Donnerstag, 21. Februar 2013

Letzte Seminarvorbereitungen

Beim gestrigen Übungsabend waren wir sowohl durch den ungewohnten Mittwoch-Termin als auch durch die grassierende Grippewelle ziemlich dezimiert. Trotzdem nutzten wir die letzte Gelegenheit vor dem Seminar in Puchberg/Wels für geplante Prüfungen zu üben. Das traditionelle Frühlingsseminar bietet immer gute Gelegenheit, sich mit Blütenzweigen auszutoben und speziell klassische Shôka-Formen zu arrangieren. Gestern aber lag der Schwerpunkt auf Moribana in der aufrechten Form mit Forsythien und Tulpen. Dazu kamen noch einige frühlingshafte Shôka shinpûtai.
Die Tulpen hatten es diesmal wieder in sich: Sobald sie aus dem Bund befreit waren, begannen die so schön straff aussehenden Blätter der Schwerkraft zu folgen und sich nach unten zu falten. Die Blütenköpfe drehten sich mit schöner Regelmäßigkeit in die andere Richtung, dass also durch Drehen der Blume (um die Blätter nach oben zu kriegen) nicht geschummelt werden konnte. Denn dann zeigten leider die Blüten nach unten - und das geht schon mal gar nicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Hängeblätter zu entfernen und Extrablätter vor die Blüten zu stellen. Zwar nicht die feine Art, aber in der Not ......

 
 

Sonntag, 10. Februar 2013

Ein Meer von Blütenzweigen

Vergangenen Freitag und Samstag war wieder einmal Workshop-Zeit: In der ÖGG beschäftigten wir uns - wie in jedem Frühjahr - mit Ikebana mit Blütenzweigen. Die Fortgeschrittenen schleppten schon seit Tagen die Kübel mit den vorgetriebenen Zweigen von der Kälte in die Wärme und umgekehrt, nur damit die Zweige zum optimalen Zeitpunkt verarbeitet werden konnten. 
Ein Schwerpunkt des Workshops lag auf klassischem Shôka, aber auch Shôka und Rikka shinpûtai wurden fleißig geübt. Jetzt ist die Jahreszeit für all die Shôka-Sonderformen, die man das ganze Jahr über in Ermangelung passenden Materials eher nicht in Angriff nimmt. An allen Ecken und Enden wurden kubari geschnitzt, Zweige zurecht gebogen, Linien in den Gefäßen verkeilt und gelegentlich hörte man auch den einen oder anderen nicht unbedingt druckreifen Ausdruck, wenn alles wieder auseinander gefallen oder gekippt war.
Für unseren Nachwuchs gab es am Freitag eine Einführung ins Shôka shofûtai und am Samstag wurde wieder fleißig Jiyûka in der neuen Form geübt. Da Zweige für ein erstes Shôka nicht unbedingt das einfachste Material sind - abgesehen davon, dass am Großmarkt wieder einmal keine langen Pfirsichzweige erhältlich waren - nahmen wir mit Liatris Vorlieb. Damit lässt sich wunderbar ein Linienshôka üben und die Stiele sind auch recht gut formbar. Ich muss sagen, die Damen haben sich wacker geschlagen und sehr schöne Erstlingswerke abgeliefert. Den Jiyûka-Arrangements vom Samstag merkte man die gesammelte Erfahrung dann bereits deutlich an. Die Ergebnisse wurden immer besser und im Endeffekt waren alle sehr zufrieden. Auch die Fortgeschrittenen konnten sehr stolz auf ihre Werke sein. So viele gelungene klassische Shôka auf engem Raum versammelt findet man selten. Um die Bilderflut in Grenzen zu halten, wird von jeder Teilnehmerin des Workshops nur ein Arrangement veröffentlicht. Allerdings erhalten alle Damen eine komplette Zusammenfassung des Workshops zugesandt.

  
 
 

Mittwoch, 6. Februar 2013

Ikebana mit Ginster

Der gestrige Übungsabend war nach dem Abenteuer "klassisches Rikka in Wollomoos" richtiggehend eine Erholung. Diesmal verarbeiteten wir Ginster in Jiyûka- und Shôka-Arrangements. Da sich die Zweige gut biegen und formen lassen, ist Ginster ein gutes Übungsmaterial. Für das Jiyûka unseres Nachwuchses kombinierten wir die Zweige mit großblumigen Anemonen und zarten Mimosen und arbeiteten eine aufrechte Moribana-Schulform. Für die Fortgeschrittenen war eigentlich Shôka sanshu-ike vorgesehen, aber einige der Damen wollten trotzdem Jiyûka - auch in der neuen Form - üben. Im Endeffekt waren wieder viele frühlingshafte Arrangements im Raum versammelt. Da haben wir uns gleich einen Gusto für den Blütenzweige-Workshop am Wochenende geholt.



Montag, 4. Februar 2013

Rikka-Workshop in Wollomoos

Vergangenes Wochenende fand wieder einmal der schon traditionelle Workshop im Studio unserer Meisterin in Wollomoos statt. Frau Prof. Pointner-Komoda hat diesmal Unterricht im klassischen koten-Rikka für uns auf das Programm gesetzt. Diese alte Form des Rikka zeichnet sich durch wesentlich mehr Natürlichkeit und Kreativität aus, als es das streng geregelte Meiji-Rikka zulässt.
Klassisches Rikka im Winter bedeutet auch Kiefer, weshalb wir bereits die letzten Wochen mit der Suche nach passenden Ästen verbracht hatten. Strafverschärfend kam natürlich das Wetter hinzu: Der Tiefschnee hat die Suche nicht gerade vereinfacht. Allerdings konnte durch Schneebruch auch der eine oder andere Ast erbeutet werden, der sonst außer Reichweite geblieben wäre. Im Endeffekt ist dann eine große Tasche voll Holz und eine weitere mit Kieferngrün zusammengekommen. Das Gewühl im Schnee hat sich also doch gelohnt.
Voll bepackt ging es Richtung Deutschland, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: Ich habe zwar ein klassisches Gefäß im Stile von Senko II, aber die Öffnung ist so verdammt klein, wie soll das ganze Holz da nur reinpassen? Im Studio unserer Meisterin angekommen wurden erst mal die Zweige verstaut und die diversen Werkzeuge fein säuberlich zurechtgelegt. Wenn ein kimono-Rikka gearbeitet wird, geht es immer ein wenig zu wie in einer Tischlerwerkstatt: Da wird gesägt, gebohrt, geschraubt und geraspelt, Holzspäne fliegen durch die Gegend und in der Luft liegt der Duft nach frischer Kiefer.
Erst einmal wurde der shin-Ast ausgesucht und zurechtgestutzt, dann wurde der Holzstab für den Fuß festgeschraubt und zurecht geschnitzt. Schließlich noch die Krone mit dem Grün behübschen: Fehlende Äste einsetzen, Linien wenn nötig drahten und zurecht biegen und die Nadeln frisieren - es soll ja schön gepflegt und möglichst natürlich aussehen. Sobald der shin-Ast fertig ist, das gleiche Spielchen mit dem nagashi durchziehen und schließlich beide Linien ins komiwara stecken. Jetzt noch den uke montieren und die Pfirsichzweige für soe und mikoshi dazu stellen, schon ist der erste Tag vorüber. Abends noch einen Abstecher zum Abendessen in den Nachbarort und dann ab ins Bett und Kräfte sammeln für den nächsten Tag.
Am Sonntag dann die Linien der Zentralachse vorbereiten und arrangieren. Diese Elemente brauchen, ebenso wie die Pfirsichzweige, Wasser und müssen deshalb entweder direkt ins komiwara gesteckt oder über einen ukezutsu damit versorgt werden. Trotz des gewünschten natürlichen Ausdrucks muss eine ganze Menge Draht eingesetzt werden, bis die Linien harmonieren. Wenigstens gibt es keine so strengen Regeln, was die Höhe der Abgänge und die Position der einzelnen Elemente betrifft. Wichtig ist nur der harmonische und natürliche Gesamteindruck. Erstaunlich, wie viel Kreativität ein koten-Rikka zulässt! Schließlich noch die letzten fehlenden Elemente hinzufügen und alles noch einmal kontrollieren. Dann kann zumindest ein Großteil des Chaos beseitigt und der Arbeitsplatz aufgeräumt werden. Schließlich soll sich das Arrangement für die Korrektur im besten Licht zeigen. Da Prof. Pointner schon zwischendurch immer Anregungen gegeben und Korrekturen durchgeführt hat, war am Ende nicht mehr allzu viel zu korrigieren. Da hieß es dann nur noch Fotos machen, alles wieder ins Auto schaffen und das Arrangement vorsichtig nach Hause transportieren. Gegen Mitternacht ist ein wunderbarer Workshop wieder zu Ende gegangen.
Eines darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Herr Dr. Pointner hat uns mittags mit wunderbaren, mehrgängigen Menüs verwöhnt. Allein das ist immer wieder eine Reise wert!
Hier noch das Bild von meinem Arrangement, ein noki-jin-Rikka mit hohem Abgang des nagashi, damit die schwingende Linie besonders zur Geltung kommt. Dazu uchi-mikoshi, um den uke zu betonen und freien Raum zu schaffen. Der zarte soe wird durch das seitlich geneigte große biwa-Blatt der ôha-Gruppe betont. Die Chrysanthemen in Höhe des eigentlichen nagashi bilden den Abschluss zum Gefäß.


Hier noch das Arrangement eines weiteren Mitgliedes unserer Gruppe. Es ist ein sugu-shin-Rikka mit junger Kiefer als Hauptelement. Die relativ stark nach oben strebende Form wird durch den schwingenden soe aus Trauerweide und den kräftigen uke aus Pfirsichblüten abgemildert. Das kräftige Gefäß erfordert einen stärker ausgeprägten und maeoki als bei meinem Arrangement. Dafür sind die ôha schmaler und kleiner gehalten, was wiederum die Verjüngung nach oben hin unterstützt.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Ein duftender Übungsabend

Der vergangene Übungsabend war ziemlich geruchsintensiv, denn er stand im Zeichen von suisen. Die Tazette (Narcissus tazetta) ist eine in Japan heimische Pflanze, die dort wild wächst, wie bei uns die Schneeglöckchen. Im Unterschied zu den im Blumenhandel erhältlichen Sorten haben die Wildformen sehr lange und vor allem stabile Blätter. Wir können schon froh sein, wenn wir Pflanzen mit 30 cm Blättern und ausreichend langer hakama auftreiben können. Speziell ab Februar gibt es zwar die schönen dunkel-gelben Blüten, aber die Blätter sind - wenn man Pech hat - gerade mal 10 cm lang. Diesmal hatten wir aber Glück: Cremefarbene Blüten mit gelber Mitte (im Japanischen nennt man diese Sorte "Goldkelch auf Silbertablett"), gerade, lange Blätter und das auch noch in genügender Anzahl - einem Denka stand daher nichts mehr im Weg.
Einfach schnell die bestehenden Stämme zerlegen, 8 passende Blätter, 2 Blütenstiele und 2 hakama aussuchen, die Stämme wieder zusammensetzen, im Gefäß aufstellen und zurecht biegen - fertig ist das Arrangement. Unsere Juniorinnen hatten da etwas mehr zu tun. Sie übten ein vorfrühlingshaftes Moribana mit Cornus-Zweigen, Tazetten und Anemonen.
OK, ganz so einfach ist ein Denka nicht zu arrangieren, schließlich handelt es sich bei dieser Form um eine spezielle Überlieferung, die früher nur vom Meister an seine Meisterschüler weitergegeben wurde. Beim Ikebana ist es oft so, je schlichter und "einfacher" ein Arrangement wirkt, desto schwieriger ist die Umsetzung. Aber da wir Tazetten jedes Jahr im Programm haben, ist immer wieder ein Fortschritt bei den Übungen zu beobachten.
Am Ende des Abends war der Raum vom Tazettenduft erfüllt und 13 Arrangements vermittelten uns eine Ahnung vom kommenden Frühling. Eines ist mir bei der Fotorunde leider wieder durch die Lappen gegangen :-(

 
 

Mittwoch, 9. Januar 2013

Jiyûka zum Jahresbeginn

Gestern begrüßten wir das neue Ikebanajahr mit einem Jiyûka, das Elemente des traditionellen Neujahrsarrangements - shô-chiku-bai - und andere Glück verheißende Symbolpflanzen enthalten sollte. Ein shô-chiku-bai besteht aus Kiefer, Bambus und vorgetriebener Winterpflaume und steht für langes, erfolgreiches Leben und die Fähigkeit, sich gegen Widrigkeiten zu behaupten. Die Kiefer als immergrüne Pflanze symbolisiert das Leben schlechthin, der Bambus als Gras breitet sich schnell aus und besiedelt erfolgreich neue Gebiete und die Winterpflaume trotzt Eis und Schnee und treibt aus knorrigen Ästen frische, zarte Blüten.
Da wir das Jahr gemütlich und nicht gleich mit einem komplizierten klassischen Shôka beginnen wollten - das blüht uns spätestens bei den kommenden Workshops - haben wir uns für Jiyûka entschieden. Winterpflaume ist bei uns nicht erhältlich, also sind wir auf andere Blütenzweige ausgewichen. Ein zusätzliches glückbringendes Element sind rote Beeren, die für Reichtum stehen (wer kann den nicht gebrauchen). Ursprünglich sind es die Beeren von nanten (Nandinia, auch Heavenly Bamboo genannt) und omoto (Rhodea japonica, ein Aronstabgewächs). Wir haben uns mit Hagebutten, Ilex und Hypericum begnügt. Um ein wenig Farbe ins Spiel zu bringen und um den Frühling herbeizurufen, haben wir teilweise Frühlingsblumen benutzt. Einige von uns betonten auch den festlichen Charakter des Arrangements und verwendeten "edle" Blumen in Kombination mit den Symbolpflanzen.
Jedenfalls hatten wir viel Spaß beim Arrangieren und haben somit das neue Ikebanajahr gebührend begrüßt. Möge es erfolgreich weitergehen.