Kristin habe ich, wie die meisten von uns, durch Ikebana kennengelernt.
Eine Zeit lang bin ich regelmäßig mit ihr zum Ikebana-Unterricht zu Frau Prof. Pointner-Komoda nach Wollomoos gefahren. Wenn ich sie morgens zu Hause abgeholt habe, stand sie pünktlich vor der Tür und hatte gefühlt den halben Garten mitzunehmen: lange und ausladende Zweige, dazu viele Blumen. Ihre Arbeiten hatten eine Tendenz, groß zu sein und waren kreativ.
Kreativität war sicher neben dem handwerklichen Können eine ihrer Stärken.
Sie war immer anpackend, sah, wo eine Hand fehlte. Sie war großzügig, zum Beispiel beim Verleihen von Podesten oder in der Weitergabe von Pflanzensetzlingen. Sie hatte aber auch ihre eigenen Vorstellungen, so wurde zum Beispiel ein Moosgarten konzipiert.
Ikebana hat sie als Teenager zu lernen begonnen, zusammen mit ihrer Mutter an der VHS Würmtal bei Frau Prof. Pointner-Komoda.
Nach einer Pause hat Kristin sich im vergangenen Jahr wieder intensiv dem Ikebana zugewandt. Im Herbst 2025 hat sie es genossen, mit der Ikenobo Study Group Bern unter der Leitung von Kyoko Ulrich-Kajita im Stammhaus des Ikenobo Ikebana in Kyoto, Japan, an einem Seminar teilnehmen zu können.
Im Februar dieses Jahres ist sie mit mir nach Wien zum Workshop gefahren. Als ich sie auf der Rückfahrt fragte, warum sie während der Ikebana-Arbeiten keine Pause eingelegt hat, antwortete sie: "Ich fand alles so spannend!"
Nach dem Seminar von Andrea in Passau war es für Kristin ein Highlight, endlich zu verstehen, was ein gutes Tatehana ausmacht.
Ganz wichtig war ihr die eigene Familie. Viele Traditionen hat sie von ihrer Mutter übernommen und weitergeführt. Im vergangenen Jahr war die Freude groß über den Nachwuchs in der Familie.
Kristin hatte auch eine Schwäche für Hüte und bunte Mäntel. Außerdem war sie eine Opernfreundin und immer offen für jegliche Art von Kunst und Kultur.
Eine große Künstlerin hat die Bühne verlassen.
Anne, im Juni 2026
Im HQ in Kyoto, Herbst 2025
Alles von einem Spaziergang durch Feld und Flur
für die Ausstellung im Botanischen Garten München, Juni 2023


2 Kommentare:
In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni öffne ich nach langer Zeit wieder die Ikenobo-Seite – neugierig auf einen Unterrichtsort in meiner Nähe.
Und dann lese ich: In Memoriam Kristin.
Ich kannte Kristin seit unseren Teenagerjahren. Wir saßen gemeinsam im Unterricht bei Pointner-Sensei in Planegg. Eine Zeit lang beschritten wir den Kado gemeinsam, dann trennten sich unsere Wege – um uns in einer noch jungen Lebensphase wieder zu begegnen, bevor wir uns schließlich aus den Augen verloren.
Was mir von ihr in Erinnerung geblieben ist: eine Frau mit Bodenhaftung und Wärme, neugierig, engagiert, mit einem klaren, reflektierten Blick auf die Dinge – die junge Kreative. Und vielleicht macht das diese Nachricht so unwirklich. Mit 60 Jahren geht man viel zu früh.
Dass ich diese Nachricht so unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung gefunden habe, fühlt sich nicht wie Zufall an – es ist ein letztes kleines Zusammentreffen.
Robuste Zweige –
auch das Starke bricht einmal.
Stille im Sommer.
Sanja
Liebe Sanja,
Ja, es ist sehr traurig, dass Kristin so schnell gegangen ist. Kurz zuvor haben wir uns noch beim Seminar in Passau gesehen und sie wirkte zufrieden. Das ist jetzt schon der 2. Verlust innerhalb kurzer Zeit für unsere Gruppe. Auch Gisela ist viel zu früh gegangen.
liebe Grüße, Andrea
Kommentar veröffentlichen