Montag, 18. Mai 2015

IBV-Kongress - Abschlussdemo

Bevor sich Sonntagmittag der Tross Richtung Heimat in Bewegung setzte, durften wir noch eine Demonstration von Vertretern von 4 Ikebana-Schulen genießen. Leitthema des Vorführung war die Pfingstrose, die sich in allen gezeigten Arrangements wiederfand.
Den Anfang machte Frau Regula Maier, assistiert von Frau Monika Nussberger, die als Vertreter der Misho-Schule das Thema ihrer Workshops konsequent weiterverfolgten: Eine große Plexiglaswanne, darauf ein Quader aus Metallgitter. In diese "Steckhilfe", die gleichzeitig Gestaltungselement war, wurden blassrosa Pfingstrosen, Buchenzweige, weiße Freesien und violett-rote Sterndolden gefädelt und mit einigen Gräsern aufgelockert. Das Gittergeflecht wurde noch mit einigen bunten Papierstücken versehen und fertig war das erste Arrangement.

 

Danach arrangierten Eduard Helfer und Nobuko Moser-Maruyama eine Kombination aus Vasen- und Schalenarrangement im Stil von Kagei Adachi-Ryu. Zuerst befestigte Herr Helfer Buchenzweige in einer zylindrischen Vase, die mit gelben Strauchpäonien ergänzt wurden. Dann übernahm Sensei Moser und arbeitete das korrespondierende Schalenarrangement, diesmal mit roten Bauernpfingstrosen zur Buche.

 

Angelika Löchelt als Vertreterin von Ichiyo-Ryu zeigte eine weitere Variante von Hana-Tsuitate, den Blumen im Rahmen. In einem Holzrahmen waren zwei zylindrische Vasen befestigt. Zuerst bildeten Buchenzweige - die gab es im angrenzenden Wald zur Genüge - die Außengrenzen des Arrangements. In den Vasen wurden wunderbare, lachsfarbene Staudenpfingstrosen, und zwar eine einfach-blühende Sorte, zur Geltung gebracht. Dazu als Kontrast grüne Knopfchrysanthemen und zarte Hirse.


Den Abschluss bildete Gaby Zöllner-Glutsch von der Stuttgarter Ikebana-Schule. Auch sie verfolgte das Thema ihrer Seminare "Vom Quadrat zum Kubus" weiter. Zuerst wurde ein dicht belaubter Bambuszweig auf die Wesentlichkeit der Linie reduziert und in einem würfelförmigen Gefäß fixiert. Dazu kam dann ein weiterer Bambus, diesmal mit einigen Blättern. Den Akzent setzte eine prachtvolle weiße Strauchpfingstrose. Als Gegensatz zu diesem Arrangement wurde ein weiteres Gesteck gezeigt. Wieder ein kubisches Gefäß, auf dieses setzte die Künstlerin eine mühevoll aus Kiefernnadeln gefertigte Kugel. durch diese wurden rot gefärbte Stäbe gesteckt, die Linie und Richtung gaben. In einem kleinen Orchideenröhrchen, das in der Kugel befestigt wurde, fanden eine Pfingstrosenknospe und ein kleines Buchenzweiglein ihren Platz. Eine Arrangement-Kombination, die durch ihre Schlichtheit bestach.


Die Zeit verging wie im Flug und schon war die Vorführung viel zu früh zu Ende. Nach abschließenden Danksagungen vertagte sich der IBV-Kongress auf nächstes Jahr. Dann werden VertreterInnen der Sogetsu-Schule ihren Ikebana-Stil den anderen Mitgliedern vermitteln. Wie es aussieht, wird zusätzlich auch eine der kleinen Schulen wieder Workshops anbieten. Man hat jetzt 1 Jahr Zeit, sich darauf zu freuen.

Samstag, 16. Mai 2015

IBV-Kongress - einige weitere Ausstellungsimpressionen

 die Bauhaus-Klasse

 Papier-Ensembles in Schwarz und Weiß

 Nageire der Wafu-Schule

 Teamarbeit in der Misho-Klasse

 noch mehr Stuttgarter Grün

 Fächer in allen Varianten von Kaden-Ryu

IBV-Kongress - Samstag-Workshop


Am Samstag arbeiteten wir ein kreatives Arrangement mit Nelken. Ok, Nelken sind nicht unbedingt besonders populäre Ikebana-Blumen, sie haben den Ruf, etwas verstaubt und altmodisch zu sein. Allerdings gibt es neuerdings so viele unterschiedliche Arten und Sorten, dass sogar eingefleischte Skeptiker gerne zu dieser Blume greifen. 
Sensei Moser-Maruyama und Herr Helfer zeigten uns sowohl eine traditionelle geneigte Form in der Schale als auch ein kreatives Ikebana in einer hohen, schlanken Glasvase. Kombiniert wurden die verschiedenen Nelkensorten entweder mit Hostablättern oder mit Hänge-Asparagus. Ich entschied mich für Asparagus, zusammen mit kleinen rosa-violetten Nelken und einer ganz ausgefallenen weißen Nelkensorte, von der Herr Helfer scherzhaft behauptete, sie sähe aus wie ein explodierendes Huhn. Die extrem langen, zerfransten Blütenblätter ähnelten wirklich sehr stark einer Feder. Aber die Stiele waren sehr dünn und so wie der Asparagus leicht überhängend, deshalb passte diese Nelke ganz gut in mein Körbchen. Der Fuß des Arrangements wurde mit einigen Blättchen Frauenmantel verschönert, was neben einer frischgrünen Note auch einen harmonischen Anschluss ans Gefäß ermöglichte. 
Viel zu schnell war der Workshop vorüber und wir mussten uns ans Aufräumen machen. Die Arrangements wurden zu den anderen Ausstellungsstücken gestellt, nicht mehr benötigtes Material wurde entweder geputzt und frisch eingewässert oder aber kompostiert. Schnell noch mit dem Staubsauger durch die Räum geflitzt und dann war alles bereit für den Besuch der anderen SeminarteilnehmerInnen. 
Nach dem Mittagessen war der gemeinsame Ausflug angesetzt, wobei uns das Wetter glücklicherweise keinen Strich durch die Rechnung machte. Es ging zum bekannten Kloster Eberbach, wo uns eine ausgedehnte Führung erwartete. Nach der Rückkehr konnten wir uns auf den abendlichen Sektempfang und das anschließende festliche Buffet freuen. Durch den Abend begleitete uns ein Duo, das französische Chansons zum Besten gab.
Hier einige unserer Nelken-Experimente:

 die Beispiel-Arrangements .....

 ..... und mein Körbchen

 auch so lassen sich Nelken verwenden

 unsere Gruppe

IBV-Kongress - ein erster Rundgang durch die Ausstellungen

 Kaden-Ryu - "Fächer und Freundschaft"

 Saga-Goryu - "Seika"
 
 
 Misho-Schule - "Metall + Glas + Ikebana"

 Stuttgarter Ikebana-Schule - "Die Farbe Grün"

 Ichiyo-Schule - "Hana tsuitate"

 Stuttgarter Ikebana-Schule - "Vom Quadrat zum Kubus"

 Stuttgarter Ikebana-Schule - "Ikebana trifft Bauhaus"

 Stuttgarter Ikebana-Schule - "Papier in Schwarz-Weiß"

IBV-Kongress – die ersten Seminare



Am Freitag ging es dann so richtig los mit den Workshops. Ich hatte das Glück, mein Wunschseminar bei den Vertretern von Kagei Adachi-Ryu zu ergattern. Sensei Nobuko Moser-Maruyama und Herr Eduard Helfer als ihr Assistent - beide unterrichten in der Schweiz – wollten uns das Arrangieren von Schwertlilien (Iris germanica) nach den Adachi-Regeln beibringen. 
Als "Aufhänger" diente das Knabenfest, welches stets am 5. Mai begangen wird. Eigentlich gilt ja hana-shôbu, die Iris ensata, als Symbol für den Samurai. Aber hierzulande ist diese Iris so gut wie nicht zu kriegen. Die kräftigen Blätter und prächtigen Blüten der Iris germanica sind da ein wunderbarer Ersatz. Allerdings in großen Mengen auch nicht so einfach erhältlich. Die beiden Seminarleiter hatten jede Menge Probleme, genügend Blätter und Blüten für uns aufzutreiben. 
In der ersten Session widmeten wir uns der aufrechten Grundform. Gearbeitet wurde auf 2 kenzan in einer runden, flachen Schale. Die erste Gruppe bestand auf einer fast offenen Irisblüte und je 2 Blättern davor und dahinter. Diese Gruppe wurde am kenzan links vorne positioniert. Die 2. Gruppe wurde am selben kenzan, aber rechts hinten aufgestellt. Wieder eine Blüte – diesmal noch geschlossen – und 4 Blätter. Gruppe 3 befand sich mittig vorne am kenzan und bestand ebenfalls aus 1 Knospe und 4 Blättern. Ein kurzes Blattpaar ohne Blüte wurde auf einem weiteren kenzan im rückwärtigen Teil der Schale positioniert. 
Die Besonderheit der Adachi-Schule liegt darin, wie die Irisblätter aufgestellt werden. Die Blätter überlappen sich nur wenig, es entsteht ein sehr breiter Fuß. Zudem soll das Blattpaar von der Basis bis zur Spitze ungefähr gleich breit sein. Somit entsteht ein stark nach oben strebender Ausdruck. Bei den teilweise stark gebogenen Blättern der Iris germanica ist das kein leichtes Unterfangen. Wir haben oft recht lange nach zusammenpassenden Blättern gesucht. Auf Sonnen- und Schattenseiten wird Rücksicht genommen und auch die Nägelchen sollen zueinander schauen. Allerdings werden hinter der Blüte die kürzeren Blätter vor den längeren angeordnet. Die längeren Blätter stehen immer an der Außenseite des Arrangements. Das heißt, bei den Gruppen 2, 3 und 4 befinden sich die längeren Blätter rechts, während in Gruppe 1 die linken Blätter länger sind. Speziell die Gruppen 1 und 3 werden leicht nach vorne geneigt, die andern Linien stehen vertikal. Trotzdem sollten die Blätter nicht an den Blüten "kleben". Je nach Jahreszeit wird dann der Igel mit den 3 Hauptgruppen mehr oder weniger weit vorne in der Schale aufgestellt. Je mehr von der Wasserfläche zu sehen ist, desto mehr nähert man sich dem Sommer. Im Herbst wandert der kenzan dann wieder weiter nach vorne. 
Am Nachmittag hatten wir die Wahl zwischen einer traditionellen Abwandlung des Themas vom Vormittag oder einem freien Arrangement, das auch Elemente anderer Schulen enthalten konnte. Ich entschied mich für die traditionelle Variante, da ich das Adachi-Prinzip weiter vertiefen wollte. So entstand eine Art Landschaft mit 2 Blüten und 8 Blättern als Hauptgruppe und einer kleinen Blattpaar, das die räumliche Tiefe versinnbildlichen sollte. Die Hauptgruppe wurde von 2 Zweigen begleitet, wobei der längere der beiden vor den Iris kreuzte. Da ich das eher zarte "Universalgefäß" für dieses Arrangement verwendete, wollte ich nicht die kräftigen Schwertlilienblätter nehmen. Es gab auch einige ziemlich mitgenommen wirkende Blätter der gelben Wasseriris (I. pseudacorus), die ihren Weg aus der Schweiz nach Naurod gefunden hatten. Ein wenig kürzer schneiden, kräftig abduschen und dann mit ein bisserl Blumendoping verwöhnen und schon waren sie einsatzbereit. Ich bin schon sehr dankbar dafür, gelernt zu haben, wie man Pflanzen gut transportiert bzw. wieder auf die Beine bringen kann. Das scheint bei den anderen Ikebana-Schulen teilweise nicht so verbreitet zu sein.
Jedenfalls stellten wir unsere fertigen Arrangements in einer kleinen Ausstellung zusammen, damit auch die anderen SeminarteilnehmerInnen sie bewundern konnten. Schließlich ist der große Abendrundgang ein fixer Bestandteil des Kongresses. Bis Samstagnachmittag ist das Abbauen der Arrangements nicht gerne gesehen. 
Nach dem Abendessen gab es dann noch Bilder und Erfahrungsberichte von der 8. Europäischen Regionalkonferenz von Ikebana International in Potsdam letzten Herbst. Den Abschluss bildete ein Film von der großen Demo von Iemoto Akane Teshigahara, dem Oberhaupt der Sogetsu-Schule, in einem Theater in Potsdam.
Hier nun einige unserer Werke mit Schwertlilien:


die "Vorlagen" von Sensei Moser-Maruyama bzw. Herrn Helfer (darunter)

 meine beiden Arrangements

Iris-Impressionen