten können wir uns wenigstens noch ein paar Tage erfreuen. Und als Erinnerung bleiben uns immer noch die Fotos, auch wenn sie ein reales Arrangement nicht ersetzen können. 
Hier nun ein kleiner Überblick über die entstandenen Arbeiten.

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Shōka mūkō-gake

Obwohl durch die derzeit grassierende Erkältungswelle personell ziemlich geschwächt, haben wir uns gestern an eine Ikebana-Form herangetastet, die wir im regulären Unterricht bisher noch nicht behandelt haben. Es handelt sich um henka-kei, eine veränderte Shōka-Form, genauer gesagt um ein mūkō-gake. Diese reduzierte Form eignet sich gut als Übung für spätere Sonderformen wie Mond oder den oberen Teil eines nijū-ike

Ein mūkō-gake ist ein Ikebana, das den Eindruck von Pflanzen vermittelt, die auf einer steilen Klippe wachsen und ihre Triebe ausschwingen oder herabhängen lassen. Der shin wird also nicht aufrecht, sondern kaskadierend gearbeitet und soe bildet das aufstrebende Gegenstück. 
In den meisten Fällen hängt mūkō-gake an der Rückwand der tokonoma und man verwendet Körbe oder spezielle Hängegefäße dafür. Man kann es aber auch in schlanken, hohen (Bambus)Vasen arbeiten, die auf dem Boden der tokonoma (oder auf einem Tisch) stehen. 
In modernen mūkō-gake-Gefäßen kann man sogar im kenzan arrangieren und muss sich nicht mit einem kubari herumplagen. Allerdings wird der Fuß im kubari wesentlich eleganter. 

Da es in den meisten Ikebana-Haushalten schlichte, zylindrische Vasen gibt, haben wir solche Gefäße für das Erarbeiten der Grundform verwendet. Unsere kleinen kenzan, die in die Vasen hineinpassen, sind leider alle recht grob genagelt, weshalb wir doch ziemlich mit der Materie gekämpft haben. Als Zweigmaterial hatten wir nämlich rosa Schneebeere zur Verfügung und deren Stiele waren extrem dünn. 
Vermutlich hätten wir uns mit kubari leichter getan, aber eine neue Form üben und gleichzeitig kubari verwenden, das kann abschreckend wirken. 

Es war sowieso relativ schwierig, entsprechend überhängende Zweige aufzutreiben, da die Stadtgärtner überschwänglichen Gebrauch von ihren Heckenscheren gemacht und die wunderbar schwingenden Schneebeerenhecken gnadenlos zurechtgestutzt haben. Jetzt zieren korrekt getrimmte Hecken die Straßenränder und nur gelegentlich konnte sich ein etwas längerer Zweig dem Schnitt entziehen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um passendes Material zu schneiden. Aber da die Vasen in der Regel sowieso nicht besonders groß sind, haben wir unser Auslangen gefunden. 
Für nejime haben wir kleine, leuchtend gelbe Santini-Chrysanthemen genommen. Eine der Damen hat sehr schöne Spirea gefunden und sie mit dunklen Chrysanthemen kombiniert.
Außerdem hat eine weitere Teilnehmerin die Gelegenheit genutzt und mit schönen großen Chrysanthemen klassisch im usubata arrangiert.

Es war ein sehr konzentriertes Arbeiten und nach einigen Anläufen und viel Gegrummel über nicht stehen bleibende Zweige haben wir passable Ergebnisse erzielt. Für einen ersten Versuch gar nicht schlecht. Der Transport zum Fotoplatz hat allerdings wieder einige Linien ein wenig durcheinandergebracht. 
Lassen wir uns überraschen, was an Hausübungen eintrudeln wird.

die 'Vorlage'....
.... und die erarbeiteten Ergebnisse
Chrysanthemen-Shōka

Hausübung isshu-ike mit hagi....
.... und weitere Arbeiten

Sonntag, 6. Oktober 2024

Lange Nacht der Museen

An diesem Samstag ging die bereits 24. Ausgabe der vom ORF ins Leben gerufenen Langen Nacht der Museen über die Bühne. Auch in diesem Jahr hat das Gartenbaumuseum mitgemacht und gedachte der Jubiläen der beiden internationalen Gartenschauen in Laxenburg (1974) und im Donaupark (1964). 

Die ÖGG beteiligte sich mit einer kleinen Ikebana-Ausstellung im oberen Stock der Orangerie Kagran. Wir arrangierten bereits am Freitag und gestalteten unsere 8 Arrangements so, dass sie auch ohne ständige Betreuung überleben würden. Allerdings gab es als Neuerung diesmal einen kleinen Infostand der ÖGG neben unserem Ausstellungsbereich, also waren unsere Arbeiten irgendwie doch bewacht. Zudem haben wir unseren Ausstellungsfolder aktualisiert und aufgelegt, damit sich Besucher*innen auch ohne Erklärungen zurechtfinden.
Wenn wir im Vorfeld gewusst hätten, dass es keine Tombola gibt und der Vernissagenraum frei ist, hätten wir unsere Ausstellung etwas größer aufgezogen. So haben wir uns auf den Vorraum beschränkt, wo wir unsere Werke entlang des Geländers und vor dem Eingang zum Vernissagenraum aufgestellt haben. 

Am Freitag waren die Aufbauarbeiten im Schulgarten und im Museum noch voll im Gange. Wie immer soll der Großteil der Veranstaltung im Freien stattfinden und der romantisch beleuchtete Schulgarten und die Feuerschalen im Hof zählen zu den Höhepunkten. Hoffentlich ist das Wetter am Samstagabend besser, Freitag sah es durch Dauerregen eher trist aus. Warten wir ab, die Vorhersagen sind leicht positiv.
Hier nun die Bilder unserer Arbeiten mit Schwerpunkt Freestyle. Aber auch 2 Shōka shimpūtai waren vertreten.

Sonntag, 29. September 2024

Wochenend-Workshop in der ÖGG

Der Herbst-Workshop in der ÖGG in Wien hat uns ein intensives Ikebana-Wochenende beschert, das uns außer Rikka shōfūtai alle derzeit aktuellen Ikebana-Stile nähergebracht hat. Da wir diesmal eine kleinere Truppe waren, konnte jede einzelne Teilnehmerin sehr ausführlich betreut werden. 

Begonnen haben wir am Freitagnachmittag mit Rikka shimpūtai, wofür uns eine schöne Auswahl an Herbstmaterialien und Gräsern zur Verfügung stand. Dadurch entstanden vielfältige Arbeiten und jedes Arrangement besaß seinen eigenen Charme. Wer wollte, widmete sich offenen Punkten auf den Prüfungsbögen, wobei unter anderem ein entzückendes modernes Shōka nana-kusa gearbeitet wurde. 

Am Samstag ging es erst mit tatehana los, danach folgten ein Chrysanthemen-Shōka – wahlweise isshu-ike oder mit einem nejime aus kleinen Santini-Chrysanthemen – und ein modernes Shōka maze-ike mit drei Materialien. 
Da leider in letzter Minute mit den am Großmarkt verfügbaren Pflanzen jongliert werden musste (es gab einfach keine farblich zum Enzian passenden kleinen Sommerastern und Blau-Lila zu Blau hätte seltsam ausgesehen), fiel das Arrangieren mit dem Alternativmaterial in die Kategorie anspruchsvoll bis schwierig. 
Die fusseligen weißen Herbstastern waren ziemlich wild gewachsen und besaßen extrem dünne Stiele, wodurch sie sogar im kusa-mono-kenzan schlecht zu fixieren waren. Aber die Damen, die sich für dieses Arrangement entschieden, haben die Sache bravourös gemeistert. Zum Ausklang des Tages stand Shōka shimpūtai auf dem Programm. 

Wie meistens am Workshop-Sonntag lag der Schwerpunkt auf Freestyle. Passend zum Herbstmaterial und den verfügbaren Gräsern wurde kreativ im Körbchen gearbeitet, danach gab es ein geteiltes Arrangement mit Montbretien als Hauptmaterial und ein Freestyle mit kleinen Sonnenblumen. 
Die knallig-pinkfarbenen Celosien, die als Kontrastmaterial dienten, waren nicht gefärbt, sondern wiesen von Natur aus diese ungewöhnliche Farbe auf. Manchmal gibt es eben auch schräge Materialkombinationen, schließlich soll die Fantasie angeregt werden. 
Die Zeit ist wieder viel zu schnell vergangen und gerade als wir so richtig im Flow waren, mussten wir auch schon wieder zusammenpacken und aufräumen. Für Wien war das in diesem Jahr der letzte Workshop, der nächste steht erst wieder im Februar auf dem Programm. Aber im Oktober gibt es immerhin eine weitere Workshop-Gelegenheit in Passau. 

Hier nun ein kleiner Einblick in die entstandenen Arbeiten, immer nur wenige Beispiele je Arrangement-Typ.