Mittwoch, 14. Oktober 2015

Mondfest in der ÖGG



Der letzte Übungsabend knapp vor dem Seminar mit unserer japanischen Meisterin bescherte uns die nähere Beschäftigung mit dem 2. Mondfest jusan-ya. Dieses wird, anders als das Mondfest jugo-ya – das auch als Mondbetrachtung (tsukimi) bekannt ist – im Oktober gefeiert und hat mehr den Charakter eines Erntedankfestes. Andere Namen für dieses Fest lauten atono-tsuki (später Mond) oder kuri-meigetsu (voller Kastanienmond). In Kyoto wird diese Nacht besonders gerne am Osawa-Teich auf dem Gelände des Daikoku-ji verbracht. 
Um den Charakter eines Erntefestes zu verstärken, wird gerne mit früchtetragenden Zweigen gearbeitet. Allerdings sollte man sich auf kazai mit kleinen Früchten beschränken und diese auch nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Schließlich bedeutet eine Frucht ja auch das Nahen des Endes des (Wachstums)Zyklus. Eine Besonderheit stellen Arrangements mit Zweigen der Edelkastanie (mit Blättern und den stacheligen Früchten) dar. Diese sind zur Zeit dieses Mondfestes gerade in ihrer schönsten Phase und dienen als Symbol für die gute Ernte des Jahres. 
Fehlen sollten bei keinem Arrangement zum Mondfest Miscanthus oder Schilf, wobei besonders die Wedel den Jahreszeitcharakter betonen. Auch andere Herbstgräser werden gerne verwendet. Schon seit den Zeiten von Karl Foerster, eines bedeutenden Gärtners und Staudenzüchters, gelten schließlich die Gräser als Königinnen des Herbstes (zumindest in unseren Breiten).  Chrysanthemen (vorzugsweise in weiß oder gelb) oder andere Herbstblumen geben den Arrangements die nötige Farbe und vertiefen noch den Eindruck des Herbstes.
Unser Übungsabend war gestern wieder überaus gut besucht und wir konnten uns nach dem Einführungs-Workshop Anfang des Monats über einen Neuzugang zu unserer Gruppe freuen. Auf diesem Weg noch einmal herzlich willkommen! Die Mädels haben wieder toll gearbeitet und vom traditionellen Shōka shōfūtai über Shōka shinpūtai bis zu Jiyūka überaus vielfältige Arrangements präsentiert. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass das Seminar mit unserer Meisterin, das an diesem Wochenende stattfindet, gut über die Bühne geht. die Vorbereitungen dazu laufen schon auf Hochtouren und die Blumenbestellungen sind in Bearbeitung.
Ein weiteres Ikebana-Highlight dieses Wochenendes stellt die Jubiläumsausstellung "30 Jahre Ikebana International Vienna Chapter #223" in den Räumlichkeiten der Studiogalerie im 19. Bezirk dar. Manchmal ist es wie verhext - erst gibt es große Pausen zwischen den Veranstaltungen der verschiedenen Gruppen, dann wieder kumuliert alles an einem Termin.....


 
 Shōka shōfūtai sanshu-ike und nishu-ike

 Shōka shinpūtai ...

... und Jiyūka
 
 

Sonntag, 4. Oktober 2015

Wochenendworkshop Rikka und Jiyūka


Dieses Jahr hat sich das Gartenbaumuseum entschlossen, nicht an der langen Nacht der Museen teilzunehmen. Stattdessen fand ein mehrtägiges Schulgartenfest statt. Im Zuge dieses Festes war auch ein Ikebana-Workshop für Neueinsteiger in der ÖGG geplant. Wir nutzten die Gelegenheit und verbanden den Anfängerkurs mit einem Seminar für Fortgeschrittene zum Thema Rikka shōfūtai. Mit gesamt 14 Teilnehmerinnen, darunter 4 Neueinsteigerinnen am Samstag, war dieser Workshop überaus gut besucht.
Der Freitag stand im Zeichen einer intensiven Rikka-Einführung, da es für 4 unserer Damen die erste Begegnung mit Rikka war. Das Arrangement wurde Schritt für Schritt aufgebaut und jede Linie genau erklärt. Zwei der fortgeschrittenen Damen beschäftigten sich inzwischen mit Eigenentwürfen von Rikka shinpūtai.
Am Samstag begannen die Rikka-Damen mit ihren eigenen Arrangements, während für die Neueinsteigerinnen 3 Jiyūka vorgezeigt wurden. Zuerst ein natürliches Arrangement im Moribana-Stil aus Eisenhut, Miscanthus und Chrysanthemen. Danach eine moderne Form naname-no-hana mit Schwerpunkt Linie, die mit Schachtelhalm, Gerbera, Eustoma, Euonymus, Hypericum und Goldrute gearbeitet wurde. Zuletzt eine abstrakte Form mit gefalteten Typhablättern, Chrysanthemen und Freesien als Hauptmaterialien und etwas Kleinkram zur Akzentuierung. Dieses Arrangement wurde im Halbstock vor der ÖGG vorgeführt, damit sich auch die Besucher des Schulgartenfestes eine Vorstellung von Ikebana machen konnten.
Neben den Neueinsteigerinnen beschäftigten sich auch diejenigen Fortgeschrittenen, die kein traditionelles Rikka arbeiteten, ebenfalls mit Jiyūka bzw. mit Shōka shōfūtai und shinpūtai.
Die Rikka-Damen waren überaus zäh und kämpften sich durch die Materie. Keine vom Nachwuchs warf das Handtuch und alle stellten ihr Rikka fertig – Kompliment, eine überaus beachtliche Leistung, die höchstes Lob verdient!
Nach der abschließenden Fotorunde und dem obligaten Aufräumen machten wir uns rechtzeitig zum Ende des Schulgartenfestes um 18:00 auf den Heimweg. Immerhin lädt der Sonntag zum Erholen ein. 

 
 die "Vorführarrangements"
 
 Rikka shinpūtai

 
 Shōka shōfūtai und shinpūtai

 diverse Jiyūka

 die Rikka ...

... und die Jiyūka der Neueinsteigerinnen